So was kommt von so was

Kritik an Biendl & Weber: Wer so schlecht zahlt, muss sich nicht wundern

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Die Gewerkschaft NGG hat die wegen Hygienemängeln geschlossene Bäckerei Biendl & Weber scharf kritisiert. Tenor: Wer seine Beschäftigten schlecht bezahlt, muss sich über Dreck im Betrieb nicht wundern. Flucht nach vorn: Bäckerei-Chef Ulrich Weber (li.) und Vertreter des Landratsamtes machten am Donnerstag die Zustände in der Donaustaufer Bäckere öffentlich. Foto: LandratsamtMit einem Tag Verzögerung hat Biendl & Weberseine Produktion am Freitag wieder aufgenommen. Wie berichtet, hat die Donaustaufer Bäckerei es entgegen erster Ankündigungen bis Donnerstagabend nicht geschafft, die beanstandeten Verschmutzungen zu beseitigen, die zur vorübergehenden Schließung durch das Landratsamt geführt hatten. Hauptgrund für die Schließung war nach Angaben der Lebensmittelkontrolleure schwarzer Schimmel an Fliesen, Wänden und Teilen der Produktionsanlagen.

Bäckerlohn: 1.300 statt 2.165 Euro

Inzwischen hat sich die Gewerkschaft NGG zu Wort gemeldet und die Lohnpolitik bei Biendl & Weber mitverantwortlich für die mangelhafte Sauberkeit in der Bäckerei gemacht. Bei minimalen Löhnen dürfe man sich über minimale Hygiene nicht wundern, so Gewerkschaftssekretär Wilfried Maxim. „Bei Biendl & Weber liegen uns nachweislich Fälle vor, in denen der Lohn bis zu 40 Prozent unter dem Tarif liegt.“ Konkret nennt Biller Bäcker, die anstatt der tariflichen 2.165 Euro nur 1.300 Euro verdienen. Durch die Mitgliedschaft in der Bäckerinnung sei Biendl & Weber eigentlich an den Tarifvertrag gebunden. Wer diesen Vertrag dennoch so massiv breche, bei dem dürfe man „auch in den übrigen Geschäftsbereichen mit mangelnder Sauberkeit rechnen“. Angesichts des scharfen Wettbewerbs im Bäckerhandwerk befürchtet Maxim nun den Verlust von Arbeitsplätzen. Derzeit arbeiten in dem Familienunternehmen 65 Angestellte – Bäcker, Verkäuferinnen und Fahrer. „Die müssen jetzt womöglich die Suppe auslöffeln.“

Auch bei Müller-Brot: Schlechte Bezahlung

Wie sich ein Hygieneskandal auswirken kann, zeigt der Fall Müller-Brot: Keine drei Wochen, nachdem die Zustände in der Neufahrner Backfabrik öffentlich wurden, hat das Unternehmen am Donnerstag Insolvenz angemeldet. Wenige Tage zuvor hatte die Geschäftsführung bei einer Betriebsversammlung noch verkündet, dass Löhne und Gehälter bezahlt würden und das Unternehmen eine Zukunft habe.

„Menschenverachtend und erbärmlich“

Bereits vor Bekanntwerden der über Jahre andauernden Hygienemängel war Müller wirtschaftlich ins Schlingern geraten. Die 1.100 Beschäftigten hatten zuvor schon acht Jahre lang Lohnverzicht geübt, um ihre Arbeitsplätze zu erhalten. Die Gewerkschaft NGG spricht von Einkommensverlusten in Höhe von rund zwölf Millionen Euro. Wie es für die Beschäftigten nun weiter geht, ist noch ungewiss. Das entscheidet der Insolvenzverwalter. Die Gewerkschaft bezeichnet das Vorgehen der Geschäftsführung als „menschenverachtend und erbärmlich“.

„Belegschaft ist schutzlos“

Sollte nun auch Biendl & Weber ins Trudeln geraten, rechnet NGG-Sekretär Maxim mit dem Schlimmsten. „Weil es dort bis heute keinen Betriebsrat gibt, ist die Belegschaft in besonderer Weise schutzlos.“

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Kommentare (29)

  • Jakob Tiefenthaler

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    Ich sehe keinen Wettbewerb im Backgeschäft. Eher schon Preisabsprachen, eine kleine Breze kostet überall rund einen halben ero bzw. eine gute alte Mark.

