Partnerschaft mit Caritas Regensburg wird beendet: Krankenhaus Kelheim kehrt zum Landkreis zurück
Das Experiment ist vorbei: die Partnerschaft zwischen Caritas und Landkreis am Krankenhaus Kelheim wird nach vier Jahren beendet. Profitiert hat davon wohl nur eine Beratungsfirma.

Vertragsunterzeichnung: Caritas-Direktor Michael Weißmann und Landrat Martin Neumeyer besiegelten im April 2022 die „strategische Partnerschaft“. Foto: pm
„Für die Zukunft rüsten“ – mit diesem ambitionierten Ziel trieb der damalige Landrat Martin Neumeyer (CSU) im Jahr 2022 die „strategische Partnerschaft“ zwischen dem Krankenhaus Kelheim und dem Regensburger Caritas-Krankenhaus St. Josef voran.
Doch diese Kooperation ist nun Geschichte. Am 8. Juli verkündeten der Landkreis und die Caritas in einer gemeinsamen Erklärung, dass sie ihre Zusammenarbeit nach nur vier Jahren „einvernehmlich“ beenden wollen. Von Anfang an war die Partnerschaft nicht unumstritten. Unsere Redaktion berichtete mehrfach und ausführlich.
Der Deal: Landkreis zahlt, Caritas hat das Sagen
Damals übernahm die Caritas die Mehrheit der Anteile und damit die Entscheidungsgewalt über das operative Geschäft der Klinik für einen symbolischen Euro. Der Landkreis hingegen trug weiterhin das gesamte finanzielle Risiko.
Eine der ersten Amtshandlungen der Caritas war die Beauftragung der Bayreuther Oberender AG, eines Beratungsunternehmens, das bereits 2022 unter Experten einen zweifelhaften Ruf genoss. Vorzeitig beendete Mandate, undurchsichtige Prognosen, überhöhte Honorare und freihändige Vergaben prägten das Bild.
Die Methode: Umstrittene Berater, unzureichendes Konzept
Trotz dieser Bedenken übernahm eine Managerin von Oberender die Geschäftsführung des 200-Betten-Hauses. Langjähriges Führungspersonal wurde entlassen oder verließ freiwillig die Klinik. Dieser personelle Aderlass setzte sich fort, und die Personalführung der neuen Geschäftsführerin stand immer wieder in der Kritik.
Das „Zukunftskonzept“, das Oberender dem Kreistag für das nun umbenannte Caritas-Krankenhaus St. Lukas präsentierte, erwies sich als unzureichend. Experten, denen unsere Redaktion das Papier vorlegte, zerrissen es förmlich.

Gruppenfoto nach der Vorstellung des neuen Aufsichtsrats am Caritas-Krankenhaus St. Lukas: Caritas-Direktor Michael Weißmann, der neue Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Prokop, die neue Geschäftsführerin Sabine Hehn, Landrat Martin Neumeyer und Jan Hacker, Vorstand der Oberender AG. Foto: pm/Hans-Christian Wagner
Weder wurden bundesweite Trends berücksichtigt, noch ging man auf den herrschenden Fachkräftemangel ein. Auch die schwierige Situation eines kleinen Krankenhauses wie Kelheim in unmittelbarer Nähe zu Regensburg mit exzellenter Versorgung wurde ignoriert. Tatsächlich wurde von diesem Konzept am Ende nichts Wesentliches umgesetzt – weder die versprochene Urologie noch die Geriatrie.
Die Folgen: OP-Schließung, Vertrauensverlust, Vertragsende
Im vergangenen Jahr wurde die Geschäftsführerin entlassen, da „das erforderliche Vertrauen in die Führung des Hauses nicht mehr bestand“. Der Vertrag mit Oberender wurde „in beiderseitigem Einvernehmen“ beendet.
Zuvor war es zu einer kurzfristigen Schließung des Operationsbereichs für vier Wochen gekommen, die den Landkreis rund drei Millionen Euro kostete. Offenbar waren die Räume nicht ausreichend instand gehalten worden und mussten ertüchtigt werden.
Vor diesem Hintergrund war das Ende der Kooperation mit der Caritas nur eine Frage der Zeit – auch wenn die Nachricht am 8. Juli überraschend kam.
„Eindeutige Ausstiegsempfehlung“ vom neuen Landrat
Dem Vernehmen nach hat der neue Landrat Christian Nerb (Freie Wähler) die Partnerschaft unmittelbar nach seiner Wahl zur Chefsache gemacht und auf den Prüfstand gestellt. Am Ende stand eine „eindeutige Ausstiegsempfehlung“, wie es von Kreisräten verschiedener Fraktionen heißt.
In der gemeinsamen Mitteilung von Caritas und Landkreis klingt das alles etwas anders. Es sei „gemeinsam gelungen, trotz widriger Umstände die Klinik wirtschaftlich zu stabilisieren“. Allerdings sei es nicht möglich, dies für die Zukunft zu gewährleisten. Verantwortlich dafür seien „die politischen Rahmenvorgaben“.
Künftig soll die Klinik als Kreiskrankenhaus Kelheim firmieren. Die Sicherung als Grund- und Regelversorger sei für ihn „oberstes Gebot“, verspricht Landrat Nerb. „Der Leistungsumfang der Klinik wird durch die vorgesehene Veränderung vollumfänglich im bisherigen Umfang erhalten, die Arbeitsplätze der Mitarbeiter bleiben weiterhin gesichert.“


