Von Rentnern und Rebellen

Der Vorstand der Regensburger RRP (v.l.): Herrmann Eberwein, Axel Scholibo, Rainer Schweiger, Herrmann Vogel, Emma Kirschenhofer, Ferdinand Frummet. Foto: MirwaldEs war ein Kaiserschnitt. Bei der Gründungsversammlung des Regensburger Regionalverbands der Rentnerinnen- und Renternpartei (RRP) war es dem routinierten Zupacken von „Hebamme“ Lutz Tittel zu verdanken, dass am Ende nicht nur eine lebensfähige Vorstandschaft das Licht der Welt erblickte, sondern dass auch sieben neue Mitglieder geworben werden konnten. Im Restaurant Herrmann hatten sich immerhin knapp 40 Interessierte eingefunden, um der Niederkunft beizuwohnen.

Schon die Gründung des Bezirksverbands Oberpfalz Mitte Juni, dessen Vorsitz Lutz Tittel inne hat, ist dem streitbaren und stets hochaktiven Kunstgeschichtler erfolgreich geglückt. Binnen 14 Tagen konnten sogar die knapp 900 notwendigen Unterschriften zur Teilnahmen an der Landtagswahl gesammelt werden. Und so ist es verständlich, dass Tittel recht zuversichtlich in die Runde blickt, als er ein weiteres Gründungstreffen eröffnet. Auch wenn die Botschaft, die den Aktionismus der Senioren geweckt hat, keine schöne ist „Die etablierten Parteien denken nicht an die Verlierer.“ Ob nun jung oder alt.

Glückliche Geburtshelfer richten den Blick bereits nach Amberg: Bezirksvorstand Lutz Tittel und Landtagskandidat Ferdinand Frummet. Foto: MirwaldDas will nun die RRP übernehmen, die – angesichts ihres recht jugendlichen Alters, der Bundesverband wurde vor einem Jahr gegründet – über ein sehr übersichtliches Parteiprogramm (drei Seiten) verfügt. Tenor: gerechte Sozialsysteme für alle. Dass das auf Dauer nicht so bleiben kann, ließ sich an den Diskussionen der Anwesenden ablesen, die – gleichwohl interessiert – zum größten Teil noch nicht bereit waren, ihre Unterschrift unter das Beitrittsformular zu setzen. „Eine Protestpartei. Wenn die regieren, dann trifft einen der Schlag“, meint einer der Anwesenden. „So haben doch alle angefangen“, entgegnet seine Tischnachbarin, hört weiter zu, unterschreibt aber (noch) nicht. Knapp 40 Interessierte fanden sich zur Gründungsversammlung ein. Foto: MirwaldEs dürfte also noch eine Weile dauern, ehe das „Potential von 20 Millionen Rentnerinnen und Rentnern“ so weit ist, „ihre stille Revolution in die Öffentlichkeit zu tragen“, „sich nicht länger von den etablierten Parteien ausplündern zu lassen“ und bis „Jung und Alt gemeinsam die Sozialsysteme gestalten und sichern“ werden. So lauten einige der Kernsätze von Ferdinand Frummet, dem Spitzenkandidaten der RRP für die Landtagswahl. Seit Montag ist er auch Vorsitzender des neugegründeten Regionalverbandes.

Was sicher ist: Man trifft sich jeden Montag, 19 Uhr, im Restaurant Herrmann zum politischen Stammtisch. Ein detailierteres Parteiprogramm will schließlich erarbeitet werden.

Auf der Liste für die Landtagswahl findet sich die RRP „ganz rechts außen“. Eine politische Zuordnung will Spitzenkandidat Frummet aber ausdrücklich nicht daraus abgeleitet wissen. „ Wir haben mit keiner der etablierten Parteien etwas am Hut“, ergänzt Tittel. Man höre allerdings schon von Bekannten aus CSU oder SPD: „Ihr nehmt uns die Stimmen weg.“ Einige – frisch aus den „Volksparteien“ ausgetretene Anwesende – scheinen diese Annahme zu bestätigen.

Einer zähen Suche nach Funktionären folgte schließlich ein erfolgreicher Urnengang. Foto: MirwaldFür die Übernahme von Posten im neuen Regionalverband stehen allerdings nur wenige zur Verfügung. Interessierte Anwesende aus Bad Abbach müssen sich leider an den Bezirksverband Niederbayern wenden und fallen als Potential für Regensburg aus. Es braucht also viel Überredungskunst und sanften Drucks des Bezirksvorsitzenden, bis die neue Vorstandschaft schließlich vollständig ist. Neben Ferdinand Frummet übernehmen Herrmann Vogel, Axel Scholibo und Emma Kirschenhofer die Parteigeschäfte in Stadt und Landkreis Regensburg. Als Beisitzer fungieren Herman Eberwein und Rainer Schweiger. Als gegen Ende der erfolgreichen Wahl eine Dame im Gehen meint: „Beigetreten bin ich nicht, aber ich werden sie weiter beobachten“, lehnt sich Lutz Titttel zufrieden zurück. „Es ist alles glatt gelaufen. Das nächste Ziel ist Amberg.“ Auf die wehengebeutelten Rentner wartet der nächste Kreißsaal.

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