Regensburger Kunstkollektiv macht Straßentheater zu Flucht und Migration

Plötzlich wird es ganz ruhig in der Rote-Hahnen-Gasse. Fußgänger_innen treten zur Seite und halten inne. Stumm und bedächtig tragen junge Menschen einen hölzernen Sarg durch die Regensburger Altstadt. Darauf liegt ein Blumenkranz, hinter dem Sarg folgt eine schweigende, schwarz gekleidete Trauergemeinde. Die 18-25 jährigen Regensburger_innen, die an diesem Freitag Abend an dem Trauermarsch teilnehmen, sind Darsteller_Innen einer Kunstperformance, die ihr Publikum mit den Konsequenzen von Grenzschließungen, Obergrenzen oder Kontingentlösungen für Flüchtlinge konfrontiert.

Die Trauergemeinde am Freitagabend in der Regensburger Innenstadt. Foto: Michael Heinrich

Die Trauergemeinde am Freitagabend in der Regensburger Innenstadt. Foto: Michael Heinrich

So hat erst letzte Woche der UNHCR Berichte bestätigt, dass erneut im Mittelmeer Boote gekentert und Flüchtlinge ertrunken sind. Der fiktive Tod von Flüchtling Nr. 200 001 stehe hier als Metapher für das weiterhin bestehende Leid, aber auch für die Menschlichkeit und die Werte Europas die damit zu Grabe getragen werden, erklärt eine Teilnehmerin. Fest steht, die Performance führt den Tod an K 21 – Regensburg, der 23.04.2016 den Grenzen Europas den Passanten und Passantinnen in der Regensburger Altstadt eindrücklich vor Augen.

Der Trauermarsch zieht indes über den Haidplatz, trifft auf die erstaunten Besucher_innen des Bierfestes, geht dann weiter zum Neupfarrplatz, wo der Sarg schließlich niedergelegt wird. Die versammelte Trauergemeinde stimmt das Lied „Sympathy“ von Rare Bird an, nacheinander legen die Trauernden währenddessen Blumen nieder. Über den Neupfarrplatz legt sich Stille, Passanten und Passantinnen halten inne und nehmen Anteil. Auch sie legen zum Teil Blumen nieder und unterbrechen für einen Moment ihren Alltag.

„Wir wollen mit dieser Kunstperformance darauf hinweisen, dass in der politischen Diskussion um die Frage ‚wie viele wir aufnehmen können‘ vergessen wird, dass die Hilfe von Geflüchteten eine moralische und menschliche Pflicht ist.“, sagt eine Sprecherin des veranstaltenden Kunstkollektivs 21. Dieses Kollektiv arbeitete seit 2 Monaten an den Vorbereitungen zu der Premiere und zeigte sich positiv überrascht über den Zuspruch und die Anteilnahme der Passanten und Passantinnen. Ihrer Intention, ein Gegengewicht zu den allgegenwärtigen Demonstrationen zu bilden, die Ängste vor Flüchtlingen schüren, seien sie gerecht geworden, resümiert das Kunstkollektiv 21.

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