Anti-Flag in Regensburg

„People before Profits“

Um die Proteste gegen das G7-Treffen in Elmau zu unterstützen, gab die amerikanische Punkband Anti-Flag am Mittwoch ein Konzert in der Mälze.

Pat Thetic (l.) und Justin Sane von Anti-Flag waren am Mittwoch in Regensburg. Foto: ld.

Pat Thetic (l.) und Justin Sane von Anti-Flag waren am Mittwoch in Regensburg. Foto: ld.

„Wir sind in eurem Land, ihr könnt jede Sprache sprechen, die ihr möchtet“, scherzt Pat Thetic. Soeben haben der wasserstoffblondierte Drummer und sein Mitstreiter Justin Sane, seines Zeichens Gitarrist und Sänger, im Obergeschoss der Mälze platzgenommen.

Das Pressegespräch in kleiner Runde mag für andere Bands ungewöhnlich sein – zumal es weniger um die Musik geht als um Politik. Doch für Sane und Thetic von der US-amerikanischen Punkband Anti-Flag ist die Politik ein selbstverständlicher Teil ihres Schaffens. Als vehemente Kritiker der Bush-Regierung und erklärte Pazifisten haben sie sich nicht nur in den Staaten einen Namen gemacht.

Punkgrößen in der Provinz

So ist es zumindest kein ganz so großes Wunder, dass Anti-Flag an ihrem freien Tourtag extra nach Regensburg kommen und in der Alten Mälze gemeinsam mit der Abensberger Skacore-Gruppe The Prosecution sowie den Vorbands WOLF DOWN, Kurt und Telemark ein Konzert spielen. Und nicht nur das: Sie organisieren sogar gleich einen ganzen Aktionstag.

Simon Bernhardt von The Prosecution: "Schade, dass es in Regensburg keine größere Location gibt." Foto: ld.

Simon Bernhardt von The Prosecution: „Schade, dass es in Regensburg keine größere Location gibt.“ Foto: ld.

Anlass sind die Proteste gegen den im Juni stattfindenden G7-Gipfel in Elmau. Sämtliche Gewinne des Tages werden an Attac gespendet, um deren Arbeit an einem Alternativgipfel zu unterstützen, der am 3. und 4. Juni in München stattfindet. Begleitet wird das Konzert durch Workshops und Vorträge am frühen Nachmittag, die von Interessierten nach dem Kauf eines „Kombi-Tickets“ besucht werden dürfen.

Binnen drei Tagen ausverkauft

„Wir müssen die nächste Generation von Aktivisten ausbilden“, erklärt Thetic das politische Verständnis seiner Band. Generell habe Anti-Flag ein sehr politisches, engagiertes Publikum. „Egal, wo wir spielen – der Typ, der seine Stimme erhebt, kommt zu uns.“

Das Konzert in der Mälzerei sei innerhalb von drei Tagen ausverkauft gewesen, sagt Simon Bernhardt von The Prosecution. „Es ist schade, dass es keine Location in Regensburg gibt, die mehr Leute fassen könnte“, ergänzt er. Schließlich habe es noch wesentlich mehr Interessierte gegeben, die sich ebenfalls gegen den „total antidemokratischen Prozess“ des G7-Treffens engagieren wollen.

Michael Bothner von Attac. Foto: ld.

Michael Bothner von Attac. Foto: ld.

 

„Wir unterstützen Attac mit vollem Herzen“

„Wir unterstützen Attac mit vollem Herzen“, sagt Justin Sane, Frontmann von Anti-Flag. Bei den G7 sei die Tür offen für Banken und Konzerne, aber geschlossen für einfache Bürger. „People before profits“, also „Menschen vor Profite“ müsse das erklärte Ziel der Gegendemonstrationen sein. Die „Corpocracy“ müsse wieder durch eine „Democracy“ ersetzt werden.

Michael Bothner von Attac erklärt, dass es einerseits gelte, eine umfangreiche Bündnis- und Bildungsarbeit im Vorfeld des G7-Zusammentreffens zu leisten und eine „Alternative gegen neoliberale Denkzwänge“ aufzeigen. Andererseits ginge es aber auch darum, „den Protest auf die Straße zu bringen“ – zum Beispiel durch „symbolische Blockaden“ oder einen „symbolischen Sternmarsch auf Schloss Elmau“.

„Gewaltfreiheit ist der bessere Weg“

Ob der Protest auf der Straße auch Gewalt beinhalten dürfe, dazu finden Justin Sane und Pat Thetic nicht ganz so klare Worte. Grundsätzlich sei es ein „Mythos“, dass die Gewalt von den Demonstranten ausgehe – in den meisten Fällen agiere eher die Polizei gewaltsam. „Wenn ein Protest ohne Gewalt abläuft, nimmt oft niemand Notiz davon“, bedauert Thetic. Und ergänzt dann: „Jetzt, wo ich das gesagt habe: Ich glaube, als Strategie ist Gewaltfreiheit der besser Weg.“

Ein paar Stunden später kämpfen Anti-Flag, The Prosecution und die übrigen Bands mit ihren Mitteln gegen die „Konzernpuppen“ (Sane) der G7. Die mit ziemlich genau 400 Gästen restlos ausverkaufte Mälze bebt. Für Attac dürfte der Abend genauso ein Erfolg sein wie für Anti-Flag, die im Pressegespräch übrigens mehr als einmal auf ihr aktuelles Album „American Spring“ hinweisen („Das wollten wir auch mit dem Cover unseres Albums ,American Spring‘ zeigen“, „Darum geht es auch auf ,American Spring'“).

Ein bisschen Promo sei ihnen vergönnt – schließlich spielt hier eine Band in Regensburg, deren sonstige Tourdates in den nächsten Wochen das „Rockavaria“ in München, das „Rock im Revier“ in Gelsenkirchen und andere Konzerte von vergleichbarer Größenordnung sind.

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Kommentare (1)

  • Franz Mahler

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    „Bei den G7 sei die Tür offen für Banken und Konzerne, aber geschlossen für einfache Bürger.“

    Ein schöne Umschreibung für die sogenannte „marktkonforme Demokratie“, mit anderen Worten: für die neoliberal-konservative Politik unserer amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel von den „christlichen“ Demokraten und des Vizekanzlers Sigmar Gabriel von einer Partei, die angeblich neben Demokratie auch noch „soziale“ Werte vertritt.

    Ihre Krönung findet diese demokratische und „christliche“ bzw. „soziale“ Politik inzwischen darin, Spekulanten, die sich beim Monopoly an der Börse verzocken, auf Kosten des einfachen Bürgers mit zig Milliarden zu unterstützen (Stichwort: notleidende Banken) und gleichzeitig darüber zu diskutieren, ob sich Hartz IV-Empfänger von vier Euro am Tag drei schmackhafte, gesunde und abwechslungsreiche Mahlzeiten zubereiten können.

    Aber ganz offenkundig findet der „einfache Bürger“ die Vertreter dieser Politik ganz toll, denn sonst würde der einfache Bürger etwas anderes wählen. Oder liegt es daran, dass es in Deutschland, Italien, Frankreich, USA usw. eine Menge Dummköpfe, Opportunisten und Masochisten gibt?

    MfG
    Franz

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