Wohnungssuche in Regensburg

Lebst du nur – oder wohnst du schon?

35 WG-Castings absolvierte Martin Terhag allein im November. Foto: bm

Sechs Monate sucht Martin Terhag nach einer Bleibe in Regensburg – bislang ohne Erfolg.

Zugegeben: Der Vergleich mit Alfred Döblins berühmtem Roman „Berlin Alexanderplatz“ hinkt am Ende etwas. Denn zum einen verdient Martin Terhag sein Geld nicht mit krummen Dingern. Der 29-Jährige musste auch nicht vier Jahre im Zuchthaus schmoren. Mit Regensburg hat der gelernte Einzelhandelskaufmann auch ein deutlich kleineres Pflaster als Berlin als Lebenspunkt gewählt. Und dennoch drängt sich ein wenig die Geschichte von Döblins Transportarbeiter Franz Biberkopf auf, wenn man Terhag zuhört.

Aus der niederbayerischen Provinz zog es ihn zum aktuellen Wintersemester in die Domstadt. Ähnlich wie in Döblins Werk, sollte es ein neuer Lebensabschnitt werden, der Beginn einer anderen Zukunftsperspektive. Lauscht man aber Terhags Erzählungen, man fühlt sich doch ein wenig an den Biberkopf erinnert. Das Berlin der 20er Jahre wird bei Döblin selbst zum Akteur, zum gnadenlosen Gegenspieler des eigentlich gutmütigen Franz. Am Ende scheitert er an der Wucht der Metropole und ihrer Unnachgiebigkeit.

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Für Terhag scheint Regensburg immer mehr zur unüberwindbaren Herausforderung zu werden. Anfang Juli fing er an, nach Wohngemeinschaften zu suchen und erste Anfragen rauszuschicken. Fast sechs Monate später macht sich Ernüchterung breit. Statt einer festen Bleibe surft er seit Wochen von Couch zu Couch.

Täglich Casting in irgendeiner WG

„Eigentlich würde ich gerne in Ruhe mein erstes Semester in Politikwissenschaft bestreiten, meiner Erwerbsarbeit nachgehen und abends auch mal ein wenig soziale Kontakte pflegen.“ Stattdessen tummelt sich Terhag weiterhin in einer Welt aus Anzeigen, Anfragen und Castings. Fast täglich stellt er sich einer neuen WG vor.

„Am Anfang habe ich mir beim ersten Anschreiben noch Mühe gegeben.“ Mittlerweile kopiere er einen Standardtext und füge das ein, was der jeweiligen WG womöglich gefallen könnte. So ist er einmal der stets lustige Partygänger. Ein anderes Mal hocke er am liebsten zuhause und plaudere in der WG-Küche.

Die 29 Lebensjahre finden sich in den Anfragen inzwischen nicht mehr. „Ich versuche mein Alter so lange es geht zu verschweigen.“ In der Hoffnung, zumindest eingeladen zu werden und dann doch irgendwann Leute von sich als neuen Mitbewohner zu überzeugen. Die eigene Identität, sie scheint in Terhags Erzählungen zum Klotz am Bein zu werden.

„Ich hatte mich echt gefreut, auf die Stadt, auf die Leute, das Studium.” Regensburg hätte für den Studienanfänger der nächste Schritt werden sollen. Stattdessen lebt er seit seinem Umzug Anfang September aus dem Rucksack, kommt bislang bestenfalls für ein paar Wochen bei Bekannten unter und sichtet weiter täglich die WG-Anzeigen.

35 Castings im November

Allein im November war er bei 35 Castings – mit teils um die 200 Mitbewerber. Die Suche verkomme da oft zur Blockabfertigung. „In 30 Minuten sollst du die Jury von dir überzeugen.“ Wer Glück hat, darf zumindest in die zweite Runde. Meist gäbe es aber nicht einmal eine Rückmeldung.

„Mittlerweile denke ich schon gar nicht mehr an eine positive Rückmeldung“, zeigt sich Terhag zunehmend resigniert. Jedes neue Angebot im Internet löse stattdessen Stress aus. Eigentlich müsse darauf sofort reagiert werden. Doch wozu, wenn dann wieder nichts dabei heraus springt, fragt sich der junge Mann.