Mr-Baseball
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Mhhh…Clemens Prokop…war der nicht mal Richter am AG KEH und später dann Gerichtspräsident in Regensburg und nebei auch irgendwie ein großes Tier im dtsch. Sport !?
Regensburgerin
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Hoffentlich können jetzt die Schwangerschaftsabbruche dort durchgeführt werden.
peter sturm
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ich kann kaum glauben was ich da lese!
politik kann also doch zu etwas positivem führen. sie braucht nur gute akteure.
ein ausgezeichneter start für landrat nerb!
danke an stefan aigner, dass er uns immer auf dem laufendem hielt.
peter sturm
Martin G.
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Da verbrennt die Caritas so viel Geld und trotzdem beendet man das Vertragsverhältnis einvernehmlich. Warum werden hier nicht die berechtigten Schadensersatzansprüche durchgesetzt?
Eva
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Jetzt können in der Klinik hoffentlich wieder Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden – nachdem die christliche Trägerschaft passé ist.
Die Versorgungslage in Niederbayern und der Oberpfalz ist völlig unzureichend.
Karl Straube
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@Mr-Baseball: werden Ihnen google und/oder wikipedia vorenthalten? Dort finden Sie eine recht ausführliche Biografie. Und wenn Ihre Fragen mit “ja” beantwortet werden, was fördert das Erkenntnisse über das künftige Schicksal der Klinik?
Burgweintinger
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Martin G., komm trink noch einen Tee und lese den Artikel nochmal.
Nicht die Caritas verbrennt Geld, sondern der Steuerzahler/Landkreis…
Thomas Hofmann
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Da hat die Caritas ordentlich Geld verbrannt und der frühere Landrat, Herr Neumeyer, hat denen das Streichholz dafür in die Hand gedrückt.
idefix
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Die Trennung ist die Folge der Kommunalwahl, wo den Bürgern weiß gemacht wurde, dass das Krankenhaus zu 100% in der Hand des Landkreises bleiben müsse, um rentabel zu arbeiten und damit Stimmung gemacht wurde Die finanziellen und die baulichen Defizite wurden dabei den Bürgern verschwiegen, um die Wahl zu gewinnen. Kein Wunder: Fühlen sich doch die jetzigen Verantwortlichen dem Versprechen an die Wähler verpflichtet, der alleine auch weiterhin die steigenden Kostendefizite des Krankenhauses mit seinen Steuergeldern wird tragen müssen. Dies wird noch schlimmer mit der Krankenhausreform werden.
Der Caritasverband kann unter diesen Bedingungen froh sein, dass die Zusammenarbeit beendet wird, weil kein Rückhalt der Politiker vorhanden ist, die alles besser wissen und keine Ahnung vom schwierigen wirtschaftlichen Betrieb eines Krankenhauses haben. Diese streuen lieber zum eigenen Machtvorteil – der alte Landrat wurde deswegen abgewählt – den Bürgern Sand in die Augen und merken nicht, dass das Gesundheitswesen im Prinzip nicht zuletzt durch die hohen Ansprüche der Bevölkerung pleite ist. Viele kommunale Krankenhäuser müssten wie in letzter Zeit schon viele privat geführte Krankenhäuser schon längst Konkurs anmelden, Um dies zu verhindern, muss der Bürger aber erhöhten Steuern und Abgaben die Defizite ausgleichen.-Die Politik ist leider zu feige, den Bürgern zu sagen, dass der Betrieb eines Krankenhaus im Prinzip nicht mehr finanzierbar ist.
Doch dies werden die Bürger schon noch spüren. Ausbaden muss er es im Krankheitsfall mit weniger Service und Zuwendung.