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Buchvorstellung

Treffer einer politischen Waffe: Regensburger Bildband zum Widerstand gegen die WAA

Mit 488 Bildern des Regensburger Fotografen Herbert Baumgärtner dokumentiert der Bildband „WAA NIE!“ den  Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf. 

Mit seiner Nikon F2 hat Herbert Baumgärtner hat Proteste gegen die WAA über die Jahre aus nächster Nähe dokumentiert. Foto: as

Manchmal musste er sich als Frau verkleiden, um unbemerkt von der Polizei seine Filmdosen in Sicherheit zu bringen. Gelegentlich fielen die Beamten auf die zur Ablenkung eingesteckten Filmrollen herein. Doch es kam auch vor, dass die Einsatzkräfte Herbert Baumgärtner seine Dosen und Kamera abnahmen, die Filme mit einem lauten „Ratsch“ herausrissen und die Fotos dieses Tages unwiederbringlich zerstörten.

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Trotzdem sind es über 2.500 Aufnahmen geworden, mit denen der Regensburger Fotograf den hartnäckigen und letztlich erfolgreichen Widerstand gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf dokumentiert hat. Die beeindruckendsten 488 dieser Bilder sind nun in einem Bildband bei der Edition Bunte Hunde erschienen – 40 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl, die den Protesten in Wackersdorf weiteren Zulauf bescherte, gerade als das dortige Hüttendorf geräumt wurde.

Für Franz Josef Strauß das „Werk des Teufels“

Diese Fotos dokumentieren die Anfänge des Baus und den wachsenden Widerstand, der vom linksautonomen Spektrum bis hinein in christlich-konservative Kreise reichte. Sie zeigen aber auch die brutale Gewalt, mit der Ministerpräsident Franz Josef Strauß gegen die eigene Bevölkerung vorging.

Zäune und Stacheldraht. Schlägstöcke, Wasserwerfer, Tränengas. Polizeitruppen aus Berlin, die dort wegen ihrer massiven Gewalt nicht mehr eingesetzt werden konnten und von Strauß eigens angefordert wurden, um den Widerstand zu brechen. Viele Aufnahmen wirken wie aus einem Kriegsgebiet.

Den Protest gegen die WAA, die er in der strukturschwachen Oberpfalz leicht durchzusetzen glaubte, bezeichnete Strauß als „Werk des Teufels“. Der Tod des mächtigsten politischen Befürworters der Anlage am 3. Oktober 1988 läutete das Ende der WAA ein.

Fotos sprechen für sich

Untertitel oder belehrende Bildtexte braucht es keine. Die nach thematischen Kapiteln zusammengestellten Fotos sprechen für sich und entfalten ihre ganz eigene Wucht. „Der Herbert hat einfach ein grandioses Auge“, sagt Verleger Herbert Wittl, der zusammen mit seiner Frau seit 26 Jahren den Kleinverlag Edition Bunte Hunde betreibt.

Hier erscheinen beliebte Kinder- und Wimmelbücher, aber auch solche, mit denen Wittl manchen als Nestbeschmutzer galt. Über Stolpersteine und Zwangsarbeiter – zu einer Zeit, als man das in Regensburg nicht gerne sah.

Die städtische Touristinformation habe sich seinerzeit gesträubt, diese Bücher in ihrer Auslage zu präsentieren, erzählt Wittl. Auch mit dem Büchlein zum „Sündenfall am Donaumarkt“ machte sich sein Verlag bei den Stadtoberen nicht beliebt.

Erschien es doch zu einer Zeit, als die großen Parteien in Regensburg dort eine Stadthalle durchzusetzen gedachten. Da wollte man ungern daran erinnert werden, dass die Stadt in Besitz des Areals kam, weil sie die dortigen Häuser den meisten Eigentümern abgepresst hatte, um eine Stadtautobahn mit Verkehrsknotenpunkt am Donaumarkt zu bauen.

