"Deutschland ist tödlich"

Volkstrauertag: Rechtsstreit um linke Gegendemo

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„Deutschland ist tödlich“ heißt das Bündnis, das zum Volkstrauertag eine Demo angemeldet hat. Weil die Stadt der geplanten Route nicht zustimmt, muss jetzt das Verwaltungsgericht entscheiden.

2012: Volkstrauertag mit OB Hans Schaidinger, heuer spricht zum ersten Mal der neue OB. Foto: Archiv

2012: Volkstrauertag mit OB Hans Schaidinger, heuer spricht zum ersten Mal der neue OB. Foto: Archiv

Die Ansage ist deutlich, provokativ und sie kann den Verantwortlichen der Stadt Regensburg nicht gefallen: „Volkstrauertag – WTF!? Deutsche Täter sind keine Opfer!“ ist das Motto, mit dem das linke Bündnis „Deutschland ist tödlich“ für Sonntag zu einer Demonstration aufruft. Dann ist Volkstrauertag und dieser, so heißt es in dem Aufruf, öffne wie „kaum ein anderer Gedenktag dem deutschen Geschichtsrevisionismus und Revanchismus Tür und Tor“.

Um 11 Uhr wollen die Initiatoren mit ihrem Demonstrationszug am Krankenhaus Barmherzige Brüder starten und pünktlich zum Beginn der städtischen Gedenkveranstaltung im Regensburger Stadtpark auf Höhe des dortigen Kriegerdenkmals sein, um dann auf der gegenüberliegenden Straßenseite eine erste Zwischenkundgebung abhalten. Enden soll die Demonstration am Dachauplatz, wo ein Kranz für die Opfer des Faschismus niedergelegt werden soll.

Ordnungsamt verlegt Demoroute

Dem Ordnungsamt ist die Zwischenkundgebung in unmittelbarer Hör- und Sichtweite der städtischen Veranstaltung der Provokation zu viel. Mit einem neunseitigem Bescheid hat die Behörde eine Verlegung der Route angeordnet, so dass die minimalste Entfernung der Demo zur Veranstaltung im Stadtpark 400 Meter beträgt.

Darin heißt es unter anderem:

„Die Veranstaltung der Stadt ist konzipiert als ein stilles und dem Anlass angemessenes, also würdevolles und ungestörtes Gedenken der Hinterbliebenen an ihre im Krieg und unter der nationalsozialistischen Herrschaft gestorbenen Angehörigen, mit klassischen Musikstücken unterlegt und einem Wortbeitrag sowie der Ansprache des Oberbürgermeisters. Die Versammlung des Bündnisses „Deutschland ist tödlich!“ allerdings, die mit Tonverstärkern als Kundgebungsmittel angemeldet wurde, würde durch den Demonstrationszug auf der Prüfeninger Straße und die geplante Zwischenkundgebung (…) die städtische Gedenkveranstaltung (…) erheblich stören, damit den Anspruch eines meditativen Totengedenkens untergraben und daher die Veranstaltung, so wie sie von der Stadt Regensburg geplant ist, unmöglich machen.“

Hinzu komme, dass der Anmelder im Juli „Aktionen“ gegen eine Infoveranstaltung der Bundeswehr am Haidplatz angeführt habe und man deshalb wegen „der geplanten Bundeswehr-Präsenz an der Gedenkveranstaltung mit einem entsprechenden Aufgebot an Polizeikräften im Umfeld des Stadtparks gerechnet werden müsste, so dass auch deshalb eine empfindliche Störung der Feiertagsruhe gerade an diesem Ort und zu dieser Zeit befürchtet werden muss“.

Beschwerde beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof

Die Organisatoren wiederum wollen dies nicht klaglos hinnehmen. Sie sprechen von einer „Einschränkung des Versammlungsrechts“ und einer „Kriminalisierung von Antifaschist_Innen“. Über einen Rechtsanwalt haben sie jetzt eine Klage nebst Eilantrag beim Verwaltungsgericht Regensburg eingereicht, um mit ihrer Demonstration die städtische Veranstaltung zumindest in Hörweite passieren zu können. „Das Versammlungsrecht schützt nicht generell vor Missfallensbekundungen und störenden Geräuschen durch Gegendemonstrationen“, schreiben sie dazu in einer Pressemitteilung. Wie am Freitagabend bekannt wurde, hat das Verwaltungsgericht die Entscheidung der Stadt bestätigt: Die Demonstration würde den Charakter dieses Tages stören, heißt es zur Begründung. Nun läuft eine Beschwerde beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof in München. 

