„So etwas wird in Zukunft nicht mehr passieren“

Kinder am Pranger: XXXLutz entschuldigt sich

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"100 Euro Belohnung". Mit Aufsteller und Plakaten fahndete XXXLutz nach mutmaßlichen Ladendieben. Die Gesichter haben wir verpixelt.

„100 Euro Belohnung“. Mit Aufsteller und Plakaten fahndete XXXLutz nach mutmaßlichen Ladendieben. Die Gesichter haben wir verpixelt.

Das Regensburger Möbelhaus hat die Fahndungsplakate nach mutmaßlichen Ladendieben entfernt. Aus der Deutschland-Zentrale kommt eine Entschuldigung.

„Wir haben die Aufsteller und Fotos heute (am vergangenen Freitag, Anm. d. Red.) entfernt. Der Hausleitung ist mittlerweile bewusst, dass dies keine geeignete Maßnahme war, um nach Ladendieben zu suchen. Dies ist Aufgabe der Polizei.“

So reagiert die Deutschland-Zentrale der XXXL-Gruppe auf eine Anfrage unserer Redaktion vom vergangenen Donnerstag. Wie berichtet hatte das Regensburger Möbelhaus mit einem Aufsteller und großflächigem Aushang nach mutmaßlichen Ladendieben gefahndet. Auf den Fotos waren identifizierbar auch zwei Kinder zu sehen, darunter ein Baby.

Das Diebesgut: ein Kinderwagen

„Nach Aufzeichnungen unserer Überwachungskameras und laut Zeugenaussagen von Mitarbeitern hatten zwei erwachsene Kunden ein Kind dazu benutzt, um einen Zwillingskinderwagen aus unserer Babyabteilung zu stehlen“, heißt es in der Erklärung von XXXL. Gerade der Einsatz eines Kindes für diesen Diebstahl habe die Leitung des Regensburger Möbelhauses „emotional aufgewühlt“ und die Reaktion mit den Plakaten ausgelöst.

Laut der Staatsanwaltschaft Regensburg könnte ein solches Vorgehen durchaus strafbar sein. „Es kommt ein Verstoß gegen §§ 22, 23, 33 Kunsturhebergesetz sowie eine üble Nachrede gemäß § 186 StGB in Betracht.“ Beides seien allerdings Privatklagedelikte, die für eine strafrechtliche Ahndung zwingend einen Strafantrag des Verletzten erfordern. Auch der Kinderschutzbund Regensburg sah nach unserem ersten Bericht Handlungsbedarf und will das Möbelhaus um Stellungnahme bitten.

Konzern entschuldigt sich

Dass so etwas nicht mehr vorkommen werde, versichert die Zentrale des Möbelkonzerns bereits in der uns vorliegenden Stellungnahme:

„Wir entschuldigen uns für diese falsche Herangehensweise und versichern, dass so etwas in Zukunft nicht mehr passieren wird – weder bei XXXL Hiendl in Regensburg noch in irgendeiner anderen Filiale der XXXL Möbelhäuser.“

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Kommentare (11)

  • Christian

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    Hätte ich jetzt nicht gedacht

  • joey

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    „Dies ist Aufgabe der Polizei“

    Ja, richtig. Gut, daß man das dann in der Zentrale begriffen hat, der örtliche Filialleiter konnte das nicht. Vielleicht tut ihm nochmal eine Nachschulung gut – in Rechtslehre oder zumindest Sozialkunde.

    Ansonsten sollte man der Polizei und Justiz auch wirksame Möglichkeiten geben. Öffentliche Ordnung ist die Grundlage unserer zivilen und unbewaffneten Gesellschaft.

  • Tobias

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    Ist doch „prima“. Wenn man dann die diebische Elster Klage erhebt ist das ein Schuldeingeständnis, weil bestimmt mehrfach Videoaufnahmen von mehreren Klautouren vorliegt.

  • Boerndman

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    Die Hausleitung des XXXL Hiendl sollte lieber mehr Energie in die Motivation und Qualifikation der Mitarbeiter stecken, als Trovato zu spielen. In diesem Haus liegt schon länger einiges im Argen…wir kaufen da jedenfalls nach den gemachten Erfahrungen nicht mehr ein…und jetzt noch überzeugter…es gibt in der Region auch kleinere Möbelhäuser, die nicht zwingend teurer sein müssen, aber kompetentere und engagiertere Mitarbeiter haben und das ist unterstützenswerter, als ein Konzern, der alles schluckt, was ihm in den Weg kommt….

