Der letzte Alzheimer geht…

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Josef Alzheimer ist tot! Der legendäre Gründer der Liste Alz starb kurz nach seinem gloriosen Wahlerfolg 1996. Zwölf Jahre später verlässt nun auch sein politischer Ziehsohn, Karlheinz Mierswa, den Stadtrat: „Sonst werd ich noch so wie die.”	Foto: Archiv…und ein anderer will wieder in den Stadtrat – diesmal aber ernsthaft…

„Vergessen wir was war.” Fast wäre der Liste Alz, die sich nach dieser Kommunalwahl für immer aus der politischen Landschaft Regensburgs verabschieden wird, dieses Schicksal, das zugleich politisches Motto der Spaß-Guerilla um Karlheinz Mierswa und Hubert Lankes war, zuteil geworden.

Zwölf Jahre liegen dazwischen: Links Josef Alzheimer und Hubert Lankes beim Wahlkampf 1996. Rechts Alzheimers Ziehsohn Karlheinz Mierswa und Lankes unter dem Bildnis des viel zu früh verstorbenen Parteigründers.	Fotos: asDenn viel hat man von Mierswa, Ziehsohn des legendären und viel zu früh verstorbenen Parteigründers Josef Alzheimer, im Stadtrat nicht mehr gehört. Es hat ihn mürbe gemacht, „im Stadtrat immer erklärt zu bekommen, dass man ein Volldepp ist”. Und die letzten sechs Jahre hatte er dieses Päckchen alleine zu tragen. Denn sein Mitstreiter Hubert Lankes, der beim furiosen Wahlerfolg der Hornbrillen-Partei 1996 noch einen Sitz im Stadtrat ergattern konnte, ließ Mierswa – nach dem etwas schlechteren Wahlergebnis 2002 – vereinsamt inmitten humorloser „Profistadträte” zurück.

Lankes war das Gehirn, Mierswa Redner und Rampensau der Liste Alz, die mit der Aktion „Freier Schweinsbraten für freie Bürger” bundesweite Bekanntheit erlangte. Denn Schweinsbraten gab’s 1996 gegen Unterstützerunterschrift für die Liste Alz in Mierswas Wirtshaus, dem Auerbräu. Wegen „Wählerbestechung” war man von der politischen Konkurrenz (letztlich erfolglos) angeschwärzt worden.

Zwölf Jahre liegen dazwischen: Links Josef Alzheimer und Hubert Lankes beim Wahlkampf 1996. Rechts Alzheimers Ziehsohn Karlheinz Mierswa und Lankes unter dem Bildnis des viel zu früh verstorbenen Parteigründers.	Fotos: ArchivDie Staatsanwaltschaft ermittelte, die Medien auch. „Am nächsten Tag stand Sat1 vor der Tür.” Nun mussten Mierswa und Lankes tagtäglich Schweinsbraten vor laufender Kamera essen und in Talkshows – Biolek, Ilona Christensen, Live aus dem Schlachthof etc. – bekunden, dass man sich nicht gegen Alzheimer-Kranke wende. Den „politischen Alzheimer” hatten sie im Visier. Mit Dadaismus statt Populismus schafften sie es, 4.000 Menschen zu einer Wahlveranstaltung auf den Haidplatz zu locken..

Bürgerfest, Kittel und eine Tageszeitung

„Bewahren Sie mit mir das Gesicht. Am 10. März entscheiden Sie. Dafür gebe ich Ihnen mein Ehrenwort. Vergessen wir, was war.” Dieser Wahlspot war so überzeugend, dass man zwei Mandate errang. Das hatte zwar in den Augen mancher CSU-Stadträte „nichts mit Demokratie zu tun”, aber viel mit dem Entlarven hohler Wahlparolen, nichtssagender Wahlplakate und gebrochener Wahlversprechen. „Wir waren die ehrlichste Partei in Regensburg. Wir haben keines unserer Versprechen gebrochen”, sagt Lankes. Ihm hat die Stadtratszeit nicht viel Glück beschert. Weil er gegen die Ausrichtung des Bürgerfests durch Peter Kittel stimmte, entzog ihm eine Werbeagentur auf Betreiben der Mittelbayerischen Zeitung alle Aufträge als Fotograf, erzählt Lankes. Demokratie kann manchmal teuer sein…Nur vier Monate währte das Leben von Josef Alzheimer: Zwei Tage nach dem Wahlerfolg ging er seinen „Letzten langen Marsch.”

Mierswa weint seiner Zeit im Stadtrat keine Träne nach. „Erst wirst Du dauernd wie ein Depp behandelt und dann kommen sie her und sagen: Trink ma a Bier?” So wolle er nie werden. „Unfähig zu diskutieren, unfähig andere Meinungen anzuerkennen, unfähig zuzuhören. Da ekelt es mich”, meint er mit Blick auf den einen oder anderen Stadtrat der Mehrheitsfraktion. Als er 2003 im Sportausschuss – es ging ums Jahn-Stadion – nachgefragt habe, was denn passiere, wenn der Jahn wieder aus der 2. Liga absteige, erhielt er von Bürgermeister Weber zur Antwort: „Sie immer mit ihrem Pessimismus. Die Pläne für ein Stadion hatten wir schon, da war der Jahn noch in der Landesliga.”

Der Jahn ist abgestiegen. Und heute wird das neue Stadion von der sportlichen Leistung des SSV abhängig gemacht. Vorschläge von Mierswa für ein alternatives Finanzierungs- und Verkehrskonzept seien von CSU-Fraktionschef Herbert Schlegl abgebügelt worden: „Da sieht man mal wieder, dass der Herr Mierswa keine Ahnung hat.” Da mag er jetzt halt nimmer. Und drum geht die Liste Alz den Weg, den schon ihr Gründer ging: Sie stirbt. Hubert Lankes will es aber trotz allem noch einmal wissen. Für die Freien Wähler will er in den Stadtrat. Und wenn jemand sagt, man habe als Liste Alz nichts gemacht, widerspricht er: „Die Jetzt-oder-Nie-Kampagne gegen eine Stadthalle am Donaumarkt war die erfolgreichste Oppositionsarbeit, die es gegeben hat.” Heute um 20 Uhr wird im Auerbräu ein Film von Erik Grun über die Liste Alz gezeigt. Eintritt frei. Ein Tipp! Beginn: 20 Uhr.

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