Sprecherrat: Deutschlandstipendien abschaffen!

Pressemitteilung Sprecherinnen- und Sprecherrat Uni Regensburg Zum Wintersemester 2011/12 konnte man sich auch an der Universität Regensburg – wie deutschlandweit an vielen anderen Hochschulen – für das neue Deutschlandstipendium bewerben. Bundesweit waren Hochschulen aufgefordert, Stipendienbeiträge aus der freien Wirtschaft zu akquirieren, die durch Bundesmittel in gleicher Höhe zu einem Stipendium aufgestockt wurden. Der studentische SprecherInnenrat der Universität Regensburg kritisiert das Deutschlandstipendium und die aktuelle Vergabepraxis: „Im ersten Jahr sollen weniger als ein Prozent der Studierenden in den Genuss des neuen Deutschlandstipendiums kommen.“, kritisiert Ssaman Mardi, studentischer Sprecher der Universität Regensburg, „Damit ist das Deutschlandstipendium nur ein weiteres Mittel der Elitenförderung im deutschen Hochschulwesen.“ Der SprecherInnenrat hingegen fordere endlich einen nennenswerten Ausbau des BAföG als Instrument der Breitenförderung, das vor allem Studierenden aus finanziell schwächerem Elternhause zu Gute komme. Es sei zudem ein Armutszeugnis, dass der Bund Gelder aus der Privatwirtschaft akquirieren müsse, um überhaupt ein Stipendiensystem etablieren zu können. Weiterhin kritisert Mardi den zunehmenden Einfluss der Wirtschaft auf die Hochschulen, die durch ihr Mitspracherecht bei der Vergabe der Stipendien noch mehr Einfluss im Bildungswesen bekämen. Forschung und Lehre müssen unabhängig und frei bleiben. Konkret kritisiert der Sprecherinnen- und Sprecherrat bei der Umsetzung des Deutschlandstipendiums in Regensburg den Kriterienkatalog für die künftigen StipendiatInnen: „Es ist noch immer nicht möglich, schlechtere – aber dennoch überdurchschnittliche – Leistungen durch gesellschaftliches Engagement aufzuwiegen oder Hürden beim Zugang zur Hochschule als Grund für schlechtere Noten anerkennen zu lassen.“, erklärt Stefan Christoph, studentischer Sprecher und studentisches Mitglied im Stipendienvergabeausschuss der Universität Regensburg. Dennoch konnte man einen kleinen Erfolg erzielen, meint Christoph weiter. So seien Kriterien wie Engagement oder Bildungshürden auf Vorschlag der Studierendenvertreter höher gewertet worden als ursprünglich vorgesehen – allerdings beträgt das Wertungsverhältnis von Noten gegenüber Hürden beim Bildungszugang nach wie vor 5:3. Zusätzlich fließen – jedoch untergeordnet – bisherige Tätigkeiten und Engagement in die Bewertung mit ein. Christoph kritisiert zudem das Verfahren der Stipendienvergabe. Nach der Erstellung des Kriterienkataloges sei das Verfahren weiter an die Fakultäten gegeben worden, wo keine weitere Mitwirkung der Studierenden an der Vergabe der Stipendien vorgesehen sei. Der Sprecherinnen- und Sprecherrat fordert die Abschaffung der Deutschlandstipendien. Stattdessen erwarte man von Bundeswissenschaftsministerin Schavan, das Geld sinnvoll für die Breitenförderung der Studierenden einzusetzen und es so finanziell benachteiligten Jugendlichen zu erleichtern, ein Studium aufzunehmen. Dazu gehöre auch eine Aufstockung des BAföG, um die steigenden Lebenshaltungskosten auffangen zu können

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