Advent, Advent...

Stadtrats-Adventskalender, Folge 2

Kenne deinen Stadtrat! 51 Kurzportraits in 24 Tagen, eine heiter-ironische Vorweihnachts-Sammlung  – das ist der Stadtrats-Adventskalender von Regensburg Digital. Heute: Folge 2 – Franz Rieger, CSU, und Hermann Vanino, ebenfalls CSU.

Gestatten, Franz Rieger, Doppelagent

Man kann schon fast die Uhr danach stellen: Kündigt jemand aus der CSU-Fraktion (auch bekannt als Schaidinger-Lager) eine Veranstaltung an, die Bürgernähe verheißt, springt drei Minuten vor Beginn Franz Rieger ums Eck. So geschehen beispielsweise bei einer Diskussion zur Sinzinger Nahverkehrsbrücke oder bei einer Ortsbegehung in der Ladehofstraße. Von den Bürgern wird Rieger dann auch immer freundlich empfangen, bisweilen auch gleich mit aufs Podium gehievt. Schließlich fühlt man sich geschmeichelt, dass der Herr Landtagsabgeordnete sich spontan herbeibequemt. Und während die Bürger sich freuen, lassen Oberbürgermeister Hans Schaidinger oder Fraktionschef Christian Schlegl diese unangekündigten Gastauftritte meist wortlos über sich ergehen. Rieger ist der Doppelagent der CSU, Fraktionsmitglied und damit offiziell Schaidinger-Seite einerseits, andererseits stellvertretender Parteivorsitzender und damit beim Gegner der vorn dabei. Vieles hat die Fraktion versucht, um ihn und seinen Schatten Hermann Vanino loszuwerden; in der Hoffnung, dass Rieger sich mal wieder verplappern möge, hat man Statuten ersonnen, die bei abweichender Meinung gar ein Fraktionsausschluss zur Folge haben könnten. Rieger hat sich gewehrt und ist immer noch Fraktionsmitglied. Und weil er das Doppelagententum so gut beherrscht, wird er aller Wahrscheinlichkeit nach auch im nächsten Stadtrat Teil der Fraktion sein, obwohl der Chef dann mutmaßlich nicht mehr Christian Schlegl heißt, sondern irgendwie anders und wohl auch mit der jetzigen Fraktion nicht mehr allzu viel am Hut hat. Um das alles zu verstehen, muss man aber eigentlich schon selbst fast agentengleich informiert sein. Man kann nur vermuten, dass dieses Verwirrspiel nur ein taktischer Schachzug von Rieger ist, um davon abzulenken, dass er trotz Dementi eigentlich doch Oberbürgermeister werden will. Über dieses Erfolgsrezept kann man – wie über Riegers partei-interne Loyalitäten – nur spekulieren, aber möglicherweise greift hier das Motto: „Wer nicht überzeugen kann, sollte wenigstens Verwirrung stiften“. Dass er das im Maximilianeum von Horst Seehofer gelernt haben könnte, ist aber auch nur eine unbestätigte Vermutung…

Hermann Vanino, der Schatten

Im politischen Leben sind sie nahezu unzertrennlich, deshalb sollen sie auch hier ein gemeinsames Türchen bekommen. Vanino war einst wer in der CSU: Stadtratsmitglied von 1984 bis 2002, CSU-Fraktionsvorsitzender von 1996 bis 2001. Jetzt ist er sogar seine Position als CSU-Sprecher im Verwaltungs- und Finanzausschuss los. Doch was ist in den sechs Jahren Stadtratsabstinenz passiert? Vom Fraktionsvorsitzenden wurde er zum Schatten von Franz Rieger. Ein unzertrennliches Duo, fast wie… Nein, lassen wir die Vergleiche. Vanino macht sich gut als Schatten. Er ist treu und immer dabei und überdies auch noch recht schweigsam geworden. „…wie Rieger und Vanino in einer gemeinsamen Pressemitteilung…“ ist jedenfalls eine der häufigsten Formulierungen, in denen der Name Vanino zu lesen ist. Wortführer ist dabei meist Rieger, Vanino scheint aber gerne im Windschatten des MdL zu segeln.  Vielleicht tut man ihm aber auch unrecht? Vielleicht ist ja Vanino Mastermind und Stichwortgeber hinter „Rieger und Vanino“ und Rieger nur der willige Knappe, der vorne an der Front kämpft? Man weiß es nicht. Aber als Schatten hat man immerhin eine gesicherte Existenz. Denn irgendwo scheint immer die Sonne. Auch in der Regensburger CSU.

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