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Wieso die Klitoris eigentlich nichts anderes ist als ein Penis, Pornos meist an der Realität vorbeigehen – und richtig guter Sex letztlich eine Frage von Übung und Selbstliebe ist. Ein Gespräch mit Sexualberaterin Birgit Kübler über die Suche nach der Lust und wie man sie findet.

Interview: Dike Attenbrunner

Birgit Kübler

„Sexuelle Erfüllung kann man lernen!“, sagt Birgit Kübler. Fotos: ad

Frau Kübler, warum sind Sie Sexualberaterin geworden?

Ich habe in den 80ern Kulturwissenschaften an der Universität Regensburg studiert und mich dabei unter anderem mit der Rolle der Frau in unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. Meine Magisterarbeit handelte von der „Schönheit im Alltag“ und dazu habe ich Interviews mit Hausfrauen geführt. Als eine Art Vorreiterinnen des Gender-Mainstreaming begannen damals viele Frauen  darum zu kämpfen, einen geschlechterspezifischen Blick und damit auch einen Blick auf weibliche Erlebniswelten in den Kultur- und Geisteswissenschaften zu verankern.

Nach dem Studium habe ich dann angefangen, Kunst zu machen, Bilder und Texte. In meinen Kunstinstallationen wollte ich im Sinne einer Frauenstärkung produktiv sein. Hier begann das Thema weibliche Sexualität für mich wichtig zu werden. Seit 2010 arbeite ich im Bereich der Körperachtsamkeitsschulung, seit 2012 auch als Sexualberaterin für Frauen.

Viele Spitzenpositionen sind immer noch ausschließlich von Männern besetzt. Frauen leiden nach wie vor unter sexueller Gewalt… Hat sich denn wirklich etwas geändert in unserer Gesellschaft?

Ich finde schon. Aus der Frauenbewegung der 70er heraus entstand zum Beispiel das FrauenGesundheitsZentrum e.V. in der Grasgasse, in dem ich jetzt unter anderem meine Kurse anbiete. Dort gibt es ein weitgefächertes Beratungs- und Bildungsangebot für Frauen und Mädchen. Viele Feministinnen der 70er beklagen zwar, dass der ganze Feminismus gar nichts gebracht hätte. Aber wenn ich mir das Leben meiner Mutter und das Leben meiner Tochter so anschaue, dann sind das mehr als Generationsunterschiede. Die Frauen sind heutzutage sehr viel selbstbestimmter, sie haben Wertschätzung erfahren und können sich selbst wertschätzen. Das sieht man an der Art wie sie ihr Leben in die Hand nehmen.

Dennoch kommen auch zu Ihnen oft Frauen, die sexuelle Gewalt erlitten haben. Wie können Sie ihnen helfen?

Ich zeige ihnen mit Hilfe von tantrischen und taoistischen Übungen, wie sie sich wieder auf ihre Lust einlassen können. Bei diesen Körpertechniken können wir die Kontrolle über die Intensität unserer Körperempfindungen behalten. Das ist enorm wichtig, wenn man eine solche körperliche Verletzung, solch einen Vertrauensverlust erlebt hat. Übrigens muss es nicht unbedingt ein Missbrauch sein, der unseren Körper verschreckt hat. Manchmal ist es die ganz „normale“ Sexualität: Grobheiten, Unerfahrenheit. Aus Unwissenheit lassen Frauen vieles mit sich machen.

„Viele Frauen hatten noch nie einen Orgasmus“

Das heißt, es ist gar nicht so selten, dass Frauen keine Lust empfinden können?

Richtig. Oft machen die Mädchen im Jugendalter nicht die besten Erfahrungen. Sie besorgen sich die Pille, damit sie endlich Sex haben können. Die meisten hormonellen Verhütungsmittel können die Libido jedoch stark herabsetzen, das sind oft wahre Lustkiller. Dann haben die jungen Frauen endlich Sex – und fühlen nichts! Hinzukommt, dass die Jungs nicht wissen, wie Mädchen berührt werden wollen und zudem ganz mit sich und ihrer Aufregung beschäftigt sind.

