...wie ein Holocaust-Leugner als Israel-Nuntius...

Nachhilfe für die Berufsvertriebene

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Wer kann Erika Steinbach helfen? Aushang an der Universität Regensburg.

Die Nazis waren eine linke Partei. Das wussten Sie noch nicht? Dann wenden Sie sich vertrauensvoll an Erika Steinbach. Die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Bundestagsabgeordnete für die CDU und Sprecherin im Ausschuss für Menschenrechte hat seit geraumer Zeit das Internet für sich entdeckt und schreibt auf Twitter und Facebook munter drauf los, was ihr gerade so durch den Kopf geht. Zum Beispiel ebendies: „Irrtum! Die NAZIS waren eine linke Partei. Vergessen? NationalSOZIALISTISCHE deutsche ARBEITERPARTEI…..“, lautet Steinbachs neuster geschichtsanalytischer Tweet. Wirklich darüber aufregen kann man sich fast nicht mehr. Dass Steinbach ein verqueres Geschichtsbild hat, ist nichts Neues.

Steinbachs verquere Thesen sind nichts Neues

1991 hat sie im Bundestag gegen die Oder-Neisse-Grenze zu Polen gestimmt. Ein wichtiges Anliegen ist es ihr auch, die Zahlen der deutschen Vertriebenen künstlich nach oben zu treiben, mal zwölf, mal 14, mal 15 Millionen. An der Erforschung dieser Zahlen sind sie und der BdV hingegen weniger interessiert. Dass sie selbst nicht einmal eine Vertriebene ist, ihr Vater wurde 1941 als Besatzungssoldat nach Polen versetzt, sei nur am Rande erwähnt. Mordende Neonazis und Linken-Politiker sind für Steinbach letztlich ein- und dasselbe: gefährliche Extremisten. Sie relativiert gerne. Nicht umsonst ist sie deshalb gerade CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt zur Seite gesprungen, als der ein Verbotsverfahren gegen die Linkspartei forderte. Am deutschen Überfall auf Polen seien diese selbst schuld gewesen, lautet eine weitere von Steinbachs Thesen. „Die haben ja zuerst mobil gemacht.“ Von der NPD erhält Steinbach regelmäßig für ihre Positionen und Äußerungen Beifall und auf Facebook befreundet sich die BdV-Präsidentin schon mal „versehentlich“ mit NPD-Mitgliedern.

Kritik von Regensburger Brückenpreisträger

Bartoszewski: „Eine Mitgliedschaft Steinbachs in dem Beirat (des Zentrums gegen Vertreibungen) wäre, als ob der Vatikan den Holocaust-Leugner Richard Williamson als Nuntius nach Israel schicken würde.“

Der polnische Publizist und Politiker Professor Wladyslaw Bartoszewski, erster Brückenpreisträger der Stadt Regensburg, hat eine dezidierte Meinung zu Erika Steinbach. Als es darum ging, den Stiftungsrat für das umstrittene „Zentrum gegen Vertreibungen“ in Berlin zu besetzen und Steinbach dafür im Gespräch war (sie machte letztlich einen Rückzieher), meinte Bartoszewski: „Eine Mitgliedschaft Steinbachs in dem Beirat (des Zentrums gegen Vertreibungen) wäre, als ob der Vatikan den Holocaust-Leugner Richard Williamson als Nuntius nach Israel schicken würde.“

Nachhilfe von Regensburger Studenten?

Für ihre neusten Tweet erhält Steinbach nun „Unterstützung“ aus Regensburg. An der Universität hängen derzeit Flugblätter mit Steinbachs Berliner Büronummer und der Bitte um Geschichtsunterricht, „insbesondere deutsche Geschichte von 1933 bis 1945“. „Wenn Sie mir helfen können, melden Sie sich bitte“, heißt es noch. Vielleicht kommt irgendwann die CDU auf die Idee, Erika Steinbach zu helfen und die ewig gestrige Geschichtsrevisionistin und Berufsvertriebene aus der Partei zu werfen.

