Volt will in Regensburg antreten: Wie europäisch ist Kommunalpolitik?
Warum Volt zur Kommunalwahl in Regensburg antreten will. Gastautor Robert Riedl hat sich darüber mit Gwydion Enbarr unterhalten. Der Lehrer für Deutsch als Fremdsprache kandidiert auf Listenplatz 2 bei Volt für den Regensburger Stadtrat. Wenn – ja, wenn sie es schaffen, bis zum 19. Januar 430 Unterschriften zu sammeln. Die Crux? Wer unterschreiben will, muss zu den Öffnungszeiten in eines der Regensburger Bürgerbüros; denn nur dort ist das Unterschreiben möglich.

Enbarr tritt auf Listenplatz 2 für Volt bei der Kommunalwahl an – sofern die Partei genügend Unterschriften sammeln kann. Foto: rr
Es ist kurz vor Silvester. Ich bin in einer Wohnung im Stadtosten. Dort sitze ich auf einer Couch, trinke Tee und unterhalte mich mit Gwydion Enbarr. Der Lehrer kandidiert für die Partei Volt. Er und seine Mitstreiterinnen wollen in den Regensburger Stadtrat. Das Besondere an ihrer Partei: Sie ist paneuropäisch. Das langfristige Ziel: die Vereinigten Staaten von Europa.
Supranationalismus und Kommunalpolitik – wie passt das zusammen? Um das zu verstehen, bin ich hier. Enbarr erzählt von seiner Kindheit im bayerischen Wald, unvermittelt bezeichnet er sich als „Waidler“. Aber, sagt er: zum Bayerischen Wald gehört eben auch der Šumava – der Nationalpark auf tschechischer Seite. Zusammen bilden sie den Böhmerwald.
Regional oder global? Für Enbarr kein Widerspruch.
Die Nähe zu Tschechien und Österreich habe ihn sehr geprägt. „Wie kannst du da nicht als Europäer aufwachsen?“, fragt er. Wenn Enbarr vom Böhmerwald erzählt, dem „wilden Herzen Europas“, wenn er von seiner Idee für Europa schwärmt und von seiner Heimat Regensburg erzählt, kann ich die Euphorie förmlich spüren.
Volt gibt es in 32 Ländern in Europa. Jedes Land ist ein eigenes Chapter und in den Kommunen gibt es sogenannte Teams. Jedes Team wird von einer Doppelspitze geführt. Aber nicht überall ist Volt eine Partei.
In Albanien sind sie beispielsweise eine Bewegung und können nicht zu Wahlen antreten. Die Ideen seien aber überall die Gleichen, so Enbarr. Man stehe für einen ökologisch-sozialen Liberalismus. Volt fordere eine gleichwertige, offene, tolerante und nachhaltige, europäische Gemeinschaft, die für eine gemeinsame Zukunft eintrete. Die Partei stehe für einen starken wissenschaftlichen Realismus, gepaart mit radikalem Antipopulismus.
Gesellschaftlicher Liberalismuss statt Neoliberalismus
Vorwürfe, sie seien eine „neoliberale Partei“ weist er weit von sich. „Wir stehen für einen gesellschaftlichen Liberalismus.“ Ohne verbindliche Grundrechte für die einzelne Person sei Politik für Volt nicht zu denken.
Enbarr betont, wie wichtig den glühenden Europäern politische Gleichheit sei. Alle Voltas, so die Bezeichnung, berufen sich auf Dokumente wie die Amsterdamer Erklärung oder die 5+1 Herausforderungen (näheres bei Volteuropa.org).
Schließlich zitiert er Art.1 des Grundgesetzes, „die Würde des Menschen“, nicht die „Würde des Deutschen“ sei unantastbar. Und macht damit klar: die Voltas aus Regensburg stehen für eine Politik des Miteinanders, sie vertreten ein positives Menschenbild.
„Best Practice Prinzip“
Um dem europäischen, wie dem kommunalen Anspruch gerecht zu werden, hat das Regensburger Team um die potentielle OB-Kandidatin Lisa Brenner ein akribisches Wahlprogramm ausgearbeitet. Darin liegen die Schwerpunkte auf bezahlbarem Wohnen, grüner Mobilität, digitaler und bürgernaher Verwaltung, sozialer Teilhabe und Integration sowie Klimaschutz und nachhaltiger Quartiersentwicklung.