  • Joachim Datko

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    „Jakob Tiefenthaler sagte am 17. Februar 2012 um 17:35 Uhr : … Preisabsprachen, eine kleine Breze kostet überall rund einen halben ero“

    ***

    Um den Preis würde ich keine Breze kaufen. Mein Tipp: Kaufland, 25 Cent das Stück und sogar die Auswahl zwischen Brezen mit und ohne Salz.

  • peter sturm

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    neben dem verbraucherschutzministerium wäre bald ein schutzministerium für die beschäftigten angebracht.
    noch weitere regensburger betriebe wären zu richten: schuma, händlmeier, bischofshof, bürgerheim …

  • Schweiger

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    Bei diesen Menschenausbeutern sollte es keine Kunden mehr
    geben.
    Die sollen ihren Dreck selber fressen. Schweinerei

  • Gondrino

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    Wenn der Konsument immer zum billigsten Anbieter geht, staatliche (und gewerkschaftliche) Organe versagen, kommt genau so was raus. Und ich möchte gar nicht wissen, wie es in vielen anderen Lebensmittelbetrieben aussieht…

  • H.B.

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    Es ist immer das gleiche die kleinen(Belegschaft) müßen Bluten und verzichten wärend die GF sich die Taschen immer voller machen.
    @Peter Sturm die Idee ist garnicht so verkehrt ein Arbeitnehmerschutzministerium dann würde sich bestimmt einiges ändern und die Arbeitnehmer wären sollchen Schlechten Arbeitgebern nicht schutzlos ausgeliefert.

    Der Belegschaft wäre auf jeden Fall zu raten so schnell wie möglich einen Betriebsrat zu wählen wenns nicht zu spät ist.

  • Joachim Datko

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    „Bäckerlohn: 1.300 statt 2.165 Euro“

    Wahrscheinlich geht es den Bäckern, wie vielen anderen alten Berufen, Bäcker werden in der industriellen Fertigung kaum gebraucht. Im Gegenteil, die alten handwerklichen Berufe hindern auf dem Weg in die Massenfertigung. Und man braucht nicht zu glauben, das ewig Gestrige wäre besser als die industrielle Fertigung. Die industrielle Fertigung hat viele massive Vorteile. Wir können mit der industriellen Fertigung 80 Millionen Menschen in Deutschland versorgen, anders wäre das nicht möglich. Es ist kein Gott oder Bäcker, der das tägliche Brot gibt, sondern die moderne Technik.

    Es macht keinen Sinn, wenn ein Bäcker jede Semmel, jedes Brot anfasst.

    Joachim Datko – Handwerker

  • Felix

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    Es sind „Fälle“ – Einzelfälle, die Norm…? Dieses offenbar wenig substantielle Nachtreten, nachdem alles wieder in Ordnung ist, der Gewerkschaft wird den 65 Beschäftigten, die dort ihr Geld verdienen, eher einen Bärendienst erweisen. Geht ihr Betrieb Pleite – und Negativpresse kann immer dazu Beitragen – dann wandern diese Arbeitsplätze in Billig-Backfabriken nach Tschechien etc., von wo Teigrohlinge dann in wirkliche Großbäckereien zum Aufbacken nach Deutschland zurückgebracht werden.
    Insofern leistet die Gewerkschaft eher dem Sterben mittelständischer und kleiner Familienbetriebe Vorschub.

  • MHH

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    wenn der TV nicht als „allgemeinverbindlich“ erklärt wurde, muss der Betrieb in diesem Fall (Mitglied des Arbeitgeberverbandes Innung nur Gewerkschaftsmitgliedern den Tariflohn zahlen..die könnten den auch einklagen…Nichtmitglieder haben darauf dann kein Anrecht.

    Trotzdem nimmt eines offenbar immer mehr zu: Profite und Wettbewerbsvorteile mit Dumpinglöhnen erzielen, Pfui-Teufel, wenn dies die „Geschäftsidee“ ist. Solche Betriebe gefährden dann den Bestand von Betrieben, die noch vernünftige Arbeits- und Lohnbedingungen haben.

