Sich der Verwertungslogik entziehen

„Pressefreie Zone.“ Beim bildungs- und sozialpolitischen Aschermittwoch des Regensburger Bildungsnetzwerks blieben die Medien weg (auch von unserer Redaktion war niemand da). Wir veröffentlichen deshalb einen Gastbeitrag von Magdalena Frauendorf von den Sozialen Initiativen.

„Die besten Ideen kommen in den ruhigen Momenten!“ Fritz Reheis. Fotos: Herbert Baumgärtner

Zum Bildungs-und Sozialpolitischen Aschermittwoch hatte das Bildungsnetzwerk (ein Zusammenschluss aus DGB, GEW, Sozialen Initiativen, Stadtjugendring und ver.di) diesmal den Privatdozenten Dr. Fritz Reheis von der Universität Bamberg in den Leeren Beutel eingeladen. Der Abend stand unter dem Thema „Arbeit und Bildung im Kapitalismus“ und fand ein gemischtes Publikum von über hundert Zuhörern. „Warum der Kapitalismus nicht zum Menschen passt“, wollte Dr. Reheis in den Abendstunden seinem Publikum in neun Thesen zu „Arbeit, Bildung und Politik“ näherbringen.

Innenhalten und Entschleunigen

Vor allem der Blickwinkel von dem aus Reheis sich dem Thema näherte stieß auf Interesse: Auf eine schon philosophisch anmutende Gedankenreise musste der Zuschauer sich einlassen, um dem Pädagogen und Politologen bei seinen Aussagen über die Zyklizität, den „Wechsel zwischen Tun und Denken“, folgen zu können: Der Mensch als einzig umfassend denkendes Wesen lebe letztlich aus einer „Kultur des Innehaltens und Nach- oder Vorausdenkens“ heraus, so Reheis. Nur wenn sich die Menschen bewusst würden, dass ihre Basis des Überlebens in einer schnelllebigen und gewinnorientierten Zeit eigentlich das „Innehalten und Entschleunigen“ sei, könne man sich dem Diktat der kapitalistischen Verwertungslogik entziehen, so Reheis.

Gegen die Bedürfnisse des Menschen

Trotz des akademischen Charakters der Rede versuchte er immer wieder anschaulich seinem Publikum näher zu bringen, dass der heutige Kapitalismus sich vor allem in der Arbeitswelt gegen das Bedürfnis des Menschen stellt, über sich selbst, aber auch über die Wechselbeziehung mit Mitmensch und Umwelt nachzudenken.

Marx und nochmal Marx

Mit Zitaten von Karl Marx zeigte der Bamberger Politologe seine Liebe zum Vater des Kommunismus, der für ihn die Selbstzerstörung des Kapitalismus schon früh durchschaut hat: Man müsste ihn eben bloß wieder mal lesen – so sein Tipp. Ob aber die Wiederholung marxistischer Sätze wie „Produktion wird um der Produktion Willen betrieben“ unbedingt die Motivation zur Marx-Lektüre bei den Zuhörern hervorgerufen hat, sei mal dahingestellt. Zumindest kommt man bei Reheis nicht um Marx herum, insbesondere weil die marxistischen Theorien sich passend zu seinen eigenen Thesen fügen.

Und wie ist der heutige Kapitalismus?

Für den Zuhörer ungeklärt blieb während des Vortrags jedoch, was den heutigen Kapitalismus nun wirklich ausmacht oder auch wie die „antikapitalistische Entschleunigungsstrategie“ praktisch im Arbeitsleben umgesetzt werden kann. Nicht nur das wurde in der anschließenden Diskussion gefragt. Der Redner musste sich der Unzufriedenheit einiger Zuhörer stellen. Ob er es sich denn nicht zu einfach mache, die Schwachpunkte des Kapitalismus an der nicht vorhandenen „sozial-ökologischen Zeitpolitik“ festzumachen. Wo und wie sollte konkret die Politik in das kapitalistische Wirtschaftssystem eingreifen? Was kann der Einzelne tun, außer eine „individuelle Zeithygiene“ am Arbeitsplatz umzusetzen? Reicht das schon, um sich gegen das Diktat des Kapitalismus zu stellen?

