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Fachgesellschaften warnen

Die Erderwärmung beschleunigt sich gefährlich, warnt die Wissenschaft – Klimaaufruf wird in Regensburg vorgestellt

Vier große wissenschaftliche Fachgesellschaften appellieren an die Politik, Klimaschutz und Klimaanpassung schneller und entschlossener als bisher voranzutreiben. Das ist ein äußerst ungewöhnlicher Schritt. Am 14. Januar stellen die Scientists for Future Regensburg den Klimaaufruf öffentlich vor und laden zur Diskussion mit Fachleuten ein. Hier erklären sie, worum es genau geht.

Prof. Dr. Klaus Richter ist Professor für Physik an der Uni Regensburg und als Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft an dem Klimaaufruf beteiligt. Foto: Wikimedia Commons

„Glauben Sie an den Klimawandel?“ „Da könnten Sie mich genauso fragen, ob ich an die Schwerkraft glaube,“ wäre die passende Antwort. Denn die Klimaforschung ist sich einig: über 97 Prozent aller Veröffentlichungen des Fachgebiets zeigen: Der Klimawandel ist real, verursacht durch menschengemachte Treibhausgasemissionen, er wird schlimme Folgen haben und das einzige wirksame Rezept dagegen ist der Stopp aller Treibhausgasemissionen.

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Die Warnung der Wissenschaft ist laut und deutlich

Es kommt selten vor, dass wissenschaftliche Fachgesellschaften gemeinsam in Sachen Klimawandel Alarm schlagen. Doch genau das passierte im vergangenen September: Die Deutsche Physikalische Gesellschaft und die Deutsche Meteorologische Gesellschaft veröffentlichten einen Klimaaufruf, der deutlicher kaum sein könnte. Auch die Gesellschaft der Deutschen Chemiker sowie der Verband Biologie, Biowissenschaften & Biomedizin in Deutschland haben sich dem Klimaaufruf angeschlossen.

Was im Klimaaufruf steht

Die globale Erwärmung hat sich beschleunigt. 2024 wurden im weltweiten Durchschnitt erstmals 1,5 °C über vorindustriellem Niveau erreicht. In 25 Jahren werden es wahrscheinlich zwei bis drei Grad werden, wenn wir den Ausstoß aller Treibhausgase nicht zügig und deutlich senken.

Man muss sich klarmachen, was genau das für uns bedeutet: denn drei Grad wärmer, das könnte ja ganz angenehm erscheinen. Aber ganz im Gegenteil: zum einen stellen die drei Grad die mittlere Oberflächentemperatur der Erde dar. Lokal kann die Temperaturänderung sehr unterschiedlich ausfallen.

Über Land erwärmt sich die Luft viel stärker als über dem Meer. In Deutschland war es deshalb schon 2024 um gut drei Grad wärmer und bis 2100 sagen Klimamodelle zwischen vier und sechs Grad Erwärmung voraus, wenn die Emissionen so weiterlaufen. Zum anderen gelangt, je wärmer es wird, viel mehr Wasser in die Luft und verursacht viel häufigere und intensivere Starkregen, Hochwasser und Überflutungen.

Auch Hitzewellen und Dürreperioden nehmen zu. Dadurch sinkt der Grundwasserspiegel ab und gefährdet so die Versorgung mit Trinkwasser und Nahrungsmitteln. All das spüren wir heute schon, auch in Deutschland und Bayern.

Die gute Nachricht: Es gibt Lösungen

Die beschleunigte Erderwärmung ist eine Gefahr für Leib und Leben, so der Aufruf. Es kann passieren, dass noch vor 2050 in tropischen Regionen Situationen auftreten, in denen ein Überleben im Freien unmöglich ist. Der Meeresspiegel wird schneller ansteigen und schon in den nächsten Jahrzehnten weltweit Küstenregionen bedrohen, auch an der deutschen Nord- und Ostseeküste. Extremes Wetter macht Landwirtschaft schwerer, teilweise unmöglich. Hunderte Millionen Menschen sind dann von Armut bedroht, einige Regionen könnten sogar unbewohnbar werden.