„Wie der Esel, dem man eine Karotte vorhält, die er aber nie erreichen kann“ fühle er sich inzwischen. Und je länger er suche, desto weniger könne er sich noch aufraffen, nach einem langen Arbeitstag Freitag spätabends – wenn andere feiern gehen – beim Casting noch „Happy People“ zu spielen.

1.180 Euro für 13 Quadratmeter

„Ich würde am liebsten manchmal laut schreien.“ Doch dafür fehle der private Rückzugsort, ein Zimmer das seines ist und das er auch nach seinem Geschmack einrichten kann. Ikea habe das in seinem Werbeslogan einfach falsch verstanden, versucht er den Humor noch nicht ganz zu verlieren: „Ich lebe, aber wohne noch nicht.“

Wählerisch ist Terhag nicht mehr. Er würde mittlerweile alles annehmen, was für ihn einigermaßen bezahlbar ist. Vermutlich sogar jenes Zimmer in einer 6er-WG. Die selbsternannte „Chaotentruppe“ schafft es auf ihrer Suche nach einem Mitglied immerhin recht nah an den städtischen Mietenspiegel heran: 430 Euro für ein 38-Quadratmeter-Zimmer.

Meist rangieren die Angebote in diesen Tagen aber deutlich darüber. Nicht selten liegt ein Zimmer auf der Internetplattform WG-Gesucht bei um die 30 Euro je Quadratmeter. Spitzenreiter und wohl noch eine Ausnahme dürfte zuletzt ein Zimmer in der Agnesstraße gewesen sein: 1.180 Euro für 13 Quadratmeter.

Kein fester Wohnsitz macht BAföG schwierig

Bei Terhag drückt die Suche nicht nur auf das Gemüt. Weil er aktuell keinen festen Wohnsitz und keine Mietkosten angeben kann, gestalten sich auch Anträge wie für das BAföG deutlich schwieriger. Ohne den Bescheid wiederum weiß der 29-Jährige nicht, wie viel er zusätzlich zu seinem Studentenjob bekommen würde. Das macht die Kalkulation für Lebenshaltung und Miete schwierig.

Die Entscheidung, ob er noch etwas findet, liege am Ende aber ohnehin nicht bei ihm. „Dass ich selbst keinen Alkohol trinke, wurde mir bei der Suche auch schon mal zum Verhängnis.“ Und manche WGs suchen explizit nach Frauen. Meist entscheide aber schlicht das Glück. „Irgendwer der 200 anderen Bewerberinnen und Bewerber hat dann halt im ersten Moment besser performt.“ Für den Rest heißt es, weiter suchen.

Die Ursache sieht Terhag – neben dem schon seit Jahren angespannten Regensburger Wohnungsmarkt – noch in der Pandemie begründet. Corona wirke hier einfach noch extrem stark nach. Denn im ersten wirklichen Präsenzsemester seit über zwei Jahren drängen aktuell mehrere Hochschuljahrgänge gleichzeitig in die Stadt. Das ohnehin knappe Angebot an bezahlbarem Wohnraum werde so zusätzlich kleiner.

Daneben gibt es noch die Menschen aus der Ukraine und den generellen Zuzug in die Stadt. Wie angespannt die Situation trotz der beschworenen Wohnbauoffensive ist, zeigt der bewohnbare Leerstand der Stadt. Zwei bis drei Prozent gelten als gesunder Wert für einen funktionierenden Wohnungsmarkt. In Regensburg liegt diese Fluktuationsreserve bei Geschosswohnungen schon länger darunter.

Wohnungstausch – ein Rohrkrepierer

Neue Bauvorhaben sollen hier zeitnah Abhilfe schaffen. Das bereits jetzt hoch gelobte Projekt auf der Prinz-Leopold-Kaserne etwa wird nach deutlichen Verzögerungen allerdings mit einem Jahr Verspätung überhaupt erst in die Bauphase starten.