Wo bleibt der Mensch in der Arbeitswelt?

Diese und weitere Impulse der Zuhörer in Verbindung mit dem geschickte Reagieren von Fritz Reheis machten den Abend – nach einer Pause bei jazziger Hausmusik und Fischsuppe – zu einem wirklich interessanten Bildungserlebnis: Man nahm viele neue Denkanstöße mit nach Hause, vor allem die Frage, ob es nicht wirklich an der Zeit wäre, noch mehr zu hinterfragen, wo denn der Mensch mit seinen konkreten Bedürfnissen in unserer heutigen Arbeits-und Bildungswelt bleibt. Dass dieser Punkt in der öffentlichen Debatte vielleicht mehr Gewicht verdient als bisher, machte Fritz Reheis eindrucksvoll klar.

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Kommentare (16)

  • Joachim Datko

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    Zitat: „Der Abend stand unter dem Thema „Arbeit und Bildung im Kapitalismus““

    Nur leben wir nicht in einer kapitalistischen Gesellschaft, sondern in einer sozialen Gesellschaft.

    Die Veranstalter DGB, GEW, Sozialen Initiativen, Stadtjugendring und ver.di sollten das wissen.

    „Bildung und Arbeit in der sozialen Marktwirtschaft“, wäre meiner Ansicht nach als Thema besser gewesen.

    Joachim Datko
    Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft

  • mkveits

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    Menschengerechter, an Artikel 1 GG ausgerichteter Kapitalismus als öko-soziale Marktwirtschaft, der die Wirtschaft demokratisiert und dem Menschen dient: Wie geht das? Eine Utopie?

    Zum Gauck-Portrait von gestern in der „Kulturzeit“
    http://www.3sat.de/kulturzeit/index.html

    gibt es gewisse Schnittstellen zum Bildungsabend im Leeren Beutel.

    Stichworte:

    1.
    Ist der „heutige Kapitalismus“ menschengerecht, wird vor allem die Würde des Menschen geachtet und geschützt iSd Artikel 1 Absatz 1 Satz 2 des Grundgesetzes? Warum wird unter den Augen der Parteien und gerade auch durch sie (Errichtung des Niedriglohnsektors z.B.) derart gegen dieses herausragende Leitziel der Verfassung verstoßen? Was macht die 4. Gewalt in diesem Zusammenhang?

    2.
    Kann der „Rauptierkapitalismus“ (Helmut Schmidt) wieder in den „Rheinischen Kapitalismus“ zurückgeführt werden?

    3.
    Kann es künftig ein menschengerechtes Wirtschaftssystem geben, dass von unserem Grundgesetz getragen wird?
    Siehe z.B. Artikel 15 GG und Ahlener Programm der CDU von 1947 –
    http://www.kas.de/upload/themen/programmatik_der_cdu/programme/1947_Ahlener-Programm.pdf

    Der designierte BP sagt in dem Interview sinngemäß, dass er kein anderes System (Unterscheide zwischen demokratischem System und Wirtschaftssystem; der Kapitalismus ist nicht(!) von der Verfassung geschützt, was scheinbar der CSU-Mann Dobrindt nicht zu wissen vorgibt) wolle, dachte dabei aber wohl, so habe ich ihn verstanden, als Alternative nur an den, die Menschen unterdrückenden DDR-Sozialismus, der erfolgreich von den Bürgern überwunden wurde.

    Die Frage, die offenbar auch im Leeren Beutel offenblieb, und der sich auch Gauck differenzierter stellen wird, lautet doch:

    Wie errichtet man im Rahmen des Rechtsstaats und der freiheitlichen demokratischen Ordnung eine öko-soziale Martwirtschaft, die vor allem die Wirtschaft demokratisiert und den Menschen iSv Artikel 1 GG dient?

