Elly Maldaque im Theaterprogramm der Uni unerwünscht

Offener Brief von Kurt Raster/ uetheater Hinweis auf Initiative für ein „Elly Maldaque Theater“ darf in universitärem Spielplan nicht  erscheinen Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Strothotte, meine Theatergruppe, das ueTheater, startete vor nunmehr fünf Jahren die Initiative, den  Theatersaal im Studentenhaus, der bis dato „Studi-Bühne“, „Studententheater“, „Theater an der Uni“, Uni-Theater“ etc. bezeichnet wurde, eindeutig zu benennen nach der in Regensburg allgemein als das erste Opfer des Nationalsozialismus angesehenen Lehrerin Elly  Maldaque. Ihr Schicksal wurde von Ödön von Horváth als Grundlage für ein Bühnenstück  verwandt. Nun könnte man meinen, nach all den hehren Worten aus Politik und Kultur, man müsse sich des Vergangenen erinnern, damit die Zukunft bewahrt werde, diese unsere Initiative sei eine erwünschte. Doch leider wurden wir eines Schlechteren belehrt. Die Geschäftsführung des Studentenwerks lehnte den Vorschlag zunächst dankend ab. Später behauptete sie, man sei gar nicht zuständig, sondern die Universitätsverwaltung. Auch die Universitätsverwaltung lehnte die Benennung nach Elly Maldaque ab, diesmal bedauernd, bezeichnete aber das Studentenwerk „als verantwortliche Einrichtung für das Studententheater“. Beide gingen übrigens mit keinem Wort auf unsere  Unterschriftensammlung von über 1000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern ein. Klar, wenn eben keine/r zuständig ist. Nun gut, das ueTheater ist gerne bereit, Zuständigkeitslücken zu füllen, und erklärte vor zwei  Jahren den Theatersaal im Studentenhaus an der Universität Regensburg anläßlich einer Kunstaktion offiziell zum „Elly Maldaque Theater“. Seitdem bezeichnen wir den Theatersaal so auf unseren Veröffentlichungen, Flyer, Homepage, Plakate etc. Nun komme ich aber zu meinem eigentlichen Punkt. Zwar fühlt man sich seitens Studentenwerk und Universitätsverwaltung für die Benennung nicht zuständig, aber  offensichtlich sehr wohl dafür, Öffentlichkeit und Diskussionen zu diesem Thema nach Kräften zu verhindern. Der neueste Fall: Seit diesem Semester geben das Studentenwerk Niederbayern/Oberpfalz zusammen mit der Universität Regensburg einen papierenen Spielplan heraus. Im Vorfeld  wurden alle studentischen Theatergruppen aufgefordert, sich in drei Sätzen zu beschreiben. Diese Kurzbeschreibung soll auf der Rückseite des Spielplans abgedruckt werden. Das ueTheater gab folgenden Text ab: „Wir sind eine politisch-gesellschaftskritische Schauspieltruppe, die entweder in allen dramatischen Gefilden nach aussagekräftigen Stoffen wildert oder sich selbst die Stücke auf den Leib schreibt. Außerdem riefen wir die Initiative für die Umbenennung des Uni-Theaters in „Elly Maldaque Theater“ ins Leben. Elly Maldaque gilt als das erste Naziopfer Regensburgs.“ Zu meiner Überraschung wurde mir vom „Referat Kommunikation“ mitgeteilt: „Sehr geehrter Herr Raster, es geht nicht um die Länge, sondern um den Inhalt. In einer  Publikation der Universität kann ich keine Inhalte veröffentlichen, die sich gegen die Meinung  der Universität richten. Gerne nehme ich anstatt der letzten beiden Sätze andere auf. Bitte teilen Sie mir bis morgen mit, ob Sie dies wünschen, ob ich nur den ersten Satz  abdrucken soll, oder ob Sie keinen Eintrag wünschen.“ Meine diesbezügliche Antwort sowie den kompletten Mailverkehr können Sie im Anhang nachlesen. Ich möchte daraus nur meine letzten Sätze zitieren: „Wir hatten schon einmal eine Demokratie in Deutschland. Der Fall Elly Maldaques erinnert mich jedesmal neu daran, warum diese erste Demokratie zugrunde ging. Darum ist die  Erinnerung an das Schicksal von Elly Maldaque so wichtig.“ Das Ende vom Lied war übrigens, daß alle Theatergruppen sozusagen in Sippenhaftung genommen wurden und alle beschreibenden Sätze gestrichen wurden. Nur Name und  Internetseite wurden angeführt. Ich finde diesen Vorgang einerseits lächerlich, andererseits gerade für eine Hochschule beschämend und vor allem bedenklich. Sozialwissenschaftler wie der Bielefelder Professor Wilhelm Heitmeyer warnen vor einer zunehmenden Verrohung unserer Gesellschaft, insbesondere der Eliten. Ich zitiere aus seiner 2012 erschienen Studie „Deutsche Zustände“: „Die geballte Wucht, mit der die Eliten einen rabiaten Klassenkampf von oben inszenieren, und die Transmission der sozialen Kälte durch eine rohe Bürgerlichkeit, die sich selbst in der Opferrolle wähnt und deshalb schwache Gruppen ostentativ abwertet, zeigen, daß eine gewaltförmige Desintegration auch in dieser Gesellschaft nicht unwahrscheinlich ist.“ Ich möchte dem einen Satz aus Elly Maldaques Tagebuch gegenüberstellen: „Der Weisheit letzter Schluß ist die milde und die unversiegbare Liebe.“ Ist das tatsächlich eine Aussage, die gegen die Meinung der Universität steht? Wäre es  nicht gerade angesichts der alles andere als ruhmreichen Geschichte der deutschen Hochschulen vor und während des Nationalsozialismus hohe Zeit, Denkmäler zu setzen, die die Elite regelmäßig daran erinnern, was ihre eigentliche Aufgabe sein sollte? Mit freundlichen Grüßen, Kurt Raster

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Kommentare (1)

  • Ein Opfer? Was geht uns das an? | Regensburg Digital

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    […] richten“, heißt es in einer entsprechenden Mail. Raster hat nun Rektor Thomas Strothotte einen offenen Brief geschrieben und sich bitter über diesen „einerseits lächerlichen“, andererseits […]

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