Aber was unterscheidet Volt eigentlich von den anderen Parteien im Rennen um die Stadtratsmandate?
Zum einen sei es das „Best Practice Prinzip“, sagt Enbarr. Dinge, die anderswo in Europa oder der Welt bereits funktionieren werden gesammelt, geprüft, angepasst und schließlich umgesetzt. Ihre Ideen beruhten auf evidenzbasiertem, kollektivem Lernen und internationalem Austausch.
Beim Blick ins Wahlprogramm wird klar, was er meint. Es finden sich einige internationale Beispiele wie es „besser geht“ darin. Wiens soziale Wohnungspolitik ist ebenso zu finden wie Kopenhagens Fahrradpolitik und Helsinkis Sozialpolitik.
Schwerpunkt Digitalisierung
Ein Schwerpunkt des Wahlprogramms liegt auf der Digitalisierung von kommunalen Verwaltungsabläufen – ohne zu radikal Stellen zu streichen. Die Bürgerinnen am Prozess beteiligen, sei die Devise. Verwaltung brauche Transparenz und Erreichbarkeit, aber auch persönlichen Kontakt und individuelle Betreuung.
Eine Seniorin habe dabei andere Bedürfnisse als ein Azubi. Ohne eine nahe zu volle Digitalisierung der Verwaltungsabläufe sei Zukunft nicht einmal zu denken, erklärt Enbarr.
Und wieder einmal: Ideen für den Kaufhof
Schließlich bitte ich meinen Gesprächspartner um ein konkretes Beispiel, wo europäisches Denken die Kommunalpolitik in Regensburg messbar verbessern würde. Enbarr nennt das Galeria-Kaufhof-Gebäude und verweist auf das „Best Practice Prinzip“. Als Beispiel dient Helsinki. Dort wurde die „Bibliothek des Lebens“ gegründet. Es sei ein „herausragendes Beispiel für partizipative Stadtgestaltung.“ Das Gebäude bietet auf drei Etagen Raum, in dem sich die Bürger aktiv einbringen können. Lese- und Arbeitsbereiche, Reparaturcafes, Proberäume oder Veranstaltungssäle stehen zur freien Verfügung, um die Gemeinschaft zu stärken und soziale Teilhabe zu garantieren.
Diesem Beispiel folgend, könne dem leeren Betonriesen im Herzen Regensburgs wieder Leben eingehaucht werden. Mit dem „Best Practice Prinzip“ habe man eine solide und funktionierende Methode zur Hand, um Politik europäisch zu gestalten. Im Sinne der Europäerinnen.
Kaufhof-Ideen verschleiern städtische Ohnmacht
Aber wie passt das mit der Volt-Vision des Galeria-Kaufhof-Gebäudes zusammen? Wäre es nicht politisch ehrlicher, einzugestehen, dass all diese Visionen nur die städtische Ohnmacht verschleiern, so lange unklar ist, wie man an die Immobilie kommt?
Diese „visionäre“ und damit verschleiernde Herangehensweise an das Thema Kaufhof vertreten übrigens auch CSU und SPD. Volt steht damit keineswegs alleine.
Enbarr sagt, es sei notwendig, Widersprüche auszuhalten. Man könne sehr wohl eine Vision für das Kaufhof-Gebäude verfolgen und gleichzeitig über die schwierigen Besitzverhältnisse aufklären. Wichtig sei zum einen Integrität und Transparenz, zum anderen Haltung. Beides vermisse er in der Regensburger Stadtpolitik zuweilen.
Die einzigen ohne Animositäten und „Klüngelpolitik“?
Volt sei die einzige Partei im Rennen, die keine „Klüngelpolitik“ mache, keine Animositäten oder Verstrickungen aufweise. Allein das mache es so wichtig, dass die paneuropäische Partei in den Rat der Donaustadt einziehe.
Betrachte man die Konzepte der anderen Parteien zur europäischen Zusammenarbeit, dränge sich der Eindruck auf, „Best Practice“, evidenzbasierte Politik und Europa als politischer Referenzraum „von Morgen“ stünden nicht immer oben auf der politischen Agenda.
Das Gespräch mit Enbarr hat mir gezeigt, dass Europa und Kommunalpolitik mehr sind, als finanzielle Fördermittel aus Brüssel einzustreichen und unliebsame Politikerinnen dort zu parken. Es ist die Idee und die Umsetzung des europäischen Gedankens. Durch Vernetzung. Durch Austausch. Und durch gemeinsame Werte. Auch in der Kommunalpolitik.





