Morgen, Regensburg! Blaues Blut und blaue Politik

1. Es bruckert in Berlin
Konstruktive Arbeit im Stadtrat Fehlanzeige. Stattdessen menschenverachtende Reden, Verbalausfälle und Peinlichkeiten. So kann man die Bilanz des AfD-Politikers Erhard Brucker während seiner Zeit als Regensburger Stadtrat zusammenfassen.
Seit der extrem rechte Aktivist über Passau in den Bundestag gewählt wurde, setzt er diesen Weg offenbar konsequent fort.
Mitte September letztes Jahr wurde bekannt, dass die Bundestagsverwaltung mehreren Mitarbeitern von Abgeordneten Hausausweise verweigert oder nachträglich entzogen hat – aus Sicherheitsbedenken. Laut taz befand sich darunter auch ein Mitarbeiter von Erhard Brucker: der islamfeindliche und wegen Volksverhetzung verurteilte Extremist Michael Stürzenberger.

AfD-Stadtrat Erhard Brucker bei einer Rede in München Dort trat er im Februar 2023 unter anderem zusammen mit Jürgen Elsässer vom rechtsextremen Compact-Magazin auf. Foto: Archiv/Witzgall.
Seit Anfang Oktober 2025 ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft gegen Brucker. Er soll am Berliner Hauptbahnhof einen sehbehinderten Mann rassistisch beleidigt haben.
Nun hat der 53-Jährige einem Oberst der Bundeswehr gedroht. Das berichtete Die Zeit letzte Woche. Der Offizier hatte ihm die Absage für die Teilnahme an einem Seminar der Bundeswehr zugeschickt. Brucker reagierte prompt.
„Wenn nicht mal ein ehemaliger KRK-Soldat, der diesem Land treu gedient hat, aus ideologischen Gründen nicht berücksichtigt wird, dann läuft etwas grundsätzlich falsch (sic!)“, ließ er den Oberst wissen. Der müsse aber „keine Befürchtungen“ haben.
„Denn in nicht allzu ferner Zukunft wird meine Partei, die einzige demokratische Alternative für Deutschland, in Regierungsverantwortung kommen. Sobald dies erfolgt ist, werde ich mich noch mal vertrauensvoll an Sie wenden.“
Was er dann zu tun gedenkt, lässt Brucker offen. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass Brucker droht. Ein AfD-Mitglied aus Würzburg beklagte sich darüber bei einem Landesparteitag der Partei. Brucker habe ihm Prügel angedroht, sollte er parteiinterne Querelen öffentlich machen. „Er hat gesagt, er ist 1,90 groß, wiegt 140 Kilo und hat eine harte Durchschlagskraft.“
Verweigert wurde Brucker die Teilnahme an dem Infoseminar der Bundeswehr übrigens nach der üblichen Sicherheitsüberprüfung.
Ausschlaggebend war demnach ein Urteil des Verwaltungsgerichts München vom Juni 2024. Das sah mehrere Aussagen Bruckers als wichtigen Beleg dafür, dass der bayerische Landesverband der AfD weiter als rechtsextremer Verdachtsfall beobachtet werden darf.
Auch im Gutachten des Bundesamts für Verfassungsschutz, das die AfD als gesichert rechtsextrem einstuft, finden sich Aussagen von Brucker wieder. Unter anderem sprach er von „muslimischen Horden“, einer „kalkulierten Islamisierung unseres Heimatlandes“ und vom Islam als „ansteckende Krankheit“.
2. Ruhm und Risse
Etwa 17 Jahre ist es her, dass ich mich das erste Mal kritisch mit Gloria von Thurn und Taxis beschäftigt habe. Damals ließ sie sich anlässlich der Schlossfestspiele zugunsten der „Juristenvereinigung Lebensrecht“ (JVL) versteigern.
Der von Männern dominierte Akademikerclub sogenannter „Lebensschützer“ wurde 1984 gegründet und hat sich dem Kampf gegen Schwangerschaftsabbrüche, Beratungsstellen von Pro Familia und Aufklärungsbroschüren verschrieben.
Der Spiegel bezeichnete die JVL als „militanten Juristenvereinigung“, die so illustre Gestalten wie den NS-Staatsanwalt Willi Geiger zu ihren führenden Mitgliedern zählte. Geiger wirkte an mehreren Todesurteilen mit und rechtfertigte in seiner Doktorarbeit das Berufsverbot für jüdische Journalisten. Auch ausgewiesene Rassisten fanden sich in den Reihen der JVL.
Dem aktuellen Vorsitzenden Christian Hillgruber ist zwar der Schutz des ungeborenen Lebens sehr wichtig – Schwangere hätten eine Rechtspflicht zum Austragen und Gebären, so seine Position.
Beim geborenen nichtdeutschen Leben vertrat Hillgruber gegenüber der Rechtspostille Junge Freiheit die Position, dass humanitäre Bleiberechte, etwa nach der Genfer Flüchtlingskonvention, in ihrer Reichweite „zum Teil einfach deutlich überzeichnet” würden.
Glorias „Charity-Auktion“ 2009, kaum beachtet und mit mäßigem Erfolg bedacht – 200 Euro wurden für Fototermin nebst Festspielticket am Ende geboten, hätte also schon einen Hinweis geben können, auf welchem Terrain sich die heute 66-Jährige bewegt.
Doch während ihre Netzwerkarbeit und ihr Hofieren der AfD heute für Proteste und Debatten sorgt, blieb das Interesse an Glorias Nähe zu extrem rechten Positionen damals gering.
Das hat sich zwischenzeitlich geändert.
Die am 9. Juni veröffentlichte erste Staffel des BR24-Podcasts „Ruhm und Risse“ zeichnet den Weg von der vermeintlich coolen Punkprinzessin Gloria zur extrem rechten Netzwerkerin und die Polarisierung zwischen Fans und Kritikern in drei Folgen nach.
Zum Beispiel den Zusammenhang, den Gloria heute – etwa beim Krawallportal Nius – zwischen Schwangerschaftsabbrüchen und Migrationspolitik herstellt. Man könnte ohne weiteres einen Bogen schlagen zur Versteigerung von 2009 für eine Gruppierung, in der eine ähnliche krude Sichtweise zutage tritt.
Bianca Taube, Lea Hruschka und Hannes Kunze recherchierten für den Podcast nicht nur in Regensburg, sondern auch im Vatican und den USA. Zu Wort kommen unter anderem der in Regensburg berühmt-berüchtigte Kardinal Gerhard Ludwig Müller, Michael Graeter, Vorbild für Baby Schimmerlos in „Kir Royal“, und der Journalist Jan Fleischhauer.
Als ein Kritiker, der von Gloria in der Vergangenheit schon zum „Stasi-Beamten“ ernannt wurde, durfte auch ich ein paar Takte zur Einordnung der Schlossherrin sagen. Insofern bin ich voreingenommen, wenn ich „Ruhm und Risse“ hier zum Anhören empfehle.
Auch wenn speziell in Regensburg schon das eine oder andere bekannt sein dürfte, legt der Dreiteiler viele neue Zusammenhänge offen, ordnet ein und ist außerdem spannend zu hören.
Entspannte Restwoche!
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Mr. T.
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Regensburger Aushängeschilder! In die Walhalla werden sie wohl nicht so schnell kommen, aber in der Befreiungshalle der alten Linde hätten sie schon einen Platz verdient.
Thilo B.
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Werter Herr Aigner,
man hat auch einen Dieter Dehm im Bundestag 16 Jahre lang aushalten können, ohne dass die Demokratie einen Schaden davongetragen hat.