Zwischen Volkstrauertag und Heldengedenken

Der Volkstrauertag wurde 1952 wieder als offizieller Gedenktag in Deutschland eingeführt. Er geht zurück auf das Jahr 1919. Damals schlug der VDK (Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge) vor, einen zentralen Feiertag für die gefallenen Soldaten des ersten Weltkrieges einzuführen. 1922 gab es eine erste Gedenkstunde im Reichstag. In der Weimarer Republik wurde der Volkstrauertag vor allem von Konservativen und Nationalliberalen zelebriert. Ein gesetzlicher Feiertag wurde er erst 1934 – damals war er von den Nazis schon zum „Heldengedenktag“ umgewidmet worden. 1952 wurde er in der BRD als „Volkstrauertag“ wieder eingeführt „im Gedenken an die Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen“.

2012: Das Kriegerdenkmal wurde von Unbekannten beschmiert. Foto: Archiv

2012: Das Kriegerdenkmal wurde von Unbekannten beschmiert. Foto: Archiv

In der Vergangenheit hatte es unter Oberbürgermeister Hans Schaidinger zum Volkstrauertag Gedenkveranstaltungen mit verschiedenem Tenor gegeben. 2011 war es vor allem etwas fragwürdiges Leichenzählen, mit dem er in seiner Rede auffiel. Schaidinger sprach von „rund 15 Millionen Menschen, die ihre Heimat verloren und (…) mehr als zwei Millionen, die bei Flucht und Vertreibung ihr Leben lassen mussten“. Diese Zahlen sind nicht unumstritten. Wie viele Menschen bei Flucht und Vertreibung tatsächlich ums Leben kamen, ist nach wie vor ungeklärt. Renommierte Historiker beklagen eine „politische Instrumentalisierung“ der Vertreibungszahlen, insbesondere der 15 Millionen, durch den Bund der Vertriebenen.

2012 wurde das Kriegerdenkmal von unbekannten Tätern mit dem Spruch „Deutsche Täter sind keine Opfer“ beschmiert. Während der Veranstaltung entrollte eine Handvoll Demonstranten ein Transparent mit derselben Aufschrift und sorgte mit Zwischenrufen wie „Oma, Opa und Hans Peter – keine Opfer sondern Täter“ für Unruhe.

In diesem Jahr wird zum ersten Mal Oberbürgermeister Joachim Wolbergs die Rede zum Volkstrauertag halten.

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Kommentare (20)

  • Jeanette Kamrowski

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    Das Demonstrationsrecht wie die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut in einer Demokratie.
    Sie sollten nach meiner Meinung allen Menschen dieser Welt ermöglich werden.
    Die angemessene Trauer um gefallen tote Menschen (keine Opfer- keine Täter sind beides Wertungen) stellt einen moralischen Wert da.
    Dabei geht es nicht um Zahlen, das ist jeden Menschen bewusst, der das schon mal durchlebt hat.
    Wie immer bei der Beluchtung dieser Themen ist die Frage: Welches Wert ist der Höhere? Meine Meinung nach keiner von beiden und somit sollte man sich mit gegensteitiger Achtung gegenüber treten.
    Wenn beide Seiten das gewähren, schließt das eine das andere nicht aus. Nur ist es für uns einfacher mit einem Gegenbild im Kopf rumzulaufen, um unseren eigenen Wert zu erhöhen.
    Wären wir bereit Verständniss aufzubringen und nicht immer zu fordern, würde es funktionieren. Wir sind nur gemeinsam ein Ganzes.

  • Joey

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    Unter den Toten sind einige Haupt- und viele Mittäter. Sie sind trotzdem Menschen und werden von ihren Angehörigen geliebt.
    Es sind ja nicht mehr viele, die die Toten gekannt haben, das Thema 2. WK wird sich merklich abschwächen. Immer wieder höre ich bei solchen Veranstaltungen den Spruch „nie wieder Krieg“. Den haben wir längst wieder.
    Das kann man dann ein anderes Mal politisch bekämpfen (mit demokratischen Mitteln).

    Hier aber sollte man Trauer respektieren.

    Möge OB Wolbergs eine würdige Feier gelingen, (z.B. er auch die Bundeswehr und ihre dämlichen Gewehre draußen halte).

  • Anton Koslowski

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    @Jeanette Kamrowski

    Das Demonstrationsrecht stellt also keinen moralischen Wert dar?
    Ganz schön wirr, was Sie da schreiben.
    Wie wär’s, wenn der Volkstrauertag (für den sich doch ausser ein paar ewig Gestrigen kein Mensch mehr interessiert) einfach abgeschafft würde? Dann gäbe es keine Peinlichkeiten mehr und auch keine Gegendemonstrationen.