J.B.
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Leider wieder nur eine Partei, die sich über zusätzliche Ausgaben Gedanken macht . Siehe Kaufhofgebäude. Wie und wo kann in Regensburg effizienter gearbeitet , gespart und verschlankt werden?
Gwydion Enbarr, Volt
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Grüß dich JB,
keine Angst, wir denken nicht nur über Ausgaben nach, ganz im Gegenteil: Durch eine effiziente Digitalisierung könnte zum Beispiel viel Geld gespart werden. Außerdem sehen wir das Projekt Dr Sallener Regenbrücke auch sehr kritisch, auch wegen der Kosten, die damit auf Regensburg zukommen, da even nicht alles vom Freistaat finanziert wird, was damit zusammenhängt. Wir werden auf eine konsequente Umsetzung des Zweckentfremdungsgesetzes hinarbeiten, was einerseits Einnahmen für sie Stadt generiert und zudem auch noch für mehr Wohnraum sorgt.
das sind jetzt nur ein paar Beispiele, aber wenn es dich interessiert, dann kannst du auch gerne unser Wahlprogramm durchlesen, da haben wir eine ganze Menge Wege angeführt, wie wir unsere Ideen finanzieren möchten, ohne sie Regensburger*innen noch mehr zu belasten.
auf jeden Fall aber danke dir für dein Feedback.
beste Grüße!
Gwydion
Jürgen T
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Meine Güte und wenn ich jetzt nicht Volt wähle nin ich ein Arschloch……..! Gute Themen habt ihr ja, doch macht Euch dieses Motto nicht gerade seriös. Sollten jetzt Aussagen kommen das man dadurch Aufmerksamkeit erwecken will wäre dies eine entschuldigene Ausrede. Werdet was das betrifft seriös dann seid ihr auch Wählbar. Und das sage ich
h als Elektriker. Clowns gibt es schon genügend
Dominik Müller_alt
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Jürgen T., die Plakate von Volt werben auch für mehr Eis in diesen Tagen, also wohl eingeschränkten Winterdienst.
Informant
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@Dominik, @Jürgen
Ja, man kann alles absichtlich Missverstehen.
Studi
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@Jürgen T
10. Januar 2026 um 02:26
Für kleinere Parteien ist Aufmerksamkeit deutlich wichtiger als Überzeugungsarbeit. Vor allem Wähler die nicht in den Mainstream Medien unterwegs sind kann man mit solchen Plakaten gut auf sich aufmerksam machen. Sie sagen selbst dass Sie die Themen gut finden, kommentieren unter einem Beitrag über die Partei… das zeigt dass es funktioniert. Die Botschaft: “Wähle uns dann bist du kein Arschloch” wirkt in der Regel übrigens tatsächlich positiv. Menschen tendieren dazu sich selbst zu “den Guten” zu zählen. Widersprüche dazu mögen sie gar nicht, was entweder dazu führt sich mehr über die Partei zu informieren um belegen zu können warum das nicht die guten sind und sie mit dem Plakat unrecht haben, oder die Botschaft auf dem Plakat zu übernehmen. Eine Win-Win Situation für die Partei.
Ihr Nachredner bestätigt unabsichtlich zusätzlich wie gut die Wahlplakate von Volt funktionieren.
IchBins
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Auszug aus dem Wahlprogramm: „ Geflüchtete sollen Geld bekommen. Mit dem Geld können sie zum Beispiel einkaufen. Oder einen Ausflug für ihre Kinder bezahlen.
Manche Geflüchtete müssen mit vielen Leuten in 1 Zimmer wohnen. Das wollen wir ändern.“
Oder
„ Wir müssen etwas gegen Gewalt tun. Das geht zum Beispiel: mit genug Geld für alle“
Dann will die Partei unbedingt mehr Wohnraum schaffen. Für Rentner, für Azubis … .
Da frag ich mich: wie kann das funktionieren? Wer soll das bezahlen? Soll man den Leuten die Gewalt ausüben ein Appartment finanzieren und mehr Taschengeld in die Hand geben? 😂😂😂 klar. Schicken wir die Straftäter am besten noch auf eine AIDA Reise um ihnen die schönen Seiten im Leben zu zeigen!
