Bayern-Museum

Wettern gegen Schiffe, Rampen und Spekulanten

2018 soll das Museum für bayerische Geschichte am Donaumarkt eröffnet werden. Darüber, wie dieses Museum und dass Umfeld aussehen wird, wurde am Donnerstag diskutiert. Mit viel Verve und ohne Annäherung.

„Verblechung“, „Asphaltbrei“, „Schandmal“. Genüssliche Abrechnung von Klaus Caspers (2. v. l.) mit der Regensburger Stadtplanung. Foto: as

Das wird super (meint die Stadt). Das wird ein Krampf (meinen Bürgerinitiativen). Das wird schon gut und wenn es schlecht wird, dann kann ich nix dafür (mein Richard Loibl). Wie wird das Museum für bayerische Geschichte am Donaumarkt aussehen? Und vor allem: Wie wird das Umfeld gestaltet? Darüber diskutierten am Donnerstag Anwohner und Vertreter von Bürgerinitiativen mit Planungsamtschefin Ute Hick, Hans Weber vom Staatlichen Bauamt und dem designierten Museumsleiter Richard Loibl. Der Erkenntnisgewinn an diesem Abend hielt sich in recht engen Grenzen. Dafür weiß man nun, wo die Fronten verlaufen.

Altstadt ist „Außengelände des Museums“

Dass „die historische Altstadt als Außengelände des Museums“ zu verstehen sein wird, wie es auf den städtischen Internetseiten heißt, sorgte im vollen Saal noch für Gelächter. Denn dieses „Außengelände“ ist Dreh- und Angelpunkt aller Kritik. Der Freistaat wird für den Museumsbau – der geschätzt 51 Millionen kosten soll – einen weltweiten Architektenwettbewerb ausschreiben. Der Uferbereich am Donaumarkt, aber auch die angrenzende Ostengasse bleiben dabei außen vor. Bürgerinitiativen wie der Arbeitskreis Kultur, das Forum Regensburg und die Altstadtfreunde hätten das gern anders. Ganz anders. Sie fordern einen großen städtebaulichen Wettbewerb im Zuge dessen praktisch alle städtebaulichen Wunden, die in der Ostnerwacht je geschlagen wurden, behoben werden. Und so wettert Klaus Caspers unter betretenen Blicken der Planungsamtschefin genüsslich über die „massakrierte östliche Altstadt“, den „Asphaltbrei“, über den man vom Bahnhof in die Altstadt komme, den Plenarsaal des neuen Rathauses, der aussehe wie der „abgehackte Arm eines Kriegsversehrten“, das „Schandmal Martin-Luther-Straße“, das die östliche von der restlichen Altstadt trenne und die „Verblechung“ des Donauufers durch die vielen Touristenschiffe.

„Ostermeier-Verkauf hat ein Gschmäckle“

Dass man einen Teil des Donaumarkts – das Ostermeier-Gelände – noch an das Immobilienunternehmen Trepnau verkauft habe, nachdem klar, war, dass man den Zuschlag für das Museum bekomme sei nicht nur schlimm, das habe schon auch ein „Gschmäckle“, sekundiert Eginhard König (Arbeitskreis Kultur). Und Reiner Schmidt (Forum Regensburg) fügt noch hinzu, dass das Museum – wenn die Stadt so weiter mache – doch nur als Magnet für ein paar Immobilienspekulanten diene, statt allen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt etwas zu bringen. Bis zu 6.000 Euro für den Quadratmeter Wohnraum seien da schon im Gespräch, berichtet einer der Anwesenden. „Da kann doch kein normaler Mensch mehr leben.“

Das Ostermeier-Areal wurde Anfang des Jahres an Immobilien Trepnau verkauft. Hier soll unter anderem ein Hotel entstehen. Beim Wettbewerb fürs Museum bleibt das Gelände außen vor. Foto: Archiv

Ute Hick unternimmt ab und zu den Versuch, diesen Generalabrechnungen, die immer wieder von Applaus begleitet werden, etwas zu entgegnen. Die Anlegestelle sei Beschlusslage, der Wettbewerb nur für das Museum sei so mit dem Freistaat verhandelt worden und auch wenn sie die Preisentwicklung mit Sorge betrachte, könne man da als Kommune nur recht wenig machen – zumal als Verwaltung und eben nicht als politischer Entscheider im Stadtrat. Loibl erklärt in jovialer Geste, dass man doch wegen des Museums „beim besten Willen nicht die halbe Stadt in einem Riesenwettbewerb überplanen“ könne, dass das aber sicher alles toll werden werde. Und Hans Weber vom Staatlichen Bauamt, sitzt recht still am Podium, denn wie das Museum selbst aussehen wird, weiß man zum einen nicht und zum anderen interessiert es auch keinen.