Manche Mädchen nehmen das so hin. Sex wird hintangestellt, als notwendiges Übel in der Beziehung oder um es dem Freund schön zu machen. Bei manchen kommen dann noch beruflicher Druck oder Depressionen hinzu. Und schon sind wir bei den Antidepressiva, die das Lustempfinden noch weiter herabsetzen. Das ist manchmal ein regelrechter Teufelskreis. Es gibt viele junge Frauen, die sich dem verweigern. Sex, wie er ihnen angeboten wird, lässt sie kalt, sie konzentrieren sich lieber auf ihre persönliche und berufliche Entwicklung und vertagen die Sache mit der Liebe erst einmal.

Betrifft Lustlosigkeit also nur junge Frauen?

Nein. Es gibt viele Frauen jedweden Alters, die in ihrem ganzen Leben noch nie einen Orgasmus hatten, niemals erfüllende Sexualität erleben durften – oder denen ihre Lust abhanden gekommen ist.

„Darüber, wie viel Spaß Sex macht, wird wenig erzählt“

Kann man 16-Jährigen wirklich raten, die Pille nicht zu nehmen?

Das ist sicherlich eine zweischneidige Sache. Aber ich bin der Meinung, dass junge Frauen von ihren Frauenärztinnen zumindest erfahren sollten, dass die Pille die Lust einschränken kann. Abgesehen davon, dass es auch nicht unbedingt gesund ist. Außerdem gibt es ja noch andere Verhütungsmittel wie das Kondom. Das ist sehr sicher, wenn man die Anwendung beherrscht. Das sollte man den Jungs und Mädels mal im Aufklärungsunterricht beibringen! Ist ja auch wichtig, um sich vor Geschlechtskrankheiten zu schützen…

Vielleicht wäre eine Kombination sinnvoll. Ein halbes Jahr lang die Pille nehmen und gleichzeitig lernen mit Kondomen und dem Diaphragma, das auch ein sehr gutes Verhütungsmittel ist, umzugehen.

Wenn ich so an den schulischen Aufklärungsunterricht zurückdenke, fällt mir nur eins ein: rudimentär!

(lacht) Ja, da geht es vor allem darum, den Jugendlichen einzutrichtern, wie man ja keinen unerwünschten Nachwuchs erzeugt, was natürlich auch wichtig ist. Aber darüber, wie viel Spaß Sex macht, wird leider wenig erzählt. Dabei gibt es durchaus gute und ansprechende Aufklärungsbücher zum Thema. Wie zum Beispiel „Make Love“ von Ann-Marlene Henning und Tina Bremer-Olszewski. Darin sind viele Fotos, aber auch Stellungen und Erklärungen zu unseren Lustorganen enthalten.

„Der Klitoris geht es wie dem Penis: Erst wenn sie anschwillt, ist sie bereit!“

Dann holen wir das jetzt mal nach: Wie bereitet man sich und dem anderen denn Lust und einen Orgasmus?

Zuallererst: Sex ist ein Kontaktspiel, wobei ich Wert auf das Wort „Spiel“ lege. Es funktioniert in den meisten Fällen auch gar nicht, wenn wir versuchen, direkt zum Höhepunkt zu kommen. Da machen wir uns eng, sind angespannt und das ist der Lust total abträglich. Mir gefällt der Begriff „Liebe-Machen“!

Und weiter?

Sowohl Frauen als auch Männer sollten die weiblichen Geschlechtsorgane besser kennenlernen. Wir wachsen mit der Vorstellung auf: Frauen haben „da unten“ ein Loch und da muss etwas rein. Wenn man genau hinschaut, haben Frauen kein Loch in ihrer Vulva. Den Eingang zur Vagina sieht man normalerweise nicht. Wenn die Vulva erregt ist, schon gar nicht! Die wenigsten wissen, dass es überhaupt keinen Sinn, sprich keine Lust macht, den Penis in die Vagina einzuführen, solange die Frau nicht erregt ist.

Und sie wissen nicht, dass die Klitoris nicht nur aus der sichtbaren Klitorisperle besteht, die wir im Allgemeinen als Klitoris bezeichnen. Sondern dass dies ein Gewebekomplex aus Klitorisperle, Klitorisschenkeln und Schwellgewebe ist, das die ganze Dimension der Vulva – des äußerlich sichtbaren weiblichen Geschlechtsteils – einnimmt. Die Klitoris kann bis zu 13 cm lang sein und etwa fünf cm in den Körper hineinreichen. Das klitorale Gewebe kann sich bei Erregung um ein mehrfaches vergrößern! Insofern geht es der Klitoris wie dem Penis: Erst wenn sie anschwillt, ist sie bereit. Das sieht man auch, wenn man genauer hinschaut.