Burgweintinger
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@Jürgen T
“…. dieses Motto nicht gerade seriös, … Werdet was das betrifft seriös…”
Es gibt Plakate, da grinst das “Christkindl” mit Punsch und wünscht Frohe Weihnachten oder aktuell “Regensburg kann mehr”
=> Das ist wirklich seriös und gespickt von Inhalten!
Dominik Müller_alt
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Anders als Studi halte ich die Wahlplakate für ausgelutscht: bei der Europawahl 2024 waren sie frisch, bei der Bundestagswahl 2025 schon nur noch Wiederholung. Und jetzt hängen mir die alten Parolen zum Hals raus, Das sieht halt nicht nach Innovation oder Ideenreichtum aus. Da ist mir das altbekannte ÖDP-Plakat mit dem Löwen noch sympathischer.
Volt ist als paneuropäische Bewegung erfolgreicher als DIEM25 bzw. MeRa25, ohne neue Impulse werden sie aber auch in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.
Ich wähle ja nicht in Regensburg, das eine Prozent für den ersten Stadtratssitz werden sie schon schaffen.
Jürgen T
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Ach ich hab jetzt nachgedacht, noch nie war ich im Leben ein Arschloch, ich glaube das ich das mal ausprobieren muss.
Studi
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@IchBins
10. Januar 2026 um 15:59
Straftaten korrelieren deutlich stärker mit dem sozialen Status als mit Herkunft. Leider korelliert allerdings oft Herkunft mit sozialem Status. Die logische Folge ist es den sozialen Status der untersten anzuheben, also Geflüchteten, Arbeitslosen, Mindestlohn-Arbeitskräften. Es ist sogar schon teils gezeigt dass eine Verbesserung des sozialen Umfeldes die Kriminalitätsraten senkt. Das ist keine Theorie sondern in der realen Welt experimentell bereits bestätigt worden.
“Soll man den Leuten die Gewalt ausüben ein Appartment finanzieren und mehr Taschengeld in die Hand geben?” –> Unser Rechtsstaat ist absichtlich so aufgebaut, dass sofern eine Straftat nicht so schwerwiegiend ist dass man ins Gefängnis muss, man deswegen nicht weitere Rechte verliert (wie z.B. Wohnraum, Grundsicherung, …). Alles andere wäre offen diskriminierend.
@Dominik Müller_alt
11. Januar 2026 um 12:59
Sie scheinen bereits eine Wahlentscheidung getroffen zu haben. Studien legen nahe dass Wahlplakate Wahlentscheidungen fast nicht beeinflussen. Ihre primäre Aufgabe ist es zu erinnern, mobilisieren und Aufmerksamkeit zu erregen. Letzteres hat bei ihnen funktioniert. Mit ihren Kommentaren fördern Sie die Sichtbarkeit der Partei. Gegebenenfalls reden Sie auch im privaten über “diese ausgelutschten Plakate von Volt” und machen damit implizit Wahlwerbung.
Auch a Regensburger
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Verfolge die Volt Partei schon lange. Die Partei ist sehr seriös und will ja mit einer stärker Faktenbasierten Politik ein Gegenpol zu vielen Parteien die Nummer mit viel Polemik daherkommen.
Also wenn Ihnen das Wahlprogramm zusagt, können Sie dieser sachlichen, jungen Partei gerne Ihre Stimme geben.
Mehr Sachlichkeit und Fakten würde der politischen Landschaft sicherlich gut zu Gesicht stehen.
Dominik Müller_alt
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@Studi, Ihre Theorien scheitern in der Praxis.
vor allem, was die jahrelang gleichen Plakate anbelangt.
Die Ausführungen erinnern mich sehr an den Landtags-Wahlkampf 2018, bei dem die Partei, in der ich Mitglied war, die Wahlkampfstrategie in die Hände eines Marketing-Professors legte, Wegen irgendwelchen Algorithmen sollten wir gegenseitig unsere Beiträge auf Facebook und Instageam liken, fremde widersprechende Beiträge würden die eigenen Themen nach oben spülen, waren willkommen. Die Plakate müssten nur knallbunt sein, um aufzufallen, wir sollten nicht gleich alle Plakate aufhängen, sondern den Eindruck vermitteln, dass es immer mehr werden. Die Welle wachse wie von selbst und erreiche ihren Scheitelpunkt zim Wahltag. Trotzdem sorgen die SocialMedia-Algorithmen eher dafür, dass man gar nicht mehr aus der eigenen Blase hinausschaut als die Aufmerksamkeit anderer zu bekommen. Und bis zum Wahltag hatten alle Briefwähler ihre Stimmzettel schon abgegebrn.
