Entdecke Veranstaltungen in Regensburg Alle Kultur Oekologie Soziales Kino

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus für Regensburg!

Hallo. Schön, dass Sie hier lesen oder kommentieren. Fast noch mehr freuen würden wir uns, wenn Sie die Arbeit von regensburg-digital mit einem kleinen (gern auch größerem) Beitrag unterstützen. Wir finanzieren uns nämlich nur zu etwa einem Drittel über Werbeanzeigen. Und für die gibt es bei uns auch ausdrücklich keine zusätzliche Gegenleistung, etwa in Form von PR-Artikeln oder Native Advertising.

Mehr als zwei Drittel unseres Budgets stammt aus Spenden – regelmäßige Beiträge von etwa 300 Mitgliedern im Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.

Anders ausgedrückt: Wir bauen auf Sie – mündige Leserinnen und Leser, die uns freiwillig unterstützen. Seien Sie dabei – mit einem einmaligen oder regelmäßigen Beitrag. Herzlichen Dank.

Spenden Sie mit
Behörden wirken desinteressiert

Nach Großbrand hochgiftiger Akkus bei City-Mail Regensburg: Beschäftigte ohne Schutz ins Gebäude geschickt

Nach einem Brand bei dem Postdienstleister City-Mail erheben Beschäftigte schwere Vorwürfe. Akkus, die das Feuer auslösten, wurden demnach nicht ordnungsgemäß gelagert. Beschäftigte wurden unmittelbar nach dem Feuer ins Gebäude geschickt um es auszuräumen – trotz der offenkundigen Gesundheitsgefährdung ohne Schutzausrüstung.

Ein Vollbrand: Am Morgen des 13. September stand das Gebäude von City-Mail in der Greflingerstraße in Flammen. Foto: Berufsfeuerwehr Regensburg

Es war ein Großbrand – und die Regensburger Berufsfeuerwehr verhinderte mit den Löschzügen Altstadt, Weichs und Graß dank schnellen Eingreifens Schlimmeres. Am 13. September letztes Jahr stand gegen sechs Uhr morgens ein Firmengebäude des Postdienstleisters City-Mail in der Greflingerstraße in Flammen – ein Vollbrand, wie es später in einer Mitteilung des Amts für Katastrophenschutz hieß.

WERBUNG

24 Menschen mussten wegen der starken Rauchentwicklung aus einem benachbarten Wohnhaus evakuiert werden. Man brachte sie in einem Hotel unter. Die Einsatzkräfte verhinderten, dass die Flammen auf andere Häuser übergriffen. „Der Brand hat das Firmengebäude so weit zerstört, dass Teile des Daches aufwendig geöffnet werden mussten, um Glutnester auszuschließen“, heißt es in der Mitteilung.

Bei einem Akkubrand entweichen hochgiftige Gase und Schwermetalle

Derzeit saniert eine Fachfirma den Bau – unter strengen Schutzauflagen. Denn die Brandermittler der Kripo Regensburg gehen nach bisherigen Erkenntnissen von einem technischen Defekt aus, ausgelöst durch Akkus, die in dem Gebäude gelagert wurden.

Es geht um Lithium-Ionen-Akkus für die E-Bikes der Zusteller. Bei einem Brand entweichen hochgiftige Gase wie Fluorwasserstoff, Kohlenmonoxid und Cyanwasserstoff. Außerdem können Schwermetalle wie Kobalt und Nickel freigesetzt werden – Stoffe, die schwere Verätzungen, Atemnot und Stoffwechselstörungen verursachen.

Aussagen von Beschäftigten bei City-Mail, Chatverläufe und Fotos, die uns vorliegen, nähren den Verdacht, dass der Postdienstleister sowohl vor dem Brand bei der Lagerung der Akkus als auch danach beim Schutz seiner Beschäftigten eher leichtfertig agierte.

Akkus nicht ordnungsgemäß gelagert?

Brandschutzmaßnahmen für die Lagerung solcher Akkus „sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung durch den verantwortlichen Arbeitgeber festzulegen“. Das teilt das bei der Regierung der Oberpfalz angesiedelte Gewerbeaufsichtsamt mit.

Akkus, kurz nach dem Brand vor dem Transport in die Rathenaustraße.

Als Richtschnur gelten die Empfehlungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung „Brandschutz beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien“, zuletzt im Februar 2024 aktualisiert. Ein zentraler Punkt darin:

„Größere Mengen bzw. leistungsstarke LIB (Lithium-Ionen-Batterien, Anm. d. Red.) müssen in sicherem Abstand zu brennbaren Materialien gelagert werden. Bei der Lagerung innerhalb von Gebäuden sollte ein Freistreifen von 2,5 m zu anderen Gütern eingehalten werden oder die LIB in einem brandschutztechnisch abgetrennten Bereich (z. B. Sicherheitsschrank, Container) gelagert werden.“

Warnungen von Beschäftigten „mit Desinteresse begegnet“

Nach den Informationen, die unserer Redaktion vorliegen, geschah das nicht. Auf Fotos (die wir aus Gründen des Informantenschutzes nicht veröffentlichen) liegen die Akkus in einem offenen Metallregal, teils sogar in Plastikboxen, die eigentlich für Post bestimmt sind. In unmittelbarer Nähe: Kettenöl und -sprays für die E-Bikes.

