Naked and Famous – ein Nachruf auf Martin Stein
Martin Stein starb am Freitag im Alter von 54 Jahren. Er war viel, viel mehr als nur ein Kollege.
Es fällt nicht leicht, einen Nachruf für jemanden zu schreiben, der viel, viel mehr war als ein geschätzter Kollege. Sondern auch ein großzügiger Gastgeber, ein feinsinniger Gesprächspartner in schwierigen und schönen Lebenssituationen, ein charmanter Humanist, der gern provozierte und mit dem man streiten konnte, ohne sich zu zerstreiten.
Ein Buchhändler, Verleger, Autor, Bartender, Cocktailkenner, DJ, Redner und Stehaufmännchen. Einer, der die Menschen und das Leben liebte und in vollen Zügen auskostete. Ein großartiger Mensch und guter Freund, von dem man (ich) längst nicht alles wusste, weil er so viele verschiedene Facetten hatte.
Martin Stein hätte sicher eine Idee gehabt, wie man so etwas angeht. Er war sprachmächtig, stilfest. Er feilte an jedem Satz, bis er klang. Er war an anderen Menschen interessiert, wollte sie kennenlernen – und tat es auch.
Deshalb hätte er sicher die passenden Worte gefunden, um einen so feinen Kerl zu verabschieden, der längst nicht nur in Regensburg viele in seinen Bann zog. Leider kann ich ihn nicht mehr um Rat fragen. Martin Stein ist am Freitag gestorben. Viel zu früh. Friedlich eingeschlafen in einem Bett am Uniklinikum. Er wurde 54 Jahre alt.
„Ich habe doch wirklich ein geiles Leben.“
Alles geschah schnell und völlig überraschend. Er hatte sich gerade wieder ins Leben zurückgekämpft, das er im letzten Sommer fast verloren hätte. Er sprach schon wieder davon, am nächsten Regensburg Marathon teilzunehmen und er schimpfte, dass es ihm mit der Genesung nicht schnell genug ging.
Er reiste schon wieder ins Ausland – als Journalist in Sachen Barwesen. Etwas, das Martin sehr genoss. Die letzte Nachricht von ihm bekam ich aus dem Praterwirt in Wien. Dort war er gern – und Der Nino aus Wien kam auf Martins Einladung hin ebenso gerne zu Konzerten nach Regensburg.
„Ich habe doch wirklich ein geiles Leben“, ist ein Satz, der mir von ihm immer in Erinnerung bleiben wird und den er auch ernst gemeint hat – allen Widrigkeiten zum Trotz. Martin Stein hinterlässt eine Partnerin, seine Eltern, eine Schwester und deren Kinder. Und viele Menschen, die ihn kannten, sich an ihm rieben, die ihn mochten und liebten.
Regensburg Digital verliert mit ihm einen brillanten Autor und einen Gesprächspartner voller Witz, Charme und Herzenswärme.
Auch wenn Martin überzeugter Atheist war, hoffe ich, dass er sich täuscht und irgendwo auf der anderen Seite vor oder hinter einem Tresen wartet – mit einem guten Getränk für ein noch besseres Gespräch. Ich werde noch lange bedauern, dass ich bei unserer letzten Begegnung so in Eile war, dass es nicht für einen kurzen Plausch gereicht hat.
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Mr. T.
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Wie schade! Mir fehlen die Worte – noch mehr als sie mir in jeder anderen Situation verglichen mit ihm gefehlt haben. Seine Schreibe und Sprache war beneidenswert.
Sarah Nerb
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Nach wie vor kann ich es noch nicht begreifen, dass er nicht mehr da ist. Auf dich, lieber Martin!
Und danke für den schönen Nachruf. 🖤
Sepideh
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Martin, du warmherziger Zyniker, du wirst mir fehlen …
Robert
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Der Herr Stein begann am Rande meines Gesichtsfeldes zu existieren, als meine Studienschwerpunkte sich grade von der Geschichte ab- und den Sprachen zugewandt hatten. Meist barfüßig und halblang gelockten Haars, immer für einen denk-würdigen Kommentar gut, entsprach er mehr dem Typus, den ich an der Uni anzutreffen gehofft hatte, als die meisten der Leute, von denen ich mich in meinem Hauptstudiengang umgeben fand. Aber für mehr waren unsere respektiven Trajektorien doch schon zu unterschiedlich, auch wenn wir uns jahrelang immer wieder hier und da und dort über den Weg liefen. In diesem Sinne bitte ich mich hier und jetzt konzeptuell an einem Werktagnachmittag oben an der Cafetentreppe sitzen zu sehen und dem Herrn Stein einen kurzen Gruß zuwinken, den er erwidert, ohne stehenzubleiben (wahrscheinlich meint er gar nicht mich, sondern den Dr. O. neben mir), und dann weiterstrebt… an einen jener rätselhaften Orte, wo Menschen hingehen, die auch dann noch existieren, wenn man sie nicht mehr sieht.