    Davon sind wir auch nach 60 Jahren noch weit entfernt. Daher hätte ich mir als BP Prof. Klaus Töpfer gewünscht, der mit seinem Wissen und Erfahrung die richtige Weichenstellung auf den Weg hätte bringen können. Gauck bezeichnet sich selbst als „Lernenden“ – also bin ich bereit, ihm einen großen Vertrauensvorschuss zu zollen; er hat mit seiner Macht der Sprache jedenfalls das Zeug dazu, zwar keinen „Ruck“, wohl aber eine WELLE der Veränderung in unserer Gesellschaft zu initiieren – gemeinsam mit all jenen Bürgern, die wissen, dass es soooo
    nicht weitergehen kann ….

    mkveits

    P.S. Was eigentlich die freiheitliche demokratische Grundordnung im Détail ausmacht, hat das Bundesverfassungsgericht in einer frühen Entscheidung sehr genau definiert; dazu zählt auch „die Chancengleichheit für alle politischen Parteien mit dem Recht auf verfassungsmäßige Bildung und Ausübung einer Opposition“.

    Zum Urteil vom 23.10.1952 – BVerfGE 2, 1 [12 f.] – habe ich verlinkt auf
    http://aktionboss.de/freiheitliche-demokratische-grundordnung

  • Dubh

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    Datko: „Nur leben wir ……….in einer sozialen Gesellschaft. “

    Ja, im Gegensatz zu beispielsweise Bären.
    Welch bahnbrechende Erkenntnis!
    Man kann gar sagen, gemeinsam zu leben ist (menschlichen) Gesellschaften inhärent!

    Das sagt allerdings noch gar nichts über die Art des Zusammenlebens, die Art der wechselseitigen (sozialen!) Beziehungen, geschweige denn über politische Systeme oder Produktionsweisen menschlicher Gesellschaften.

    Da Sie ja nun zudem behaupten, „wir“ produzieren nicht kapitalistisch sondern marktwirtschaftlich, benennen Sie doch bitte die signifikanten Unterschiede dieser Produktionsweisen.

    Es dürfte von einen Großphilosophen, Soziologen, Makro – wie Mikroökonomen………… doch nicht zu viel verlangt sein, mal ausnahmsweise seine ständige Produktion von Leerformeln mit Inhalten zu füllen, die über „Geiz ist geil“ – was übrigens keineswegs ein marktwirtschaftlicher Ansatz ist – hinausgehen.

  • MHH

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    @datko:
    wieder einmal pseudo-philosophieren Sie über etwas, wovon sie offenbar keine Ahnung haben und es deshalb besser lassen sollten!

    Die „soziale Marktwirtschaft“ bezeichnete das, was allenfalls vor 1990 als „soziales Bollwerk“ in der BRD versucht wurde, um zu beweisen, dass es im kapitalistischen System sozialer zugeht (Vorzeigekapitalismus) als im real existierenden Sozialismus.

    Seit 1990 hat sich das deutsche Wirtschaftssystem mehr und mehr zum klassischen Kapitalismus a la Friedman der übrigen westlichen Welt rückentwickelt, nein, schlimmer noch, die BRD ist inzwischen sogar dessen oberster Vorreiter in Europa geworden.

    Die Demokratie endete allerdings auch vorher schon in der BRD am Betriebstor. Da müßte an sich stehen: „Achtung, Sie verlassen den demokratischen Sektor der BRD“. Denn hinter diesem Tor herrscht nahezu uneingeschränkte Diktatur des Eigentümers.

    Sie behaupten, in der BRD gäbe es keinen Kapitalismus. Offenbar leben Sie in einer anderen Welt. Unter „Sozial“ verstehe ich jedenfalls was ganz anderes.

