255 Fälle von Untreue – Anklage gegen Ex-Vorsitzende der Tafel Regensburg erhoben
Knapp ein halbes Jahr nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen die frühere Tafel-Vorsitzende Jonah L. erhebt die Staatsanwaltschaft Regensburg Anklage. Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher bestätigte das unserer Redaktion.

Sie baute die Tafel nach ihren Bedürfnissen um und soll 68.000 Euro vernutreut haben: die frühere Vorsitzende und ehemalige CSU-Stadtratskandidatin Jonah L.. Foto: as
Wie mehrfach berichtet, soll die 50-Jährige Gelder des Vereins veruntreut haben, der Bedürftige günstig mit Lebensmitteln versorgt. Ende Juli wurde sie festgenommen, saß 13 Tage in Untersuchungshaft und gestand. Danach setzte das Gericht den Haftbefehl gegen Auflagen außer Vollzug.
Nach der Anklage vom 12. Januar fällt der Schaden offenbar geringer aus als zunächst angenommen. Entgegen ihrem Geständnis soll Jonah L. nicht 200.000, sondern „nur“ 68.000 Euro bei der Tafel veruntreut haben.
Dicke Ermittlungsakte, weitere Vorwürfe
Das Geld stammt demnach von einem Paypal-Spendenkonto der Tafel und aus den Bareinnahmen der symbolischen Besuchergelder (drei Euro pro Person). Zudem seien teure Tablets auf Kosten der Tafel für private Zwecke angeschafft worden. Die Staatsanwaltschaft spricht von 255 Fällen von Untreue zwischen 2021 und 2024.
Die Ermittlungsakte ist nach Informationen unserer Redaktion gewaltig – weit über 1.000 Seiten. Darin finden sich weitere Vorwürfe im Zusammenhang mit einem Erbschaftsstreit.
Auch dort soll Jonah L. Geld veruntreut und eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben haben. Es geht um einen sechsstelligen Betrag. Sie und ihr Ehemann hielten offenbar mehrere Bankkonten, auf die das Geld floss – auch in Österreich.
Gründe für Schließung wurden zunächst verschleiert
Noch bevor die Vorwürfe öffentlich wurden, blieb die Tafel wochenlang geschlossen. Offiziell hieß es: Sanierung, Personalmangel, Urlaub. Tatsächlich hatte es zu diesem Zeitpunkt bereits eine Durchsuchung in der Ausgabestelle gegeben.
Mit der Verhaftung kam heraus: Als Vorsitzende baute sie den Verein nach ihren Bedürfnissen um. Ehrenamtliche habe sie wie Untergebene behandelt, hieß es.
Die Urlaubszeiten wurden bundesweit beispiellos ausgeweitet; Helferinnen, die kritisch nachfragten, wurden aus dem Verein gemobbt oder warfen frustriert hin. Es gab Vorwürfe des Rufmords gegen Jonah L., die es ungeachtet dessen bis in den Bundesvorstand der Tafel schaffte.
Geräuschloser Rückzug aus der CSU
Erst nach und nach erkannten auch andere Vorstandsmitglieder, dass ihre Vorsitzende sie manipuliert hatte. Seit September ist die Tafel wieder geöffnet – vorerst mit einem Notvorstand. Der Betrieb läuft wieder in geordneten Bahnen.

Sozialbürgermeisterin Astrid Freudenstein (hier mit Tafel-Schriftführer Georg Forster) veranstaltete nach SChließung der Tafel und der Verhaftung von Jonah L. eine Rundfahrt zu sozialen Einrichtungen in Regensburg. Foto: as
Geräuschlos verlief der Rückzug von Jonah L. aus der CSU. Die 50-Jährige war Mitglied und Kandidatin auf der Stadtratsliste. Sie galt als soziales Aushängeschild der Partei. Regelmäßig erschienen CSU-Größen wie der Bundestagsabgeordnete Peter Aumer oder Bürgermeisterin Astrid Freudenstein zum Fototermin.
Zu Beginn der Ermittlungen, ausgelöst durch die Anzeige einer früheren Tafelmitarbeiterin, nahmen prominente CSU-Vertreter Jonah L. in Hintergrundgesprächen in Schutz und nannten die Vorwürfe haltlos. Angeblich zog Jonah L. ihre Kandidatur aus der Untersuchungshaft zurück. Der CSU gehört sie nicht mehr an. Bis zu einem rechtskräftigen Gerichtsurteil gilt für sie die Unschuldsvermutung.
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Mr. T.
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Hat die Dame jetzt wirklich bei ihrem Geständnis die Summe des hinterzogenen Gelds nach oben gestreckt?
Aber dann doch irgendwie typisch CSU – sogar beim Geständnis wird noch massiv übertrieben.