  • Mathilde Vietze

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    Die nationalsoziialistischen Bestien sind am Tod vieler Menschen
    schuld. Warum sollte man dieser Menschen nicht gedenken und
    sich von ein paar irregeleiteten Spinnern aus dem Konzept bringen
    lassen.

  • Monika Koch

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    @Anton Koslowski
    Leider wird man diesen Feiertag nicht abschaffen. Im Gegenteil. Jetzt ist der Kult um Gefallene und Helden neu angefacht, indem die Deutschen nach dem Anschluß der DDR „endlich wieder“ ihre sinnlosen Kriege führen.

    Vielen Dank, daß es eine Gegendemonstration zur Kriegsbeweihräucherung gibt!
    Ich fand es als Kind befremdlich, wie man „unseren tapferen deutschen Soldaten“ immer für ihr Opfer dankte. All diesen Mördern, die in den von ihnen überfallenen Ländern wüteten.
    Schäbig auch, daß man den sog. Vertriebenen huldigt, denn diese können sich einzig und allein bei sich selbst bzw. ihren Eltern bedanken, da sie ohne ihren grausamen Angriffskrieg niemals vertrieben worden wären.
    (Interessant war bei diesem ewigen Herumstehen in der Kälte und Geschwätz Anhören nur, wie sehr sich wohl mein kleiner Bruder dieses Jahr an den für Kinderkörper unerträglichen Kanonenschüssen erschrecken würde….)

  • Opa ist Schuld....

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    Trauer respektieren?!

    Persönliche Trauer zu stören ist sicher nicht Sinn und Zweck der „irregeleitenden Spinnern“, das geht meines Erachtens auch klar aus dem Aufruf zur Demo hervor. Auch ist es fraglich ob der sogenannte „Volkstrauertag“, wohl der geeignete Tag ist, seiner im NS verstorbenen Angehörigen zu gedenken.

    Die Kritik der Gruppe richtet sich gegen die Art und Weise, wie das Gedenken an diesem Tage stattfindet.

    Es ist die Gleichmacherei dieses Gedenkens, welche kritisiert werden soll. Menschen, die vom NS unterdrückt wurden, mit den Menschen gleichzusetzen, welche im NS industriell ermordet wurden, kommt einer Verhöhnung letztgenannter gleich. Außerdem
    wird hierbei die Rolle des Antisemitismus und Rassismus innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft, welche diesen Massenmord mit ermöglichten, komplett ausgeblendet und verschwiegen.

    Weiter wird verkannt, dass eben nicht alle „Deutsche“ unterdrückt und gezwungen wurden mitzumachen, sondern bereitwillig mitgemacht haben um für Volk und Vaterland zu morden und zu sterben. Eben diese Bennenung der Täter_Innen gehört zur wirklichen
    Aufarbeitung des NS dazu, und dies heißt auch die eigene familiäre Vergangenheit zu hinterfragen. Unsere Omis und Opis bzw. Muttis und Vatis sind eben nicht alle Opfer sonder auch mit Schuld, dass diese Barbarei passieren konnte. Schon allein deshalb weil sie
    sich nicht gegen dieses Regime gestellt haben.

    p.s.: was ist den bitte ein demokratisches Mittel, wenn nicht eine angemeldete Demonstration?!