Immerhin haben wir 2018 mehr Stimmen geholt als Volt 2023 bei der bayrischen Landtagswahl.
Um Nachfragen zuvorzukommen, es gab dann doch viele Gründe, aus der Partei auszutreten, einer waren Wahlplakate mit einer sehr bekannten Frau bei der Europswahl 2019, die Pose empfand ich sexistisch. Zwar nicht originär von der eigenen Partei, aber der Liste, auf der auch “unsere” Kandidaten Platz fanden.
Studi
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@Dominik Müller_alt
12. Januar 2026 um 18:11 | #
“Wegen irgendwelchen Algorithmen sollten wir gegenseitig unsere Beiträge auf Facebook und Instageam liken, fremde widersprechende Beiträge würden die eigenen Themen nach oben spülen, waren willkommen.” –> Genau so funktionieren die Algorithmen nunmal, das ist bewiesen. Das ist keine Meinung des Professors.
“nur knallbunt sein” –> Wie schon erwähnt ist bei Wahlplakaten sichtbarkeit deutlich wichtiger als Inhalt. Die wenigsten lesen den Text.
“wir sollten nicht gleich alle Plakate aufhängen, sondern den Eindruck vermitteln, dass es immer mehr werden.” –> Das ist aus vielerlei Hinsicht korrekt. Zum einen hat man dauerhaft einen “Aha”-Moment wenn man ein neues Plakat entdeckt wo vorher noch keins war. Es gibt keinen Gewöhnungseffekt wenn alle Plakate hängen und es dann konstant bleibt. Informationen kurz vor der Wahl haben den größten Einfluss. Natürlich gibt es immer Ausnahmen zu dieser Regel (die der Professor vermutlich auch kennt), aber wird er doch als Wissenschaftler den im Mittel besten Ansatz gewählt haben.
“dass man gar nicht mehr aus der eigenen Blase hinausschaut als die Aufmerksamkeit anderer zu bekommen” –> Aus Wahlkampfsicht wollen Sie nicht diejenigen erreichen die die entgegengesetzte Meinung vertreten, sondern diejenigen mit ähnlicher Meinung, die sie noch überzeugen können. Das man jemanden komplett umdrehen kann ist Wunschdenken. Außerdem werden in den Algorithmen vor allem polarisierende Inhalte der Gegenseite oft angezeigt, weil dort ähliche Nutzer zum Beispiel in den Kommentaren schimpfen oder es sich länger/öfter anschauen um sich drüber aufzuregen. Regensburg Digital ist dabei keine Ausnahme, wenn man sieht wie zum Beispiel unter Artikeln zum Klimaschutz überproprtional viele Klimalegner o.ä. kommentieren (was ja das Gegenteil der Bubble ist).
“Und bis zum Wahltag hatten alle Briefwähler ihre Stimmzettel schon abgegebrn.” –> Das Briefwahl Problem haben andere Parteien genauso. Die Abgabe der Briefwahl ist individuell, deswegen kann man darauf keine Kampagne ausrichten mit Höhepunkt an einem Stichtag. Obige Effekte treten aber genauso bei Briefwählern zu.
Warum haben sie obige bedenken nicht geäußert oder den Rat des Professors überhaupt angenommen? Besteht nicht auch die Möglichkeit dass sie ohne seine Hilfe schlechter abgeschnitten hätten?
“Immerhin haben wir 2018 mehr Stimmen geholt als Volt 2023 bei der bayrischen Landtagswahl.” –> Der Vergleich hinkt, da Volt vor allem auf europäischer Ebene agiert und deswegen nicht so stark regional ist. Ich weiß nicht welche Partei sie meinen. Man muss auch beachten dass Volt eine recht junge Partei ist und zuletzt ihre Wahlergebnisse immer deutlich verbessern konnten (bei Landtags und Europawahl).
Dominik Müller_alt
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Ach Studi, “Genau so funktionieren die Algorithmen nunmal”
Sie mögen für alles Beweise oder Studien haben, es ist aber selten der Fall, dass alle Studien zu einem Thema zum selben Ergebnis kommen. Und die Rahmenbedingungen des echten Lebens mit den festgelegten des Beweises oder der Studie identisch sind. Die Algorithmen sind nach meiner Wahrnehmung, um nicht von Erfahrung zu sprechen, nicht gar so simpel aufgebaut.
