Archiv für 15. Dezember 2011

Weihnachten steht vor der Tür, im Kino läuft ein monumentaler Papstfilm, und wer geht nicht rein? Der Hochwürdigste Herr Bischof von Regensburg. Dabei mietet Seine Exzellenz sonst schon mal ganze Kinos für seine Schäfchen an, wenn der richtige Film läuft, etwa so ein rattenscharfer Jesus-Splattermovie wie Mel Gibsons „Passion Christi“, in dem die Juden wie in der guten, alten Zeit als hakennasige Gottesmörder vorgeführt werden. Ein abendfüllender Film indes, der von der Bürde des Petrusamts kündet, kann dagegen nicht anstinken. Und lockt jedenfalls keinen Müller hinterm Ordinariatsofen hervor. Auch die allereinzigste Papst- und Heimatzeitung ist nicht richtig bei der Sache. Hat die Mittelbayerische Zeitung die Pädophilenschnulze „Francesco und der Papst“ zu Ostern dieses Jahres noch mit einer ganzseitigen Eloge gewürdigt, ist ihr „Habemus Papam“ nun gerade mal eine Spalte wert, eine schwer gelangweilte noch dazu: eine „sympathische Komödie“, befindet der Filmkritiker großzügig, „weil sie zeigt, dass man als Mensch (oder gar als Papst) durchaus Schwächen zeigen darf“.

So viel Brimborium ohne Anteilnahme?

Was ist los? Ein zweistündiger Film, der sich nur um den Hl. Vater dreht, der eine kardinalsmäßige Kostümschlacht auf die Leinwand zaubert, ein Epos, das den Vatikan kaum je verlässt und bombastische Kulissen auffährt (die Sixtinische Kapelle wurde komplett nachgebaut) – und so wenig bischöfliche Begeisterung? So viel Brimborium um den Papst, und so gar keine klerikale Anteilnahme? Großes Kino um die seelischen Nöte des Herrn Stellvertreters, und Ratzingers Leib- und Magenblatt wendet sich ab, liefert gerade mal so einen Pflichtriemen? Ja, schon klar. Alles rhetorische Fragen. Natürlich kommt das alles nicht von ungefähr. Während der saubere Herr Ratzinger bei seiner Erwählung anno 2005 eben nur damit kokettierte, als „einfacher, demütiger Arbeiter im Weinberg des Herrn“ des höchsten Amts nicht würdig zu sein, macht Nanni Morettis Papst ernst damit und sagt schlicht njet. Da steht der Kardinalstaatssekretär auf dem Balkon des päpstlichen Palasts und spricht die feierlichen Worte ins Mikrophon: „Annuncio vobis gaudium magnum: Habemus Papam!“ Aber es will keine rechte Freude aufkommen. Denn der Erlöser mag nicht, er kann nicht, er ist blockiert, seine Füße wollen ihn nicht tragen. Und auf der Stelle bricht Verzweiflung aus unter den sonst so glaubensstarken Massen. Was für ein führerfixiertes Volk diese Katholiken doch sind! Wenn sie aufgehen in der Menschenmenge, die aufblickt zu einem Balkon, auf dem ein alter Mann Platitüden von sich gibt, dann sind sie glücklich: „I hob an Papst gsehng!“ (Dr. Ringsgwandl) Aber wehe, der große Zampano da oben spielt nicht mit! Dann bricht der Glauben in sich zusammen, die Inbrunst ist hinweggefegt, und übrig bleiben verunsicherte Menschlein, die auf sich selbst zurückgeworfen sind. Was natürlich eine Katastrophe ist, wenn man sein Selbstbewusstsein an der Garderobe abgegeben hat und über die geistige Selbständigkeit eines Schafs verfügt.

Und schon klappt der Katholizismus zusammen…

Die Menge wartet darauf, dass sich der Messias zeige, doch der lässt mitteilen: „In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen!“ Und schon klappt der Katholizismus wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Was Nanni Moretti hier in beeindruckend ruhigen und souveränen Bildern vorführt, ist die Umkehrung jener schönen Szene im „Leben des Brian“: Nach einer Nacht mit der schönen Judith reißt Brian, noch nackt und gähnend, die Fensterläden auf und erblickt eine unüberschaubare Menschenmenge, die nur auf diesen Augenblick gewartet hat, um ihm endlich zujubeln zu können. Der anschließende „Dialog“ zwischen Brian und der Menge (die im Chor spricht) macht schnell klar: Er kann machen, was er will, die Masse ist wild entschlossen, ihn anzubeten und ihm nachzufolgen. Wer er ist und was er darüber denkt, interessiert sie nicht im geringsten.