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Kommentare (17)

  • Roland Hornung

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    Ich befürchte fast, dass es vergebliche „Liebesmüh“ ist, jener Dame Geschichtsunterricht zu geben. Oder zumindest eine sehr schwere und langwierige Aufgabe….

  • Thomas

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    Wenn man recherchiert hätte, dann hätte man gemerkt, dass Frau Steinbach nicht anderes tut, als eine These zu vertreten, die von dem FAZ-Herausgeber und renommierten Hitler-Biographen Joachim Fest stammt.

    Zitat Joachim Fest:

    “War Hitler ein Linker? […] Manche guten Gründe sprechen dafür, dass der Nationalsozialismus politisch eher auf die linke als auf die rechte Seite gehört. Jedenfalls hatte er Zeit seines Bestehens mit dem Totalitarismus Stalins mehr gemein als mit dem Faschismus Mussolinis.”
    http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2003/09/27/a0148

    Als Fest das damals geschrieben hat, war es kein Skandal. Es ist auch heute keiner.

    Vergleiche auch die Äußerungen des Spiegel-Redakteurs Jan Fleischhauer:

    „War Hitler ein Rechter? Die Frage ist nicht ganz so absurd, wie sie klingt. […] ‚Meine gefühlsmäßigen politischen Empfindungen lagen links, das Sozialistische mindestens ebenso betonend wie das Nationalistische‘, schreibt der spätere Holocaust-Organisator Adolf Eichmann in seinen Memoiren. Als ‚eine Art Geschwisterkinder‘ hätten er und seine Kameraden Kommunismus und Nationalsozialismus wahrgenommen.“
    – Jan Fleischhauer: Unter Linken. Seite 291-294.

  • Stefan Aigner

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    @exilbayer

    Der Fotograf hat auf seine Nennung keinen Wert gelegt.

  • Bert

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    @ Thomas

    Nein, dass Erika Steinbach eine geschichtsrevisionistische Reaktionärin ist, das ist kein Skandal. Ihre Dummheit nervt aber auf Dauer.

    Was sie da eben abgesondert hat – der übliche Dünnpfiff – und hat mit der differenzierte Auseinandersetzung von Fest (die damals durchaus kritisiert wurde) nichts zu tun.

    Sie verzeihen mir, wenn ich den Polemiker Fleischhauer und Adolf Eichmann als Kronzeugen mal nicht ernst nehme. Ganz abgesehen davon, dass auch Fleischhauer sich mit dem Thema auseinandersetzt und nicht irgendwas in die Welt blökt.

    Steinbach geht es um Relativierung und Gleichmacherei. Sie ist überhaupt nicht in der Lage, sich differenziert mit irgendetwas auseinanderzusetzen bzw. sie will das nicht.

    Die Deutschen? Die größten Opfer des zweiten Weltkriegs (nach den Juden).
    Die Polen? Haben den Krieg angefangen.
    Die Linken (sie sagt nicht „Kommunisten“ oder „Stalinisten“)? Genau so schlimm wie die Nazis.
    NPD und Linke? Das gleiche.
    DDR und Drittes Reich? Dito.
    Ich, Erika? Eigentlich Besatzertochter, aber beruflich Vertriebene.

  • Thomas

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    @ Bert:

    Mir fällt auf, dass Sie nichts in Bezug auf Joachim Fest sagen. Fällt Ihnen dazu nichts ein?

    Sebastian Haffner äußerst sich übrigens ähnlich wie Fest.

    Die These (Nazis waren Linke) wird also auch von geachteten Intellektuellen vertreten.

  • Bert

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    @Thomas

    Stimmt, ich sage nicht viel zu Fest.
    Ich rede über Steinbach.
    Sie sind also des Lesens mächtig.