  • Lothgaßler

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    Welchen Sinn erfüllt der Volkstrauertag?
    Den durch Krieg und Gewaltherrschaft gemeuchelten Menschen hilft der Kranz nichts mehr, den Angehörigen genau so wenig. An diesem Tag sollte hinterfragt werden, warum Deutschland am Hindukusch verteidigt werden muss, warum offene und verdeckte Kriegsgeschäfte nicht stärker sanktioniert und kriminalisiert werden. „Deutschland ist tödlich“ klingt deshalb vielversprechend, wenn darunter nicht nur eine rückgewandte Weltdeutung verstanden wird. Die Opfer würden uns die Frage stellen: Habt ihr was aus unserem Elend gelernt, und was fangt ihr damit an?
    Der Spruch „Deutsche Täter sind keine Opfer“ ist mir deshalb zu pauschal, zu unscharf, zu abgegriffen und zu harmlos. Eine Beteiligung am offiziellen Gedenktermin mit einem eigenen kurzen Redebeitrag, der obige Fragen an die Bevölkerung stellt, wäre ein Demonstrationsbeitrag mit Substanz und würde diesen „Gedenktag“ vor „Geschichtsrevisionismus und Revanchismus“ schützen, und nebenbei die Teilnehmerzahl deutlich steigern. Die Organisatoren des städtischen Gedenktermins müssten das allerdings auch zulassen. Vor dem nächsten Gedenktag sollte zumindest abgeklärt werden, ob eine Weiterentwicklung der Gedenkkultur in diesem Sinne möglich wäre.
    Wenn die Bundeswehr ihren Kranz ablegt, dann müssen Gegenstimmen her, die für alle nicht Soldaten sprechen, ansonsten verkommt der Termin doch zum sinnfreien „Krieger- und Helden-Gedenktag“. Diesesmal: Demozug Prüfeninger Straße ja, den OB reden und die Musi spielen lassen, danach Gegenstimmen erheben, und zwar ohne Verstärker! Warum nicht demonstrativ vor Ort auch einen Kranz für politisch, rassistisch und religiös Verfolgten und Deserteure ablegen?

  • Mr. T

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    Gute Idee! Ein Kranz für diejenigen, die Ihr Leben gegeben haben für den Versuch, die Kriegsverbrechen des NS-Regimes zu verhinderm.

  • Entsetzter

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    @ Monika Koch
    Frau Koch, ich greife hier Ihr Statement auf und deutlich an:
    „(…) Ich fand es als Kind befremdlich, wie man “unseren tapferen deutschen Soldaten” immer für ihr Opfer dankte. All diesen Mördern, die in den von ihnen überfallenen Ländern wüteten (…)“.
    Das, was Sie schreiben, ist unendlich dumm. Mein Vater war einer dieser „tapferen deutschen Soldaten“, er war ein Verächter der NS-Diktatur, er war nie Mitglied einer NS-Organisation, doch er wurde an die Front gekarrt, wo er einige Jahre Schlimmstes überlebte, bis er schwer verwundet und psychisch traumatisiert zur Heimat zurückverlegt wurde. Sein Bruder, der gleicher aufrechter Gesinnung war, verreckte an der Front. Doch für Sie sind diese aufrechten, von den Nazis verbrannten, Menschen wütende Mörder.

    Gehen Sie einfach einmal in sich und überlegen Sie, was Sie selbst gemacht hätten, wenn Ihnen der Einberufungsbefehl zur Front überstellt worden wäre. Selbstmord wäre vielleicht eine Alternative gewesen.

    So primitiv geht es jedenfalls nicht.

  • Mediator

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    „Unseren Toten“ steht auf dem Denkmal im Stadtpark.
    Auch wenn es bequem erscheint die Geschichte in „böse Vergangenheit“ und „gute Gegenwart“ zu unterteilen greift dies zu kurz.

    Zu Deutschland gehört seine Geschichte und zu dieser Geschichte gehören die beiden Weltkriege und ihre Opfer. Diesen Menschen gedenkt man am Volkstrauertag.
    Das offizielle Gedenke ist still und würdevoll. Sicherlich versucht man hier auch keine Täter in Opfer umzumünzen oder die Opfer in den anderen, an den Kriegen beteiligten Ländern zu ignorieren.
    Trauer benötigt einen Ort und Trauer kann sich an einem bestimmten Tag kristallisieren. Vielen Menschen blieb nach dem Krieg kein Ort zum Trauern weil unklar war, wo geliebte Menschen ihre letzte Ruhe fanden.
    Wer um „seine Toten“ trauert, der wird auch die Trauer und das Leid anderer anerkennen. Wer aber in einem schwarz-weiß denken gefangen ist, kann und will eine solch reflektierte Trauer gar nicht anerkennen weil es dann ja nichts gäbe wogegen man demonstrieren könnte.
    Kriegerdenkmäler sind heute in Europe immer weniger Orte nationalen Pathos, sondern Erinnerungsstätten an die gemeinsame Vergangenheit. Das neue Denkmal in Frankreich, bei dem aller Opfer des Konfliktes gedacht wird ist so ein Beispiel.
    Mir persönlich sind Menschen lieber, die in Würde der Vergangenheit und ihrer Opfer gedenken als anonyme Schmierfinken die Denkmäler beschmieren und damit vielen Menschen weh tun, die dieses Denkmal mit einem persönlichen Verlust verbinden. Persönlich finde ich solch ein Verhalten feige und unethisch.
    Auch eine Demonstration, die als Hauptziel verfolgt eine Trauer- und Gedenkfeierfeier zu stören kann ich nicht verstehen. Hier wird kein kritischer Dialog angestrebt, sondern man zelebriert seine eigene Weltsicht. Eine Weltsicht, die oft erstaunlich kurz greift und die eigene Verantwortlichkeit ignoriert wenn es darum geht sich selbst einzuschränken und etwas für das Gemeinwesen zu tun.