„Wie ein Asteroid vom Himmel“

Seit Anfang der 2000er Jahre kennen sich Wittl und Herbert Baumgärtner. Und ebenso lange sprachen beide über die Idee, doch endlich einen Bildband mit seinen Fotos zur WAA herauszubringen. Doch irgendwie hat es nie geklappt.

Als Baumgärtner im letzten Jahr dann einige seiner Fotos in den Räumen von AKUSO (Aktion Kultursozial e.V.) ausstellte, habe das bei ihm eingeschlagen „wie ein Asteroid vom Himmel“, sagt Wittl.

Zusammen mit Sabine Watzlawik, Wolfgang Otto und Ursel Wagner von AKUSO ging man das Projekt an. „Das klappt nur im Team“, sagt Wittl. Und nun ist das Buch fertig – eine Möglichkeit für die Zeitzeugen, sich zu erinnern, und für die Jüngeren eine neue Erfahrung.

Mit der Donau-Presse-Agentur zum Presseausweis

Wie konnte es passieren, dass die Staatsmacht mit solcher Gewalt gegen die eigenen Bürger vorging? Aber auch ein Blick darauf, wie einig man sich über alle Unterschiede hinweg sein kann, wenn es um ein gemeinsames Ziel geht. „Das wäre heute manchmal auch wünschenswert“, sagt Wittl.

Herbert Baumgärtner hält sich bei der Buchvorstellung am Mittwoch zurück. Er habe seine Kamera, eine Nikon F2, immer auch als „politische Waffe“ begriffen, erzählt er. Um zu dokumentieren und festzuhalten, was da passiert.

Herbert Baumgärtner zusammen mit Verleger Herbert Wittl und Ursel Wagner und Wolfgang Otto von AKUSO (v.r.). Foto: as

Zusammen mit einem Freund gründete Baumgärtner damals die Donau-Presse-Agentur, DPA, um sich als Journalist ausweisen zu können. Seine Fotos erschienen in Lokalzeitungen und Protestmagazinen. Aussagekräftige Fotos von einem Todesfall, die er per Post zur taz nach Berlin schickte, verschwanden auf unerklärliche Weise. Der Arm des CSU-Ministerpräsidenten Strauß reichte weit.

Einführung von Heribert Prantl

Begleitet wird der Fotoband von einer Einführung von Heribert Prantl. Der stand persönlich der WAA skeptisch gegenüber, war aber damals als Staatsanwalt auch Teil der Staatsgewalt, die gegenüber ihren Bürgern massive Grenzüberschreitungen beging und Demonstranten mit fadenscheinigen Vorwürfen vor Gericht brachte.

Prantls Erfahrung:

„Wenn ein Demonstrant von der Polizei weggetragen werden musste, wurde er wegen ‘Widerstand’ angeklagt, weil er sich ‘schwer gemacht’ hatte. Wenn sich aber bei der Gerichtsverhandlung alles im anderen Lichte als angeklagt darstellte, durfte der Staatsanwalt nicht einfach Freispruch beantragen (…). Der sonst so souveräne Sitzungsstaatsanwalt (…) war strikt gehalten, bei seinem Vorgesetzten nachzufragen. Und der Oberstaatsanwalt fragte dann beim Generalstaatsanwalt nach, und der General sagte dann natürlich, dass es kein Pardon, keinen Freispruch und keine Einstellung gibt.“

Der Widerstand von Wackersdorf sei ein kleiner Widerstand, der Großes bewirkt habe, schreibt Prantl. Er sei „die bewegende Kraft, deren das Recht und der Rechtsstaat zu ihrer fortwährenden Erneuerung und damit zur Verhinderung ihrer Entartung bedürfen. Gemeint sind Widerstand und Zivilcourage. “

Am 31. Mai 1989 wurde der Bau der WAA nach vier Jahren eingestellt.


Herbert Baumgärtner: WAA NIE! Bilder eines Widerstands. Herausgegeben vom Förderkreis AktionKulturSozial e.V. Edition Bunte Hunde. Regensburg 2026.


