Mittelbayerisches „Missverständnis“:
Boykottaufruf gegen Fotografen

lankes

„Wenn Sie das einzige Wirtshaus im Dorf haben, können Sie mir nicht so einfach Hausverbot erteilen. Eine Monopolstellung bringt auch Verantwortung mit sich.“ Das sagt MZ-Anwalt Karl Günther Wilfurth. Seine Mandantin hat eine Monopolstellung. Und die Mittelbayerische Zeitung hat gerade jemandem „Hausverbot“ erteilt: dem Regensburger Fotografen und Stadtrat für die Freien Wähler, Hubert Lankes.

Anders ist die E-Mail der MZ nicht zu verstehen, die ein leitender Redakteur am 8. Dezember an mehrere Konzert- und Kulturveranstalter in Regensburg und der Oberpfalz verschickt hat.

„Sehr geehrte Damen und Herren Veranstalter, angesichts aktueller Rechtsstreitigkeiten mit nennenswertem finanziellen Hintergrund sehen wir uns derzeit (und wohl auch künftig) nicht in der Lage, Fotos abzudrucken, deren Urheber Herr Hubert Lankes ist”, steht da zu lesen.

Besagte Veranstalter, Musiker, Schauspieler, Kunst- und Kulturschaffende und Agenturen, sind zu einem Großteil Kunden von Lankes. Regionale und überregionale Künstler finden sich in seinem Fotostudio ein. Ob nun Donikkl oder DJ Bobo, die Raithschwestern oder Konstantin Wecker, No Angels und, und, und. Für alle bzw. ihre Agenturen gilt ausweislich der E-Mail das Ultimatum: Mit Lankes-Foto kein MZ-Abdruck!

In der Vergangenheit erschienen regelmäßig Fotos von Hubert Lankes in der MZ. Ebenso regelmäßig fiel sein Urheberrecht unter den Tisch. Der Name fehlte. Deshalb gibt es nun erwähnte „Rechtsstreitigkeiten“. Der „nennenswerte finanzielle Hintergrund“ beläuft sich auf rund 5.000 Euro.

Leitender Redakteur: Im Zweifel kein Abdruck!

Wirklich auf eine gerichtliche Auseinandersetzung angelegt scheint Lankes es allerdings nicht zu haben. „Fehler können passieren. Das löst man normalerweise mit einem Telefonat“, sagt er. Das hat offenbar nicht geklappt. Nachdem die Mittelbayerische „zehn Jahre lang konsequent“ seinen Namen „vergessen“ hat, ist Lankes der Kragen geplatzt. Wegen Bildern der Miss-Wahl 2007, die wiederum trotz ausdrücklichem Hinweis ohne Namen veröffentlicht wurden, zog er vor Gericht. Kurz darauf folgte besagte E-Mail des leitenden MZ-Redakteurs an die Veranstalter.

„Das ist vielleicht unglücklich formuliert“, beschwichtigt MZ-Anwalt Wilfurth. „Die Veranstalter sollten nur darauf hingewiesen werden, den Urheber der Fotos mitzuteilen, damit keine weiteren Fehler passieren.“

Unglücklich formuliert? Der „Rat“ an die Veranstalter liest sich recht eindeutig: „Wenn Sie uns also PR-Material zusenden, stellen Sie bitte sicher, dass eingebundene Fotos nicht von Herrn Lankes stammen.“ Im Zweifel werde man auf einen Abdruck verzichten.

Kein Einzelfall

Schaut man ein wenig zurück, ist dieser Boykottaufruf nicht die erste Gelegenheit, bei der die Mittelbayerische Zeitung versucht, Lankes Knüppel zwischen die Beine zu werfen.

Im Jahr 1998 saß Lankes für die Liste Alz im Stadtrat. Im Kulturausschuss äußerte er sich seinerzeit kritisch zu den Verquickungen eines Regensburger Veranstalters (Peter Kittel), der MZ und der Stadt Regensburg. Er stimmte gegen die Vergabe des Bürgerfests an besagten Veranstalter. Das blieb nicht folgenlos. Eine Werbeagentur habe ihm anschließend auf Betreiben der Mittelbayerischen Zeitung einen Großteil seiner Fotoaufträge entzogen, erzählt Lankes.

Just seit dieser Zeit nahm man es offenbar auch mit Lankes‘ Urheberrechten nicht mehr so genau. Es passierten eben „Fehler“. Das war nicht das einzige Problem. Lankes: „Künstler und Kulturschaffende haben mich immer wieder gebeten, sie anonym zu fotografieren, da ihr Foto sonst nicht in der MZ veröffentlicht wird.“

Die Anrufe verschiedener Medien bei Rechtsanwalt Wilfurth haben mittlerweile aber offenbar für Unruhe gesorgt. „Wir können uns doch alle an einen Tisch setzen und das einvernehmlich lösen“, sagt Karl Günther Wilfurth. Ob damit das „Hausverbot“ aufgehoben ist, bleibt abzuwarten.