  • Monika Koch

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    @Entsetzter
    Genau darum geht’s doch: Daß man die Verantwortlichen für das Morden vermengt mit echten Opfern.
    Ihr Vater und Ihr Onkel verdanken es der deutschen Mehrheit, daß sie in den Krieg ziehen mußten. Wie alle, die sich nur gezwungenermaßen beteiligten und NICHT andere Völker vernichten, unterjochen, ausbeuten WOLLTEN. Verteidigt hat kein einziger Soldat sein Vaterland, denn wir ausschließlich waren die Angreifer.

    Jedoch sind Ihr Vater und ihr Onkel zu (unfreiwilligen) Mördern geworden, denn all den völlig Unschuldigen, also sämtlichen gegnerischen Soldaten und die Zivilbevölkerung in den besetzten Ländern bzw. an den Kriegsschauplätzen, wurde nur deswegen das Leid zugefügt, weil die deutsche Mehrheit den Krieg begonnen hat.
    Bekanntlich haben die Deutschen selbst in den ersten Maitagen 1945 noch an ihrem Fanatismus festgehalten. Anders als z.B. die Italiener (sie setzten Mussolini ab) haben die Deutschen ihre Verbrechen nicht selbst beendet, sondern mußten dazu gezwungen werden.
    Deswegen plazierte man ja auch in der BRD wieder all die Nazis an die Machtpositionen.

    Beim offiziellen Beweihräuchern der „tapferen deutschen Soldaten“ unterscheidet man nicht zwischen den zu bedauernden zwangsweise zu Tätern Gewordenen und den neben ihnen aus Überzeugung Kämpfenden. Das hat mich schon als Kind gestört. Daß man einerseits die Nazi-Zeit schrecklich findet und andererseits diejenigen ehrt, die durch „ihre Tapferkeit“ all das Leid schufen und aufrechterhielten. Weniger ausdauernde gute Soldaten hätten die deutschen Verbrechen früher beendet. Warum also feiert man dann die soldatischen Erfolge.

    Ganz klar. Niemand ist zur Selbstvernichtung gezwungen!
    Man kann von keinem Menschen verlangen, daß er sein Leben hergeben MUSS, um sich nicht an einem Verbrechen zu beteiligen.
    Was allerdings anschließend von allen Deutschen zu fordern gewesen wäre: Die Deserteure wertzuschätzen. Denn diese haben, egal aus welchen Motiven, die deutsche Mordmaschinerie geschwächt.
    Stattdessen hatte/hat die BRD ihren Soldatenkult. Verehrt/e lieber die ihre Kriegskunst so hervorragend beherrschenden Deutschen der Nazi-Zeit und benannte Straßen und Kasernen nach feigen Offizieren, die für Massaker an der Zivilbevölkerung verantwortlich sind. Weil man immer vom Kriegsende als „Niederlage“ faselte, was beweist, daß die Deutschen in der Mehrheit Nazis blieben. Sonst wären sie glücklich gewesen, daß die Deutschen nicht gewonnen hatten.

    Der Vollständigkeit halber: Ich kenne die diesbezüglichen Regensburger Veranstaltungen nicht, sondern meine Erfahrungen sind in einer Chiemsee-Gemeinde gemacht worden, wobei ich als Erwachsene denselben Ablauf in anderen Bundesländern sah.

  • Mediator

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    @Monika Koch 20:39
    Ihre Erklärungsversuche zeigen deutlich, dass sie lediglich aus heutiger Sicht interpretieren und sich nicht die Mühe machen, sich in die Lage der Menschen im Dritten Reich bzw. in Nachkriegsdeutschland hineinzuversetzen.

    Ihre pauschale Verwendung des Begriffs „Mörder“ für deutsche Soldaten finde ich unzutreffend. Mit dem Begriff Mörder verbindet sich, nicht zuletzt nach der Definition des Strafgesetzbuches, einiges an niedrigen Beweggründen. Soldaten untereinander werden sich hüten solche Begriffe zu verwenden.
    Zusätzlich ignorieren sie, dass Kriege Katalysatoren für die niedrigsten Instinkte in Menschen sind und sich dieses Resultat nicht nur auf der Seite des Angreifers zeigt.
    Wie so oft ist die Welt grau und nicht schwarz und weiß.