Forderung: Keine Touristenschiffe am Donaumarkt

Schiffsanlegestelle nicht am Donaumarkt, keine Rampe für Busse und Lieferfahrzeuge von der Eisernen Brücke ans Donauufer und eben ein großer Wettbewerb für alles – das sind die zentralen Forderungen, die wortreich und von Applaus begleitet immer wieder vorgetragen werden und die Ute Hick immer wieder zu beschwichtigen versucht, manchmal wortreich, manchmal resigniert und achselzuckend.

Busrampe zum Donauufer: Diese Planung gilt auch noch nach dem Zuschlag fürs Bayern-Museum. Grafik: Stadt Regensburg

Nach über zwei Stunden hat man sich in den verschiedenen Standpunkten zwar kein Jota angenähert, aber es scheint alles gesagt und so wird die Diskussion geschlossen. Während die Planungsamtschefin den Brandlbräu verlässt, stoßen die Vertreter der Bürgerinitiativen mit Sekt an. Anscheinend war es ein gelungener Abend.

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Kommentare (12)

  • Gondrino

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    Verkauf an Trepnau. Hier sollte mal genau hingeschaut werden… Allein schon, um die Amts- bzw. Mandatsträger vor „unhaltbaren“ Anschuldigungen zu entlasten ;)

  • Stefan Spieß

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    Wieso genau ist jetzt diese Busrampe ein Problem? Die wäre aus verschiedenen Gründen – so sie einigermaßen ins Gesamtbild passt – gut. Allein schon, weil sie eine deutlich bessere Zugänglichkeit ermöglicht, vielleicht auch für Menschen in Rollstühlen. Und Lieferverkehr musst schon im Mittelalter sein, habe ich mir sagen lassen… (wenn es mal weiter zu einem Schiff sein sollte… in praller Sonne ist es in einem klimatisierten Bus eventuell wirklich angenehmer als unter einem dünnen Hut herum geschoben zu werden…)

  • SPD-Mitglied

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    Ihr habt nicht richtig hingehört: Dr. Loibl hat ganz genau
    gesagt: Wenn es gut geht, hat die Idee viele Väter, wenn es
    daneben geht, bin ich schuld.
    Also, künftig bitte genau hinhören.

  • Günter Mühlbauer

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    …Kreuzfahrtschiffe gehören nicht in die Stadt… sie sollten gegenüber von Schwabelweis / Tegerheim anlegen können ( natürlich mit Stromanschluß…), und die Passagiere könnten dann mit dem „Flußtaxi“ in die Stadt schiffern und „einkaufen“… Auch die Kreuzfahrtschiffe könnten problemloser beliefert werden…. Wer der Meinung ist das die „Kreuzfahrer“ Geld in Regensburg lassen, der irrt sich, denn viele bekommen ein „Landschpacket“ mit, und auf die paar Eiskugel die verkauft werden, verdienen nur Eisdielen…. Überall ist es anders, nur in Regensburg wird „Gestank und Müll usw“. in der Innenstadt umgeladen… Die Idee wurde von mir schon vor 10 Jahren der den Stadtplanern und dem OB vorgestellt…
    Leider wurde meine Idee nicht aufgegriffen… Vielleicht ist die Idee zu einfach Umzusetzen, oder weil Sie nur von einem Bürger ist…. Herr OB Schaidinger und Regensburger Stadtplaner in Regensburg hat es ja auch mit dem „Schwabelweiser Bad“ geklappt, auch wenn sich Politiker bei der Einweihung damit profilierten…

  • Jochen Schweizer

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    Ja der Donaumarkt ist seit Jahren ein Spielball vielfältiger Interessen, vorwiegend finazieller! Hat die Stadtbau nciht vor einigen Jahren, mit Zustimmung bzw. Aufforderung des OB, eine GmbH erworben zu einem Nicht nachvollziehbaren Kaufpreis, die das Ostermeierareal im Besitz hatte und Verwandten der dritten Bürgermeistern Frau Anke gehörte?

  • franz b.

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    „Die Prioritäten unserer Stadtpolitik sehen aber vor, möglichst viele Bauleitplanungen durchzuführen, sodass wir so gut wie nichts selbst machen.“ Um diese Prioritäten zu verändern, so denn der Wunsch bestehe, sei der Stadtrat gefragt, so Hick. (Leiter Stadtplanung Regensburg)
    http://www.regensburg-digital.de/schlachthof-burgerwunsche-und-profitinteressen/02062011/

    Ungewöhnliche Äußerungen von einem leitenden Beamten. Inwieweit die politische Elite handlungswillig bzw. die Stadtverwaltung handlungsfähig ist, kann sich jeder selbst ausmalen.