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Kommentare (14)

  • KW

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    Ob der perversen Machtfülle die FJS damals innehatte, bekommen vermutlich viele AgDler und CxUler heute noch feuchte Träume und stehen innerlich stramm vor dem damaligen Gott.
    Gut, dass es mit der WAA letztendlich ausging wie es ausging.

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  • Stephan Fürnrohr

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    Gänsehaut! Ich freue mich schon sehr auf den Band, ein absoluter Pflichtkauf.
    Ganz herzliche Gratulation an Herbert Baumgärtner und alle Beteiligten zu diesem Werk!

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  • Manfred van Hove

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    Es ging eigentlich nie um WAA, sondern nur darum, gegen FJS zu marschieren. Er polarisierte. Ich mochte ihn. Seine Rededuelle im Bundestag mit Wehner waren ein Erlebnis.

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  • Alois

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    Ein wunderbares Buch. Habe es am Stammtisch kreisen lassen, dann kam die Erinnerung und jeder konnte noch eine interessante Geschichte dazu erzählen.

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  • corazondemelon

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    Ich kann mich noch sehr gut an den Schmerz erinnern, nachdem mir einer der Berliner Prügel Beamten einen Knüppel über den Kopf gezogen hat.

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  • Konradsiedlungsanwohner

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    Ist bestellt. Jetzt weiss ich, dass der Herr Fotograf Herbert heisst, und ich ihm beim nächsten Konzert persönlich meinen Dank aussprechen kann.

    Auch weiss ich nun, dass unser Manfred van Hove FjS gut findet und er der Gesellschaft unterstellt, die WAA verhindert zu haben um FjS zu stoppen. Interessante Logik insbesondere bei jemandem, der mit mafiösen Strukturen in seinem Leben bereits massiv schlechte Erfahrungen gemacht hat. In der Schule wärs ne glatte 6 mit Begründung Themaverfehlung (damals wie heute).

    Lieber Manfred, ich empfehle herzlichst die Bücher von Wilhelm Schlötterer und jegliche Dokumentationen zur Fahrradspeichenfabrik (Aussage Ihres korrupten Idols zur WAA). Nur weil jemand rethorisch gewandt war, bedeutet es nicht unbefleckt zu sein. Die Weste des Herrn FjS war übersäht mit Dreck.

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  • Mr. T.

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    Natürlich ging es nie um die WAA, nur gegen FJS. Selbst Schuierer hat seine Region aus parteipolitischen Gründen um viele Tausend Arbeitsplätze betrogen. Dann leugnet er das noch und erfindet die komplett unglaubwürdige Geschichte mit dem Schornstein, der ihm zu hoch vorkam.
    Besser kann man nicht mehr den jahrelangen Widerstand Tausender Menschen diskreditieren.

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  • Thilo B.

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    Wenn der Fotograf, der selber Aktivist war, von “Polizeigewalt und Bürgern” schreibt, dann ist das die übliche Verharmlosung einer Seite, die man um die WAA immer wieder so zu lesen bekommt. Der radikale, gewalttätige Teil der Linksautonomen wird dabei komplett ausgeblendet. Aber gerade diese angereisten Chaoten haben den harten Polizeieinsatz erst notwendig gemacht. Um die Sache ging es ihnen nie, sondern nur um einen Kampf gegen das System, den sie hier austragen konnten, unterstützt von den Anwohnern, die sie mit Zwillen, Steinen, Stahlkugeln und sonstigen Waffen und Werkzeug versorgt haben. Damit haben sie dem friedlichen Protest mehr geschadet als genützt.

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  • Armin Schöffmann

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    @ Manfred Hove
    > Es ging eigentlich nie um WAA, sondern nur darum, gegen FJS zu marschieren.

