Pressemitteilung des Nachdenkseiten-Gesprächskreises Regensburg

Keine BILD im Briefkasten

BILD hetzt, BILD lügt, BILD betreibt Propaganda – seien es Hartz-IV-Empfänger, Ausländer, Erwerbslose, Gewerkschafter, politisch Andersdenkende oder schlicht Menschen mit Anstand und Moral, wer nicht in das Schema der BILD-Meinungsmache passt, wird gnadenlos fertiggemacht. BILD besteht, so die Rockband „Die Ärzte“ in ihrem Lied „Lasse reden“ aus „Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht“. Das alles wäre verschmerzbar, wäre die BILD-Zeitung nicht die auflagenstärkste Tageszeitung im Lande. BILD nimmt stets die Position der „Starken“ ein, gibt sich jedoch als Blatt des Volkes, als Blatt der „Schwachen“ aus. BILD trommelte für Hartz IV, die Agenda 2010, für Thilo Sarrazins rechtspopulistische Thesen, für Hans Olaf Henkels „Gürtel-enger-schnallen-Ideologie“ und für einen neuen Nationalismus. Mal agiert die BILD-Zeitung derbe, brachial, mal geht sie bei ihrer Propaganda verhältnismäßig subtil und hintersinnig manipulativ vor. Leider beweist der kommerzielle Erfolg der BILD jedoch auch, dass man im heutigen Deutschland mit dieser Form der Meinungsmache auch noch sehr viel Geld verdienen kann. Die BILD ist die „Cash-Cow“ des Springer-Verlags und ihre Macher sind keinesfalls gesellschaftlich geächtet, sondern genießen in gewissen Kreisen sogar hohes Ansehen. BILD-Verlegerin Friede Springer gehört zum engsten Freundeskreis Angela Merkels, BILD-Frontmann Nikolaus Blome ist seit neustem ein gern gesehener Gast in den Polit-Talkshows der Öffentlich-Rechtlichen. BILD gibt sich redlich Mühe, nicht mehr als Schmuddelkind wahrgenommen zu werden und sein Image aufzupolieren. BILD für ALLE Teil dieser Imagekampagne ist die Aktion „BILD für alle“. In einem Imageprospekt [PDF – 515,6 KB] für potentielle Werbekunden umreißt der Axel-Springer-Verlag die Rahmendaten der Aktion. „BILD für ALLE wird inhaltlich einen Editionscharakter erhalten und einen Bogen von der Vergangenheit in die Zukunft spannen“, so der Springer-Verlag. Man muss nicht sonderlich viel Phantasie haben, um sich vorstellen zu können, was damit gemeint ist. Die Sonderausgabe wird aller Voraussicht nach ein Imageblatt für den Springer-Verlag, indem man die eigene Geschichte verfälschen, den Charakter der BILD schönschreiben und sich von Freunden aus Politik, Wirtschaft und Show-Business ganz ordentlich den Bauch pinseln lassen kann. An einem solchen „Geschenk“ kann kein halbwegs normal denkender Haushalt Interesse haben. Doch dieses „Geschenk“ wird freilich nicht aus der prallen Konzernkasse, sondern über stolze Werbepreise finanziert. „Werden Sie ein Teil der größten Vertriebsaktion in der Geschichte von BILD – und sichern Sie sich eine Werbefläche in dieser Ausgabe!“, heißt es im Imageprospekt. Wer dieser Aufforderung folgen will, muss jedoch ein pralles Werbebudget haben. Für eine einseitige Anzeige verlangt Springer stolze vier Millionen Euro, die halbe Seite schlägt mit 2,2 Millionen Euro zu Buche, der „VIP-Streifen“ auf der Rückseite ist für 1,3 Millionen Euro zu haben. Wenn der Springer-Verlag sämtliche Werbeflächen der Sonderausgabe verkaufen kann, macht er mit seiner eigenen Imagekampagne somit auch noch einen satten Gewinn. Die Kosten für die Aktion tragen freilich nicht die Werbekunden, sondern die Endkunden der Produkte und Dienstleistungen, die in der „BILD für ALLE“ beworben werden. Der Bürger zahlt die