    Sie waren zwar offenbar nicht bei der Veranstaltung, maßen sich aber an, darüber zu befinden, ob ein anderes Thema besser gewesen wäre! Sie leiden offenbar an permanenter Selbstüberschätzung. Es steht Ihnen aber frei, zu Ihrem vorgeschlagenen Thema selbst eine Veranstaltung zu machen.

  • Joachim Datko

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    Zu 28.02.12 „Die Demokratie endete allerdings auch vorher schon in der BRD am Betriebstor. Da müßte an sich stehen: “Achtung, Sie verlassen den demokratischen Sektor der BRD”. Denn hinter diesem Tor herrscht nahezu uneingeschränkte Diktatur des Eigentümers.“

    Sollen die Arbeitnehmer in Betrieben abstimmen, wo es lang geht? Wer so einen Wunsch hat, sollte selbst einen Betrieb aufmachen.

    Ich kenne sehr viele Betriebe von innen und habe viele Menschen kennengelernt, die in diesen Betrieben arbeiten und gutes Geld verdienen, von Ihrer Einschätzung habe ich keine Spur gesehen.

    Ohne die Industrie könnten wir die Menschen in der Bundesrepublik nicht so excellent versorgen. Zu uns kommen Menschen aus vielen Teilen der Welt, weil sie von den sehr guten Arbeitsbedingungen und dem sehr guten Sozialsystem gehört haben. Unsere leistungsfähige Industrie kann nur mit hochmotivierten Mitarbeitern im Wettbewerb bestehen. Wer Mitarbeiter schlecht behandelt, schadet sich selbst, es droht die innere Kündigung, ein Industriebetrieb kann sich das nicht leisten. Man denke nur an die hohen Prämien, die die Automobilindustrie gerade ausschüttet.
    Siehe z.B. http://www.derwesten.de/auto/autobauer-zahlen-rekord-praemien-ausser-bei-opel-id6403716.html

    Es ist mir bewusst, dass es auch Arbeitsbedingungen gibt, die sehr schlecht sind.

  • MHH

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    @datko
    „Sollen die Arbeitnehmer in Betrieben abstimmen, wo es lang geht? Wer so einen Wunsch hat, sollte selbst einen Betrieb aufmachen.“
    Aha, ihre Demokratie endet also am Fabriktor? Und das ist dann „soziale Marktwirtschaft? Interessant!Sehen Sie, das macht den Unterschied aus! Da war das „Ahlener Programm“ der CDU schon deutlich fortschrittlicher! Sie können sich nur einen Betrieb vorstellen, der diktatorisch bestimmt ist! Auch die Montanmitbestimmung war da schon ein bischen was.

    Sie kennen viele Betriebe von innen und kennen viele Menschen? Oh wie süß! Glauben Sie denn, das trifft auf mich und andere nicht zu?

    Wieso verquicken Sie denn Industrie mit Kapitalismus, glauben Sie denn, die gäbe es anders nicht? Der Produktionszweck wäre allerdings ein anderer (nämlich Versorgung der Bevölkerung statt Profit).

    Zum Sozialsystem: schon mal davon gehört, dass Deutschland inzwischen innerhalb der EU als Billiglohnland gilt? Sie zehren von vergangenen Jahrzehnten! Ihnen fehlt offenbar der Blick für die aktuelle Realität!

  • Joachim Datko

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    Zu 29.02.12 18:54
    Zitat: „Zum Sozialsystem: schon mal davon gehört, dass Deutschland inzwischen innerhalb der EU als Billiglohnland gilt?“

    Hohe Löhne haben die „Geschwister“ Arbeitslosigkeit und
    Inflation.