    Italien, wo der Faschismus seinen Ursprung hatte, als positives Beispiel für dessen Überwindung zu nennen ist gewagt. Alliierte Truppen waren zum Zeitpunkt des Sturzes Mussolinis bereits in Italien gelandet und der Sturz ging vom „Faschistischen Rat“ und nicht vom Volk aus. Es handelte sich hier wohl mehr um eine opportunistische Maßnahme und nicht um eine überzeugte Abkehr vom Faschismus. Weiterhin waren die Repressalien des Regimes in Deutschland nicht mit denen in Italien zu vergleichen.
    Natürlich ist es kein Ruhmesblatt deutscher Geschichte, dass Personen, die im Dritten Reich an verantwortlicher Stelle eingesetzt waren auch im Nachkriegsdeutschland schnell wieder in Amt und Würden waren.
    Aus damaliger Sicht war es aber völlig verständlich, dass man z.B. Verbrechen der Wehrmacht nicht in den Vordergrund stellte. Gab es doch in jeder Familie Männer die als Soldat gekämpft hatten und eventuell gefallen waren. Eine kritische Auseinandersetzung war erst mit zeitlichem Abstand möglich.
    Ähnliche Tendenzen ergeben sich seltsamerweise heute wieder:
    Da ehemalige Wehrmachtssoldaten und Personen, die als Erwachsene diese Zeit aktiv erlebt hatten, heute mehrheitlich verstorben sind, ist es einfach gegen sie zu demonstrieren. Widerstand ist nicht zu erwarten.
    Pauschal zu unterstellen, dass die Mehrheit der Deutschen Nazis waren und nach dem Krieg blieben, nur weil sie das Ende des Zweiten Weltkriegs auch als eine Niederlage erlebten, ist nicht schlüssig.
    Millionen Menschen tot, das Land geteilt und massiv verkleinert, die Wirtschaft in Trümmern und die Zukunft ungewiss. Ich vermute, dass die meisten Menschen neben der Erleichterung über das Kriegsende und das Ende des Nazi Regimes auch Ängste und negative Gefühle über die aktuelle Situation hatten.
    In einem demokratischen Land gegen etwas zu demonstrieren ist keine herausragende Leistung an sich. Zu behaupten, dass eine Demonstration gegen das Gedanken am Volkstrauertag auch nur wohlwollendes Desinteresse bei der Bevölkerung auslöst wäre bereits Übertreibung.
    Regensburg ist groß genug auch für eine Gegendemonstration. Aber ich fürchte ohne die Störung der Gedenkfeier wird dieser Gegendemonstration noch weniger Aufmerksamkeit zuteil.

  • ganghofersiedler

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    aller wahrscheinlichkeit handelt es sich bei der gegendemonstration einfach nur um linksextremisten, die einfach nur stören wollen um des stören willens. die ganze geschichtsdiskussion hier ist schon schön und gut, trifft aber meiner meinung nicht den profanen kern: hier geht es einfach nur um das auffallen, jemandem was reindrücken weil man es kann und grenzen austesten, genauso wie bei kleinkindern. links wie rechts das gleiche spiel, nur dass linke störer eher aktzptiert sind. genau! und nie wieder deutschland! war ja auch so ein spruch…. unsere elite sag ich da nur….

  • Rudi

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    Einfach nur irrsinnig, was hier aus der ultra-linken Ecke abgesondert wird. Selbstverständlich gab es den „tapferen deutschen Soldaten“ auch in der Wehrmacht, der insgesamt ca. 12 Mio. Männer angehörten. Die meisten davon übrigens nicht freiwillig sondern zwangsweise (Wehrpflicht!). Und sehr viele waren keine Nazis und auch nicht an Kriegsverbrechen o. Ä. beteiligt. Sie haben nur ihre Pflicht getan, weil man sie sonst getötet hätte. Aber das kann man als wehrdienstverweigerndes Wohlstandskind natürlich nicht nachvollziehen.

  • Mr. T

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    Genau das war das Problem damals, dass jeder nur seine Pflicht getan hat. Würden das die Leute im Irak und in Syrien auch machen, bräuchten ihnen die Männer vom IS auch nicht die Köpfe abschneiden. Die Geschwister Scholl oder Georg Elser waren auch selber Schuld dafür, dass sie haben Sterben müssen. Ein paar mehr von denen hätten uns und unseren Nachbarn wohl viel erspart. Das hätte viel weniger das Leben gekostet als der Krieg.