    @ datko: wenn sie keinen Unterschied von guten Bäckerbrezen (auch da gibt es natürlich schlechte Handwerker, die meine ich nicht) zu Brezen der Lidl Schwester Kaufland (vielleicht kamen die ja bisher von Müller-Brot) merken, dann sollten sie ihren Geschmackssinn überprüfen lassen.

  • Kernel

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    … um Peter Sturms Liste noch etwas zu ergänzen – das örtliche Blättchen, BMW – die die Leiharbeiter noch mit Werkverträgen unterbieten, ein REWE bei dem die Leiharbeiter für 6,50 die Regale morgens einräumen …
    Naja, schimpfen wir immer weiter – heute auf die Griechen, morgen auf die Portugiesen, übermorgen vielleicht wieder auf die Juden …da wird das gemeine Volk ganz schön aufgehetzt – dazu noch fast jeden Tag das wichtigste Fußballspiel des Jahres garniert mit ein paar lustigen Shows … es darf nur niemand merken wie doof wir sind – sonst könnten sich einige ihre Taschen nicht mehr so vollstopfen. Aber solange jeder sein iPhone und den Hausfrauenpanzer hat ist doch alles ok.

  • Franz Schuhwerk

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    Um den Preis würde ich keine Breze kaufen. Mein Tipp: Kaufland, 25 Cent das Stück und sogar die Auswahl zwischen Brezen mit und ohne Salz.

    das genau ist der Kern des ganzen Problems: wir wollen alles immer möglichst billig.

  • Joachim Datko

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    Zu „Franz Schuhwerk sagte am 19. Februar 2012 um 10:18 … das genau ist der Kern des ganzen Problems: wir wollen alles immer möglichst billig. “

    „möglichst billig“ ist die Lösung des Problems und nicht das Problem!

    Das Problem ist die Versorgung der Menschen. Zur Lösung gehören eine faire soziale Marktwirtschaft, Wissenschaft, Technik und Demokratie.

  • frage

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    @Franz Schuhwerk

    ist nicht ganz richtig. die brezen sind die gleichen wie an der theke (ausser es handelt sich tatsächlich um einen kleinen eigenständigen laden und keine filiale). nur braucht man kein thekenpersonal. das spart personalkosten, ergo: die breze ist billiger.

    was allerdings sauberkeit mit gehalt zu tun hat erschliesst sich mir nicht so ganz. nur wenn man viel verdient arbeitet man sauberer oder putzt besser???

  • Franz Schuhwerk

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    @frage:
    ist nicht ganz richtig. die brezen sind die gleichen wie an der theke (ausser es handelt sich tatsächlich um einen kleinen eigenständigen laden und keine filiale). nur braucht man kein thekenpersonal. das spart personalkosten, ergo: die breze ist billiger.
    … Aber die Hälfte??
    was allerdings sauberkeit mit gehalt zu tun hat erschliesst sich mir nicht so ganz. nur wenn man viel verdient arbeitet man sauberer oder putzt besser???
    nein: kleine Läden sind besser beherrschbar als riesige – wo waren in den letzten Jahren die Lebensmittelskandale? In den kleinen Bauern/Handwerkerklitschen oder den Großbetrieben?
    @datko:
    “möglichst billig” ist die Lösung des Problems und nicht das Problem!
    Das Problem ist die Versorgung der Menschen. Zur Lösung gehören eine faire soziale Marktwirtschaft, Wissenschaft, Technik und Demokratie.
    Tut mir leid, das verstehe ich einfach nicht. Abgesehen davon: Punkt 1 ist bei uns ausgeschaltet und soll auch nach dem Willen der absoluten Mehrheit der politischen Gestaltungskräfte in diesem Lande ausgeschaltet sein und bleiben.

