Bob Dylan, Dylan-Buch, Heimspiel, Theater

Kulturkericht: Blinded by the light

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david_morgenVon Lichtgestalten, Katzenfischen, Heimspielen und zahmen Zornigen – der Kulturkericht der Woche.

Bob Dylan in der Donauarena

Es gibt wenige Popmusiker, die die Bezeichnung „lebende Legende“ verdienen. Bob Dylan gehört zweifellos dazu. Und am Mittwoch war es tatsächlich soweit: „His Bobness“ gab sich in der Donau-Arena die Ehre. Pünktlichst um 20 Uhr betrat er mit seiner Band die Bühne, spielte zweimal 45 Minuten mit einer Routine, mit der andere die Spülmaschine ausräumen, und verschwand nach zwei Zugaben ohne Verbeugung (eine kurze, stoische Pose musste reichen). Musikalisch auf den Punkt, unaufgeregt, aber unterhaltsam – zum Konzert selbst bleibt eigentlich nichts zu schreiben, was man vom 74-jährigen Dylan auf einer (für seine Maßstäbe) Provinzbühne nicht erwarten würde.

Viel eher im Gedächtnis blieb das „Drumherum“ des Konzertabends. Mal abgesehen von der katastrophalen Anfahrt mit kilometerlangem Stau auf der Walhalla-Allee, der so manchen Dylan-Fan deutlich zu spät in die Halle stolpern ließ, war es vor allem die Security, die einen bleibenden Eindruck hinterließ. Bei manch einem vielleicht sogar ein bisschen Augenweh. 

Denn als ob der Protagonist auf der Bühne nicht schon Lichtgestalt genug wäre, verbrachten die Saalordner ihren Abend vorrangig damit, die Zuschauerblöcke abzumarschieren und auf Verdacht mit grellen Taschenlampen zu durchleuchten. Der Hintergrund: Bildaufnahmen waren strengstens verboten. So wurde am Einlass auch nicht besonders gründlich auf gefährliche Gegenstände, wohl aber auf „Pocketkameras“ und ähnliches durchsucht.

Wer von den „Lichtgestalten“ in Schwarz dann doch mal dabei erwischt wurde, wie er mit seinem Smartphone aus 50 Metern Bühnenentfernung ein kleines unscharfes Erinnerungsfoto schießen wollte, dem blühte zumindest ein unfreundlicher Ranz. Unterdessen schnarrte auf der Bühne weiter der unsterbliche Dylan, und wer gerade keinen Lichtkegel im Gesicht hatte, der konnte sich an ihm erfreuen.

Als um 22 Uhr das Konzert zu Ende war, wartete vor dem Ausgang der Arena dann noch eine kleine Überraschung. Da ist ja der echte Bob Dylan!, dachte man für einen Moment. Doch der Mann mit Gitarre und Mundharmonika, der gerade „Tambourine Man“ sang, war „nur“ ein Covermusiker. Wenigstens sorgte so jemand dafür, dass das Publikum an diesem Abend doch noch viele Klassiker zu hören bekam, die Dylan auf der Bühne – vorhersehbar – ausgespart hatte.

Das Cover des Dylan-Romans „Catfish" von Musikjournalist Maik Brüggemeyer. Bild: PM.

Das Cover des Dylan-Romans „Catfish“ von Musikjournalist Maik Brüggemeyer. Bild: PM.

Bob Dylan in Sulzbach-Rosenberg

Als ob Regensburg nicht schon Provinz genug wäre, gibt es nächste Woche auch noch ein Bob-Dylan-Event in Sulzbach Rosenberg. Dort steht zwar nicht Dylan persönlich im Mittelpunkt, aber doch wenigstens der Rolling-Stone-Redakteur Maik Brüggemeyer, der am 20. November um 20 Uhr im Sulzbach-Rosenberger Capitol seinen Bob-Dylan-Roman „Catfish“ vorstellt. Das Buch setzt sich mit den verschiedenen „dylanesken“ Kunstfiguren auseinander und versucht auf diese Weise eine Annäherung an das Werk des Kult-Barden. Musik gibt’s dazu auch, und zwar von der Münchner Coverband The Blissful Bob. Karten gibt es unter anderem bei der Buchhandlung Volkert.

