Raus aus dem Heim!

Werkstättenleiter Lebenshilfe Rolf Frey und Barbara Krause, Mitglied im Vorstand der NaBau eG. Foto: Kroll

„Der Bedarf steigt“, meint Rolf Frey, Leiter der Werkstätten der Lebenshilfe. Er meint damit die Zahl der Wohnplätze, die geistig behinderte Menschen außerhalb der Familie oder speziellen Wohnheimen suchen. Behinderte wollen ganz selbstverständlich am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und suchen Angebote, die ihnen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen. Die UN-Konvention für Rechte von behinderten Menschen unterstützt die Bedürfnisse nach einem selbstständigen Wohnen und Leben. Institutionen wie die Lebenshilfe bereiten Menschen mit Behinderung darauf vor, entweder ganz selbstständig zu wohnen oder mit ambulanter Unterstützung ein Leben außerhalb des Heims zu führen. Die Lebenshilfe hat in der Regensburger Haaggasse ein Haus angemietet in dem geistig behinderte Menschen in ambulant unterstützter Wohnform leben können. In Regensburg-Burgweinting entsteht nun das erste inklusive Wohnprojekt bayernweit. „Raus aus dem Wohnheim und rein in ein gemeinschaftliches Wohnprojekt, in dem behinderte und nicht behinderte Menschen ganz selbstverständlich miteinander leben“, so beschreibt Rolf Frey das Pilotprojekt. Die Lebenshilfe beteiligt sich an dem genossenschaftlichen Mehr-Generationen-Wohnprojekt der NaBau eG mit der Belegung von vier Wohnungen. In diesen leben dann Menschen, die von der Lebenshilfe in einem speziellen Wohntraining auf das Wohnen mit ambulanter Unterstützung vorbereitet worden sind. Diese „Wohntrainingsgruppe Inklusion“ ist die Schnittstelle zwischen dem stationären Wohnen im Heim und dem unterstützten bzw. ganz selbstständigen Wohnen. Ein spezielles Betreuungskonzept befähigt die Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben mit oder ohne Hilfe zu führen. Mit diesem Trainingsangebot sorgt die Lebenshilfe dafür, dass die Rechte aus der UN-Konvention Artikel 19 gewahrt werden und das Wohnangebot erweitert werden kann. Die Vorstandsfrau der NaBau eG Barbara Krause freut sich über diese Kooperation mit der Lebenshilfe und sieht das Mehr-Generationen-Konzept der jungen Genossenschaft dadurch konsequent erweitert: „Wir wollen eine Mischung von Menschen verschiedener Altersgruppen und Lebensphasen in unseren Projekten ebenso wie im gesamten Quartier. Denn nur so sehen wir gewährleistet, dass attraktive und zukunftsfähige Stadtviertel entstehen, die auch den Herausforderungen des demografischen Wandels gewachsen sind“. Gemeinschaftliches Wohnen hört für Barbara Krause, die selbst in dem von ihr begeleiteten Projekt ALLMEIND wohnt, nicht bei der Planung und Fertigstellung ein des Wohngebäudes auf. Damit aus einer neuen Wohnform auch eine neue Lebensform wird, ist die Bildung der Gemeinschaft, die Verständigung über die Bewirtschaftung des eigenen Hauses, die gute Nachbarschaft sowie die gegenseitige Unterstützung der Bewohner gewünscht. Und das passt eben genau in das Konzept des Ambulant unterstützten Wohnens. Im „Haus mit Zukunft“, wie das Projekt in Burgweinting genannt wird, entstehen 35 Wohneinheiten in hervorragender Bauqualität mit hohem Energiestandard. Die Bewohner sind unkündbar, da sie ihre eigenen Vermieter sind und werden ihre Miete konstant günstig halten. Bezogen werden soll das Projekt im Frühjahr 2014, die Planungen laufen seit einem Jahr. Interessenten für die restlichen Wohnungen können jederzeit unverbindlich zu den monatlich stattfindenden Planungstreffen kommen. Weitere Informationen: www.nabau-eg.de

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