Archiv für 24. September 2014

Zahnarzt-Pfusch: Rechtsanwältin kritisiert Ärztenetz

„Achtung! Das ist der Patient Soundso!“

„Meine Mandantin erhielt das Brandsiegel ‚psychisch krank‘. So werden Behandlungsfehler zugedeckt“, sagt Rechtsanwältin Alexandra Glufke-Böhm. Sie vertritt eine Frau, deren Erkrankung 17 Jahre lang unbehandelt blieb.Trotz einer Odyssee durch Zahnarztpraxen. Heute steht fest: Sie ist schwer krank und hat irreversible Schäden davongetragen. Glufke-Böhm vermutet Absprachen zwischen den beteiligten Zahnärzten. Ein Interview über verschwundene Unterlagen, wie „in“ es ist, zu psychiatrisieren und Patienten, die in Regensburg nicht mehr behandelt werden.

Wir haben mehrfach berichtet. Alles über den Fall von Martina Sperber (Name geändert), die seit fünf Jahren um Schadenersatz kämpft, können Sie hier nachlesen.

Alexandra Glufke-Böhm ist Fachanwältin für Medizinrecht.

Alexandra Glufke-Böhm ist Fachanwältin für Medizinrecht. Sie sagt: „Opfer von Behandlungsfehlern werden immer öfter psychiatrisiert.“ Foto: Archiv/ Staudinger

Frau Glufke-Böhm, ihre Mandantin litt unter Schmerzen, seit ihr 1995 ein Zahn gezogen wurde. Sie war bei mindestens zehn Zahnärzten. Ihr wurde attestiert, dass sie psychisch krank sei und sich die Schmerzen nur einbilden würde. Erst 2012 wurde an der Uniklinik festgestellt, dass sie seit langem ein Loch in der Kieferhöhle hatte und dass sie an einer chronischen Knocheneiterung leidet, die auf einen lange andauernden chronischen Prozess schließen lässt. Sie und Frau Sperber vermuten, dass die Ursache dafür mittlerweile 19 Jahre zurückliegt. Warum hat kein anderer Arzt diesen schwerwiegenden Befund früher entdeckt?

Dass Frau Sperber in einer Stadt, die mit Zahnärzten völlig überversorgt ist, 17 Jahre unbehandelt geblieben ist, ist skandalös. Was 2012 an der Uniklinik festgestellt wurde war kein Pipifax, sondern etwas sehr Schwerwiegendes. Etwas, das schon länger vorlag. Zusätzlich gab es außerdem noch Zähne bei Frau Sperber, die nicht vernünftig wurzelbehandelt worden waren. Alle Zahnärzte vorher hatten Röntgenbilder vorliegen, wo das zu erkennen war. Aber sie haben nichts gemacht. Vor diesem Hintergrund muss sich natürlich fragen, wie es sein kann, dass eine Patientin, die seit 1995 über Schmerzen klagt, es bei einigen Zahnärzten nicht einmal auf den Behandlungsstuhl geschafft hat. Das ist hier reihenweise passiert und das ist kein normales Verhalten für einen Arzt. Ich sehe in diesem Zusammenhang die Rolle des Regensburger Ärztenetzes sehr kritisch.

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