Zeche Die Werbekosten eines Produkts gehen immer in den Preis dieses Produkts ein und werden daher auch immer vom Endkunden bezahlt. Wenn beispielsweise einem Poloshirt am Ende der Fertigungstrasse im fernen Bangladesch ein Markenlabel aufgenäht wird, steigt der Wert dieses Kleidungsstücks um das Vielfache. Und dies aus gutem Grund, sind die reinen Material-, Produktions- und Transportkosten eines solchen Shirts nicht viel größer als bei einem No-Name-Produkt vom Wühltisch. Beim Markenprodukt schlagen jedoch die Werbekosten ganz gehörig zu Buche. Ganzseitige Hochglanzanzeigen in deutschen Zeitschriften und Werbespots im deutschen Fernsehen sind nun einmal wesentlich teurer als Näherinnen in Bangladesch und Baumwollpflückerinnen im Sudan. Wer zum Markenprodukt greift, finanziert somit immer auch indirekt die Verlage und Medienunternehmen, bei denen die Werbung für dieses Produkt platziert wird. Im Falle „BILD für ALLE“ zahlen somit ausschließlich die Bürger die Zeche, die Produkte und Dienstleistungen von den Unternehmen kaufen, die in der Sonderausgabe beworben werden. Man könnte die BILD-Zeitung demnach wirkungsvoll schädigen, wen man deren Werbeumfeld ruinieren würde, indem man sich entschließt, Produkte und Dienstleistungen, die in der BILD beworben werden, zu boykottieren. Das ist jedoch nicht einfach. Die Erfahrung zeit, dass Boykottaufrufe meist wirkungslos verpuffen und der Endkunde in vielen Fällen gar keine Alternativen hat. Dies betrifft vor allem die Produkte und Dienstleistungen der äußert werbefreudigen „Quasi-Monopolisten“. Wie boykottiert man die Deutsche Bahn AG, wie boykottiert man die Strom-, Benzin- oder Telekommunikationsmonopolisten? Auch wenn dies ein Kampf gegen Windmühlen ist, werden die NachDenkSeiten ihre Leser im Juni informieren, welche Konzerne die „BILD für ALLE“ als Werbeumfeld nutzen. Vielleicht gelingt es ja, zumindest einen kleinen Stein ins Rollen zu bringen und BILD als Werbeträger zu desavouieren. Alle gegen BILD Wer dem Springer-Verlag in die Suppe spucken will, der kann dies auch auf andere Art und Weise tun. Eine Möglichkeit bietet die Aktion „Alle gegen BILD“, bei der sie ihre Adressdaten an den Springer-Verlag übermitteln und dem Verlag die Zustellung der BILD-Sonderausgabe rechtlich bindend untersagen. Sollte der Springer-Verlag sich nicht an diese Aufforderung halten, können Sie ihm eine kostenpflichtige Abmahnung samt Unterlassungserklärung zuschicken. Sollte sich eine relevante Zahl von „Verweigererhaushalten“ finden, wird dies den Springer-Verlag vor merkliche logistische Probleme stellen, die mit spürbaren Mehrkosten verbunden sind. Eine weitere Methode, Springer ein wenig das Verlagsjubiläum zu verhageln, besteht darin, die Annahme der Sonderausgabe durch einen deutlich sichtbaren Aufkleber auf dem Briefkasten zu verweigern. Die Sonderausgabe der BILD gilt rein rechtlich gesehen nicht als Werbung, daher hindern auch die weit verbreiteten „Werbung-Nein-Danke-Aufkleber“ die Logistikpartner des Springer-Verlags nicht an der Zustellung. Anders sieht dies bei Aufklebern aus, die die Zustellung der BILD-Sonderausgabe explizit untersagen. Sollten Springer und seine Partner sich nicht daran halten, wäre auch dies ein hinreichender Grund für eine Abmahnung samt Unterlassungserklärung. Für Freunde der NachDenkSeiten haben wir ein Set von Schablonen entworfen, die Sie selbst als Aufkleber ausdrucken können: Variante 1: Variante 2:

