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Erheblicher Sanierungsbedarf

Zum 65. Jubiläum: Stadt Regensburg schließt Naturkundemuseum – macht es jemals wieder auf?

Zu Beginn dieses Jahres hat die Stadt Regensburg das Naturkundmuseum Ostbayern übernommen. Seitdem ist es geschlossen. Wie lange? Unklar. Eine Mängelliste sieht erheblichen Sanierungsbedarf. Doch schon bei weitaus weniger Geld für das Naturkundemuseum gab es vor zwei Jahren Widerstand von Teilen der CSU.

Seit dem 1. Januar ist das Naturkundemuseum Ostbayern geschlossen. Wann es wieder öffnet? Unklar. Foto: as

Seit 65 Jahren residiert das Naturkundemuseum Ostbayern im altehrwürdigen ehemaligen Württembergischen Palais in der Prebrunnstraße beim Regensburger Herzogspark. Raimund Schoberer, Vorsitzender des Bund Naturschutz, spricht von einem „Schatzkästchen“ und einem „Umweltstützpunkt“, der nicht zu ersetzen sei.

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10.000 bis 15.000 Besucher kamen laut einer Übersicht von 2024 jedes Jahr in das Museum – vor allem Schulklassen und Kindergartengruppen. Nicht umsonst schwärmt der benachbarte Verein „Regensburger Eltern“ von einem Kleinod: „Altehrwürdig, charmant und voller Überraschungen – von lebensechten Tieren bis zur klingenden Kugelbahn.“

Viel Lob von der Stadt – und wenig öffentliche Kommunikation

Auch die Stadt Regensburg ist voll des Lobes:

„Als regionales Museum mit einer gewissen Reputation spielt das Naturkundemuseum Ostbayern in Regensburg eine wichtige Rolle in den Bereichen Natur- und Umweltbildung, Tourismus und Freizeitgestaltung. Das Museum hat sich zu einer Anlaufstelle für naturinteressierte Besuchende entwickelt, war für etliche Generationen von Kindern eine prägende Hinführung zur Natur im Ostbayerischen Raum, funktioniert als Knotenpunkt im Netzwerk verschiedener naturorientierter Vereine (…).“

So steht es in einer Beschlussvorlage vom 25. Juli 2024. Damals entschied der Stadtrat einstimmig, das Museum, dessen Trägerschaft man sich bislang mit dem Naturwissenschaftlichen Verein teilte, komplett in städtische Hand zu überführen – zum 1. Januar 2026. Seitdem ist das Museum dicht. Statt einer Feier zum 65. Jubiläum: eine Schließung auf unbestimmte Zeit.

Angesichts der Bedeutung, die die Stadt dem Museum in der Vorlage von 2024 zuschreibt, bleibt die öffentliche Kommunikation über Gründe und Dauer der Schließung dürftig. In einer Pressemitteilung von Ende Januar erfährt man davon eher nebenbei.

Keine Generalsanierung geplant – aber offenbar notwendig

Anlass ist eine vom Bund Naturschutz organisierte Ausstellung zum Thema „Stadtbäume“, die eigentlich im Naturkundemuseum hätte stattfinden sollen, aber kurzfristig ins Historische Museum verlegt wurde. Ein „länger dauerndes Gastspiel“ des Naturkundemuseums im Historischen Museum sei das, erfährt man am Ende der städtischen Mitteilung. Weil das Haus „vorerst für einige Monate geschlossen bleiben“ müsse.

Ein kleines Plakat an der Tür des klassizistischen Gebäudes informiert über die Schließung. Wie lange sie dauert? Dazu könne man „keine verlässliche Aussage“ treffen, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion. Eine Generalsanierung sei zwar nicht geplant, doch eine Mängelliste, die dem Beschluss von 2024 beiliegt, damals aber nicht näher thematisiert wurde, liest sich genau so – nach Generalsanierung.

„Abgewirtschaftet“, „defekt“, „nicht nutzbar“

Eine „Fassadenrenovierung“ sei „aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich“. Die Glasveranda sei undicht und müsse erneuert werden, um weitere Schäden am Gebäude abzuwenden. Wie eine Feuerbeschau ergeben habe, sei ein Sonderausstellungsraum im Erdgeschoss „aus brandschutztechnischer Sicht nicht ausreichend gestaltet und damit nicht nutzbar“.

Es gebe Sanierungsbedarf beim Heizungssystem, der Aufzug sei „abgewirtschaftet“, das Videoüberwachungssystem „defekt und nicht reparierbar“. Es folgen eingeschränkte Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer, fehlende digitale Erschließung, Restaurierungsbedarf bei den Türen, fehlende Depotflächen und ein kompletter Austausch der Vitrinen.

Kosten unklar, nichts im Investitionsprogramm

Weitere Punkte stehen auf der Liste. Sie dürften ohne Weiteres Kosten im sechs- bis siebenstelligen Bereich verursachen. Gerade werde geklärt, „welche Mängel (…) behoben und an aktuelle Standards angepasst werden müssen/sollen und in welchem Zeitraum das möglich ist“, so die städtische Pressestelle.

Im Investitionsprogramm sind bisher keinerlei Mittel zur Ertüchtigung des Naturkundemuseums vorgesehen. Vor diesem Hintergrund ist zumindest fraglich, dass es nur einige Monate geschlossen bleibt. Was es genau bedeutet, wenn die Stadt mitteilt, man wolle den Betrieb „baldmöglichst wieder aufnehmen“, bleibt offen.

Wegen 100.000 Euro: CSU forderte zunächst Schließung des Museums

Die Stadt Regensburg trug bereits in der Vergangenheit die wesentlichen Kosten für das Naturkundemuseum. Das Gebäude gehört der Stadt. Durch die komplette Übernahme entstehen laut dem Beschluss von 2024 zusätzliche Personalkosten von 100.000 Euro jährlich. Doch schon vor dem Hintergrund dieser vergleichsweise geringen Summe gab es im Sommer 2024 Widerstand von der CSU.

Bei einer ersten Beratung des Themas Naturkundemuseum im Verwaltungs- und Finanzausschuss teilte CSU-Stadträtin Dagmar Schmidl mit, dass „aufgrund der angespannten finanziellen Lage ein vollumfänglicher Weiterbetrieb des Naturkundemuseums durch die Stadt nicht möglich“ sei. Die Stadt könne aber den Fundus übernehmen. De facto hätte das eine Schließung des Naturkundemuseums bedeutet.

In der Fraktion war man sich damals nicht einig. Die CSU-Stadträtinnen Schmidl, Ariane Weckerle und Josef Zimmermann stimmten gegen die Übernahme des Museums. Erich Tahedl und der Rest des Ausschusses dafür. Nach öffentlicher Berichterstattung und Kritik sprach die CSU anschließend von „internen Fehlern“, die passiert seien, und stimmte dem Beschluss im Stadtratsplenum doch noch zu.

Wird das Gastspiel zum Dauerzustand?

Offen ist, ob dies so bleibt, wenn der zwingend notwendige Sanierungs- und Modernisierungsbedarf im Naturkundemuseum und die Kosten dafür feststehen. Wenn sich nach der Kommunalwahl keine Mehrheit findet, um diese Mittel im Investitionsprogramm einzustellen, könnte die Schließung „bis auf weiteres“ zum Dauerzustand werden – ebenso wie das „Gastspiel“ im Historischen Museum. Und das Palais von 1804 bliebe fürs Erste ein prominenter städtischer Leerstand.

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