Ein deutlich kleineres Projekt kann hingegen als gescheitert angesehen werden. Das 2019 als Pilotprojekt auf zwei Jahre angesetzte „Regensburger Modell Wohnungstausch“ (RMW) sollte Seniorinnen und Senioren ab dem 60. Lebensjahr, die in einer zu großen, nicht altersgerechten Wohnung leben, darin unterstützen und ermutigen, in eine kleinere, den Bedürfnissen älterer Menschen entsprechenden Wohnung zu wechseln. Die frei werdende, größere Wohnung sollte dann etwa Familien zur Verfügung gestellt werden.

„In der gesamten Laufzeit des Projekts war das Interesse als eher gering einzustufen”, räumte die Pressestelle der Stadt auf Nachfrage ein. Unbestätigten Informationen zufolge wurden nicht einmal eine Handvoll Wohnungen über das RMW angeboten.

Stundenlang pendeln zum Studieren?

Der Wohnungsmarkt treibt derweil Suchende wie Terhag weiter vor sich her. Er sei sicher ein Extremfall, meint der 29-Jährige, aber nicht der einzige, der derzeit zu kämpfen hat. „Ich kenne Leute, die pendeln bisher jeden Tag mehrere Stunden.“ Morgens zwei Stunden nach Regensburg fahren, um um 8 Uhr in der Vorlesung zu sitzen und dann abends wieder zurück, so könne das Studium für ihn aber einfach nicht laufen.

Ihm kommen immer häufiger Zweifel, ob Regensburg ihn noch irgendwann willkommen heißen, ob er bald einmal in entspannter Atmosphäre Leute kennenlernen und sich ein eigenes Zimmer einrichten können,wird. Kurz vor den Feiertagen versucht sich der Student noch selbst bei Laune zu halten. Doch ihm ist anzusehen, wie schwer das mittlerweile fällt.

Franz Biberkopf in Döblins Roman riss Berlin letztlich in den Abgrund. In seinem Bestreben, ein anständiges Leben zu führen, sollte der Protagonist den Verlockungen der Großstadt verfallen. Regensburgs Verlockungen hingegen sind es nicht, die Terhag verzweifeln lassen.

Wieder zurück nach Niederbayern?

Derzeit hält er sich mangels Rückzugsort verstärkt an der Uni auf. „Dort sind wir ein kleiner Haufen, mit dem ich den Tag zwischen Uni, Arbeit und Wohnungssuche verbringe.“ Die Lust an sozialen Kontakten, sie hätten in der Domstadt zuletzt stark abgenommen. Das inzwischen wieder pulsierende Studi-Leben, die zahlreichen Bars, das lebendige Regensburg, es findet eher ohne Terhag statt.

Wenn der gelernte Einzelhandelskaufmann nicht jederzeit die Möglichkeit hätte, in seinen alten Beruf zurückzukehren, er hätte wohl längst die Reißleine gezogen. „Dass ich eine schnelle Alternative habe, beruhigt mich momentan noch ein wenig.“ Der Gedanke, alles hinzuwerfen und nach Niederbayern zurück zu gehen, sei aber klar vorhanden.

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Kommentare (39)

  • Spartacus

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    Da kann man sich bei den Grünen, SPD, FDP und Union, insbesondere Hr. Söder, für die letzten Jahrzehnte gelungene Wohnungspolitik bedanken!

  • Dugout

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    -“Täglich Casting in irgendeiner WG”
    -“In 30 Minuten sollst du die Jury von dir überzeugen.”
    -“1.180 Euro für 13 Quadratmeter.”
    -“Und manche WGs suchen explizit nach Frauen.”

    Da fragt man sich schon was sich diese sozialverwahrlosten Kasperl so alles rausnehmen.

  • Luck

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    Wer meint, mit einer Wohnungstauschbörse das dargelegte Problem effektiv beheben zu können, ist mit seinem Interpretations-Horizont sicher nicht unmittelbar mit der Realität verbunden.
    Neben wohl gar nicht so wenigen leer stehenden Wohnungen in Regensburg, gibt es durchaus auch gar nicht so wenige “unterbewohnte” Häuser und Wohnungen, in denen dieser anscheinend anständige Mitbürger als Mitbewohner zu integrieren wäre und eine win-win-Situation für alle Beteiligten ziemlich sicher zu verwirklichen wäre.
    Das gilt dabei nicht nur auf ökonomischer Basis, sondern auch im Sich-Weiterentwickeln als Person und dem Genießen schöner Momente.
    Jede Arbeit und jede Beziehung hat auch mal ihre Schattenseiten. Und auch diese dürften hier nicht vollständig ausbleiben.
    Dieses Kriterium als aber das einzig entscheidende zu betrachten, wird dem personalen Wohl genauso wenig helfen wie übertriebene Schutzvorkehrungen vor Gefahren. Den der beste Schutz vor solchen ist immer noch der, diese zu beherrschen.

