Grüne kritisieren Vertagung des Berichts zum Colosseum

Jürgen Huber: „Wann will man sich denn endlich den Fakten stellen?“ Für Jürgen Huber ist das Maß nun voll: „Fünf Jahre höre ich nun zum Colosseum und anderen denkwürdigen Zusammenhängen der NS-Zeit von Seiten der Stadtverwaltung nur Ausreden und Unwahrheiten. Beim Colosseum war von der Verwaltung nach langem Hin und Her heimlich eine die Opfer verhöhnende Gedenkplatte in den Gehweg eingelassen worden. Nach Protesten wurde dies erst unrühmlich verteidigt, dann zurückgerudert, um schließlich wieder zu vernebeln, zu verzögern und zu verschleppen. Auf meine Anregung hin wurde zuletzt ein Gutachten von den von mir vorgeschlagenen Experten eingeholt. Jetzt liegt das Ergebnis vor, aber passieren tut wieder einmal nichts. Die Beratung darüber, was denn nun endlich – nach Jahren – geschehen soll, wurde im gestrigen Kulturausschuss auf ‚eine der nächsten Sitzungen’ vertagt. Das ist skandalös. Wann will man sich denn endlich den Fakten stellen?“ Jürgen Huber erinnert daran, dass es vor nun schon mehr als fünf Jahren die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen war, die im Kulturausschuss des Stadtrates beantragt hatte, eine Hinweistafel am früheren KZ-Außenlager Colosseum in Stadtamhof anbringen zu lassen. Nach tumultartigen Beratungen war die Angelegenheit dann zunächst mit Zustimmung der Grünen vertagt worden. In einer der nächsten Sitzungen, aber erst nachdem Jürgen Huber mehrmals nachgehakt hatte, gab Kulturreferent Klemens Unger den Ausschussmitgliedern wahrheitswidrig bekannt, dass ‚eine Erbengemeinschaft sich nicht einigen könne’. Längst sei bekannt, dass es diese Gemeinschaft gar nicht gebe. „Das Haus gehört einem CSU-Stadtrat aus einer anderen Stadt, und dieser wollte sein Haus nicht durch den Hinweis auf ein KZ-Außenlager beschädigen lassen.“ Jürgen Huber: „Da merkt man die Richtung des Denkens vieler Konservativer bei diesem Thema.“ Dass sich der Sozialdemokrat Joachim Wolbergs aber dazu verstiegen habe, in der selben Sitzung zu sagen, man könne ja nicht an jedem Haus eine Gedenktafel anbringen, müsse er wohlwollend seinem Ungestüm und einer gewissen Unüberlegtheit zuschreiben. „Dass sich die unrühmlich bekannt gewordene Bodenplatte aber immer noch dort befindet, ist meiner Meinung nach ein echter Skandal und eine Schande für Regensburg“, so der Grünen-Politiker. Er befürchtet, dass das Thema jetzt zeitlich auch noch in den Wahlkampf hineingezogen wird. „Im Dauer-Streit wird das nicht zu lösen sein. Die Grünen werden noch einmal einen konstruktiven Vorschlag machen. Dann können sowohl CSU als auch SPD zeigen, zu was sie jeweils willens sind. Die Oppositionsparteien sind sich schon seit fünf Jahren einig.“ Er erinnert auch noch einmal daran, dass er es war, der externen Sachverstand einforderte und vorschlug, eine Expertise von Wissenschaftlern, wie z.B. von dem renommierten Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, Dr. Jörg Skriebeleit, einzuholen. Jürgen Huber ärgert sich immer noch: „Zuerst war mein Vorschlag abgelehnt worden, dann wurde er klammheimlich doch genauso vollzogen.“ Dass ausgerechnet die vom NS-Terror so stark betroffene SPD hierbei immer der CSU folge, verstehe er nicht. Jürgen Huber: „Ich will der Stadtrats-SPD ja nicht an den Karren fahren, aber auf der Straße so zu reden und im Stadtrat regelmäßig genau andersrum abzustimmen, das ist doch nicht in Ordnung. Da werden die Bürgerinnen und Bürger ja geradezu veräppelt.“

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