  • MHH

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    @datko
    “möglichst billig” ist die Lösung des Problems und nicht das Problem!
    Dieser Satz ist typisch für viele Verhaltensweisen. Aber: hier unterliegen Sie einem fatalen Denkfehler!
    denn
    1. möglichst billig bedeutet noch lange nicht, dass es sich dann jede/r leisten kann
    2. billig heißt noch lange nicht gut…z.B. Gesundheitswesen..die Allgemeinheit kriegt alles möglichst „billig“ im wahrsten Sinne des ‚Wortes!
    3. billig hat nichts mit „preiswert“ zu tun…

    Das Problem ist nicht die Versorgung der Menschen sondern das Problem ist, dass es auch in Ihrer angeblichen „Sozialen Marktwirtschaft“ Produktionszweck des Unternehmens nie die Versorgung der Menschen ist sondern dass der Zweck möglichst hoher Profit ist. Und Wissenschaft und Technik wird meist nur dann gefördert, wenn es diesen Zwecken dient.
    In diesem Fall war das Ergebnis von möglichst billiger Produktion zur Erlangung möglichst hoher Profite Schmutz, Schimmel, Tierchen…kurz sog. „Hygienemängel“. Das war „billig“!

  • Hinweise des Tages | NachDenkSeiten – Die kritische Website

    |

    […] Kritik an Biendl & Weber: Wer so schlecht zahlt, muss sich nicht wundern Die Gewerkschaft NGG hat die wegen Hygienemängeln geschlossene Bäckerei Biendl & Weber scharf kritisiert. Tenor: Wer seine Beschäftigten schlecht bezahlt, muss sich über Dreck im Betrieb nicht wundern. […] Inzwischen hat sich die Gewerkschaft NGG zu Wort gemeldet und die Lohnpolitik bei Biendl & Weber mitverantwortlich für die mangelhafte Sauberkeit in der Bäckerei gemacht. Bei minimalen Löhnen dürfe man sich über minimale Hygiene nicht wundern, so Gewerkschaftssekretär Wilfried Maxim. „Bei Biendl & Weber liegen uns nachweislich Fälle vor, in denen der Lohn bis zu 40 Prozent unter dem Tarif liegt.“ Konkret nennt Biller Bäcker, die anstatt der tariflichen 2.165 Euro nur 1.300 Euro verdienen. Durch die Mitgliedschaft in der Bäckerinnung sei Biendl & Weber eigentlich an den Tarifvertrag gebunden. Wer diesen Vertrag dennoch so massiv breche, bei dem dürfe man „auch in den übrigen Geschäftsbereichen mit mangelnder Sauberkeit rechnen“. Quelle: Regensburg Digital […]

  • Joachim Datko

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    Zu „Franz Schuhwerk 19.02.12 20:52 und zu MHH 19.02.12 21:24“

    Ich versuche mich nach den Gesetzen der Marktwirtschaft zu verhalten. Dort wo ich eine bestimmt Ware günstig bekomme, wie z.B. die Brezen um 25 Cent das Stück, kaufe ich.

    Die Gegenseite, in unserem Fall die Backwarenanbieter, verhält sich in der Regel auch marktwirtschaftlich. Auch der „kleine Bäcker“ optimiert in der Regel nach marktwirtschaftlichen Gesetzen. Wenn wir uns als Kunden nicht marktwirtschaftlich verhalten, steigt die Inflationsrate.

    Der soziale Ausgleich wird in der Gesellschaft weitgehend durch die „Sozialgesetze“ herbeigeführt. In Deutschland werden extrem hohe finanzielle Mittel für den sozialen Ausgleich zur Verfügung gestellt, so hat alleine der Bundessozialhaushalt ungefähr 150 Milliarden Euro pro Jahr.

    Die hygienischen Zustände in den Lebensmittelbetrieben werden von Behörden überwacht. In der Lebensmittelherstellung ist es nicht einfach die ungebetenen Mitesser, wie Mäuse und Schimmel, fern zu halten.

    Die Demokratie gibt jedem erwachsenen Bürger eine Stimme, es werden die Bedürfnisse der Bürger berücksichtigt. Demokratie und Marktwirtschaft sind Wettbewerbssysteme, sie lassen uns die Wahl.