    Dan biete ich Ihnen mal diese Lektüre an:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,812950,00.html

    Der Historiker Herfried Münkler meint: „Es gab natürlich linke Elemente in der NSDAP. Es ist also etwas Richtiges dran, aber in der politischen Einordnung ist es trotzdem schief. Denn im politischen Spektrum der Zeit kann es keinen Zweifel geben, dass die NSDAP zur Rechten gehörte.“

  • Thomas

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    @ Bert:

    Ja, richtig, Sie sagen nichts zu Fest. Das bedeutet: Sie ignorieren völlig mein Argument. Vermutlich, weil Sie es nicht entkräften können. Das lässt Sie schlecht aussehen.

    Sie bringen eine Gegenthese von Münkler. Sicher, Fest muss nicht recht haben. Es spricht einiges für die These von Joachim Fest, wonach die Nazis links waren, aber auch einiges dagegen.

    Aber unabhängig davon: Es ist kein Eklat, kein Skandal. Steinbach hat nur eine in der Geschichtswissenschaft bekannte These wiedergeben. Das ist keine Zeitungsmeldung wert. Alles nur Hysterie.

  • Bert

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    @Thomas

    Ich ignoriere Ihr Argument?
    Welches Argument?

    Bereits in dem oben stehenden Artikel heißt es:

    „Wirklich darüber aufregen kann man sich fast nicht mehr. Dass Steinbach ein verqueres Geschichtsbild hat, ist nichts Neues.“

    „Nichts Neues“ bedeutet landläufig so etwas ähnliches wie „Kein Skandal“ oder „kein Eklat“.

    Ich selbst schreibe:

    „Nein, dass Erika Steinbach eine geschichtsrevisionistische Reaktionärin ist, das ist kein Skandal. Ihre Dummheit nervt aber auf Dauer. Was sie da eben abgesondert hat – der übliche Dünnpfiff – und hat mit der differenzierte Auseinandersetzung von Fest (die damals durchaus kritisiert wurde) nichts zu tun.“

    Also: „Kein Skandal“, aber „der übliche Dünnpfiff“

    Joachim Fest schreibt nicht: „Die Nazis waren eine linke Partei.“ Er setzt sich mit der Frage auseinander und kommt zu keinem endgültigen Schluss. Er setzt nicht die politische Richtung „links“ mit den Nazis gleich. Er ist kein Kronzeuge für Steinbach.

    Historiker heute widersprechen aber auch Fest.

    Um es vielleicht noch einmal ganz deutlich zu sagen:

    Steinbachs Tweet steht in einer Reihe von Äußerungen, die das Bild einer geschichtsrevisionistischen und revanchistischen Funktionärin zeigen (Und bevor Sie mir jetzt mit Ralph Giordano kommen: Ich bin anderer Meinung. So einfach ist das.). Oder-Neisse-Grenze nicht anerkennen oder eine vermeintliche Schuld Polens am deutschen Überfall auszumachen sind dafür nur zwei Beispiele.

    Das kommt in meinen Augen in dem obigen Artikel zum Ausdruck (auch wenn man da noch Einiges anfügen könnte) und das ist auch meine Meinung.

  • StuhloderSessel

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    Definiert man die politische Linke als marxistisch/sozialistisch/humanistisch ist die NSDAP selbstverständlich nicht, und auch keiner ihrer anfänglichen Flügel, politisch „links“ zu verorten.

    Die nationalsozialistische Ideologie besteht, auch in den Verlautbarungen des „Straßerflügels“, aus zum Marxismus gegenteiligen Grundpfeilern: völkisch, nationalistisch, rassistisch und antisemitisch, antikommunistisch, antiaufklärerisch und antihumanistisch.

    Die Sozialdemagogie der historischen SA und der aktuellen „Autonomen Nationalisten“ folgt einem ganz simplen Ziel:

    Der Herstellung der Volksgemeinschaft deutscher Arier unter Zuhilfenahme von Symbolen und Begriffen aus der sozialistischen Arbeiterbewegung (rote Fahne, Arbeiterlieder, „Proletenkult“ etc.) und damit der Negierung von Widersprüchen (verkürzt: Lohnarbeit und Kapital) und Herstellung eines geeinten arischen dt. Reiches mit starker Ökonomie und schlagkräftigem Militär zur Unterdrückung der Menschen in angrenzenden (und weiter entfernten) Ländern sowie im „Inland“.