Gerade bei Werbeanzeigen in Facebook wird doch überwiegend etwas angezeigt, was man kurz zuvor angeschaut hat ( Beispiel, suchen Sie mal nach Zahnbürste ohne Mikroplastik), wenn ich mir ein Foto mit dem Hashtag “söder iss(t) ansehe, bekomme ich eine ganze Woche viele Bratwurstfotos angezeigt, und keineswegs die Schimpftiraden der Kathi auf Söder. Weil das errechnete Interesse eben die “Relevanz” verdrängt, obwohl ich in den Einstellungen gespeichert habe, dass mir keine zielgruppengenaue Werbung gezeigt werden soll und kein Interessensgebiet angegeben habe.
Und freilich, unter den Sortierungen “relevanteste zuerst/ neueste zuerst/ alle Kommentare” wähle ich – wie vermutlich jeder ernsthaft Interessierte – nicht “relevanteste”. Das gilt für social media-Kommentare.
Ihr “Regensburg Digital ist dabei keine Ausnahme,” ist falsch, da hier die Kommentare streng chronologisch angezeigt werden.
Die Briefwähler machen inzwischen einen erklecklichen Teil der Wähler aus, diese bewusst unberücksichtigt zu lassen, wäre dumm, auch wenn Sie freilich eine Gegenposition zu meiner beziehen wollen.
“Warum haben sie obige bedenken nicht geäußert oder den Rat des Professors überhaupt angenommen? ” Die Bedenken habe nicht nur ich geäußert, woraus schließen Sie Gegenteiliges? Allerdings ist Wahlkampf ein Teamwork, wo dann eben auch gegen die eigene Überzeugung Zeit reingesteckt wird an der Umsetzung der Parteistrategie. Das ist ganz sicher in jeder Partei so. Auch hier, Ihnen geht es nur darum, die Antithese zu verbreiten, obwohl Sie nach Ihrer Argumentation damit nur meine Beiträge relevanter machen.
“Der Vergleich hinkt,” Selbstverständlich, wenn Sie das schreiben.
Volt Deutschland wurde am 3.3.2018 gegründet, war beim ersten Antritt zur bayrischen Landtagswahl 2023 schon 5 1/2 Jahre alt, unsere Partei wurde am 1.6.2017 und war beim ersten Antritt zur bayrischen Landtagswahl 2018 erst 1 1/4 Jahre alt. Dafür hat Volt noch den Parteistatus.
anon
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nie vergessen, wie die volt partei 2023 alle menschen, die sich gegen den völkermord im gaza-streifen ausgesprochen haben, als antisemiten dargestellt haben.
menschen, die einen genozid kritisieren, als antisemiten zu denunzieren ist keine gute strategie, um sympathie zu bekommen.
macht sie leider unwählbar für mich.
Studi
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@Dominik Müller_alt
13. Januar 2026 um 21:56
“es ist aber selten der Fall, dass alle Studien zu einem Thema zum selben Ergebnis kommen” –> Ich rede ja nicht von wenigen einzelnen Studien, sondern von wissenschaftlichem Konsens, welcher gut erforscht ist. Es kommen auch nicht alle Studien zum Ergebnis dass der menschengemachte Klimawandel existiert. Trotzdem gilt er als wissenschaftlicher Konsens. Wäre es nicht möglich hinreichende Evidenz zu einer Forschungsfrage zu erreichen wäre Wissenschaft grundsätzlich sinnlos.
“nach meiner Wahrnehmung” –> Sie wischen wissenschaftliche, empirisch gemessene (Psychologie ist eine empirische Wissenschaft) Resultate beiseite und argumentieren mit ihrer Persönlichen Wahrnehmung. Das ist nett zu lesen (erzeugt in der Regel Beifall von Mesnchen die eh hinter ihnen stehen), aber hat kaum Überzeugungskraft, falls sie das bewirken wollen.