Aber wir können das Ausmaß dieser Bedrohung unserer Lebensgrundlagen noch beeinflussen, wenn wir jetzt sofort und entschlossen Klimaschutz und Klimaanpassung mit gleicher und sehr hoher Dringlichkeit vorantreiben. Das heißt vor allem, die Emission von Treibhausgasen aus der Nutzung von fossilen Brennstoffen wie Gas, Kohle und Öl sowie aus der Landwirtschaft so schnell wie möglich zu stoppen.

Globale Temperaturveränderungen der letzten 20.000 Jahre. Grafik: DPG/Gehlen

Die gute Nachricht ist: Wir haben die Technologien und Lösungen dafür. Jetzt braucht es ein entschlossenes gemeinschaftliches Handeln, um sie umzusetzen. Die Wissenschaft hat auch Konzepte vorgestellt, wie das fair und sozial verträglich passieren kann. Die Einnahmen aus den CO2-Gebühren pro Kopf umzuverteilen, ist ein Beispiel.

Regensburger Professor ist Mit-Autor

Prof. Dr. Klaus Richter ist Professor für Physik an der Uni Regensburg und als Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft an dem Klimaaufruf beteiligt. Ihn und drei weitere Fachleute konnten die Scientists for Future Regensburg für eine öffentliche Diskussion am 14. Januar gewinnen (19 Uhr, D.-Martin-Luther-Straße 19).

Teilnehmen werden Prof. Dr. Georg-Stephan Barfuß, Leiter des Referats für Wirtschaft, Wissenschaft und Finanzen der Stadt Regensburg, Prof. Dr. Michael Sterner, Professor für Energiespeicher, Wasserstoff und Energiesystemtechnik an der OTH Regensburg, und Dr. Sophia Schäfer, Mathematikerin und promovierte Meteorologin mit Fachgebiet Wetter- und Klimamodellierung.

Die Oberbürgermeisterin der Stadt Regensburg, Gertrud Maltz-Schwarzfischer, hat die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen. Der Klimaaufruf wird kurz vorgestellt und danach im Podium und mit dem Publikum diskutiert.

Warum diese Diskussion wichtig ist

Regensburg spürt die Klimaveränderungen deutlich: Hoch- und Niedrigwasser, heißere Sommer, tropische Nächte, zunehmende Belastungen für Gesundheit und Infrastruktur sowie in der Umgebung Ernteausfälle und Waldschäden.

Viele Entscheidungen der Gegenwart – etwa zur Wärmeplanung, Energieversorgung oder Stadtentwicklung – werden bestimmen, wie gut Regensburg auf die kommenden Jahrzehnte vorbereitet ist. Wie wird sich die Wirtschaft unter diesen Vorzeichen – Gefährdung durch den Klimawandel und sich verändernde Märkte aufgrund von Klimaschutzmaßnahmen – weiterentwickeln?

Mit der Veranstaltung wollen die Scientists for Future aufrütteln und Klartext reden, aber auch Handlungsoptionen aufzeigen. Denn nur wer versteht, worum es geht, kann gute Entscheidungen treffen.


Über Scientists for Future

Die „Scientists for Future“ sind ein überparteilicher und interdisziplinärer Zusammenschluss von Wissenschaftler:innen mit Gruppen an über 70 Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Sie engagieren sich dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse angemessen in die gesellschaftlichen und politischen Debatten einfließen und bei der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft Berücksichtigung finden. Webseite: https://de.scientists4future.org/regensburg/


 

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Kommentare (13)

  • Manfred van Hove

    |

    80 % der Erdzeit waren die Pole eisfrei und es gab keine Gletscher. Wir leben in einer ausgehenden Eiszeit. Dass es also wärmer wird, ist im Bezug auf die Zeit, in der die Erde existert, völlig normal. Auch in Europa hatten wir schon subtropisches Klima, ganz ohne Menschen. Die Wissenschaftler sollten sich also besser damit beschäftigen, wie wir mit eienm wärmeren Klima besser leben könnten. Verhindern können wir es ohnehin nicht.

