Aktionismus ist ein böses Wort

\Dass es kein Heimspiel für Hans Schaidinger werden dürfte, war wohl von vornherein klar. Das Bayerische Fernsehen hat am Montag seine Reporter entsandt, um in zwei kurzen Live-Schaltungen vom Grieser Spitz über die Regensburger Brückendebatte zu berichten. Nicht viel Zeit, um wirklich Argumente auszutauschen, doch ausreichend Zeit für die gut 100 Zuschauer vor Ort, um sich ein Bild über das Verhalten der befragten Akteure zu machen. Landrat Herbert Mirbeth zum Beispiel, der zwar forderte: „Die Sperrung der Steinernen Brücke muss aufgehoben werden“, allerdings keine konkreten Vorschläge mehr nannte, wie dies zu machen sei. Seine vor kurzem noch mehrfach geäußerte Idee, doch einen zweiten Busfahrer einzusetzen, der die sichere Überfahrt von Busfahrer 1 – ohne Kontakt zur Brückenbrüstung – gewährleisten sollte, wiederholte Mirbeth vor laufenden Kameras nicht mehr. Schaidinger und Mirbeth: Beide wechseln sich als Vorsitzende des RVV-Aufsichtsrats jährlich ab. Foto: MirwaldMehr zu sagen hatte dagegen Hans Schaidinger. Galt es doch schon mal, das Wörtchen „Aktionismus“ in der Anmoderation zu korrigieren. „Das ist grundfalsch.“ Immerhin gebe es ja ein Gutachten, das ihn zur Sperrung gezwungen habe. Und auch wenn vorher schon mit bloßem Auge zu erkennen war, dass die Brüstung der Steinernen einem Bus nicht standhält: Erst ein Gutachten zwingt zum Handeln. Dann aber pronto. „Sonst trage ich die Verantwortung, wenn was passiert.“ Ansonsten Altbekanntes: Man untersuche „vier Varianten“: Busse über die Nibelungenbrücke, wieder Busse über die Steinerne, Ost- und Westtrasse (Generalkonservator Professor Egon Greipl erteilte der Westtrasse in einer kurzen Einspielung übrigens erneut eine deutliche Absage.). Als zum Ende der ersten Live-Schaltung die offenbar unbelehrbare Stimme aus dem Off erneut von „Aktionismus“ sprach, war Schaidinger sichtlich sauer. Eine „Scheibenwischer“-Bewegung Richtung Off-Stimme und ein kurzer Disput mit dem Vor-Ort-Team des BR folgten. Beruhigende Worte von Schaidingers persönlichem Referenten Maximilian Mittermaier verhinderten Schlimmeres. Zur zweiten Live-Schaltung stand der Oberbürgermeister sogar mit Walter Cerull von den Donauanliegern am selben Podium. Das hatte er zunächst abgelehnt. Diskussion in der Drehpause: Dr. Hans Jürgen Ahrns von den Donauanliegern und Hans Schaidinger. Im Hintergrund: RVV-Geschäftsführer Rainer Kuschel (re.) und Walter Cerull. Foto: MirwaldOb das abschließende Fazit: „Ökologie contra attraktiver Nahverkehr“ den Kern der Sache trifft, mag dahingestellt bleiben. Alternativen wie der Tunnelvorschlag der Freien Wähler kamen während der ganzen Sendung – trotz Zwischenrufen – nicht zur Sprache und für eine längere Diskussion zwischen Cerull und RVV-Geschäftsführer Rainer Kuschel über mögliche Busrouten fehlte leider die Zeit. Immerhin blieb am Ende das Versprechen des BR: „Wir bleiben dran“ und immerhin haben am gestrigen Abend – via Abendschau – ein paar Menschen mehr gesehen, durch welches Gebiet mancher Kommunalpolitiker eine Brücke bauen will.

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Kommentare (2)

  • Veits M.

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    Drei Fragen – wer hat die Antworten:

    Wer hat das GUTACHTEN via Umweltinformationsgesetz schon selbst(!) eingesehen?

    Warum hat OB Schaidinger vor dem Donaumarkt-Deal 2005 kein WERTGUTACHTEN bezüglich des Kaufobjekts der Donaumarkt-Grundstücks-GmbH eingeholt?

    Muss man, wenn kein Gutachten eingeholt wurde, keine Verantwortung in dieser Stadt übernehmen?

  • Veits M.

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    Ergänzung: Es wird Zeit, wie vor Jahr und Tag in einer Bürgerversammlung beantragt, die Wöhrde endlich unter Schutz zu stellen. Mehr unter
    http://aktionboss.de/deliberative-demokratie

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