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Kommentare (9)

  • Bernd Neumann-Henneberg

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    Wenn man sich das genauer ansieht, will die „Bild“-Zeitung für eine ganzseitige Anzeige in dieser „Zeitung“ 4 Millionen € plus MWst. Da wäre es doch an der Zeit sich gegen Unternehmen zu wenden, die für einen solchen Blödsinn so viel Geld verschleudern und dann das ganze noch als Werbekosten steuerlich geltend machen. Das heißt, der Steuerzahler zahlt für diesen Werbeblödsinn der „Blöd“Zeitung auch noch kräftig mit. Alle diese Werbetreibenden, sind aber auch sicher gegen Mindestlohn und für neoliberale Märkte und außerdem sicherlich auch für Lohndumping. Mein Entschluß steht fest: sobald dieses Unding des Springer-Verlages aufliegt, rufe ich alle Gegner dieses Blödsinns auf, diejenigen, die dort Werbung betreiben grundsätzlich nicht zu berücksichtigen.

  • norbert e. wirner

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    nun sehe ich die bildzeitung zwar auch mit sehr kritischen augen, aber ich muss schon anmerken, dass es nicht so ganz einfach damit getan ist, dass die unternehmen die anzeigenkosten absetzen und damit sei dann der bürger abgezockt.

    richtig ist, dass in jedem produkt, jeder dienstleistung die bewerbungskosten einkalkuliert sind und wir das mitkaufen.

    richtig ist aber auch, dass medien ebenfalls steuern bezahlen.

    und das gesamte umfeld, in dem die zeitung entsteht, und das vom papierhersteller über die agenturen, speditionen, austräger etc. bis hin zum recyclingbetrieb am ende mit den anzeigengeldern umsatz macht, ist auch nicht von sämtlichen steuerarten befreit.

    frau springer steckt nicht 4 mio. ein und geht damit saufen.

    schimpfen wir doch lieber über die inhaltliche unkultur des blattes als über die werbemöglichkeiten.

  • Bernd Neumann-Henneberg

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    @wirner: Das der Springer-Verlag für den Dreck Kosten hat ist doch nicht die Frage! Es geht doch hier um denjenigen der eine Seite beim „Blöd“-Blatt bucht. Der knallt die 4 Millionen voll in die Kostenspalte seiner Buchhaltung und schon ist der Steuerzahler mit dabei. Die Kosten für den Buchhalter beim Werbenden werde sowieso extra berechnet, der sicherlich nur noch ne Halbtagsstelle hat und von Hartz IV bezuschußt wird.

  • norbert e. wirner

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    naja, ok. ist ein standpunkt, der mir zu pauschal ist.

    oben steht, der steuerzahler zahlts, weils der unternehmer absetzt. und das ist eben so nicht ganz richtig, wollte ich anmerken.

    was die bild inhaltlich betrifft, dürften wir auf einer gemeinsamen linie liegen.

    aber wir sind wieder einmal bei der abschreibe-problematik.

    wenn also bestimmt wird, was der unternehmer an werbung zu tun und zu lassen hat, dann ist die frage, wer das bestimmt. also ich will selber bestimmen, ob ich in yps oder bild schalte und dann nicht von der seite kritisiert werden, dass ich die kosten steuerlich berücksichtige.

    der nächste schritt ist dann wohl eine ethikkommission, die vorab die gestaltung meiner anzeige beurteilt und als absetzwürdig freigibt oder nicht?

    die gesinnung und qualität der bild lässt sich nicht durch einen kleinen oder grossen boykott ändern. das müsste von innen heraus geschehen und ist ungleich schwerer.

    wenn dieses blatt nunmal die grösste reichweite von allen hat, dann ist das eben so. es lesen sie halt leider nicht nur ein paar halbprimaten, sondern die ganze republik vom kegelclub bis in die vortstandsetagen.

    das ändert sich werder durch die verlorene ehre der katharina blum, noch durch annahmeverweigerung von papiermüll. viel energie investiert mit wenig erfolgsaussichten.

    mir fällt allerdings auch nichts ein, was wirksamer wäre.

    ist die bild wirklich ein so grosses problem angesichts all der anderen baustellen im lande?

  • frage

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    komische argumentation. man kann das teil schnell entsorgen ohne sich irgendwas ansehen zu müssen. man muss nix glauben was da drinsteht, man muss nichts kaufen von leuten die da werbung drin machen.

    ich muss mir auch keinen aufkleber irgendwo hin kleben wo werbung für eine internetseite drauf ist.

    ich darf in deutschland selbst entscheiden was ich machen will und was nicht. ist schon toll oder?

    hier auf rd ist auch werbung. die kann man lesen, klicken, ignorieren oder von einem spyblocker blockieren lassen. das ist im kleinen das gleiche.

    was ich allerdings schon toll finde (grade im internet): durch werbung ist ein sehr vielfältiges angebot kreiert worden. ohne werbung würde es viele seiten nicht geben (wahrscheinlich auch diese hier). man sollte sich demnach mehr mit inhalten auseinander setzen (z.b. im falle der bildzeitung mal den bildblog lesen) als auf werbetreibende loszugehen. wer queer liest und sich so eine meinung bildet, ist besser informiert. wer nur seine meinung bestätigt haben will, soll sich nur aus einer quelle, die genau das liefert was man selber denken möchte, bedienen. dann braucht man nicht denken. freies land, freie denkweise. jeder wie er möchte.

  • frage

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    @norbert

    oh sorry, da haben sich die posts überlappt. gebe ihnen recht.

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