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  • Gonzo

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    Ach lieber Herr van Hove, schreiben Sie sich doch in einem Studiengang mit Klimaforschung ein, machsens einen Master und schreibens ne Doktorarbeit, dann werdens Professor und forschen noch ein paar Jahre in dem Feld und wenn Ihnen dann langweilig ist, kommens wieder hier ins Forum und lesen ihren Kommentar nochmal durch.
    Schöne Grüße, Gonzo

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  • Jürgen

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    @ Manfred van Hove:
    Nur eine kurze Frage:
    Ihnen ist der Unterschied zwischen 100, 10.000 und 1.000.000 Jahre bekannt?

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  • Paul

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    Servus Klimaschutz ist wichtig.

    Wieviel Anteil oder Einfluss kann Deutschland nehmen.

    Auch das “Die Wissenschaftler sollten sich also besser damit beschäftigen, wie wir mit eienm wärmeren Klima besser leben könnten.”
    gehört mit dazu.

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  • Jürgen

    |

    @Paul
    Die Frage ob Deutschland darauf Einfluss nehmen kann, stellt sich gar nicht.
    Warum?
    Zuerst einmal gibt es unterschiedliche Blickwinkel!

    Wirtschaft und Arbeitsplätze mit neuen Technologien:
    Momentan sind wir hier auf dem Abstellgleis Dank Phrasen wie “Technologieoffenheit” die nie in abgelehnt wurde. Söder und A. H. und die Wirtschaftsopportunisten der FDP haben nur immer so getan, als wäre nur eine Energieform gesetzt. Dabei ging es nur darum, ihre Ideologie (gewinnbringend) so lange wie nur möglich am Leben zu halten. Ein Verbrenner Aus gab es nie, aber jetzt soll es ein Aus vom Aus geben. Welch Ironie!

    Dann, “wir sollten mit dem wärmeren Klima leben lernen”!
    Das haben die Wissenschaftler schon längst untersucht!
    Was heißt das überhaupt?
    Unser Leben wird ab +1,5 bis +2 Grad Erwärmung ernsthaft gefährdet, mit dramatischen Folgen für Ökosysteme und zunehmenden Hitzewellen, die besonders ältere Menschen treffen. Die 1,5 Grad haben wir letztes Jahr gerissen!
    Bei +3 Grad werden große Teile der Erde unbewohnbar, Ökosysteme kippen und eine Anpassung wird extrem schwierig, was zu massiven Flüchtlingsbewegungen führt.
    Wir werden in weiten Teilen der Erde keine Nahrung mehr anpflanzen können.
    Die Folge: Krieg um Lebensräume und Nahrung.

    Da wir Deutschen rund doppelt so viel CO2 pro Kopf ausstoßen ist es nur gerecht, wenn wir damit anfangen, wenn nicht aus Überlebensinstink, dann bitte schon aus wirtschaftlicher Sicht.
    Geld zieht als Argument immer!

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  • Paul

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    Servus

    #Jürgen ,
    Danke zu ihren Ausführungen.

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  • Robert Fischer ÖDP

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    @Manfred van Hove:
    Und in 99,938 % der Zeit gab es kein menschliches Leben auf diesem Planeten. Warum wohl?

    Aus meiner Sicht sollten wir als Menschheit doch froh sein, dass wir die aktuelle Ursache kennen und (theoretisch) wissen, was zu tun ist.

    Sollte der jetzige Klimawandel eine andere Ursache haben, beispielsweise eine aktivere Sonne, müssten wir uns ja auch eine Lösung ausdenken, wenn wir als Spezies überleben wollen. Das wäre evtl. ungleich schwieriger zu lösen.