“wenn ich mir ein Foto mit dem Hashtag “söder iss(t) ansehe, bekomme ich eine ganze Woche viele Bratwurstfotos angezeigt, und keineswegs die Schimpftiraden der Kathi auf Söder.” –> Sie verstehen das falsch. Es geht nicht darum dass der Algorithmus ihnen auf magische Weise etwas anzeigt, was dem entgegensteht was sie gerade gesehen haben. Es geht darum dass Menschen (zumindest die meisten) von polarisierenden Beiträgen der Gegenseite getriggert werden, darunter kommentieren und deswegen noch mehr von der Sorte angezeigt kriegen. Wischt man das immer sofort weg ohne es anzusehen wird es selbstverständlich nicht weiter angezeigt. Wie sie selbst schreiben geht der Algorithmus nach Interesse. Und viele Menschen sind nunmal so gestrickt, dass sie sich sachen der Gegenseite anschauen um sich darüber aufzuregen. Werden die Beiträge öfter geklickt (egal von welcher Seite) haben sie allgemein eine höhere Wahrscheinlichkeit angezeigt zu werden (egal bei welcher Seite).
“Und freilich, unter den Sortierungen “relevanteste zuerst/ neueste zuerst/ alle Kommentare” wähle ich – wie vermutlich jeder ernsthaft Interessierte – nicht “relevanteste”. Das gilt für social media-Kommentare.” –> Ich glaube die wenigsten Menschen ändern aktiv die Einstellungen der Kommentarsektionen um statt der Top-Kommentare lieber alle noch so sinnfreien hunderten Kommentare angezeigt zu kriegen und dann per zufallsprinzip ein paar davon zu lesen. Ich frage mich auch was Sie für einen Vorteil darin sehen, dies als Standard zu tun, und nebenbei diejenigen die das nicht tun als nicht ernsthaft interessiert abzustempeln.
“Ihr “Regensburg Digital ist dabei keine Ausnahme,” ist falsch, da hier die Kommentare streng chronologisch angezeigt werden.” –> Lesen Sie nochmal nach. Ich habe mich auf die Menge und Art der Kommentare bezogen, nicht auf die Reihenfolge. Hier ist kein Algorithmus am Werk, es zeigt aber wie viel und auf was Menschen reagieren. Die Algorithmen von Facebook etc spiegeln das nur wider.
“Die Briefwähler machen inzwischen einen erklecklichen Teil der Wähler aus, diese bewusst unberücksichtigt zu lassen, wäre dumm” –> Ich habe explizit gesagt dass die oben beschriebenen Effekte bei Briefwählern gleichermaßen wirken wie bei nicht-Briefwählern. Andere Parteien stehen dabei vor demselben Problem, es ist also kein Nachteil dass Sie ihre Kampagne nicht auf Briefwähler ausrichten können, da es nicht den einen Tag zur Stimmabgabe gibt. Nennen Sie mir gerne welchen der oben genannten Punkte man anders hätte machen müssen um die Briefwähler stärker zu mobilisieren ohne die an der Wahlurne nicht mindestens gleichermaßen zu verlieren.
“woraus schließen Sie Gegenteiliges” –> Das war eine rhetorische Frage. Ich lasse das ab jetzt lieber. Anscheinend gab es wohl aber doch eine entscheidungstragende Mehrheit die nicht ihrer Meinung war.
“obwohl Sie nach Ihrer Argumentation damit nur meine Beiträge relevanter machen” –> Ich habe keine Agenda gegen Sie persönlich. Ich stelle nur ihre Behauptungen richtig und verteidige mich gegen ihre Vorwürfe.
Zum Vergleich Volt vs “ihre Partei”: Dazu sei gesagt dass man nicht mal eine google suche braucht um zu wissen um welche Partei es sich handelt nachdem was sie hier preisgeben. Daher verstehe ich nicht recht warum sie so kompliziert um den Namen herum reden und vage bleiben. Ihre Partei ist in Bayern gegründet, operiert meines Wissens nicht mal Bundesweit. Ganz im Gegenteil dazu hatte Volt bis Februar 2021 nicht mal einen Landesverband in Bayern. Viel treffender wäre der Vergleich Landtagswahl Bayern 2018 (einen anderen relevanten Wert ihrer Partei gibt es ja nicht) und Europawahl 2019. Ich verstehe auch nicht so recht was sie mit dem Vergleich bezwecken wollen, außer sich selbst damit profilieren zu wollen. Wenn Sie Mitglied der AfD wären hätten Sie damit auch nicht automatisch mehr Kompetenz in Gründung und Aufbau einer Partei anhand des Wahlergebnisses.