    Zum grundsätzlichen Wohnungsproblem, vor allem in universitären Großstädten:
    Wenn man nicht bereit ist, diese wirklich anzugehen, weil es ja marktkonforme Regeln sein müssen, dabei der ökonomische Spezialhintergrund nur den Interpretationsspielraum einer schwäbischen Hausfrau aufweist, personifiziert in der Person eines Wolfgang Schäubles als Finanzminister, werden noch etwas härtere Zeiten auf diese Gesellschaft zukommen, wobei auch der oder die lender of the last ressort nicht wirklich schützen werden.
    Sowohl die Vernunft als auch ein offenes Herz könnten hierbei durchaus Abhilfe verschaffen.
    Das Heiligtum des jeweiligen Tabernakels müsste dann aber zumindest auf der Interpretationsebene einen gewissen Spielraum lassen.
    Ob das aber auch die Hohepriesterschaft zulässt?

  • joey

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    zu meiner Studienzeit vor 30 Jahren bin ich aus Niederbayern täglich nach Regensburg gefahren, weil Heime erst nach Wartezeit (am Ende meines Studiums) und Wohnung nur für Reiche oder sehr Leidensfähige verfügbar waren. Ich habs überlebt!

    Mit dem Semesterticket kommt man übrigens sehr schön nach Niederbayern – Ich hätte nur davon träumen können.

  • xy

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    Ist der Mann jetzt Einzelhandelskaufmann oder Student? Muss jeder Einzelhandelskaufmann studieren oder sollte er nicht lieber durch arbeiten sein Geld verdienen? Heute werden händeringend Fachkräfte gesucht.

  • Mr. T.

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    Da kann man sich vorstellen, wie schwer es ist, wenn wenn man jetzt noch einen sichtbaren Migrationshintergrund hat …

    Ist es in Regensburg immer noch so einfach, Wohnugen aus dem regulären Markt zu nehmen, um bei Airbnb usw. einen Reibach zu machen?

  • Günther Herzig

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    Eine Plattitüde von Spartacus.

  • Günther Herzig

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    Ich wohnte im Studentenheim am Reuterplatz. jetzt abgerissen. Das war ganz einfach.

  • Klaus

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    @joey: Nur zur Info: Das Semesterticket gilt im RVV-Tarifgebiet. Das geht exakt bis Straßkirchen und Eggmühl. Doch dahinter kommt noch ziemlich viel Niederbayern.

  • Native

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    Wer klopfet an? Bei aller derzeitiger prekärer Situation in unserem Land. Gegenüber der furchtbaren Lage in der Ukraine sind unsere Probleme relativ. Sie brauchen jetzt unseren Schutz (Shelter) und unsere Unterstützung. Hoffentlich bleibt am Heiligen Abend, bei den gewissenlosen Kriegsverbrechern, Krisengewinnlern, Spekulanten, Reaktionären und sonstigen geistig Verwirrten, nicht der Spekulatius im Halse stecken.
    https://www.youtube.com/watch?v=i9PvJP0eLGM
    https://www.youtube.com/watch?v=RbmS3tQJ7Os
    Frohe Weihnachten

  • uli

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    in Freiburg gab´s so ein Projekt, in dem Studenten mit älteren Menschen zusammen wohnten. is ja oft so. die Kinder sind flügge geworden und schneller als man nen Isländerpullli gestrickt hat, findet man sich in er 120qm Wohnung alleine wieder. Anfangs ganz schön, dauerhaft – und bei den zu erwartenden Heizkosten demnächst – auch nicht das Gelbe vom Ei. da bringt so ´ne WG mit jungen Studenten wieder Schwung in die Bude.

    https://www.swfr.de/wohnen/wohnen-fuer-hilfe/wohnen-fuer-hilfe/

  • Madame

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    rengschburg ist seit dem titel weltkulturerbe ziemlich zweifelhaft
    geworden. Angefangen mit dem leben und wohnen in der domstadt. Teuere mieten, bevölkerungszuwachs und komerz lassen rengschburg zu einem immer mehr unbezahlbaren pflaster werden Schade darum.

