Album: Paper Arms - Great Mistakes

Messlattenblues

Mit Spannung erwartet und jetzt endlich da: Das zweite Album von Paper Arms.

Von Martin Smeets, heartcooksbrain  

promoimagePaper Arms haben ein paar Probleme. Zum Beispiel, dass sie aus einer Gegend kommen, die man gemeinhin im Punkrock-Kontext eher als Wasteland bezeichnen könnte. Oder kennt sich irgendjemand aus mit einer virulenten australischen Szene, die reihenweise vielversprechende Acts ausspuckt? Na also. Paper Arms haben aber mit The Smoke Will Clear – und das ist der noch viel dringlichere Punkt – eben auch ein Europa-Debut auf die Bretter geschickt, das man in der Rückschau getrost über den grünen Klee loben darf. Das allerseits entsprechend viel Aufmerksamkeit erzeugt hat und das jetzt einen würdigen Nachfolger einfordert.

Womit endlich der Bogen zu Great Mistakes geschlagen wäre, das sich anschickt, genau diesen würdigen Nachfolger zu geben. Und das – man stelle sich an dieser Stelle bitte das ZONK-Geräusch von „Geh auf’s Ganze“ vor – funktioniert nicht. Nicht ganz. Weil man über Great Mistakes nach den ersten, flüchtigen Begegnungen nicht viel sagen kann, außer das es nicht sehr viel anders macht, als sein Vorgänger. Ein noch schöneres Artwork ja, oder eine mit etwas mehr Schmierfett versehene Produktion stehen da auf der Habenseite. Demgegenüber stehen aber Songs, die zunächst nur unter größten Mühen langfristig in den Köpfen nachhallen. Das liegt daran, dass die Australier einfach kein zweites In Silence dabei haben und auch Großtaten wie Choke nicht wiederholen können. Das liegt aber, so formelhaft das auch klingen mag, eben auch daran, dass man die fulminanten Momente dank feinsinnigerem Songwriting einfach besser versteckt hat.

Den heftige Grungeabfahrt, die This Time im Refrain einbaut muss man erst mal hinkriegen. Und nach einiger Zeit wieder aus dem Kopf bekommen. Genau wie das etwas weniger krachend gehaltene Blackout, das sich immer wieder kleine Auszeiten nimmt, ehe die Regler wieder nach rechts gedreht werden. Und so immer wieder Platz schafft für eine zerbrechliche Atmosphäre inmitten breit ausformulierter Bratzgitarren. Dass sich der Titeltrack nach kurzen Anlaufschwierigkeit schließlich auch noch als die Mitgrölnummer entpuppt, die man zunächst so schmerzlich vermisst hat, macht die Sache nun auch nicht schlechter. Und doch stellt dieses Album in erster Linie das Scheitern zur Schau. Vielleicht nicht am eigenen Anspruch, sicherlich aber an den Erwartungen und der selbst mit Smoke Will Clear gelegten Messlatte. Die zugegebenermaßen auch wirklich hoch lag. Wo besagtes Album noch bisweilen sehr gut war, gibt es für Great Mistakes ein eindeutigeres Wort: gut.

Wertung: 6/10

Anspieltipps: Great Mistakes, This Time, Blackout

Paper Arms – Great Mistakes | Uncle M/Cargo | VÖ: 08.05.2015 | CD/LP/Digital

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