HEIMSPIEL in Regensburg: Das Filmfest geht in die siebte Runde

Wem nach so viel Musik und Literatur eher nach cineastischer Unterhaltung ist, dem sei das HEIMSPIEL Filmfest vom 19. bis zum 25. November in Regensburg ans Herz gelegt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf der historischen Sektion unter dem Motto „Protestkino. Gesellschaft und Kino in Umbruch, Aufbruch und Aufruhr“, die dem politischen deutschen Film der 1960er Jahre gewidmet ist. Die Vorführungen finden im Andreasstadel, im Ostentor, im Garbo und in der Filmgalerie statt. Unter http://www.heimspiel-filmfest.de ist das Programm zu finden.

Filmstill aus „Auch Zwerge haben klein angefangen" von Werner Herzog. Der Film wird beim 7. HEIMSPIEL Filmfest zu sehen sein. Bild: HEIMSPIEL Filmfest.

Filmstill aus „Auch Zwerge haben klein angefangen“ von Werner Herzog. Der Film wird beim 7. HEIMSPIEL Filmfest zu sehen sein. Bild: HEIMSPIEL Filmfest.

Zorn ziemlich zahm: „Fury“ im Theater Regensburg

Nach den Anschlägen in Paris erhielt die Premiere von „Zorn (Fury)“ am Samstag im Stadttheater eine besonders traurige Brisanz. Schließlich kreist das Stück von Joanna Murray-Smith genau um die Themen, die nicht erst seit Freitag beherrschend sind: Radikalisierung, Religionskonflikte, aber auch Rassismus und Ressentiments. 

Joe Harper (überzeugend: Benno Schultz), ein „perfekter Sohn“ aus gutem Hause, hat in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine Moschee beschmiert, weil er den Islam „eben nicht tolerieren“ will. Seine Eltern Alice und Patrick (Franziska Sörensen und Gerhard Hermann, die im Zusammenspiel brillieren) sind entsetzt und versuchen eine Erklärung für das Verhalten ihres Kindes zu finden, das sie doch eigentlich „anders erzogen“ haben. Währenddessen droht die Studentin Rebecca (hervorragend: Andine Pfrepper), ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit von Alice zu lüften.

Zahme Zornige: Andine Pfrepper und Franziska Sörensen im neuen Stück des Theaters Regensburg. Bild: Theater Regensburg / Jochen Quast.

Zahme Zornige: Andine Pfrepper und Franziska Sörensen im neuen Stück des Theaters Regensburg. Bild: Theater Regensburg / Jochen Quast.

„Zorn“ ist ohne Zweifel ein Text von großer Relevanz und Dringlichkeit, wenn die Figuren von Murray-Smith doch auch oft ein bisschen zu schablonenhaft wirken. Die Art, wie die Autorin Ressentiments, Vorstadt-Empörung und Zeitgeist in spitzen Dialogen gegeneinander ausspielt, ist sehens- und hörenswert. 

Leider folgt die Regensburger Inszenierung von Regisseur Jens Poth stilistisch in großen Teilen etwas zu sehr den Klischees der Rollenbilder, die „Zorn“ zwischen Alt-68ern, einfach gestrickter Arbeiterfamilie und imagepoliertem Bildungswesen ansiedelt. Das gilt nicht nur für die Kostüme, die schon auf den ersten Blick nahezu jeden Charakterzug ihrer Träger preisgeben, sondern etwa auch für das Bühnenbild, das zwischen 70er-Schick und Sichtbeton (man fühlt sich ein wenig an das Haus der Madisons in David Lynchs „Lost Highway“ erinnert) rangiert, oder den geschickt über einen Plattenspieler live eingespielten Soundtrack.

So bleibt die Umsetzung von Poth und seinem Team zwar sehenswert, ob des eigentlich so furiosen Sujets aber erstaunlich zahm. Eine Spur mehr Mut – oder Wut – hätte dem Stück vielleicht gut getan.

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