  • Dokaedi

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    Die Hausleitung denke ich braucht keine Schulung,
    Den in einem so großem Unternehmen sitzen bestimmt auch ein paar Leute die sich mit den Paragraphen auskennen, und diese Fachleute werden schon wissen was man machen kann.
    Den wenn der Rechtsstaat vertreten durch die Staatsanwaltschaft keinen Handlungsbedarf gegen XXXL sieht kann es so schlimm nicht sein.
    Aber schön das man bei Kommentaren auch immer gleich seinen persönlichen Frust los werden kann, auch wenn’s mit der Sache selber nix zu tun hat.

  • Dokaedi

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    Ach ja
    Und nachdem ich „Trovato“ gegooglet habe, weis ich jetzt auch welche TV – Sendungen sich so macher hier rein zieht, und woher das Wissen für so tolle Kommentare kommt.

  • joey

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    @dokaedi
    „was man machen kann“

    strafrechtlich kann Lutz das rein faktisch schon, denn es hat ja keiner Anzeige erstattet. Wie das strafrechtlich aussieht, kann uns ja mkveits genauer erklären.

    politisch / publicitymäßig kann Lutz das nicht.
    Deswegen darf keiner dort klauen, aber den guten Ton hat die Geschäftsleitung eindeutig verfehlt. Ich erweitere meine Schulungsempfehlung auf „gutes Benehmen in der Öffentlichkeit“. Nennt man das compliance? Die Einhaltung von Standards, die über nur formale Gesetzesbefolgung hinausgeht?

  • Mediator

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    Es war absehbar, dass diese datenschutzrechtlich höchst bedenkliche Verhalten schnell enden wird. Vermutlich haben sich einige der Kunden über diese Sauerei auch kräftig aufgeregt.

    Die Ausrede von XXL Lutz ist recht lahm: Wenn Personal den Diebstahl beobachtet hat, dann sollte es ein leichtes sein die Kasse bzw. den Sicherheitsdienst darauf aufmerksam zu machen.

    Dass hier die Mehrzahl der Kommentatoren zum fröhlichen Halali auf Ladendiebe geblasen haben und sich damit selbst einen Dreck um unsere Gesetze scheren, dass war ja nicht anders zu erwarten.

    Ähnliche Bedenken bezüglich des Datenschutzes äußert übrigens auch der Bayerische Rundfunk auf seiner Webseite.

    Ein schönes Eigento für XXL-Lutz, denn viele potentielle Kunden werden sich evtl. nun eine Alternative suchen um den Schnickschnack des täglichen Lebens zu kaufen.

  • R.G.

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    @Boerndman
    schreibt:
    „Die Hausleitung des XXXL Hiendl sollte lieber mehr Energie in die Motivation und Qualifikation der Mitarbeiter stecken, als Trovato zu spielen. In diesem Haus liegt schon länger einiges im Argen…wir kaufen da jedenfalls nach den gemachten Erfahrungen nicht mehr ein…und jetzt noch überzeugter…“

    Ich glaube Ihnen, dass Sie so oder so Ärger mit XXX-Lutz oder seinen Mitarbeitern hatten. Das ist aber ein anderes Problem als die Brandmarkung unschuldiger Kinder.

    Es ist zweifellos eine vernünftige Entschiedung, bewusst kleinere Unternehmer aus der Region zu unterstützen. Ich wollte es gäbe mehr Kunden von der Sorte.

    Die XXX-Lutz Verkäufer kundenfreundlicher zu schulen, würde die nun ordentlich erledigte Entschuldigung für das unschöne und unglückliche Plakat jedoch nicht ersetzen.

    Ein tragfähiger Demokratischer Rechtsstaat besteht auf Dauer nur, wenn wir unseren Mitmenschen die Möglichkeit zugestehen, sich positiv weiter zu entwickeln.

    Ewiges Beharren auf einem einmal öffentlich begangenen Fehler weniger Mitarbeiter, und lebenslange Ächtungstrafe dafür, verträgt sich mit meinem Begriff von friedlichem Miteinander nicht.

  • Giesinger

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    „Laut der Staatsanwaltschaft Regensburg könnte ein solches Vorgehen durchaus strafbar sein. „Es kommt ein Verstoß gegen §§ 22, 23, 33 Kunsturhebergesetz sowie eine üble Nachrede gemäß § 186 StGB in Betracht.“ Beides seien allerdings Privatklagedelikte, die für eine strafrechtliche Ahndung zwingend einen Strafantrag des Verletzten erfordern. Auch der Kinderschutzbund Regensburg sah nach unserem ersten Bericht Handlungsbedarf und will das Möbelhaus um Stellungnahme bitten.“

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    Sollte tatsächlich jemand Privatklage erheben (verspäteter Aprilscherz), bitte ich regensburg-digital darum, hier ausfühlichst darüber zu berichten.

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