  • Edlhagen

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    ,Das inzwischen wieder pulsierende Studi-Leben, die zahlreichen Bars, das lebendige Regensburg, es findet eher ohne Terhag statt.‘ Naja, dafür hat der Student ja noch rd 10 Semester Zeit.

  • Günther Herzig

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    @Native
    20. Dezember 2022 um 08:28 | #
    Sie stellen fest, was wichtig ist. Darüber bin ich erfreut.
    In dem Betrieb, in dem meine Frau beschäftigt ist, arbeiten Polen, Russen und Ukrainer, in vorbildlicher Wertschätzung für einander.
    Dann gibt es noch die Mörder und ihre unterbelichteten Unterstützer in Russland. Ich hoffe inständig, dass die Angriffsbemühungen im Jahr 2023 endgültig scheitern und dass alle in unserem Land, die vollmundig Unterstützung bis über das Ende des Krieges hinaus versprochen haben, sich daran erinnern.

  • Mathilde Vietze

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    Zu “XY” Wo haben Sie denn Ihre “Weisheiten” abgeschrieben?

  • R.G.

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    @xy
    Keiftierbesitzer?

    Der Neid is a Hund!

    Es gibt Kreise mit dem Bildungsziel, immer bissig und unterm eigenen Niveau zu bleibm. Ganz ohne Uni.

  • joey

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    @Klaus
    ja, das heutige RVV Gebiet ist riesig – ganz im Gegenteil zur Situation damals. In einem der Dörfer wird sich hoffentlich ein günstiges Zimmer finden, wo man ungestört Bücher lesen und seine Hausarbeiten machen kann. Ich habe damals nebenher in Niederbayern bei Ingenieurbüros und Baufirmen gearbeitet, was dem Studium noch einen wertvollen Praxisbezug gegeben hat. Dann war ich gut qualifiziert, nur viele Partys habe ich versäumt.

  • Eingeborener

    |

    Als in Regensburg gebürtiger der Nachkriegsgeneration erlaube ich mir die Bemerkung, dass hier die meiste Zeit Wohnungsmangel herrschte. Stadtbauwohnungen wurden i.d.R an städtische Bedienstete und Personen mit guten Beziehungen zur jeweils regierenden Partei vergeben. Von Anfang der Sechzigerjahre bis 1978 war das die SPD. Stadträte wurden im Zusammenwirken mit der Geschäftsführung zu Nothelfern und sicherten sich den Nimbus der Bürgerfreundlichkeit. Dass andere hinten runterfielen, wurde in Kauf genommen. Bis in die Achtzigerjahre waren Beschäftigte der Bundesbahn, der Telekom und der Bundespost gut dran, weil sie eine Werkswohnung hatten, die sie auch nach dem Ausscheiden aus dem Dienst nicht verlassen mussten. Ein Garant der Wohnraumversorgung waren auch die Genossenschaften, die seitens der Stadt bei der Vergabe von Wohnbaugrundstücken besser berücksichtigt hätten werden können. Die privaten Vermieter, die die Mehrzahl der Wohnungen bereitstellen, wollen eine angemessene Verzinsung ihres Kapitals, was bei Kaufpreisen bis zu 10.000 EUR nicht wenig ist. Das Mietrecht macht es Ihnen oftmals schwer Mieter, die sich nicht vertragsgemäß verhalten, los zu werden. Weshalb manche die Wohnung nicht mehr vermieten und damit zwar wirtschaftlichen Nachteil in Kauf nehmen, der aber immer noch geringer ist, als eine heruntergewirtschaftete Wohnung und jahrelanger Mietrückstand. Gierige Vermieter gibt es allerdings auch.
    Also ein ganzes Bündel von Gründen, die es einem Wohnungssuchenden schwer machen.

  • Gscheidhaferl

    |

    @Mr. T.
    Gute Frage, ob und wie erfolgreich gegen Vermarktung von Wohnraum als Ferienwohnungen vorgegangen wird. Wäre eigentlich fast schon einen eignen Artikel wert, oder?

