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Ehrung

„Mr. Originalton Süd“: Bairische Sprachwurzel für Skilegende Markus Wasmeier

Der Bund Bairische Sprache ehrte den Olympiasieger und Weltmeister am Samstag in Regensburg für seine Verdienste um den bairischen Dialekt.

Ein Heimatpfleger für das materielle und immaterielle Kulturerbe: Markus Wasmeier. Foto: as

„Ein paar Manager“ hätten „schon probiert“, ihn glattzubügeln, den mittelbairischen Dialekt, mit dem Skilegende Markus Wasmeier (60) immer vor die Mikros getreten ist. „Die haben gemeint, dass sie mich dann besser vermarkten können.“ Doch der Schlierseer hat sich nicht verbiegen lassen. Tracht statt Anzug und Dialekt statt geschliffenes Hochdeutsch.

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„Ich mach’s a so wia i mechad.“ Alles andere wäre ein „unendliches Theaterspuin“, sagt Wasmeier im Museum der Bayerischen Geschichte in Regensburg, wo er am Samstag für seine Verdienste um den Dialekt die Bairische Sprachwurzel überreicht bekommt.

„Sprachkultureller Botschafter des Mittelbairischen“

Wasmeier habe auch nach seiner aktiven Zeit als Sportler „nicht an Leuchtkraft verloren, weil er selbstbewusst und authentisch muttersprachlich geerdet ist“, sagt Sprachwurzelerfinder Sepp Obermeier. „Bei einer unzureichenden Erdung, wenn also der Leitungsquerschnitt zu gering ist, reicht es nach den Regeln der Physik nur zu einem Verglühen.“

Der Vorsitzende des Bunds Bairische Sprache zieht einen Vergleich zu zwei „Skirennläufern aus dem Werdenfelser Land“, gemeint dürften Rosi Mittermaier und Christian Neureuther sein. Diese hätten sich zu Beginn ihrer Karriere als selbstbewusste Dialektverfechter gegeben, seien aber schließlich unter Beratereinfluss zu konsequenten Dialektverweigerern geworden. Wasmeier hingegen sei stets ein „sprachkultureller Botschafter des Mittelbairischen“ geblieben, ein Multiplikator „mit Vorbildcharakter“.

Seit 2005 wird die Sprachwurzel an Persönlichkeiten verliehen, die in der Öffentlichkeit an ihrem Dialekt festhalten. Heuer zum 20. Mal. Zu den Preisträgern gehören Gerhard Polt, Luise Kinseher oder der 2022 verstorbene Papst Benedikt XVI. Olympiasieger Markus Wasmeier ist der erste Spitzensportler, der die 14 Kilo schwere Glasskulptur erhält.

„Mr. Originalton Süd“

Dass er immer selbstbewusst Mittelbairisch spricht, führte, daran erinnert Obermeier, 1985 zu einem „sprachzentralistischen Affront“ im ZDF. Während eines Interviews mit dem damals frischgebackenen Riesenslalom-Weltmeister blendete der Sender die ganze Zeit ein Laufband „Originalton Süd“ ein, analog zum „Originalton Ost“-Laufband, mit dem Beiträge aus dem DDR-Fernsehen versehen wurden.

Sepp Obermeier überreicht Wasmeier die Sprachwurzel. Foto: as

Es gab heftige öffentliche Reaktionen bis hinauf zur Bayerischen Staatskanzlei und am Ende eine Entschuldigung des Senders. Obermeier: „Immer wenn es um die öffentliche Diskreditierung von Dialekt geht, dann sollte man sich an den Mr. Originalton-Süd erinnern.“

Für Laudator Professor Dr. Robert Obermaier, Chefarzt am Klinikum Straubing, ist Wasmeier das „Wintersportidol meiner Generation“ und ein Heimatpfleger, der sich mit seinem Schlierseer Bauernhofmuseum für das materielle und mit seinem Dialekt für das immaterielle Kulturerbe einsetze.

Seitenhieb für die Staatsregierung

„Dialekt muß gredt wern, sonst gehts dahi“, so Obermaier. Eine Generation ohne Bairisch reiche, um ein 1500-jähriges Kulturgut für immer verschwinden zu lassen. Markus Wasmeier, der „mit Vorbildcharakter unsern Dialekt auf hochsprachlicher Augenhöhe“ artikuliere, bringe eine „automatische Aufwertung und des is de Grundlage fürs dialektale Überlebn“.

Laudator Robert Obermaier (li.) fordert von der Staatsregierung mehr Toleranz in Sachen Sprache. Foto: as

Einen Seitenhieb erlaubt sich der Laudator. Wegen des Genderverbots der Bayerischen Staatsregierung. Das Bairische werde sich weiterentwickeln und verändern, wenn es gesprochen und erhalten werde, sagt Obermaier. „Aber wenn jetzt de bayerische Staatsregierung mit offiziellen Verboten versucht, in die Sprache, und auch wenn’s nur die Behördensprache ist, einzugreifen, dann ham de Großkopfadn des ungeschrieben bayrische Gesetz ‘lem und lem lassn’ leider ned richtig verstandn.“ Dafür gibt es am Samstag fast so viel Applaus wie für den 20. Träger der Bairischen Sprachwurzel.


Der Text erschien zunächst in der Print-Ausgabe des Münchner Merkur.

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Kommentare (5)

  • Mr. T.

    |

    Ich habe den “Originalton Süd” damals nicht als Affront gesehen. Es war doch einfach nur lustig, hier diese Anspielung auf die Kennzeichnung von DDR-Propaganda herzustellen. Besser als Synchronisieren, was bis heute immer noch oft passiert.
    Schön auch, dass hier auch auf das Mittelbairische im Speziellen eingegangen wird – was aber nichts mit der ähnlich benannten Zeitung zu tun hat, die vor allem im Nordbairischen Sprachraum zum Auslegen von Katzenklos verwendet wird.
    Schöner Seitenhieb in Richtung der Staatsregierung! Fehlt nur noch ein Seitenhieb auf den schlimmsten Radikalen (radikal ist jemand, der eine Sache an der Wurzel packt) dort, der mit seinem Pseudobairisch regelmäßig die Axt an die hiesige Sprachwurzel anlegt und die hiesige Bevölkerung teilweise zum Gespött im Rest von Deutschland macht.

  • Mafame

    |

    Es muss immer dringender werden den dialekt in.gesellschaft und schulden zu pflegen

  • Hthik

    |

    Soll mia recht sa.
    Solangs net wida ‘d Politika ofangen, dass a Lehrerin ned schreim derf, das da Bua net gscheid Hochdeutsch redt und des sa kannt, wall dahoam bloß boarisch gred werd.

  • Jens

    |

    @Mafame Meine Variante: “Es muss der FDP immer dringender geraten werden, Gesellschaft und Schulden zu pflegen.”

  • BvG

    |

    Herr Obermaier bringt da was durcheinander. Der bairische Dialekt ist tolerant, die deutsche Hochsprache ist es nicht, denn sie muss standardisiert und reguliert sein. Daher darf die bayerische Staatsregierung auch an die bestehenden Sprachvorschriften, die für sie gelten, erinnern und sie auch durchsetzen. Wenn jeder Deutsch spricht und schreibt, wie er es für richtig halt, geht die Hochsprache ihrer Funktion als Verständigungsmittel über die Stammesgruppen und politischen Lager hinweg verlustig.

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