    Joachim Datko – Physiker, Philosoph
    Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
    http://www.Monopole.de

  • MHH

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    @datko 20.02. um 09:20

    Sie koketieren zwar mit „Ich bin Physiker, Phylosoph“ (ist das wichtig in diesem Zusammenhang?), doch Ihre Argumentation erscheint mir doch etwas naiv.
    Ihre marktwirtschaftlichen Auslassungen haben nur wenig mit Ihrem Urspungsargument „billig“ zu tun! Sie haben jetzt wenigstens zu „günstig“ gewechselt (ist schon ein Fortschritt).
    Dass sich der Backwarenanbieter marktwirtschaftlich verhält, ist korrekt, er macht dies gezwungenermassen, sonst geht er unter. Rationell zu produzieren hat aber nichts mit „billiger“ Produktion zu tun. Billige Produktion führt zu den Auswüchsen, die wir in den geschlossenen Backbetrieben nun erleben mußten: Schimmel, Tierchen usw. Offenbar Gesundheitsgefährdend.
    Nun argumentieren Sie plötzlich mit: der staatlichen Kontrolle. Ausgerechnet Sie, der ansonsten immer sinngemäß behauptet: zuviel Staat…?

    Pervers wird der marktwirtschaftliche Gedanke allerdings bei der Ware Arbeitskraft. Der produzierten Breze ist es egal, ob sie für 25 Cent oder für 50 Cent oder gar nicht verkauft wird. Sie wird verspeist oder wird weggeschmissen. Damit endet ihr „Leben“. Der Bäcker aber hat nur eins zu verkaufen, seine Arbeitskraft. Wenn er die nicht verkaufen kann, kann er und evtl. seine Familie nicht leben. Er ist gezwungen, seine Arbeitskraft zu verkaufen, um leben zu können. Die Zahl der Menschen, die arbeiten muss, ist aber nicht einfach nach Angebot und Nachfrage zu regeln. Dieser Markt (und die Anhänger der Marktwirtschaft sprechen auch hier von einem Markt) ist menschenverachtend. Wenn sich die Menschen nicht zu Solidargemeinschaften zusammenschließen sind sie in diesem Markt auf Dauer immer die Verlierer.

    Und Ihr „Sozialsystem“ dient in Wirklichkeit nur dazu, die Menschen, die durch diesen Rost gefallen sind, ruhig zu stellen. Es wird hier der Betrag ausgegeben, der dies voraussichtlich sicherstellt. Und den Betroffenen wird weisgemacht, sie wären die Versager in diesem System….

    Ihr Wettbewerbssystem stellt sicher: Der Hase darf den Löwen fressen und der Löwe den Hasen!

  • Joachim Datko

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    Zu MHH 20.02.12 – 10:24 Uhr

    Es ist schwierig, alle Menschen zufrieden zu stellen.

    Für Deutschland gilt, dass es eines der Länder ist, in das Menschen einwandern, um am Sozialsystem teilnehmen zu können.

    Viele handwerkliche Berufe werden nicht mehr oder nur in einem geringen Umfang gebraucht, dazu gehören auch die Bäcker. Die richtige Reaktion kann nur sein, weniger Bäcker auszubilden.

    Mit der fortschreitenden Technisierung werden immer weniger Menschen für unsere Versorgung benötigt. Maschinen erhöhen den Lebensstandard aller Menschen. Es macht keinen Sinn, dass ein Bäcker noch jede einzelne Semmel und jedes einzelne Brot berührt.

    Zitat: „… eins zu verkaufen, seine Arbeitskraft. Wenn er die nicht verkaufen kann, kann er und evtl. seine Familie nicht leben.“

    Der Lebensunterhalt wird im Sozialstaat bei Bedarf aus Steuermitteln bestritten. Der Umfang der Leistungen ist beträchtlich.

  • mkveits

    |

    Reg-Dig. schafft es auf die Nachdenkseiten und damit zu einem Millionenpublikum.

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=12276#h09

    Grund genug, die User-Qualität weiterhin zu mehren und der lokalen Zeitung mutig iSv Aufklärung und Ausgang aus der Unmündigkeit voranzugehen.

  • mkveits

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    Das BGE und die Folgen für faire Entlohnung

    Ich empfehle, dass verlinkte Gespräch nach Feierabend in Gänze anzuschauen.

    http://www.youtube.com/watch?v=J-Uq7_BsBLA
    – Gespräch mit Prof. Theo Wehner –

    Ein Bedingungsloses Grundeinkommen würde die Verhandlungspositionen aller Arbeitnehmer in einem Maßer verbessern, dass „unwürdige“ Löhne von selbst verschwänden.