    Ansonsten würde mich auch interessieren, ob und ggf. was hinsichtlich des Leerstands in Regensburg gemacht wird. Ich vermute nichts?

    Ich komme darauf, weil ich täglich an diversen leerstehenden Immobilien vorbei fahre. Nachdem es anderer Leute Eigentum ist, werden die Möglichkeiten wahrscheinlich recht begrenzt sein. Aber eine aktive Stadt könnte wenigstens versuchen, mit den Eigentümern ins Gespräch zu kommen . Und noch während ich das so schreibe, komme ich mir schon lächerlich dabei vor, diese Frage in Regensburg überhaupt aufgeworfen zu haben…

  • Gscheidhaferl

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    @Mr. T.
    Dass es in Regensburg für alles irgendein Papier gibt, wissen wir ja. Ist ja auch beim Klima-/Umweltschutz oder bei der Förderung des Fahrradverkehrs so. Und wir wissen, dass wir darauf speziell in Regensburg keinen Pfifferling geben dürfen. “An ihren Taten sollt ihr sie erkennen” heißt es. Und darauf Zielte meine Frage auch eigentlich ab ;-)

  • Horst

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    Spekulation:
    aus meiner Studienzeit erinnere ich mich, dass für weit mehr als die hälfte der Studenten eine Wohnung, die nicht mehr als 30 min Fußläufig zur Altstadt – zum Nachtleben – war nicht in Frage gekommen ist. Wenn er klar und deutlich Sagen würde, dass eine Wohnung in Neutraubling, Regenstauf oder Sinzing für ihn auch in Frage kommen würde, dann hätte das ganze etwas mehr Gewicht. Von da aus lässt sich auch gut studieren.
    So bleibt die ungewissheit, und der beigeschmack, dass der junge Mann hier nur einer unter vielen ist, die sich in den Wettbewerb um die Altstadtnahen Wohnungen stürzen.

  • Spartacus

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    Ich weiß ehrlich gesagt nicht was es dem jungen Mann helfen soll wenn die ganzen Opas hier erzählen wie sie vor 30 Jahren überlebt haben, habt ihr keine Enkel denen ihr vom Krieg erzählen könnt?

  • Arno nym

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    Im Dörnberg hat n neues Studentenwohnheim aufgemacht, da sollen nach viele Zimmer frei sein.
    Und billiger als >1000€ für 13qm ist es sicher auch.

  • Burgweintinger

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    Ohje Joey, Sie haben einiges versäumt in Ihrem Leben…

    Warum wollen Sie anderen Menschen vorschreiben, wie sie zu leben haben?

    Das mag ja sein, dass Sie zu Hause (wo auch immer das war), bei den Eltern oder auch schon ausgezogen, sich wohl gefühlt haben, aber das muss nicht die Lösung für jeden anderen sein.

  • Native

    |

    @Spartakus 20.12.2022 um 14:48
    Vielleicht wäre es für sie hilfreich, wenn ihnen Opa was vom Krieg erzählt hätte. Man lernt nie aus. Mir scheint ihnen fehlt die Lernlektion aus der Historie. Ihre träumerischen Gladiatorenfantasien a la Spartakus (möglicherweise mit Sekundenkleber) werden das Schicksal der Menschheit nur unwesentlich verändern. Aktives Gestalten der Zukunft mit kreativen Ideen, tatkräftigen Einsatz und gesamtheitlichen Blick auf globale Zusammenhänge der Jugend ist notwendig, sonst wird „die letzte Generation“ in der Tat zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Das wäre schade auch für meine Enkel.

  • Eddy

    |

    Allgemein erfreuliche gesellschaftliche Entwicklungen haben auch unangenehme Nebenwirkungen. Diese sind in diesem Fall:

    – die Emanzipation, Frauen sind nicht mehr auf eine Beziehung angewiesen um überleben zu können. Sie müssen nicht mehr nehmen was auf dem Heiratsmarkt übrig bleibt. Sie können eher eine unglückliche Beziehung/Ehe beenden. Führt aber auch zu einem viel größeren Anteil an Single-Haushalten und zu höherem Quadratmeter/Person Verbrauch

    – die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine und die, eher wirtschaftliche motivierte, Zuwanderung aus vielen anderen Erdteilen, diese Menschen müssen auch wo wohnen.