  • Monika Koch

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    Bei „Mediator“ kann man hübsch die typische deutsche Schönrednerei lesen. Der Einmarsch in fremde Länder ist kein mörderisches Verbrechen der einzelnen teilnehmenden Deutschen, weil „die Welt grau und nicht schwarz und weiß“ ist, also die Überfallenen auch irgendeine (unbekannte) Schuld trifft und für die Mörder Entschuldigungen gefunden werden.
    Ach so, Kriege sind „Katalysatoren für die niedrigsten Instinkte in Menschen“… na dann, ein Freibrief für die deutschen Exzesse und eine Schuldzuweisung an die sich gegen die Aggressoren Verteidigenden, wenn man – zurecht – Gleiches mit Gleichem vergolten hat. Die deutschen Fanatiker waren ja durch nichts zu stoppen, sondern setzten unbeirrt den Krieg fort und schickten lieber ihre fünfzehnjährigen Kinder als das von den Deutschen ausgelöste Gemetzel zu beenden.

    Ganz im Sinne der üblichen, zigmal gehörten Feiertagsreden, „die deutschen Soldaten haben treu ihre Pflicht erfüllt“.

    Das Pseudonym und die Wortwahl lassen bei „Mediator“ eine/n Anhänger/in der Psycho-Weltanschauung vermuten. Daher kein Wunder, wenn historische Fakten verdreht werden. Italien hat nämlich einen großen Teil seiner Schuld getilgt, indem es das Bündnis mit den Deutschen löste. Am 24.07.1943 (1943!) wurde Mussolini gestürzt und ein Waffenstillstand verhandelt. Zu diesem Zeitpunkt waren die Alliierten erst auf der Insel Sizilien. Das Festland wurde betreten, nachdem Italien nicht mehr mit den Deutschen, die daraufhin furchtbar in Italien wüteten, zusammenarbeitete. Erst am 04.06.1944 konnte Rom befreit werden.
    Die Italiener haben also sich selbständig von ihrem Verbrechen gelöst. Die Deutschen nicht; denn diese Eigenart haben sie bis heute: Sie halten eisern am einmal begangenen Unrecht fest, siehe z.B. wie Herr Gustl Mollath im Psycho-Gefängnis eingesperrt blieb, obwohl seine Unschuld eindeutig war.

    So, so, es ist also bloß „kein Ruhmesblatt“, wie die BRD liebevoll mit all den Mördern umging. Man denke nur an die bald nach Staatsgründung erfolgte Amnestie für die verurteilten Nazi-Verbrecher. Haha, „Eine kritische Auseinandersetzung war erst mit zeitlichem Abstand möglich“; – die Deutschen geben doch ständig mit ihrer „vorbildlichen Aufarbeitung“ an. Bei anderen Straftaten wartet man nicht Jahrzehnte, bis man sie beurteit.
    Der Zweck, warum die BRD die Verbrechen vertuschte: Damit vermied man eine sonst unumgängliche Bestrafung und die Revolte der SS-Kameradschaften, Vertriebenenverbände, etc. Also schob man alles auf Hitler, so als sei dieser Österreicher vom Mars gekommen und hätte die armen Deutschen verführt.
    Es wurde extra gewartet, bis all die Mörder gestorben oder senil sind, um sich keinen Ärger mit der Masse einzuhandeln! Dann wurde auch noch eine Großtat daraus gemacht, daß man 2011 Herrn Demjanjuk verurteilte, also einen Sowjetbürger, der in Kriegsgefangenschaft die tolle Auswahl hatte, zu verhungern oder KZ-Wärter zu sein. Bei diesem Ausländer traute man sich.

    Das Bundesverfassungsgericht hat diese Meinung erlaubt: „Soldaten sind potentielle Mörder“.
    Jetzt, wo es leider wieder ein Großdeutschland gibt und wir gegen die Russen aufgehetzt werden und neue Heldendenkmäler für „Gefallene“ anbeten müssen, ist dieser Feiertag ein Unding, weil den Militarismus huldigend.

  • Mediator

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    @Frau Koch 10:59

    Sehr geehrte Frau Koch, was bitte ist eine Psycho-Weltanschauung?
    Versucht man komplexe Probleme und Geschichtsereignisse in einfache Sätze und Aussagen zu pressen, dann läuft man zwangsläufig Gefahr unzulässig zu vereinfachen und die Tatsachen zu verfälschen.

