Archiv für 4. April 2013

FDP-Stammtisch mit Horst Meierhofer

„Wasser ist keine Cremetorte“

Die Regensburger FDP lud am Mittwoch zur  „inhaltlichen Debatte“ ins Kolpinghaus. In Stammtischatmosphäre warb Bundestagsabgeordneter Horst Meierhofer für mehr Vertrauen in neue Technologien und weniger wassersparende Duschköpfe in bayerischen Haushalten.
Plaudern über Wasser: Horst Meierhofer neben Stadträtin Gabriele Opitz. Fotos: Liese

Plaudern über Wasser: Horst Meierhofer neben Stadträtin Gabriele Opitz. Fotos: Liese

Ihm geht es heute ums Wasser. Beim Fracking muss es sauber bleiben. Privatisiert werden soll es nicht – zumindest nicht bürokratisch. Und zur bayerischen Hausmannskost passt so ein Wasser sowieso besonders gut, sei es naturell, sei es mit Hopfen und Malz versetzt. Denn zunächst wird gewartet, bis er aufgegessen hat – er, „der Horst“, das Aushängeschild der Regensburger FDP, der es im Bundestag zum stellvertretenden Vorsitzenden des Umweltausschusses gebracht hat. Am Mittwochabend ist er im Burschenzimmer des Kolpinghauses, um zu einem Dutzend Liberaler über Fracking und Wasserprivatisierung zu sprechen – informell und locker, wie er anregt, als er das Besteck auf dem leeren Teller ablegt und der FDP-Kreisvorsitzende Ulrich Lechte den „offiziellen Teil“ des Abends eröffnet.

Fracking: „A gloana Schoas Gas“

Meierhofer beginnt dementsprechend „locker“, über Fracking zu reden, jenes Verfahren, bei dem eine „Pampe“ aus Chemikalien in tausende Meter tiefe Bohrlöcher gepumpt wird, um eingeschlossene Schiefergasvorkommen zu fördern. Die Chemikalien brauche man, damit nicht nur „a gloana Schoas Gas nauskimmt“ (Übersetzt: „Damit nicht nur ein kleiner Gaspfurz rauskommt.“) , spaßt der Horst. An der Erdoberfläche kommt neben dem Gas dann auch noch ein „Backdraft oder Flowback oder so“ heraus, eben der ganze giftige Sondermüll, der irgendwie entsorgt werden muss. Bei all den Problemen, die dieses Fracking ja nun mal hat – in den USA, wo man bereits seit Jahren fleißig frackt, sollen in manchen Gegenden Stichflammen aus den Wasserhähnen schießen – vertraut der FDP-Experte aber den „echten Experten“, die die Parteien im Bundestag „kompetent und kritisch“ beraten. Praktischerweise stellen diese Experten eben jene Firmen, die in Deutschland gerne fracken würden – ExxonMobil und Co. Und weil man den Experten vertrauen kann, ist Meierhofer natürlich für Fracking. Unter bestimmten Voraussetzungen zwar, aber „so einfach wie die Grünen“ will man es sich nicht machen und gegen die neue Technologie sein. Überhaupt sei die FDP eigentlich als einziges für wirklichen Umweltschutz, weil man lieber in Deutschland unter strengen Auflagen fracken lassen will als anderswo. Die FDP: Im Herzen grün? Stadträtin Gabriele Opitz („Ich war ja nie eine große Umweltschützerin!“) hält fest, die Diskussion habe es doch schon beim Atomstrom gegeben. Man dürfe nicht immer nur dagegen sein. Die „Lösung der Endlagerfrage“ sei schon so ein Thema gewesen, gibt ihr eine andere Liberale recht. Ein Auto sei auch gefährlich, trotzdem nutze man es, schließt Meierhofer den ersten Teil des Abends und trinkt einen Schluck Wasser.

Privatisierung: Irgendwie dagegen

Dann spricht er über die Privatisierung desselben. Hier ist Meierhofer dagegen. Zumindest gegen die geplante EU-Richtlinie, die besagt, dass Kommunen die örtliche Wasserversorgung europaweit ausschreiben müssen, wenn sie ein privates Unternehmen beauftragen möchten. Das bedeute nämlich vor allem gewaltige Bürokratie, die so eine Kommune gar nicht allein schultern könne – und damit eher weniger dazu tendiere, privatwirtschaftliche Unternehmen anzuheuern. Ja, was denn nun? Ist Meierhofer nun für oder gegen die Privatisierung der Wasserversorgung?
"Wasser ist keine Cremetorte."

Inhaltlich nicht zu beanstanden: „Wasser ist keine Cremetorte.“

Ehe die Unstimmigkeit jemanden auffällt, spült sie der Protagonist des Abends mit einem humorigen Bild hinweg: „Wasser ist schließlich keine Cremetorte.“ Da kann ihm inhaltlich keiner widersprechen.

Für und Wider Duschköpfe

Und dann wechselt Meierhofer das Thema: Wasser sparen ist Quatsch, lernen die Zuhörer. Zumindest in Deutschland, wo es eh genug davon gäbe. In Kuwait sei das freilich was anderes. Ja, aber auch den Kuwaitern wolle man nicht vorschreiben, wie viel Wasser sie verwenden dürfen, wirft eine Zuhörerin ein. Als gestandener Liberaler will man schließlich „den mündigen Bürger“. Deshalb seien Eingriffe in die Privatsphäre wie das Gebot, wassersparende Duschköpfe zu nutzen, ebenso verwerflich. Während der Kreisvorsitzende den Bundestagsabgeordneten noch davon zu überzeugen versucht, warum so ein Duschkopf eben doch ziemlich praktisch ist (er habe selbst so einen), ist der jedoch schon wieder bei der Privatisierung.

Den Preis regulieren: Das wär ja wie in der DDR…

Die sei nicht per se schlecht – ganz im Gegenteil. In der Telekommunikationsbranche habe es so gut geklappt, dass man jetzt ganz billig ein Ferngespräch führen könne. Ein kritischer Zuhörer wirft ein, dass sich der Wasserpreis in Portugal seit der Privatisierung vervierfacht habe. Doch davon wollen weder Lechte noch Meierhofer etwas wissen. Der Preis sei ja vorher staatlich reguliert worden, wie in der DDR, was sowieso schlecht sei. Ja, die DDR! Da habe man eine ganz furchtbare Wasserversorgung gehabt, weiß Stadträtin Opitz. Als sich gerade eine partei- und wahltaktische Grundsatzdiskussion zwischen dem kritischen Zwischenfrager auf der einen, Meierhofer und Lechte auf der anderen Seite zu entspinnen beginnt, beendet der Kreisvorsitzende den „offiziellen Teil“ der Veranstaltung. Schließlich wollte man es ja locker angehen.

Überwachung, Herrmann und „der Eisenstein“

Am Rande hatten sich außerdem andere interessante Gespräche unter den FDPlern ergeben, zum Beispiel über die Videoüberwachung von Verkehrsmitteln, die Innenminister Herrmann am selben Tag angeregt hatte – Vorsitzender Lechte ist „mal wieder froh, in der FDP zu sein“. Oder über die Tötung von „dem Eisenstein“ (gemeint ist Tennessee Eisenberg), die ja nie passiert wäre, wenn die Polizei modernere Dienstwaffen gehabt hätte. Vieles an diesem Abend dürfe man nicht so ernst nehmen, es sei „eher im Scherz gesagt“ worden, stellt Ulrich Lechte am Ende noch klar. Und so freut man sich bei den Liberalen schon auf die nächste FDP-Runde bei Hausmannskost, politischer Diskussion und viel Wischi-Waschi.