    Wir täten uns einen Gefallen, würden wir ehrlich zu uns sein und nicht die Probleme, die mit postiven Entwicklungen verbunden sind, totschweigen.

  • KW

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    @Arno Nym
    505 EUR kalt für 1 Zimmer mit 25m2 (laut Immoscout). Auch nicht gerade ein Schnäppchen für Wohnen zwischen Knast und Güterbahnhof.
    Aber immerhin ein Tipp für den Einzelhandelskaufmann aus dem Artikel, der sich über ein Studium seinen beruflichen Horizont erweitern und dabei vielleicht auch noch eine gute Zeit haben möchte (vollstes Verständnis dafür).

  • Spartacus

    |

    @Native

    Getroffene Hunde bellen, Ziel erreicht.
    Mit Klima Klebern und „letzter Generation“ hab ich übrigens soviel zutun, wie Opa mit Unschuld am Holocaust.

  • KW

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    Ja genau, Opa hätte bestimmt tolle Geschichten über Kameradschaft und so parat gehabt. Ganz toll.
    Opa war bestimmt auch freiwillig im Krieg, weil das ja so toll ist und eine positive Prägung zur Folge hat. Noch toller.
    Ja mei, vielleicht gut, dass Opa nicht mehr lebt und daher nichts mehr von seinen tollen Kriegserlebnissen berichten kann, sonst könnten vielleicht manche noch auf die Idee kommen, dass sie was verpasst haben. Und nachher schliessen sie sich noch der Gruppe Wagner an, um für Geld zu meucheln. Immerhin besser als Opa, der als Kanonenfutter ja keine wirklich freie Entscheidung treffen konnte.
    Übrigens, je mehr die Klimakleber seitens mancher Zeitgenossen (besonders laut schreit natürlich wieder die CSU-Bagage) kriminalisiert und mit der RAF gleichgesetzt werden, umso mehr Sympathie habe ich für sie.
    Ist zwar alles mittlerweile reichlich off Topic, aber sei’s drum. Und immerhin habe ich ja weiter oben auch einen On Topic Beitrag gebracht, immerhin eine 50% Quote also.

  • Native

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    @Spartakus und @KW Leider muss ich sie enttäuschen, ich habe in der Tat schon ein beträchtliches Alter. Das ist für mich kein Anlass deshalb meine Meinung, Haltung und konstruktive Kritik an der Garderobe abzugeben. Es ist ein Segen, dass es rd zur unterschiedlichen Meinungsäußerung gibt. Das müssen sie ertragen, da hilft alles nix. Leider bin ich noch nicht so alt, dass ich persönlich für den Holocaust, für Wahlergebnisse und Katastrophen im tausendjährigen Reich persönlich verantwortlich bin. Die Lebenserfahrungen der Nachkriegszeit als lokal verwurzelter „Native“ reichen aber für meine Einschätzungen im Forum aus. Ich rate Ihnen ihre wertvolle Zeit nicht weiter mit persönlichen Fehleinschätzungen zu meiner Person zu verschwenden. Ihre Kritik berührt mich nur peripher, um nicht zu sagen, sie geht mir am Arsch vorbei. Nix für ungut!

  • Daniela

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    Angesichts des angespannten Wohnungsmarkt kann ich mir gut vorstellen, dass es schwierig ist, bezahlbare Wohnungen in Regensburg zu finden, gerade wenn die Einnahmen schmal sind. Einmal abgesehen von den Studenten*innen insgesamt ist die Wohnungssuche schwierig, auch für andere mit kleinen Einnahmen, also auch für Rentner, Arbeitnehmer…

    Vielleicht ist die Lösung rein tatsächlich neue Wohnmodelle zu erarbeiten.
    So eine Art wohncharing. Man teilt sich Wohnungen zeitlich.

    Vielleicht gibt es ja Berufsgruppen, die primär nachts arbeiten und tagsüber schlafen, wenn Studenten an der Uni sind.
    Auch die Idee sich große Wohnung oder Haus mit Rentner*innen zu teilen, um diese auch bei Alltagsarbeit zu unterstützen, kann ja ein Ansatz sein.