    Steinbach, als Geschichtsrevisionistin an der Verharmlosung deutsch-faschistischer Vergangenheit interessiert, bedient sich, wie auch der Speer-Freund Fest, dieser Faktenverdrehung nur zu gerne: durch die Gleichstellung „Kommunismus ist Faschismus“ relativiert sie die NS-Verbrechen, diffamiert sie die historische und aktuelle ArbeiterInnenbewegung und schiebt die historische Verantwortung für den 2.Weltkrieg den von Deutschland besetzten Ländern in die Schuhe.

    Mit einer wissenschaftlichen Lesart deutscher Geschichte hat das ebensowenig zu tun, wie J. Fest für vernüftige Menschen ein Kronzeuge für die Richtigkeit widerlegter Totalitarismustheorien und Extremismusdoktrinen sein kann. (Fest schob die Entwicklung seines „Vaterlandes“ nach 45 ja auch Roosevelt in die Schuhe, bezeichnete E.Jünger als großen deutschen Schriftsteller und lies gegen Ende seiner Lebzeit auch seinem Antisemitismus freien Lauf…).

    Und natürlich sind Steinbachs Aussagen auch in Zusammenhang mit ihren sonstigen Auswürfen und vor allem mit der Politik der Vertriebenenverbände zu setzen.

  • G.Grass

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    @stuhlodersessel
    … ich kann mir nicht vorstellen, daß J.Fest antisemitische Tendenzen hatte, wäre dies so gewesen, wäre weder M. Reich-Ranicki sein Freund gewesen, noch hätte Martin Walser (gilt als intellektueller Linker) auf seiner Beerdigung die Rede gehalten…

  • StuhloderSessel

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    @Grass
    Sie irren sich. Dazu empfehle ich ihnen die Lektüre der Autobiographie Marcel Reich-Ranickis „Mein Leben“.
    Das zu Ihrer Vermutung passende Kapitel im Buch heißt „Fest, Walser und das Ende der Schonzeit“.

  • wahon

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    Was will Frau Steinbach mit ihrer Behauptung erreichen? Sie will alle Menschen, die sie selbst als „links“ oder „sozialistisch“ einstuft, zum Hassobjekt derer machen, die sich als „konservativ“ oder „rechts“ bezeichnen. Sie möchte, dass allen „linken“ Politikern (z.B. Lafontaine, Wagenknecht, Gysi) und allen „linken“ Organisationen ein ebenso großer Hass entgegenschlägt wie den Nazis. Konsequent weitergedacht bedeutet ihre Auffassung allerdings, dass sie auch möchte, dass die Vertriebenen gehasst werden, denn die meisten Vertriebenen waren Nazis, nach ihrer Meinung also „links“…

  • Veronika

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    Danke, liebe StudentInnen! Die scheint mir eine der geeignetsten Möglichkeiten, dieser Frau das Handwerk zu legen. Man sollte auch einmal überlegen, ob man diese ganze „Vertriebenenangelegenheit“ nicht irgendwann einmal für erledigt erklärt. Schliesslich – hier ist Urban Priol (Kabarettist) aus einer seiner Sendungen zu zitieren – „haben wir jetzt scheinbar schon die xte Generation Vertriebener“.

  • Hans-Adolf Herrmann

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    @ txxx666 03.02.12
    Also ist die CDU als ehemalige „christlich – sozialistische Partei“ heute eine Partei mit klerikalfaschistischem – kryptonazistischem Hintergrund? Das wollen Sie doch zum Ausdruck bringen?! Ihr Denkansatz könnte richtig sein, denn er erklärt den Aufstieg und die Verweildauer des regierenden Hosenanzugs mit den tiefroten Socken. Sie müssen unbedingt in das Politbüro/in die Politikredaktion dieses Blogs eintreten!

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