    Schon George Orwell beschrieb in seinem Buch „Animal Farm“ das Problem von Schwarz-Weiß-Denken.
    „Vier Beine gut, zwei Beine schlecht“ lautete eines der Gesetze dort. Zu Recht fühlte sich das Geflügel hier ungerecht behandelt.
    Wer nicht bereit ist die Zwischentöne in Ereignissen zu sehen, der wird auch nie in der Lage sein deren Komplexität zu erkennen.
    Ich bitte Sie, meine Aussagen aus dem vorherigen Beitrag nicht zu verdrehen:
    Natürlich hat ein angegriffenes Land das Recht sich zu verteidigen, aber dieses Recht ist kein Freibrief zur beliebigen Kriegsführung.
    Wer nur deutsche Kriegsverbrechen wahrnimmt, ähnliches Verhalten auf der Gegnerseite aber negiert, der ignoriert schlicht einen Teil der Geschichte. Hier geht es mir ausdrücklich nicht um eine Aufrechnung von Schuld! „Krieg als Katalysator für niedrige Instinkte“ stellt eine Tatsache dar und bedeutet gleichzeitig keinen Freibrief Straftaten zu begehen.
    Dort wo töten und getötet werden zum Alltag wird, verschiebt sich leider auch die Wahrnehmung des Wertes von Leben – dies wollte ich damit ausdrücken.
    Ihr Vorwurf, ich verdrehe Fakten was die Absetzung von Mussolini betrifft, beruht wohl auf einem geografischen Irrtum Ihrerseits:
    In meinen Atlanten gehört Sizilien schon lange zu Italien.

    Die Behauptung, das faschistische Italien habe einen großen Teil seiner Schuld getilgt, nur weil der Faschistische Rat Mussolini nach den alliierten Landungen zum Teufel jagte, halte ich für gewagt. Man verengt die Geschichte in Italien gerne auf den Zeitraum des Kampfes gegen die Deutschen. Dabei vergisst man, dass man lange ein Alliierter Deutschlands war und im Verlauf des Krieges auch eigene Feldzüge gestartet hat.
    Die Aufarbeitung der Verbrechen des Dritten Reiches hätte man in Deutschland sicher besser machen können. Wenn man aber mit einem Abstand von 70 Jahren einfach alle Hemmnisse für solch eine Aufarbeitung negiert, dann macht man ebenfalls einen Fehler.
    Es hat durchaus große Prozesse gegeben, in deren Verlauf einem großen Teil der Deutschen auch das Ausmaß der Verbrechen deutlich vor Augen geführt wurde.
    Vergleicht man die Aufarbeitung der Verbrechen des Dritten Reiches, die bis heute in Deutschland geleistet wurde, mit der in anderen Staaten üblichen Aufarbeitung negativer Epochen der eigenen Geschichte, so schneidet Deutschland nicht schlecht ab.
    Mit Verlaub: Sie können jede Meinung haben die ihnen beliebt. So etwas muss kein Bundesverfassungsgericht erlauben. Aber sie können nun diesen Satz so oft herausplappern wie sie wollen, ohne strafrechtliche Verfolgung befürchten zu müssen – ob das klug ist kann man hinterfragen.
    Es ist interessant, wie Sie in ihrem Beitrag ein Fass nach dem anderen aufmachen und als Worthülse verschießen ohne damit wirklich etwas auszusagen.
    „Großdeutschland …, Heldendenkmäler …, dem Militarismus huldigen…“ – ich kann da nur den Kopf schütteln.
    Wer heute bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag in Regensburg anwesend war, hat nichts von alledem gehört. Es war eine ruhige Feierstunde in der an die Opfer von Krieg und Gewalt gedacht wurde. Der Wert des Lebens und die Sinnlosigkeit des Massensterbens im Krieg wurde deutlich gemacht.
    Wer die Anwesenheit von Soldaten, die die ersten Opfer eines Krieges sind, an so einer Feier nicht billigt kann dies gerne tun. Mit Militarismus hat diese Anwesenheit aber nichts zu tun!

  • Volkstrauertag im „tödlichen Deutschland“ » Regensburg Digital

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    […] wo auf Höhe der städtischen Gedenkveranstaltung eine Zwischenkundgebung abgehalten werden sollte, aber die Stadt Regensburg ordnete in ihrem Bescheid eine weiträumige Verlegung der Route an. Für eine 500 Meter entfernte Zwischenkundgebung wurden „elektronische Tonverstärker“ und […]

  • delta-77

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    @aigner

    Was ist denn bei VGH herausgekommen?

    Das konnte ich weder bei diesem noch beim anderen Artikel finden.

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