  • MHH

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    @datko
    sie haben keine Ahnung! Zuviel ausgebildete Bäcker? Keineswegs, es fehlen ausgebildete Bäcker, die bereit sind, in diesem Beruf insbesondere zu den Zeiten zu arbeiten…und das zu diesem Lohn…deshalb ja auch die Probleme…

    Deutschland ein Einwanderungsland wegen der Sozialsysteme? Wo haben Sie denn diesen Unsinn her?
    Ihre scheinbaren Binsennweisheiten: „durch die fortschreitende Technisierung werden immer weniger Menschen für unsere Versorgung benötigt…“ sind „Allgemeinplätze“ ohne Substanz im Detail, denn:
    – Noch nie gab es soviel Hunger auf der Welt! In dieser Gesellschaft geht es nicht um Versorgung als Ziel. Sie dient als Mittel, aber nur, wenn es sich rentiert.

    Glauben sie allen Ernstes was Sie da schreiben?
    Maschinen führen nämlich nur dann zu einer Verbesserung der Lebensumstände aller, wenn sie auch allen dienen (z.B. in Form von Arbeitszeitverkürzung mit vollem Lohnausgleich).

    In einer funktionierenden Gesellschaft dürfte es eben nicht sein, dass ein Teil der Menschen arbeiten muss ohne Ende (Überzeit…) und der andere Teil eine Arbeitszeitverkürzunhg auf Null Std erhält und damit arbeitslos ist.

    Der „soziale Ausgleich“, wie Sie es nennen, wird in Summe ausschließlich von der Arbeitnehmergesellschaft finanziert. Unser derzeitiges Steuer- und Sozialversicherungssystem betreibt letztlich eine Umverteilung von unten nach oben.
    Schauen Sie mal nach, was die 5 % der Menschen an Steuern zahlen, die 90 % des Volkseinkommens haben!
    Die Sozialversicherung (Arbeitslosen, Kranken-, Rentenversicherung) wird ja auch nur als Solidarsystem für die Menschen mit geringerem Einkommen praktiziert. Menschen mit hohem Einkommen zahlen in dieses Sozialsystem gar nicht ein. Sie sind „privatversichert“, wie es so schön heißt. Treten dann plötzlich Risiken auf, dann zahlt wieder das Solidarsystem gell. Von wegen Wohlfahrtsstaat.

    Sie behaupten, der Lebensunterhalt würde aus Steuermitteln finanziert. Sie sind vermutlich genauso wie ich nicht von ALG II abhängig. Aber im Gegensatz zu Ihnen halte ich diesen Satz für nicht ausreichend, um davon den „Lebensunterhalt“ zu bestreiten. Diese Menschen werden großteils aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

    Aber die Unternehmen, die ihr verderbenden Lebensmittel nicht verkaufen können und diese dann großzügig spenden, können diese unverkäuflichen Waren zum theoretischen Verkaufswert auch noch als Spende von der Steuer absetzen. Soviel zum Sozialstaat Herr Philosoph.

  • Joachim Datko

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    Zu MHH 20.02.12 um 17:25 Uhr

    Sie haben scheinbar eine ganz andere Lebenserfahrung, das respektiere ich.

    Für mich sind Maschinen allerdings faszinierende Hilfen zur Versorgung der Menschen, Rationalisierung ist mir willkommen. Bäcker mussten früher hart arbeiten, heute machen Maschinen die Arbeit, wer wollte heute noch Teig kneten?

  • MHH

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    @datko
    das hat nichts mit anderer Lebenserfahrung zu tun, Sie sollten eben nicht einfach Sachen behaupten, die so nicht stimmen.

    Übrigens: auch ich finde Maschinen faszinierend. Wenigstens das scheinen wir gemeinsam zu haben.
    Maschinen sind in der Regel auch nichts schlechtes…, es kommt darauf an, wie der Mensch sie einsetzt!