    Dass man beides braucht, Klimaresilienz und Klima”schutz” ist eine Binse. Aber ab einer gewissen Erwärmung wars das halt mit der Menschheit.

    Kann einem egal sein, muss aber nicht. Wenns Ihnen egal ist, dann suchen Sie sich halt andere Hobbys, als andere beim Aufhalten aufzuhalten.

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  • Manfred van Hove

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    Kommentar gelöscht. Nachweislich falsch.

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  • Harald Klimenta

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    Wann gab es den ersten Weckruf der DPG zum Klimawandel? Wahrscheinlich 1971, als ein gewisser Hermann Flohn seine Forschungen dazu auf einer Tagung vortrug (https://www.dpg-physik.de/veroeffentlichungen/publikationen/stellungnahmen-der-dpg/klima-energie/pi_ake_27091971.pdf )
    Flohn wusste übrigens seit 1941 (!!!) ziemlich genau, was da mit der Erde passiert – es dauerte scheinbar 30 Jahre, bis er als renommierter Professor zumindest von Physikern ordentlich wahrgenommen wurde. Bis zum Erdgipfel in Rio dauert es dann weitere 21 Jahre und weitere 33 Jahre später ist der Klimakonferenzen-Prozess auf – vorsichtig formuliert – ziemlich absteigendem Ast.
    Wie weit “fortgeschritten” die Aufklärung und das Wissen um den Klimawandel ist, erkennt man sogar an den Kommentaren hier, irgendwas muss in der Kommunikation fundamental schief gegangen sein. Vielleicht ist das Problem, dass Menschen sich abwenden, wenn fremde Leute ihre Lebensgewohnheiten – auch sehr indirekt – in Frage stellen. Und zwar gerade dann, wenn das alternativlos, von oben herab oder in einer feindseligen Stimmung geschieht.
    Ich bin sehr gespannt, ob die ReferentInnen auf der Veranstaltung über ihre Kommunikation hinreichend nachdenken. Ob sie tatsächlich Ideen und Wege kommunizieren wollen, wie die dort versammelten BürgerInnen nach der Veranstaltung nicht nur ihr eigenes Leben klimatechnisch optimieren, sondern politisch handeln – d.h. in der Regensburger Öffentlichkeit so wirken werden, dass wir bei den Kommunalwahlen im März einen Effekt von dieser Veranstaltung sehen.
    Weil sonst: Ist diese Veranstaltung doch nur eine von vielen in den vergangenen 50 Jahren, wo umweltbewegte Menschen mal wieder ihre Meinung gehört haben.

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  • Paul

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    Guten Abend

    Entscheidend ist doch das alle (weltweit) an einen Strang ziehen.

    Abstrakt betrachtet:

    Die Schwere schädlicher, vom Menschen verursachter Klimaveränderungen hängt nicht nur von deren Ausmaß ab, sondern auch von ihrem Potenzial für Unumkehrbarkeit.

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  • Ava

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    Sehr interessieren würde mich auch was unsere neue Bürgermeisterin (laut CSU Wahlplakat) gegen die Erderwärmung in Regensburg gedenkt zu tun. Wie möchte sie die Stadt fit machen für die Umschwünge und herausfordernden Bedingungen wie Dürren,Hitzeperioden,Verkehr,Hochwasser,…

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  • Paul

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    Servus

    Wie realistisch ist es und welche Folgen hat es :

    “Emission von Treibhausgasen aus der Nutzung von fossilen Brennstoffen wie Gas, Kohle und Öl sowie aus der Landwirtschaft so schnell wie möglich zu stoppen.”

    Welches Potenzial ist für die Umkehrbarkeit oder Unumkehrbarkeit vorhanden?

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  • michinga

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    @ Ava: ich denke, ich sie würde Glühwein trinken… .

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