P.S.:

Der eher lässige Umgang der MZ mit ihrer Verantwortung als Monopolstellung ist kein Einzelfall. Auch die publizistische Konkurrenz darf nicht ins „Dorfwirtshaus“. Wie das Stadtmagazin Filter im August berichtete, weigerte sich die MZ, eine Stellenanzeige der Monatszeitung anzunehmen.

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Kommentare (17)

  • Uwe Wöllner

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    Das ist nicht unglücklich formuliert, sondern wohl ein Wettbewerbsverstoß und zu erkennen, ohne Anwalt für gewerblichen Rechtsschutz zu sein.

  • Sir Sonderling

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    Es muss doch eine Instanz geben, die unsere geliebte Lokalzeitung für ein derartiges Vorgehen rügt bzw. an die Kandare nimmt.
    Das Verhalten ist einerseits von einer derart lächerlichen Provinzialität, dass man schreien möchte.
    Andererseits ist es einfach brandgefährlich, wenn ein Presse- und damit (vermeintliches) Meinungsmonopol so schamlos ausgenutzt wird wie in Regensburg.

  • Adalbert Singhuber

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    Typisch Regensburg.

  • RuhigBlut

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    Typisch für Regensburg!

    Selbst die Pravda ist zwischenzeitlich unabhängig, in Regensburg brauchts aber wohl noch was bis hier auch mal Glasnost Einzug hält!!!

  • christof.lapd

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    Die MZ und ihre Mitarbeiter scheinen das mit dem Urheberrecht nicht so genau zu nehmen. Für den Sportverein geschossene Aufnahmen wurden auch mit unter dem Namen des freien Mitarbeiters abgedruckt. Der hat zwar den Artikel verfasst aber die Fotos hat er nicht gemacht.

    Für Herrn Lankes alles Gute!

  • Günther Riepl, Stadtrat

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    Zur Monopolstellung der MZ

    Eine Monopolstellung kann man verhindern, indem man das Produkt des Monopolisten nicht kauft. Der Leser hat es eher in der Hand als die Kartellbehörde oder, wie in diesem Fall, die Gerichte.

    „Monomeinung durch Verleger anstatt Pressefreiheit“ (Heribert Prantl beim 30. Jubiläum des Regensburger Presseclubs) verführt scheinbar zu solch abgehobenen Einflussnahmen gegen jegliche Wirtschaftsordnung.

    Günther Riepl, Stadtrat Freie Wähler

  • peter Petry

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    Liebe Leute schaut mal hinter die Fassade des ach so tollen MZ Verlages Ihr würdet den Glauben an die Menschheit verlieren.Die Sauereien müßten normalerweise in der Zeitung stehen.
    Und der Herr Verleger ist ja sogar IHK Vorstand.

  • Herbert Baumgärtner

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    Warum gib es in einer groß Stadt wie Regensburg nur eine monopol Zeitunng wie die MZ.Es gehören mehr Tageszeitungen her . Ausser den Wochenblatt und den Donaustrudl gibt es keine Kritische Zeitung.

  • Joachim Datko

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    Zu „17. Dez 2008, 23:49 … Warum gib es in einer groß Stadt wie Regensburg nur eine monopol Zeitunng wie die MZ. Es gehören mehr Tageszeitungen her .“
    ===
    Ich gehe davon aus, dass es ein großes Tageszeitungssterben geben wird. Ob wir in Regensburg in zehn Jahren noch eine Tageszeitung mit werktäglicher Ausgabe haben werden, ist meiner Ansicht nach fraglich.

  • peter Petry

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    Lieber Datko ob die MZ den Sch…. auf Papier druckt oder gegen Gebühr ins Netz stellt ist ehe wurscht.Solange Leute dieses Provinzblatt kaufen haben diese Herrschaften die Macht vieles zu tun wo wir nicht mal wagen davon zu träumen.

  • Veits M.

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    „Die Stärken der Zeitung sind Reflexion und Tiefenschärfe und eine große Befriedigungskraft.“ Womöglich haben die Verantwortlichen der selbsternannten
    „Heimatzeitung“ das Prantl´sche Wort von der „Befriedungskraft“ nicht recht verinnerlicht.

    Prantls Rede, von der Stadtrat Riepl sprach, findet sich unter
    http://www.presseclub-regensburg.de/Rede-Heribert-Prantl.524.0.html

    Im Übrigen stößt man dort auch auf lesenswerte Hintergründe zum „Riepl´schen Gesetz“.

    DIE ZEIT wies kürzlich darauf hin, dass man heute von „Qualitätszeitungen“ spreche. Wie die anderen zu benennen sind, wurde nicht erwähnt.