Nicht umsonst spricht der Müllerische gern vom Hirtenamt

Nicht umsonst spricht Seine Exzellenz der Müllerische so gern von seinem Hirtenamt. Und nicht ganz von ungefähr steht er mit dem Konzil auf Kriegsfuß. Denn dazumal, man glaubt das heute ja kaum mehr, griff selbst unter den Katholiken der aufrührerische Gedanke um sich, dass der Mensch kein Schaf ist. Sondern prinzipiell durchaus in der Lage ist, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Keine fünfzig Jahre ist das her, dass diese subversive Idee in der Luft lag! Und damals, 1968, um genau zu sein, lief auch der Film, auf den sich „Habemus Papam“ bezieht, aus dem Nanni Moretti die schöne Idee abgekupfert hat, die der deutsche Untertitel nennt: „Ein Papst büxt aus“. Denn eben das tut Anthony Quinn als Papst Kiril Lakota in dem Zweieinhalbstundenfilm „In den Schuhen des Fischers“. Die Kardinäle haben in ihrer Verzweiflung einen russischen Kardinal zum Papst gewählt, der eben erst aus jahrzehntelanger sowjetischer Lagerhaft entlassen wurde. Kiril Lakota sieht sich nun im Vatikan gefangen – und reißt aus. Des Nachts streift er unerkannt durch die Gassen Roms und landet unversehens bei einer jüdischen Familie. Ein Familienmitglied liegt auf dem Sterbebett, aber der Papst kann sofort mitbeten bei den jüdischen Gebeten: Das hat er im Lager von einem Mithäftling gelernt. Zehn Jahre später hat sich diese Prophezeiung Hollywoods immerhin insofern erfüllt, als tatsächlich ein Pole Papst wurde. Der war zwar stockkonservativ, doch in einer Hinsicht brach er mit der Tradition: den ewigen Hass auf die Juden ließ er seinen Schäfchen nicht mehr durchgehen. Erst sein Nachfolger, der feine J.R., machte dieses Fass wieder auf mit seiner berüchtigten Karfreitagsfürbitte. Karol Wojtyla ist es auch, den Robert Gernhardt in seiner „Ostergeschichte“ ausbüxen lässt: Der Erzähler sitzt in einer römischen Bar, als plötzlich ein seltsamer älterer Her mit einem polnischen Akzent hereingeschneit kommt…

Es gilt das oberste Gebot: Silentium!

Genau wie in „Habemus Papam“, nur hat dieser komische Alte einen französischen Akzent. Grandios, mit wie wenig Worten Michel Piccoli mit seinen 86 Jahren diesen Kardinal Melville auf die Leinwand bringt, der keine Lust hat, der Popanz einer Milliarde von Schäfchen zu sein. Nicht selten macht Piccoli es auch ganz ohne Worte. Es gibt ja auch nichts zu sagen. Beziehungsweise: In der Kirche gilt sowieso das oberste Gebot: Silentium! Als die Kardinäle angesichts des paralysierten Papsts den besten Psychiater Roms herkarren, soll der den Patienten vor versammelter Mannschaft therapieren. Der Dottore (dessen Rolle sich Nanni Moretti nicht entgehen lassen konnte), bevor er sich dem Papst zuwendet, zum Kardinalstaatssekretär: „Nun, ich gehe davon aus, dass ich ihn nichts fragen darf zu -“ – „Absolut nicht!“ Selten hat man im Kino einen derart komischen Nichtdialog gehört. Noch nicht mal die Frage darf ausgesprochen werden. Das böse Wort ist tabu. Silentium! Klappe zu, Affe tot. Deshalb spricht die Kirche andauernd vom Leben, weil sie ein Verein von Toten ist. Noch nie hat das ein Film mit einer derart bezaubernden Leichtigkeit und Ironie vorgeführt.

Mobbingvorwürfe und Strafanzeigen – bei SCHUMA Frucht ist der Wurm drin

Massive Arbeitszeitüberschreitungen, Behinderung der Betriebsratsarbeit und Mobbing – die Gewerkschaft verdi prüft derzeit mehrere Strafanzeigen gegen die Geschäftsführung des Regensburger Traditionsbetriebs SCHUMA Frucht. Gewerkschaftssekretär Reinhold Schiller kennt die Bedingungen bei Groß- und Einzelhandel seit fast 40 Jahren und sagt: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich bin völlig baff.“

Zuckerfabrik: Knackpunkt Lärm

Einstimmig haben die Stadträte im Planungsausschuss am Dienstag den Bebauungsplan für das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik beschlossen. Eine „extrem harte Nuss“ war der Lärmschutz. Hier wurden nun zahlreiche Maßnahmen vorgeschlagen und – ein „Ausnahmetatbestand“. Die öffentliche Auslegung beginnt voraussichtlich Anfang 2012.

Protest gegen Vorratsdatenspeicherung erhält Rückendeckung

Die Abgeordneten waren leider „terminlich verhindert“. Trotzdem demonstrierte am Mittwoch ein kleines Grüppchen besorgter Bürgerinnen und Bürger vor den Büros der Landtagsabgeordneten Margit Wild (SPD) und des Bundestagsabgeordneten Peter Aumer (CSU), um an einen Jahrestag zu erinnern. Am 14. Dezember 2005 stimmte das EU-Parlament für die Einführung der EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung (VDS).

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