    Eine eigentümliche Verdrehung von Ursache & Wirkung und bestenfalls Ihre persönliche Wahrnehmung: FJS machte sich mit der WAA zum Feindbild min. einer Generation – als stärkster politischer Befürworter und maßgeblicher Initiator des Projektes war er selbstverständlich Projektionsfläche.
    Ich empfehle das Gespräch mit zeitzeugenden CSU Stammwählern, Nibelungenhallenfanboys, Bewohnern der Anrainerlandkreise und Grenzschutzpolizisten.

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  • corazondemelon

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    Thilo,
    Du warst nicht dabei.
    Du bist einfach nur ein rechter Schwätzer.

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  • Roman Serlitzky

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    Man sollte bei der Einordnung der Ereignisse differenzieren. Nicht alle Anwohner von Wackersdorf unterstützten militante Gruppen – viele engagierten sich friedlich gegen die WAA oder hielten sich ganz aus den Auseinandersetzungen heraus. Es gab jedoch auch einzelne Personen, die gewaltbereite Aktivisten unterstützten, etwa durch die Bereitstellung von Wurfmaterial oder anderen Hilfsmitteln. Dass es solche Fälle gab, ist unter anderem daran erkennbar, dass entsprechende Hausdurchsuchungen durchgeführt wurden.

    Ebenso wenig lässt sich die Geschichte auf eine einzige Perspektive reduzieren. Weder war jeder Demonstrierende friedlich, noch waren alle polizeilichen Maßnahmen überzogen. Die Ereignisse waren von einer Eskalation geprägt, zu der verschiedene Akteure insbesondere aus dem linken Spektrum beitrugen.

    Bemerkenswert ist zudem der Vergleich mit dem nahezu zeitgleich errichteten Kernkraftwerk Isar 2. Dessen Bau verlief zur gleichen Zeit weitgehend unbehelligt und ohne vergleichbare Auseinandersetzungen wie in Wackersdorf. Das zeigt, dass die Konflikte um die WAA nicht allein auf eine Ablehnung der Kernenergie zurückzuführen waren, sondern hauptsächlich politische, überregionale Umstände eine wesentliche Rolle spielten.

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  • Markus Panzer

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    Herr Thilo B.,
    Ihre Aussage ist so falsch, dass es eigentlich nicht lohnt darauf zu antworten.
    Ich empfehle Ihnen den biografischen Film über den Landrat Hans Schuierer, darin ist der friedliche Protest tausender Oberpfälzer BürgerInnen hinreichend beschrieben.
    Danke an Herbert für die Dokumentation einer ganzen Epoche der Oberpfalz.

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  • Hindemit

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    Ist sehr interessant zu beobachten, wie nach all der Zeit das Thema noch polarisiert und die Strauß-Anhänger hier im Forum auf den Plan ruft: Klickzahlen bei Kommentaren und Framing des Widerstands als “linke Autonome”. Auch in meiner Familie ging damals ein Riss durch die Generationen. Das besondere und hinreichend dokumentierte (z.B. Mediathek Haus der bayer. Geschichte; Lex Schuierer, Zeitzeugen) am WAA-Widerstand war eben gerade, dass am Bauzaun alle gesellschaftliche Schichten standen. Zum ersten Mal erhoben sich massenhaft “brave Bürger” aus der Region, gingen zum ersten Mal in ihrem ansonsten fügsamen Leben auf die Straße. Danke an alle Aktiven im Widerstand.
    Danke an Herbert Baumgärtner für seine wichtige Arbeit.

    Heribert Prantl hat mit seinem Vorwort schon recht, es war und bleibt eine Sternstunde der Bürgerbewegung.

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  • Rudolf S.

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    Es ging immer nur um Franz Josef Strauss und nicht um die Kernkraft oder gar WAA, ob man dafür oder dagegen ist. Das hab ich als Anwohner so erlebt und das liest man auch aus diesen Kommentaren hier. Und manch einer wartet immer noch auf seine Anerkennung als Held und Märtyrer, obwohl die ganze Geschichte heute überhaupt keine Rolle mehr spielt.

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