Warnungen von Beschäftigten, die das monierten, sei „mit Desinteresse begegnet“ worden, heißt es in einer Mail, die uns vorliegt.

Trifft das zu? Zeigen die Fotos nur eine Ausnahmesituation? Wie wurden und werden die Akkus generell gelagert? City-Mail reagiert nicht auf eine Anfrage, die unsere Redaktion am 5. Januar per Mail gestellt hat.

Fast noch gravierender wirkt das Vorgehen von City-Mail unmittelbar nach dem Brand, das uns Beschäftigte schildern und das sich anhand von Chatverläufen nachvollziehen lässt, die uns vorliegen.

Beschäftigte wurden mehrere Tage ins Gebäude geschickt – ohne Schutzausrüstung

„Zwei Tage nach dem Brand schickte uns unser Chef in das abgesperrte Gebäude, um Pakete und Post, die nicht verbrannt waren, Schlüssel, Spinde und anderes Material herauszuholen“, berichtet ein Mitarbeiter. Das Absperrband der Polizei sei ignoriert worden. Schutz gab es keinen – keine Anzüge, keine Handschuhe, keine Masken. Das Ausräumen habe mehrere Tage gedauert. „Wir waren dumm, das zu machen. Aber wenn der Chef sagt ‘Spring!’, dann wird gesprungen.“

Eine Fachfirma saniert das Gebäude derzeit. Es gelten strenge Schutzauflagen.

City-Mail nimmt auch dazu keine Stellung. Welche Schutzmaßnahmen nötig sind, wenn man ein Gebäude betritt, in dem Akkus gebrannt haben, zeigt jedoch der Aushang der Fachfirma, die den ausgebrannten Bau derzeit saniert.

Gefordert werden unter anderem ein Schutzanzug mit Kapuze, FFP3-Atemschutzmasken und Schutzhandschuhe. Nach dem Verlassen des Gebäudes sind eine gründliche Körperreinigung sowie eine Dekontaminations- und Stiefelwaschanlage Pflicht.

Die betroffenen Beschäftigten, die ins Gebäude geschickt wurden, wurden nach eigener Aussage weder über die Gefahren aufgeklärt noch mit Schutzmaterial ausgestattet.

Umweltamt „nicht zuständig“

Uns liegen Mails und Telefonprotokolle vor, die zeigen, dass sich Beschäftigte später an Behörden wandten – etwa an das Umweltamt der Stadt Regensburg. Die Leiterin antwortete auf die ausführlichen Schilderungen zur möglichen Gesundheitsgefährdung knapp.

Post, die nach dem Brand aus dem Gebäude geholt wurde.

„Das Umweltamt ist für den Arbeitsschutz nicht zuständig. Wir dürfen Ihnen anraten, sich an das Gewerbeaufsichtsamt der Regierung der Oberpfalz zu wenden“, heißt es in einer E-Mail vom 19. September. Die städtische Pressestelle, bei der wir nachfragen, behauptet dennoch fälschlicherweise: „Dem Umweltamt der Stadt ist hierzu nichts bekannt.“

Gewerbeaufsichtsamt kann Verstöße nicht mehr nachvollziehen

Das Gewerbeaufsichtsamt räumt ein, am 19. September – sechs Tage nach dem Feuer – durch eine telefonische Beschwerde über das ungeschützte Betreten der Räume und das Herausholen kontaminierter Post informiert worden zu sein. Aber: „Verstöße gegen Arbeitsschutzmaßnahmen konnten auf Grund des zeitlichen Abstands zu dem Brandereignis nicht mehr nachvollzogen werden.“

Allerdings kontrollierten die Beamten laut eigener Aussage noch am selben Tag unangekündigt die Ersatzräume von City-Mail in der Rathenaustraße. Ob die Lithium-Ionen-Akkus dort nun ordnungsgemäß lagern, bleibt trotz dieser Prüfung offen.

Was geschah mit der kontaminierten Post?

„Die Kontrolle am 19. September erfolgte ausschließlich hinsichtlich der eingegangenen Beschwerde (Umgang mit kontaminierten Versandstücken durch Beschäftigte)“, heißt es auf Nachfrage. Was diese Kontrolle ergab und wie – oder ob – ausgeschlossen wurde, dass kontaminierte Post an Empfänger ging, bleibt unbeantwortet. Sowohl von der Gewerbeaufsicht als auch von City-Mail.

Der Postdienstleister City-Mail war früher eine Tochter der MZ-Verlagsgruppe und ging beim Verkauf 2021 an die PNP. Seit 2023 gehört das Unternehmen zum Firmenkonglomerat eines privaten Postdienstleisters aus Fürstenzell.

So wie es derzeit aussieht, bleibt das Verhalten des Unternehmens bei der Lagerung der Akkus und im Umgang mit den Beschäftigten folgenlos.

Trackback von deiner Website.

SUPPORT

Ist dir unabhängiger Journalismus etwas wert?

Dann unterstütze unsere Arbeit!
Einmalig oder mit einer regelmäßigen Spende!

Per PayPal:
Per Überweisung oder Dauerauftrag:

 

Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14 7509 0000 0000 0633 63
BIC: GENODEF1R01

Kommentieren

Ich bestätige, dass die hier von mir eingegebenen persönlichen Daten auf regensburg-digital.de bis auf Widerruf gespeichert werden dürfen.
drin