  • turmalin

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    der Trugschluß liegt darin zu glauben die MZ lebe von den Einnhamen aus den Zeitungsabos, d.h. von ihren Lesern. Davon könnte nicht mal der Dackel des Verlegers leben wenn die kolporiterten Zahlen zur verkauften! Auflage stimmen.
    Die MZ (Zeitung) lebt von den sonstigen Druckaufträgen für Werbeblätter, Prospekte, Möbelprospektbeilagen, Kataloge, den überteuerten Familienanzeigen und den Druckaufträgen der öffentlichen Hand usw. usw. usw.

    Also nimmt die MZ auch nicht auf die Interessen der Leser sondern auf die Interessen der werbenden Kundschaft rücksicht.

    Inhaltlich kann man ohnedies 70 % der Artikel wortgleich meist schon Tage vorher auf irgendwelchen Internetseiten finden, weil die Texte 1 zu 1 von den Nachrichtenagenturen übernommen und unbearbeitet abgedruckt werden.

    Das was hier mit Herrn Lankes gemacht wird ist angesichts der Monopolstellung eine S……. manche könnten sagen da wird eine berufliche Existenz vorsätzlich gefährdet.

  • Joachim Datko

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    Zu peter Petry am 18. Dez 2008, 23:06
    „Lieber Datko ob die MZ den Sch…. auf Papier druckt oder gegen Gebühr ins Netz stellt ist ehe wurscht.“
    ====
    Das Problem ist tiefgreifender. Im Internet wird kaum bezahlt. Auch ist dort eine andere Qualifikation als in einer Zeitungsredaktion erforderlich. Ich fürchte, dass ein Großteil der Tageszeitungen im Internet untergeht.
    Erfolgreiche Internet Beispiele sind:
    Google News
    n-tv.de
    Lokale Portale ( wie regensburg-digital.de )

  • Paulus von Tarsus

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    Welche Qualifikation ist überhaupt erforderlich?
    Wenn man manche sog. „Artikel“ (in der Regel sind es objektiv betrachtet Kommentare) liest, würde man denken, es reicht die rudimentäre Beherrschung der deutschen Sprache sowie ein ALlgemeinwissen auf dem Stand eines 10-jährigen.

  • Siebert Oskar

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    Mehr als nur skandalös.

    Als ich heute die MZ lesen wollte, wurde ich mehr als nur schockiert.
    In der Zeit der wirtschaftliche Rezession, Armut und soziale Un – Gerechtigkeit,
    präsentiert sich die Mittelbayerische Zeitung als Provokateur.
    In der Vorweihnachtszeit, wann Tausende vielleicht Millionen von Familien in Deutschland auf eine Sozialhilfe angewiesen sind, präsentiert die MZ unter den Schlagzeilen „Bescherung für Vierbeiner“ Frau M. Rohr mit ihrem Max auf einem Tisch vollen „Würstchen“. Nicht nur die 3 Bilder in der Farbe und in allen Größen wie auch das Bericht ist ein harter Schlag ins Gesicht nicht nur den vielen Obdachlosen, Harz IV. Empfängern, sondern auch den Hundertern Tausend armen Leuten und Kindern, die nicht mal die Würstchen oder die „gespendete“ Schinken als Weihnachtsessen haben werden. Es ist bedauerlich auf eine Seite über eine „soziale Initiative“ zu schreiben auf der Andere die „Vierbeiner“ bei Würstchen und Schinken – fressen zu präsentieren.
    Sind wir Deutsche schon so tief gesungen oder nur die verantwortlichen MZ-Redakteure?
    Armes Deutschland. Frohe Weihnachte und besinnliche Zeiten.
    Oskar Siebert

  • Kindergarten

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    Man uss den Artikel dreimal lesen, um die Ungeheuerlichkeit zu verstehen. Da gibt es nur eines:Abbestellen. Merkt der gute Herr Esser eigentlich nicht, was um ihn da passiert?
    Dieses Vorgehen ist widerlich! Und der Herr Wilfurth macht eine Aussage, die so stinkt!! Gott Lob ist der Herr nicht in den Stiftungsrat der „Knei“ gekommen.
    Regensburg Welterbe – Regensburg- Weltscherbe

  • Stadtrat-Adventskalender, Folge 23 | Regensburg Digital

    |

    […] Dass es buchstäblich Geld kosten kann, im Stadtrat eine eigene Meinung zu vertreten, erfuhr Lankes, als er sich gegen den damals bei der Stadtregierung noch wohlgelittenen Bürgerfest-Organisator Peter Kittel aussprach. Daraufhin entzog ihm eine Werbeagentur auf Betreiben der Mittelbayerischen Zeitung, deren Herausgeber mit Kittel gut verspezelt ist, alle Aufträge als Fotograf. Eine Boykotthaltung, die sich auch heute immer wieder Bahn bricht.  […]

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