    Hier eine erschreckende Statistik zu Lohnsteigerungen im öffentlichen Dienst und der Staatsverschuldung:

    http://www.statistiker-blog.de/archives/lohnsteigerung-deutschland/802.html

    Die Länder mit hohen Lohnsteigerungen sind massiv überschuldet:
    Irland, Griechenland, Portugal, Spanien

    Zitat: „Der Produktionszweck wäre allerdings ein anderer (nämlich Versorgung der Bevölkerung statt Profit).“

    Die Marktwirtschaft behandelt mich als Kunden, sie versorgt mich mit den Gütern meiner Wahl, andere Wirtschaftsformen versuchen mich zu bevormunden, man denke nur an die Planwirtschaft der DDR.

  • MHH

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    @datko: sie haben wirklich keine Ahnung von Wirtschaft! Planwirtschaft: wollen Sie damit sagen, dass Planung falsch ist? Jedes Unternehmen plant, auch die Wirtschaftspolitik plant, daher: Planung gibt es überall! Da haben Sie wieder mal was gehört und argumentieren mit solchem Blödsinn!
    Falsche Plan z i e l e sind in jedem System schlecht!

    Ihre Statistik vergleicht lediglich die Lohnentwicklung innerhalb der EU ohne die Wirtschaftsentwicklung der letzten Jahre einzubeziehen. Passt also hier nicht zum Thema!

    Wo ist Ihre Statistik zur Profitsteigerung in der BRD?
    Die Lohnsteigerung im ÖD-Bereich in der BRD in den letzten zehn Jahren fing nicht mal die Inflationsrate auf, es gab faktisch eine Lohnsenkung. Im Industriebereich war es zwar nicht ganz so schlimm, trotzdem war auch hier Inflation + Produktivitätssteigerung deutlich niedriger als die Lohnsteigerung! Umverteilung von unten nach oben nennt man dies, unterstützt von staatlicher Steuerpolitik, die die Steuern der Unternehmen senkte und gleichzeitig die Verbrauchssteuern erhöhte!

    Dem Kreislauf entzogener Profit ist die Ursache der derzeitigen Finanzmarktkrise, dieser Profit entwickelte sich durch Spekulation zum Desaster für die unschuldigen Arbeitnehmer in den EU-Staaten und anderswo. Geld wurde inzwischen selbst zur Ware, welch Verrücktheit!

  • jens

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    @ MHH „Planwirtschaft“ bezeichnet üblicherweise keineswegs die falsch geplante Wirtschaft. Planwirtschaft gab es „links“ wie „rechts“. Wie wäre es, wenn Sie statt der Herabsetzung eines Diskussionspartners wenigstens einen Blick in die Wikipedia würfen? http://de.wikipedia.org/wiki/Planwirtschaft

    @dubh vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Marktwirtschaft

    Manches würde ich anders ausdrücken (offene Begriffsdiskussion ist ein Markenzeichen der wikipedia). Aber obige Unterstellung ist schon nach der Wikipedia-Lektüre wohl nicht mehr nötig.

    Und respektlose Diskussion wirft ohnehin primär ein Licht zurück auf die Angreifer.

  • MHH

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    jens@:
    Wenn Sie schon auf wikipedia verweisen:
    Zitat dort: „Der Begriff Planwirtschaft gilt zumindest im deutschsprachigen Raum als missverständlich, da auch in der Marktwirtschaft, etwa bei der Unternehmensplanung, geplant wird.“
    Dass es immer wieder zentralistische Planwirtschaft gab und gibt, die sich nicht an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, ist unbestritten. Dies pauschal auf die DDR (obwohl ich kein Fan dieses ehem. Staatskapitalismus bin) zu beziehen, ist mir zu platt.
    Wer immer wieder gebetsmühlenartig unfundiert und oft zum Artikel-Thema unpassend pauschale Schlagworte in die Diskussion wirft, dabei ständig seine eigene Website anpreist und dabei mit seinen studierten Berufen hantiert, darf sich nicht wundern, wenn es auch mal deftiger wird.
    Besonders problematisch wird es aber, wenn mit Fakten falsche Bezüge herstellt.
    Behauptung datko@: hohe Lohnsteigerung führt zu hoher Staatsverschuldung, gefolgert aus einer Lohnentwicklung von 1999-2009 einiger EU-Staaten. Fakt ist aber, dass in diesem Zeitraum die deutsche Verschuldung (bezogen auf das BIP) prozentual stärker stieg als in den meisten anderen EU-Ländern. Die Staatsverschuldung der meisten hoch verschuldeten EU-Länder entstand erst durch die Finanzmarktkrise (2008 folgende).
    datko@: „die Marktwirtschaft versorgt mich mit Produkten meiner Wahl“.
    Dass ich aber diese Waren bezahlen können muss, wird geflissentlich übersehen….
    Die Fehler in der DDR werden gleichgesetzt mit: nur Marktwirtschaft versorgt mich… dabei brauche ich nur den Hunger in der Welt betrachten, um zu sehen, was Marktwirtschaft bewirkt.