    Ich drücke jedenfalls allen Wohnungssuchenden in Regensburg die Daumen, dass es bald mit einer bezahlbaren Bleibe funktioniert.

    Als Anregung für Herrn Terhag, einfach selbst Anzeige schalten, mit Vorschlägen, was für Sie in Frage käme. Vielleicht findet sich doch ein Rentner mit freiem Zimmer, der Hilfe bei Einkauf, Haus und Hof Reinigung, Gartenarbeit oder ähnliches benötigt. Ich drücke jedenfalls die Daumen und wünsche

    Allen ein frohes, gesegnetes Fest und ein gesundes neues Jahr.

  • Günther Herzig

    |

    @Native
    Das war mal fällig! Ich wünsche Ihnen ein frohes Fest und ein erträgliches vielleicht sogar glückliches Jahr 2023.

  • Arno Nym

    |

    @KW, billig nicht, aber besser als 1000€ für 13qm wie im Artikel erwähnt. Das Wohnheim liegt übrigens weit vom Knast entfernt und wenn das Problem dieses Herrn ist, dass im die LAge nicht passt, oder er keine Einzelzimmer will, tut mir leid dann gibt es kein Zimmer Problem in Regensburg, sondern dann hat der Herr vielleicht einfach Ansprüche die nicht erfüllt werden können und kein Wohnungsproblem. Ich hätte auch gern ein Frei stehendes HAus mit 1000qm Garten im inneren Westen für 300 000€.
    Soll er halt erstmal nehmen was er bekommt und weitersuchen, statt zu jammern, dass er auf m Sofa schlafen muss.

  • joey

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    @Burgweintinger
    Sie kennen mich doch: nichts liegt mir ferner als anderen Vorschriften zu machen.
    Natürlich wäre eine schöne Wohnung in Regensburg von mir nicht abgelehnt worden. Aber wer intelligent ist, macht das Optimale aus den Möglichkeiten ein, die er hat.
    Gemessen am Status meines Großvaters als “südländisch” aussehender Migrant mit der Schaufel im Kanalgraben ist das auch gelungen. Die meisten Patrizier haben für ihren Reichtum auch ein paar Generationen gebraucht – und für eine Wohnung in Regensburg muß man halt reich sein. Ich habe keine Wohnung in Regensburg Mitte. Sondern ein Haus an einem Ort, der eben andere Qualitäten hat. Ich bin nicht reich, lebe aber glücklich.
    Und weil Weihnachten kommt, wünsche ich Ihnen das (Glück) natürlich auch und besonders Herrn Terhag.

  • Native

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    Herbergssuche und praktizierte Nächstenliebe in Regensburg Mitte.
    Wohnraum wird maximal profitorientiert vermarktet. Da ist für die Mittelschicht und Senioren im Stadtbild von Regensburg schon zweimal kein Platz. Reiche ins Zentrum, Arme an den Stadtrand. Stichwort: Umwandlung der Seniorenresidenz Schloss Emmeram in Luxusgewerbeimmobilien oder die Schließung des Altenheim Kursana im Castra Regina Center. (Achtung Ironie) Zum Glück wurden vor Kurzem einige Parkbänke der Bevölkerung zur Verfügung gestellt. Übrigens das Thurn und Taxis Schloss St. Emmeram hat fünfhundert beheizte Räume. Davon werden nur drei Prozent privat genutzt. Da wäre viel Platz für Studentenwohnmodelle. Ein medial begleiteter Besuch der fürstlichen Notstandsküche (betrieben von der Caritas) durch die Durchlauchten, am Nachmittag des Heiligen Abend relativiert die praktizierte Nächstenliebe. So viel zur Aussage der „Fürstin“: „Tue Gutes und sprich nicht darüber.

    Frohe Weihnachten und Friede auf Erden allen “Anständigen”

    https://www.regensburg-digital.de/thurn-und-taxis-ehemalige-seniorenresidenz-wird-buerokomplex/03032021/
    https://www.br.de/nachrichten/bayern/regensburger-altenheim-macht-dicht-strafanzeige-gegen-betreiber,TIe7x83

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