„Jeder weibliche Orgasmus geht mit der Klitoris einher“

Merkt man die Erregung denn nicht daran, dass die Frau feucht ist?

Natürlich ist das auch ein Indikator. Allerdings gibt es durchaus Frauen, die erregt sind, aber nicht gleich oder nur wenig feucht werden. Denen rate ich dann auch immer, von Anfang an Gleitgel zu verwenden.

Und wie hilft einem dieses Wissen jetzt praktisch weiter?

Dass wir nun wissen, dass  jeder weibliche Orgasmus mit der Stimulierung des klitoralen Gewebes, sei es innerlich oder äußerlich, einhergeht und dass es eine wirklich große Körperzone ist, die wir da erregen können. Der nächste Schritt ist dann, zu lernen, wie man die Klitoris stimuliert. Das ist natürlich von Frau zu Frau unterschiedlich und auch innerhalb eines Frauenlebens können sich die Präferenzen öfter einmal verschieben. Das ist für ihre Geliebten und für sie selbst nicht immer einfach.

Grundsätzlich würde ich sagen: Guter Sex beginnt für die meisten Frauen bei ihren Brüsten. Wenn Männer mich fragen, sage ich immer: Seid ausgiebig zärtlich zu ihren Brustknospen. Liebt die Brüste eurer Frauen! Dazu muss eine Frau natürlich auch selbst ihre Brüste und ihren Körper lieben. Deswegen ist Selbstbefriedigung so wichtig: Erst wenn ich mich selbst lieben kann, kann ich zulassen, dass ein anderer mich liebt. Aber auch das tun viele nicht.

„Nackt kann man halt schlecht etwas verstecken“

Warum? Ist Selbstbefriedigung etwa immer noch ein Tabuthema?

Das nicht unbedingt. Es hat eher etwas mit fehlender Selbstliebe zu tun. Ich treffe zum Beispiel auf Frauen, die total sexy gekleidet und sehr schön sind, sich aber für ihre Brüste oder andere Körperteile schämen. Wenn ich mich schäme, lege ich mich nicht offen hin und zeige, was mir Lust bereitet. Ich kann mich auch nicht selbst an mir erfreuen. Dann fühle ich natürlich auch nicht viel dabei.

Wie kommt es denn dazu?

Ich glaube, das kann man nicht verallgemeinern. Es hat aber sicherlich etwas mit unserer Gesellschaft zu tun, die sehr auf das Visuelle ausgerichtet ist. Ständig wird einem durch Bilder vermittelt, wie man auszusehen hat. Und wenn ich mich selber nicht mag, dann kann ich es auch nicht genießen, wenn ein anderer mich anschaut und berührt. Dann bin ich immer nur damit beschäftigt, wie der andere auf mich reagiert und denke beim Sex womöglich andauernd: Oh Gott, wie sehe ich nur aus?!? Und nackt kann man halt schlecht etwas verstecken…  Wer sich ständig mit anderen vergleicht, der kann nur verlieren. Dadurch nimmt man sich die Chance auf richtig guten Sex.

Das heißt also: Guter Sex beginnt immer bei einem selber?

Ja. Man kann lernen, sich selbst zu lieben.

Indem man Orte aufsucht, an denen man sich wohlfühlt. Oder sich mit Freunden trifft, die einen so mögen wie man ist?

Ja. Und, das ist tatsächlich auch ganz praktisch gemeint: Indem man sich selbst auch sexuell liebt. Dann erst kann man seinem Partner oder seiner Partnerin zeigen, wo und wie man gerne berührt werden möchte.

„Küssen ist immer eine gute Idee“

Wobei wir wieder bei der Stimulation wären: Wenn man sich lange genug den Brüsten gewidmet hat, wie geht es dann weiter?

Nun, da gibt es keinen festen Plan. Das allerdings sollte man sich merken!