  • Illoinen

    |

    In den USA hatte man für solche Firmen folgenden Satz: “ If you peanuts, you get „monkeys around you“ Frei übersetzt, wer mit Erdnüsse bezahlt, hat eben nur Affen um sich herum“ Dieser Satz beinhaltet eben auch den Verweis, dass es Firmen gibt, (wenn man diese überhaupt noch so nennen sollte?)die als ein zigstes „Geschäftsmodell“ nur die Ausbeutung kennen. Wenn solche „sog. Firmen dann behaupten, sie könnten nicht mehr zahlen. Überprüft das wer? Wenn das aber stimmt, dann wäre die viel spannendere Frage warum? Zu hoher Kapitaldienst? Falscher Standort? Zu hohe Raumkosten? Zu hohe privat Entnahmen usw. Es gibt auch die „sozialen Kapitalisten“ in Deutschland, aber leider immer weniger. Es ist eben viel leichter mit dem Geld, der Mitarbeiter sich an der Börse zu bereichern, wenn es gut, und in Steueroasen zu verschieben, oder zu verspekulieren und die Mitarbeiter zahlen dann die Zeche durch Lohnverzicht oder Verlust der Existenz. Da fällt mir spontan Meggle ein. Ratio Pharm der sich selber dann das Leben nahm und tausende Mitarbeiter mussten gehen, weil sich der sog. Eigentümer verspekuliert hatte….(…)

  • Joachim Datko

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    Zu 20.02.12 23:19 :“Da fällt mir spontan Meggle ein. Ratio Pharm der sich selber dann das Leben nahm und tausende Mitarbeiter mussten gehen, weil sich der sog. Eigentümer verspekuliert hatte“

    – Da sieht man, dass spekulieren keine Einbahnstraße für das Verdienen von Geld ist. Das Geld geht durch Spekulation nicht verloren. Wenn es wo anders als Gewinn auftaucht, erhält der Staat Steuern und kann einen üppigen Sozialhaushalt aufstellen, 43% des Gesamthaushaltes.

    – Man sollte auch nicht zu sehr am Arbeitsplatz hängen. Wer flexibel ist, kann auch Chancen nutzen.

  • Pragmatiker

    |

    Der Herr hieß Adolf Merckle (nicht „Meggle“) – und so schlicht, wie von Illoinen dargestellt („tausende Entlassungen, weil sich Merckle verspekuliert hatte“), war die Realität dann doch nicht:

    (Jan 2009) – Selbstmord von A. Merckle

    (Febr. 2009) – „Der Ulmer Generika-Hersteller Ratiopharm streicht weltweit rund 600 Stellen. (…) Betroffen seien auch rund 200 der insgesamt 2850 Mitarbeiter in Deutschland. (…) Weltweit arbeiten für den Konzern 5400 Beschäftigte.“

    An den Stellenstreichungen, die danach kamen, hatte Merckle keineswegs Schuld: Die lagen vielmehr an der Übernahme von Ratiopharm durch den israelischen Konkurrenten Teva – und den daraus folgenden Streichungen doppelter Stellenstrukturen (in Managerdeutsch: „Nutzung von Synergieeffekten“).

    Man sollte sich komplexe Zusammenhänge nicht „schön“reden.

  • MHH

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    @datko: „Da sieht man, dass spekulieren keine Einbahnstraße für das Verdienen von Geld ist“

    Welch Erkenntnis! Wieder mal so ein Spruch des philosophischen Physikers der wirklich umwerfend ist :-;! Und dann wieder die Gebetsmühle vom hohen Sozialhaushalt und dessen angeblicher Finanzierung. Nur wieder mal Unsinn! Steuertechnisch bleibt die ganze Spekulation nämlich (einer Verlust mit Steuerabzug, der andere Gewinn mit Versteuerung) neutral!

    Sie sollten bei dem bleiben, wovon Sie hoffentlich mehr verstehen als von solchen Sachen. Daher: bleiben sie bei der Mechanik, Gravitation und physikalischen Zusammenhängen! Oder gehört es zur Philosophie, dass man ständig von Sachen spricht, von denen man wenig Ahnung hat?

  • Franz Schuhwerk

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    ich kann mir doch eine abschließende Bemerkung zu den Äußerungen von Herrn Datko nicht verkneifen. Neben seiner Physik und Philosophie leidet er anscheinend an einer Art IT-Forums-Diarrhoe, man sehe sich nur einmal seine Seite „Monopole“ an. Dass er – in dieser Diskussion – großenteils bei den wirtschaftsliberalen Kampf- und Propagandatruppen abgelesenes Material wieder aussondert – eigentlich sollte es niemand kümmern. Entgegnungen sind vertane Zeit, denn die Meinungen stehen fest.

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