SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 19. Dezember 2011

Der Streit um den Umgang mit dem Betriebsrat beim Regensburger Fürchtegroßhändler SCHUMA schlägt weiter Wellen. Am Freitag wurde der Betriebsrat durch die Geschäftsleitung offenbar von der Arbeit „frei gestellt“. Er muss/ darf nicht mehr im Betrieb erscheinen, hat damit auch keinen Einblick mehr. Erstaunlich: Auf seiner Homepage teilt das Unternehmen mit, dass man „laufend Bedarf an motivierten und zuverlässigen Mitarbeitern“ habe. Wie berichtet, erhebt die Gewerkschaft verdi massive Vorwürfe gegen das Unternehmen. Der erst im Frühjahr Betriebsratsvorsitzende werde „systematisch fertig gemacht“, lautet etwa eine Aussage des zuständigen Gewerkschaftssekretärs Reinhold Schiller. Er spricht von „Mobbing“. Dazu kämen massive Arbeitszeitverstöße im strafrelevanten Bereich. Mehrere Strafanzeigen gegen die Geschäftsleitung sind deshalb in Vorbereitung oder bereits gestellt.

Donnerstag: Prozesse vor dem Arbeitsgericht

Am Donnerstag stehen mehrere Verhandlungen vor dem Arbeitsgericht Regensburg an. Unter anderem geht es dabei um das öffentliche Abkanzeln des Betriebsrats vor versammelter Belegschaft und darum, dass dem Betriebsrat das Mitwirken bei der Erstellung von Dienstplänen verweigert wurde. Doch auch die Geschäftsleitung selbst hat Klage eingereicht und die Betriebsratswahl angefochten. Auch diese Klage wird am Donnerstag verhandelt.

Belegschaft ausgewechselt?

Der Betriebsrat steht im Unternehmen mittlerweile weitgehend alleine da. Nach Informationen, die unserer Redaktion zwischenzeitlich vorliegen, hat ein Großteil der Belegschaft, die noch im Frühjahr die Wahl eines Betriebsrats unterstützt hatte, die Firma zwischenzeitlich freiwillig verlassen oder wurde entlassen. Die Rede ist von 16 oder 17 Personen aus einer Gesamtbelegschaft von etwa 20. SCHUMA-Geschäftsführerin Margit Schuster-Lang will zu den Auseinandersetzungen gegenüber unserer Redaktion „angesichts der laufenden Verfahren“ keinen Kommentar abgeben.

„Entlassen, weil ich Teil der Betriebsratsgründung war“

Dafür tobt die Debatte in unserem Forum umso heftiger. Aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens haben sich in rund 80 Kommentaren zu Wort gemeldet und mehrheitlich kritisch über die Unternehmensführung geäußert. „Ich wurde entlassen als sie erfahren hat, das wir einen BR (Betriebsrat) gründen und ich ein Teil davon bin“, schreibt etwa Thomas Schmid. „Die Kündigung bekam ich am Dienstag, mit einer Kündigungsfrist von 14 Tagen. Als ich am Mittwoch in die Arbeit kam, hieß es um 4 Uhr früh ich habe ‚HAUSVERBOT‘ (das wurde mir von einem Lagerhelfer mitgeteilt) und durfte die Firma nicht mehr betreten. Mir wurde auch mitgeteilt, das ich für 14 Tage freigestellt bin.“ Ex-Mitarbeiter Ingo Schröder spricht davon, dass er aufgrund des betriebsinternen Drucks das Unternehmen verlassen habe.

„Ich wurde arbeitsunfähig“

„Ich habe selber gekündigt, weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe. Schlimmer noch… ich wurde arbeitsunfähig. Konnte nicht mehr schlafen, machte mir selber Vorwürfe. Suchte den Kontakt zu Geschäftsleitung. Mündlich so wie schriftlich. Vergebens. Nur ein verschwitztes Lächeln und habe dafür keine Zeit…. gab es zur Antwort.“

„Unprofessionelles Vorgehen der Gewerkschaft“

Einige Kommentatoren nehmen die Geschäftsführung aber auch in Schutz. „Wir, die Mitarbeiter, um die es ja schließlich in erster Linie geht, stehen mit über 90% hinter der Firmenleitung“, schreibt etwa Friedrich Seitz. Das „unprofessionelle Vorgehen“ von Gewerkschaft und Betriebsrat sei für ihn „nicht nachvollziehbar“. „Ich arbeite nicht Vollzeit in dieser Firma und bin auch mit der Inhaberin verwandt, das kann ich ruhig bekanntgeben, dennoch weiß ich was meine Kollegen und Kolleginnen wollen und sagen. Müssen wir uns von der Gewerkschaft und dem BR unsere Arbeitsplätze gefährden lassen und uns vorschreiben lassen, was und wie wir freiwillig Mehrarbeiten im Rahmen der Gesetzgebung ableisten wollen? Zählt der Mitarbeiter bei der Gewerkschaft nicht mehr als oberstes Gut? Ist ein branchenbedingter Betriebsablauf für die Führung von Verhandlungen unwichtig?“

Geheimsache Naziaufmarsch: Regensburg ist Vorreiter!

50 Neonazis konnten am Wochenende weitgehend ungehindert durch Schwandorf ziehen, weil von Verwaltungsseite nichts nach außen gedrungen ist. In Schwandorf ist jetzt die Empörung über dieses Verhalten der Behörden groß. In Politik, Öffentlichkeit und Medien. Unerhört? Ach was, würde man in Regensburg sagen. Wäre so etwas in der „Oberpfalzmetropole“ passiert, würden die Verantwortlichen bei der Stadt es feiern. Als Erfolg gängiger Verwaltungspraxis.

Regensburger Telekom-Odyssee: Das Entertainment geht weiter

Anfang Dezember berichtete unsere Redaktion über die zweimonatige Odyssee einer Unternehmerin durch Warteschleifen und T-Punkte. Die Telekom hatte ihren Anschluss aus unerfindlichen Gründen stillgelegt. Immerhin: Kurz nach unserem Artikel wurde der Anschluss wieder aktiviert. Eines der ersten Gespräche führte die Unternehmerin mit einem Rechtsanwalt. So ganz scheint das mit der Kundenkommunikation immer noch nicht zu klappen.

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