Küssen ist immer eine gute Idee, Küsse hier und Küsse da. Dann nähert man sich der Klitoris. Und da macht sich dann die Selbsterfahrung bezahlt: Man kann dem Partner sagen oder zeigen, ob man kräftiger berührt werden möchte oder leichter, ob direkt an der Klitorisperle oder lieber daneben und so weiter. Und wenn die Klitoris richtig prall ist, nimmt man den Penis in sich hinein. Und da ist es dann von Vorteil, wenn man einen beweglichen Beckenboden hat.

Ok, beweglicher Beckenboden hört sich nach hartem Training an…

Ach, so viel muss man dafür eigentlich nicht trainieren. Es reicht, wenn man jeden Tag ein paar Minuten übt, wenn man es mal gelernt hat. Viel bedeutender ist die Regelmäßigkeit, mit der man seine Beckenbodenmuskeln an- und wieder entspannt. Wenn man das kann, kann man sich inwendig sehr gut in Stimmung bringen und ist nicht so sehr von den erotischen Fähigkeiten der Geliebten abhängig.

Es ist auch sehr spannend, den Penis im richtigen Moment kräftig umschließen und in sich hineinziehen zu können. Das Gefühl ist für beide Partner dann sehr viel intensiver. Das kann allerdings für Männer auch schnell zu viel sein! Und wenn man dann endlich auf den Höhepunkt zusteuert, ist es wiederum wichtig, im richtigen Moment loslassen, also entspannen zu können. Auch dazu hilft einem ein bewusster Umgang mit der Beckenbodenmuskulatur.

Reissäckchen

Mit einem Reissäckchen kann man die Beckenbodenmuskulatur relativ schnell und einfach trainieren. Eine Anleitung dazu gibt es weiter unten.

„Geht das nicht schneller?“

Nun, manch einer könnte jetzt aufstöhnen und sagen: Grundgütiger, ist das alles wirklich nötig? Geht das nicht schneller?

(lacht) Klar. Aber dann lässt man sich eindeutig etwas entgehen! Die Frauen glauben ja oft, dass Männer immer tolle Orgasmen haben, weil sie schnell kommen. Dabei stimmt das gar nicht. Wenn ein Mann gelernt hat, den Höhepunkt hinauszuzögern, vielleicht zwischendurch kurz mal innehält und ein paar Sekunden abkühlt, bevor er wieder in die Lust geht, merkt er erst: Hoppla, mein Orgasmus war bisher ja nur ein kleines Zucken in meiner Prostata! Der Orgasmus ist dann nämlich viel intensiver und dauert wesentlich länger an, habe ich mir sagen lassen. Da müssen die Frauen natürlich auch ein bisschen Rücksicht nehmen.

Wenn es doch eigentlich so leicht zu sein scheint: Warum machen wir es uns dann so schwer?

Weil wir leistungsgeschulte Menschen glauben, wir müssten auf der Zielgerade zum Orgasmus kommen. Und weil wir in unseren Rollen gefangen sind. Die Männer meinen, sie müssten gleich loslegen und die Frauen trauen sich nicht, loszulegen, weil dann könnte der Mann ja sonstwas  denken. Die Männer denken, sie müssten funktionieren und die Frauen wiederum haben das Gefühl, sie müssten bei allem mithalten. Eigentlich hat also der Mann Angst, dass er die Frau enttäuscht, weil er es nicht bringt – und die Frau hat Angst, den Mann zu verlieren, wenn sie nicht mitmacht. Dabei nimmt man sich die Sensibilität für den eigenen Körper, wenn man etwas tut, was man eigentlich nicht will.

Also was tun, wenn es mal nicht klappt?

Es mit Humor nehmen. Und dann aufstehen und frühstücken. Es gibt auch Zeiten, in denen gerade andere Dinge angesagt sind. Nehmen wir mal die Wechseljahre. Das ist eine Zeit, da kommt für die meisten Frauen vieles zusammen: Die Kinder pubertieren und verbreiten schlechte Laune, die eigenen Eltern werden alt und brauchen Unterstützung – und dann noch die körperlichen Veränderungen: Man schwitzt und ist müde.

Da kann man schon mal keine Lust mehr haben und sich diese Pause auch gönnen. Die Muskeln im Beckenboden werden zwar schwächer, je länger die Pause anhält. Aber auch daran muss man nicht verzweifeln. Wenn man mal weiß, wie man den Beckenboden wieder trainiert und wie man die Aufmerksamkeit auf die inneren Vorgänge richtet, kommt mit der Übung auch die Lust wieder. Und Sex wirkt sich positiv auf den Hormonhaushalt aus!