  • Manfred Hellwig

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    datko@: „Hohe Löhne haben die “Geschwister” Arbeitslosigkeit und Inflation.“

    Diese typische Unternehmerbehauptung stimmt nicht! Beispiel:
    Löhne 2000-2010 nominal
    Deutschland + 12 %
    Niederlande + 40%
    Inflation 2000-2010
    Deutschland ca. 17 %
    Niederlande ca. 22 %
    Folge:
    reales Lohnplus in NL 18% in 10 Jahren
    reales Lohnminus in D 5% in 10 Jahren
    Die Arbeitslosigkeit aber ist in der NL (ca.4,5%) deutlich niedriger als in Deutschland (7,1%)
    Für Skandinavien läßt sich ähnliches nachweisen. Die Löhne in Norwegen z.B. sind besonders hoch, die Arbeitslosigkeit verschwindend gering.
    Auch ihr Spanien und Griechenlandvergleich stimmt nicht, die Arbeitslosigkeit sank von 2000-2007 kontinuierlich, erst durch die Finanzmarktkrise explodierte dort die Arbeitslosigkeit, in Irland lag sie bei 4,5 % bis 2008 die Finanzmarktkrise kam und die Arbeitslosigkeit explodierte. Nicht hohe Löhne sondern Spekulation mit den Finanzen führte zu diesem Dilemma.

  • Dubh

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    @ Jens

    Warum erzählen sie mir jetzt was über soziale Marktwirtschaft?

    Danach hatte ich Datko nicht gefragt, sondern was denn der Unterschied zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus wäre. er meint ja offensichtlich das wäre was komplett Verschiedenes.
    Sie auch?

    Wenn, dann sollten Sie sich mal Gedanken über den Begriff „rheinischer Kapitalismus“ in ihrem Link machen, der auch für „soziale Marktwirtschaft“ verwendet wird.

    Oder sind Sie wie Datko nicht in der Lage zwischen politischem System, Wirtschaftssystem, Gesellschaft allgemein, geschweige denn zwischen der „reinen Lehre“ und Realitäten zu unterscheiden?

  • jens

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    Respektlosigkeit beschmutzt Angreifer.

    „Soziale Marktwirtschaft“ (1. Leserkommentar) und „Planwirtschaft“ (1. März 2012 um 15:05 Uhr ) erschienen mir als Schlüsselbegriffe der überhitzten Diskussion. Zu beider Klärung sollten die „neutralen“ Wikipedia-Darstellungen helfen (auch wenn ich manches anders sähe). Allein aus den 2 Links fragend abzuleiten, wozu ich selber „nicht in der Lage“ sei, übertrifft jeden Hellseher. Gratulation, Fr/H. Dubh!

    „Versorgung der Bevölkerung statt Profit“(MHH)? Viele unterschiedliche Wirtschaftssysteme mit sozialistischem Anspruch und ohne Profite versorgten bisher die Bevölkerung praktisch schlechter als Systeme mit Profiten (vgl. Datkos „Planwirtschaft der DDR“, Albanien, China vor vs. seit Deng).

