Nur ein Investor für Kaiser Therme – und der ist zweifelhaft: Bad Abbach vor „Friss oder stirb“-Szenario
Wegen selbst auferlegter Fristen steht Bad Abbach im Grunde vor der Wahl: Therme schließen oder dem Investor InterSpa vertrauen – mit hohem Risiko. Im Zweckverband gibt es nun einen Antrag, um Zeit zu gewinnen.

Ungewisse Zukunft für die Kaiser Therme. Foto: Kurverwaltung Bad Abbach/Tourismusverband Ostbayern
Der Markt Bad Abbach steckt in der Zwickmühle. Für eine eigene Sanierung der Kaiser Therme fehlen der Gemeinde das Geld und der Rückhalt im Zweckverband. Dort hält der Bezirk Niederbayern die Mehrheit – und lehnt mit Verweis auf knappe Kassen eine Sanierung in Eigenregie ab. Die erhoffte Rettung durch den Stuttgarter Investor InterSpa, noch Ende September verkündet, wirkt inzwischen fraglich.
Zu zahlreich sind die Probleme, die andere Kommunen mit dem Unternehmen schildern. Manches davon war bekannt. Vergangene Woche bündelte eine Recherche des Manager Magazins weitere Fälle und zeichnete ein verheerendes Bild der Unternehmensgruppe und ihrer Verlässlichkeit, auch gegenüber der öffentlichen Hand (unser Bericht). Jetzt drängt die Zeit.
Darauf weisen die Abbacher Freien Wähler in einem Offenen Brief an den Bezirkstagspräsidenten von Niederbayern, Dr. Olaf Heinrich, hin. Heinrich ist auch Vorsitzender des Zweckverbands Kurmittelhaus Bad Abbach, an dem der Bezirk 60 Prozent hält; Marktgemeinde und Landkreis Kelheim jeweils 20.
„Bedenken bereits bei der Vorstellung des möglichen Käufers“
Trotz sensibler Vergaberichtlinien „möchten wir unseren Unmut und unsere Bedenken über einen öffentlichen Diskurs bekunden“, schreiben die Freien Wähler in dem am Wochenende veröffentlichten Brief. Der neue Kelheimer Landrat, Christian Nerb, unterstütze dies „ausdrücklich“.
„Bereits bei der Vorstellung des möglichen Käufers bestanden bei unserer Fraktion Bedenken“, heißt es weiter. „Die inzwischen veröffentlichten Berichte sowie das aus unserer Sicht unprofessionelle Verhalten der InterSpa-Verantwortlichen haben den Klärungsbedarf nur verstärkt.“ Gefordert sei eine sorgfältige Prüfung der Vorwürfe mit Blick auf das Abbacher Vorhaben.
„Zeitliche Fußfesseln ohne Not“
Die Freien Wähler warnen vor „zeitlichen Fußfesseln“, die man sich „ohne Not“ angelegt habe. Der Hintergrund: Im Sommer 2024 beschlossen Zweckverband und Marktgemeinderat den Verkauf der Kaiser Therme – mit Frist. Bis zum 30. September 2026 muss ein verbindliches Kaufangebot vorliegen.
Trotz mehrerer Interessenten legte allein die InterSpa-Gruppe ein solches Angebot vor. Es gilt bis Ende 2026 – sofern ein Vertrag zustande kommt. Doch nicht nur in den Augen der Freien Wähler ist dieser Verkauf angesichts der aktuellen Veröffentlichungen „fraglich“.
Ein Abschluss mit InterSpa wäre für Bad Abbach riskant.
Verkauf: Möglicher Nutzen bei hohem Risiko
Nach Informationen unserer Redaktion würden fünf Millionen Euro als Kaufpreis fällig – inklusive der umliegenden bebaubaren Grundstücke im Wert von etwa 3,5 Millionen Euro. Im Gegenzug flössen über einen einmaligen Zuschuss und regelmäßige Zuschüsse der Marktgemeinde über 30 Jahre knapp sieben Millionen Euro an den Investor zurück.
Würde das Bad saniert, blieben die Arbeitsplätze erhalten. Steigt – wie versprochen – mit einem Wellness-Resort die Besucherzahl spürbar, könnte das Geschäft Bad Abbach nutzen. Erfüllt der Investor seine Zusagen jedoch nicht, wie ihm andernorts vorgeworfen wird, oder geht gar insolvent, wären Bad Abbachs Probleme größer als zuvor.
Beschlusslage: Bad Abbach bald allein für Therme verantwortlich
Nach aktueller Beschlusslage soll sich der Zweckverband auflösen. Dann fällt die Kaiser Therme damit allein in die Verantwortung des Markts Bad Abbach – ob verkauft oder nicht.
Zwar wurden der Marktgemeinde dafür sieben Millionen Euro als Ausgleich von Bezirk und Landkreis in Aussicht gestellt. Doch für eine Sanierung – geschätzte Kosten: 52 Millionen Euro – reicht das nicht. Die Therme stünde vor dem Aus.
Zeitlicher Aufschub beantragt
Für die nächste Sitzung des Zweckverbands am 26. November hat FW-Fraktionschef Christian Hanika, der auch Verbandsrat ist, zwei Anträge gestellt.
Erstens soll es einen vorübergehenden zeitlichen Aufschub der beschlossenen Maßnahmen geben, sollte kein Käufer gefunden werden – um Zeit zu gewinnen, vielleicht einen anderen Investor zu finden und zunächst den Weiterbetrieb zu sichern. Zweitens fordern die Freien Wähler, „alternative Szenarien für den dauerhaften Erhalt der Kaiser Therme mit allen Beschäftigten“ zu erarbeiten.
Derweil steht Bad Abbach vor der Wahl: die Therme wegen klammer Kassen schließen – oder sich auf einen Investor-Deal einlassen, mit dem Risiko, am Ende doch zu schließen und zusätzlich Geld zu verlieren.
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