„Die Scham steckt uns allen nach wie vor tief in den Knochen“

Warum fällt es uns eigentlich so schwer, miteinander über Sex zu reden?

Weil das christliche Abendland nun mal das christliche Abendland ist. Die Scham steckt uns allen nach wie vor tief in den Knochen. Was in Beziehungen oft hilft, sind Paargespräche. Erst erzählt einer eine Viertelstunde lang, was ihn bewegt – und dann der andere. Und man hört einfach mal zu.

In Zeiten von frei verfügbaren Pornos im Internet und Büchern wie „Shades of Grey“ müsste man doch eigentlich den Eindruck gewinnen, dass es kaum noch etwas gibt, was nicht öffentlich diskutiert wird…

Das alles hat doch nicht wirklich etwas mit dem realen Sexleben zu tun und schon gar nicht mit einem freien Reden über Sex. Manchen Frauen empfehle ich zwar, sich Pornos anzuschauen, damit sie die Erfahrung von Erregung machen. Das ist ja so: Bilder von Sex erregen uns, egal, wie dieser Sex vonstatten geht. Das ist ziemlich verrückt, finde ich. Wenn wir das Gesehene nachspielen wollen, merken wir allerdings schnell, dass unser Körper, unser Fühlen, da oft gar nicht mitmacht. Deswegen ist es auch ein großes Problem, wenn Männer sich regelmäßig Pornos reinziehen. Die meinen dann, den Frauen gefiele das so, wie das in den Filmchen gespielt wird. Und sie wünschen sich von ihren Frauen diese Posen, diese Outfits oder dieses Gestöhne.

Das ist ähnlich wie bei den Sadomaso-Geschichten in den „Shades of Grey“-Büchern. SM ist eine Spielart, wenn das einvernehmlich geschieht, ist es sicher ok. Ich denke aber, dass es dabei um etwas anderes geht, als um Liebe. Es geht um Macht, Dominanz und Unterwerfung. Ich sage in meinen Kursen und Beratungen allen Frauen, dass sie sich, wenn möglich, von Praktiken lösen sollen, die ihnen nicht gut tun. Sich unter Umständen auch eine Auszeit von ihren Partnern erbitten. Schmerz im Sex ist für mich ein absolutes No-Go. Wie soll ich Empfindsamkeit stärken können, wenn ich mich verschließen muss, wenn mein Körper abstumpft?

Wieso tun Leute das dann?

Weil es nicht einfach ist, sich selbst einzugestehen, dass man in einem wichtigen Lebensbereich so einen großen Mangel empfindet, dass man vielleicht völlig gefühllos ist. Doch genau das ist schon der erste Schritt auf dem Weg zur Empfindsamkeit! Das hat viel mit Überwindung zu tun. Manche Frauen fragen beispielsweise immer wieder wegen einer Beratung bei mir an und zögern, letztlich auch einen Termin zu vereinbaren.

Was würden Sie diesen Frauen denn gerne sagen?

Dass es immer gut tut, wenn man versucht, mutig zu sein. Und es ein Gewinn ist, wenn man zu sich selber steht!

Im Übrigen habe ich es bislang noch nie erlebt, dass sich ein Mann darüber beklagt hätte, dass seine Frau sich ihrer Lust zuwendet… Im Gegenteil!

Frau Kübler, vielen Dank für das offene Gespräch!

Anleitung: Beckenboden stärken

Übungsraum

Eine gute Methode, um die Beckenbodenmuskulatur zu stärken, ist das Reissäckchen: Einfach einen Hocker nehmen, ein Kissen drauflegen und sich auf das Reissäckchen setzen. Einen kleinen Reisberg erst zum Vaginaleingang, später zum Anus schieben, um die jeweilige Körperöffnung gut zu spüren, und dann die Öffnung schließen und öffnen, schließen und öffnen, mal leicht und schnell, dann langsam und fest, und dann auch mal versuchen einen „Mundvoll“ Reis nach oben zu ziehen, oben halten – und dann ganz absichtsvoll wieder entspannen. Vorsicht: Länger als ein paar Minuten täglich sollte man die Übung nicht machen, sonst drohen Muskelkater und bei übertriebenem Training gar Harninkontinenz.