    Kurzfristiger Profit ist in mancher Wirtschaftskultur ein Unternehmensziel, aber nicht das wichtigste.

    Wurde im Vortrag statt eines realen Wirtschaftssystems vielleicht eine bloße Konzeption (mit oder ohne Lenkungsfunktion von Preisen) empfohlen, die die Vision von Marx ausgestaltet?

  • MHH

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    @jens: „Respektlosigkeit beschmutzt Angreifer“
    Hier sind wir offenbar unterschiedlicher Meinung.

    Wenn jemand allen ernstes behauptet (1.Beitrag), wir würden in keiner kapitalistischen Gesellschaft leben, den kann ich leider nicht mehr ernst nehmen!
    Die behauptete „soziale Gesellschaft“ ohne nähere Definition ist einGummibegriff, der nichts konkret beschreibt. Solche nichtssagenden allgemeinen Floskeln sind das Markenzeichen dieses Diskussionsteilnehmers nicht nur zu diesem Beitrag.
    Ich behaupte, die Mitglieder jeder Gesellschaft stehen ohnehin schon in einem gewissen sozialen Verhältnis zueinander. Deshalb ginge es nun ja gerade darum zu definieren, wie wir uns dieses soziale Verhältnis untereinander vorstellen. Da ist natürlich die Anwort sozial nicht wirklich hilfreich. Denn über das, was sozial ist, gibt es ja ständig ‚Streit.

    Ich habe übrigens nicht behauptet, dass die (ehem.) staatskapitalistischen Systeme die Versorgung der Bevölkerung gesichert haben. Ich habe behauptet, dass Produktionszweck im Kapitalismus der Profit und dessen Maximierung und nicht die Versorgung der Bevölkerung ist.
    Und dieses Prinzip schafft derzeit überall auf der Welt Katastrophen. Ginge es um Versorgung, müßten die Produkte so geschaffen sein, dass sie 1. möglichst alle haben können, die es wollen, 2. möglichst lange halten, 3. möglichst einfach zu reparieren, verändern und erneuern sind, 4. möglichst umweltfreundlich wiederzuverwerten sind.
    Dies würde aber dem Ziel des ständigen Mengenwachstums wiedersprechen.

    Deshalb gibt es auch viele Länder, in denen die Menschen letzlich als Folge dieser Produktionsweise verhungern.

    Kurzfristiger nicht nachhaltiger Profit ist insbesondere das Prinzip der „Heuschrecken“, aber jeder Unternehmer will möglichst viel Profit machen, am schlausten sind auf Dauer diejenigen, die dies auf Dauer erreichen. Die Idee der „Heuschrecken“ ist es, diese kurzfristige Profitmaximierung zum nachhaltigen Prinzip zu machen, indem mann eben ein Unternehmen nach dem anderen filetiert.

    Mir fällt allerdings auf, dass Sie auf die von mir und anderen genannten Fakten bisher keine Antwort haben!

  • jens

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    Vorbildlich zeigt ein (linker) Professor, wie er eine andere Gesinnung ernst nimmt. Zugleich zeigt er vermutlichen Gesinnungsfreunden Grenzen der Meinungsfreiheit auf.
    http://www.taz.de/Antisemitismus-Forscher-ueber-Gauck/!88930/
    Schräge Thesen können eine Diskussion gelegentlich befruchten. Das Beharren auf Schrägem stört.

    Ich habe versucht, ungenau erscheinende Formulierungen mehrerer Diskutanten nicht anzukreiden oder gar „bösartig“(Prof.Benz) umzudeuten, sondern wohlwollend-konstruktiv zu interpretieren. Ähnliche Versuche wünsche ich MHH.

  • MHH

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    @jens:
    ich würde mir wünschen dass sie nicht mit ständigen Unterstellungen arbeiten würden, sondern auf Fakten eingehen. Auch sie sind aber leider im Begriff, sich nur in allgemeinem Geschwafel zu verlieren.

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