    § 1 BauGesetzbuch gibt ziemlich genaue Vorgaben, wie eine Kommune zu handeln hat:
    Die Bauleitpläne sollen eine nachhaltige städtebauliche Entwicklung, die die sozialen, wirtschaftlichen und umweltschützenden Anforderungen auch in Verantwortung gegenüber künftigen Generationen miteinander in Einklang bringt, und eine dem Wohl der Allgemeinheit dienende sozialgerechte Bodennutzung gewährleisten. Sie sollen dazu beitragen, eine menschenwürdige Umwelt zu sichern und die natürlichen Lebensgrundlagen zu schützen und zu entwickeln, auch in Verantwortung für den allgemeinen Klimaschutz, sowie die städtebauliche Gestalt und das Orts- und Landschaftsbild baukulturell zu erhalten und zu entwickeln.

    In diesem Zusammenhang ist auch das Gutachten Trummer-Immobilien über die Feststellungen zur Altstadt bemerkenswert MZ 6.7.2012: In 15 Jahren sank die Zahl der Passanten um 25%. Damit fehlen auch die Kunden.

  • Peter Morsbach

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    Man stieß mit Sekt an, weil einer an diesem Abend seinen Geburtstag feierte und dennoch zur Diskussion kam. Das hatte nichts mit der Veranstaltung zu tun.

  • mkveits

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    Einen Kubus für Regensburg samt zeitgemäßer Infrastruktur

    Weimar geht voran. Regensburgs „Kleinteiligkeit“ am Donaumarkt ist gestorben. Graben wir die Pläne aus den 60er/70er Jahren aus: Verlängerung der „geliebten“ D. M.L.Straße – 4 spurig hinüber an den Regen. Nägel mit Köpfen. Auf die Umweltzone ist gepfiffen, endgültig.

    Aus dem SPD-Slogan „Nie am Donaumarkt!“ wird Seehofers Vermächtnis: Ein Museums-Tempel für „Falschspieler“ jedweder Art samt autogerechter Infrastruktur der 60er Jahre mit innerstädtischem Welterbe-Anlegeplatz für Fluss-Dampfer der Sinnfreiheit.

    Oh glückliches Regensburg!

    http://www.stern.de/kultur/kunst/bauhaus-museum-in-weimar-ein-kubus-mit-rhythmus-1854481.html

    http://www.cicero.de – zum „politischen Falschspieler“

  • mkveits

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    Sehr geehrter Herr Schweizer,

    das Zahlenwerk, das Sie mit Ihrem Beitrag ansprechen, findet sich ganz konkret in meinem verlinkten Schreiben an BM Weber. Die Zahlen sind aktenfest. Demokratiefest war das Unterfangen nie und wird daher den Landtag et al. noch zu beschäftigen haben.

    Sehen Sie selbst
    http://aktionboss.de/der-rechtsstaatswidrige-deal-am-donaumarkt

  • Das neue Reichen-Viertel am Donaumarkt | Regensburg Digital

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    […] dem Rest der Fläche soll – neben einem kleineren Wohngebäude der Stadtbau – bis 2018 das „Museum für Bayerische Geschichte“ entstehen. Der Freistaat Bayern wird für den Museumsbau – der geschätzt 51 Millionen kosten soll – […]

  • schangse

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    Der Museumsentwurfs gefährde nicht den Welterbetitel, beschied jüngst die ICOMOS. Kein Wunder; denn niemand kann am elend langweiligen Entwurf Anstoß nehmen. Eile beim Architektenwettbewerb war dem alten OB wohl das wichtigste. Viele Bürger hingegen wüschen sich mE Originelleres für den Donaumarkt, wie sich zeigte bei der Ausstellung der RKK-Entwürfe. Da war der „Donaukiesel“ Publikumssieger.

    Schon beim „bunten Haus“ in Steinweg waren nicht wetternde, sondern lobende Bürger Vorreiter für einen zunächst ängstlichen Gestaltungsbeirat. Könnte der Zeitaufwand für die Vorbereitung des Museumsuntergrundes die positive Seite haben, dass der kunstsinnigere neue OB noch einen alternativen Architektenwettbewerb initiiert, in dem ausdrücklich skupturale Entwürfe – auch ganz anders als der „Donaukiesel“ – gefordert werden?

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