Serie

Ankerkind sucht Heimathafen – ein Tagebuch (IX)

Ankerkind1„…nehmen Sie doch einen Flüchtling auf, wenn Sie unbedingt helfen wollen!“ Dieser Standardsatz fällt häufig, wenn über die Situation von Flüchtlingen in Deutschland diskutiert wird. In unserer neuen Serie erzählt eine Mutter davon, wie eine Familie lebt, die zwei unbegleitete Flüchtlingskinder aufnimmt. Muslime in einer christlichen Familie, arabische Jungs bei einem Hausmann, syrische Söhne in einer Beamtenfamilie, orientalische Sitten zwischen deutschen Traditionen, Damaszener in einem bayerischen Dorf. Spannungsreiches und spannendes Zusammenleben und Zusammenwachsen. Die Namen haben wir geändert. Teil IX.

19. April 2016: Ziad hat festgestellt, dass auf der Aufenthaltsgenehmigung sein Name anders geschrieben ist als auf dem Pass. Ich hole ihn nach der Schule ab und wir fahren zum Landratsamt. Nach einem Anruf bei der Ausländerbehörde weiß ich, dass er seinen Pass eigentlich beim BAMF hätte abgeben müssen. Aber einer der Vormünder oder eine Betreuung bei der Aufnahme in Kragenthal oder in Weißhausen hat versäumt, den Pass einzuziehen. Ziad sagt, dass er immer gesagt hat, dass er einen Pass hat und sein Bruder auch. Paul und ich haben mit Ziad entschieden, dass er seinen Pass nicht abgibt, dass wir aber sagen, dass wir mit Pass, Duldung und Aufenthaltsgenehmigung drei Dokumente haben, welche die Identität bescheinigen. Luisa im Schulamt ist so nett und kopiert noch alles, bevor wir es abgeben.

Wie im „Haus, das Verrückte macht“…

Frau Dressel im Zimmer 120 kommt so rüber wie die Frauen im „Haus, das Verrückte macht“. Wir geben die Duldung ab und sie meint, dass wir im nächsten Schritt zum Einwohnermeldeamt gehen müssen, weil die für eine Namensänderung zuständig sind. Das finde ich gar nicht so schlecht! Im Einwohneramt unserer Gemeinde sitzen lauter nette Leute. Lisa ist diejenige (siehe allererster Eintrag ganz am Anfang), die sich mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen im ganzen Rathaus am besten auskennt. Wir gehen sehr zufrieden aus dem Rathaus heraus: Name geändert – Behörden bekommen es automatisch mitgeteilt – Pass wurde elektronisch aufgenommen und muss nicht abgegeben werden. Es scheint zu klappen. Ziad hat eine Erkältung.

20. April 2016: Paul macht mit Ziad in Hochstadt das Konto bei der Postbank unterschriftsreif. Wieder ein wichtiger Schritt.

21. April 2016: Ich komme gegen 16 Uhr von der Schule heim und Paul meint, dass Ziad um elf Uhr von der Schule kam und sich mit einer starken Erkältung ins Bett gelegt hat. Nun ist es abends sieben Uhr, Hamza kommt vom Fußballtraining heim und der Große schläft immer noch.

Ziad telefoniert mit einem Onkel und einer Tante, deren Söhne sind a) in Jordanien b) in Berlin c) bei der Armee in Syrien. Ich: „Ziad, jede syrische Familie hat jetzt einen Verwandten in einem anderen Land, oder?“ Er: „Ja, jede Familie hat das. Bei jeder Familie lebt einer in einem anderen Land, einer ist bei der Armee oder ist tot.“

In der Schule habe ich als Schulleiterin und als Klassenleiterin einen Beurteilungsbogen ausgefüllt, den ich – in ganz ähnlicher Form – gestern bereits als Pflegemutter für das Jugendamt ausgefüllt habe. Für das Jugendamt hat sich das so gelesen:

„A = Hamza Sabre B = Ziad Sabre (im Einwohnermeldeamt waren wir gestern und haben auf seinen Wunsch Ziad als Rufnamen eintragen lassen. Die Schreibung entspricht ebenso wie die Schreibung „Mohamad Sabre“ derjenigen, die in seinem Pass angegeben ist. Also: Mohamad Ziad Sabre)

Sprache:A und B arabisch , A und B englisch (einfaches Level) , B französisch (sehr einfaches Level)
Schulbesuch:A und B in Damaskus Gymnasium A 5. Klasse abgeschlossen B 11. Klasse abgeschlossen
jetziger Schulbesuch:A 4. Klasse Grundschule B 10. Klasse Gymnasium
Praktikum:  A und B keines
Ausbildung:  A und B keine
Fähigkeiten allgemein:A technisch interessiert, B sozio-emotionale Fähigkeiten auf hohem Niveau, ausdauernd, räumliche Orientierung stark ausgeprägt, beide anpassungsfähig und anpassungswillig
Praktische Fähigkeiten:A lernte Fahrradfahren (für die Prüfung der Jugendverkehrspolizei) und Schwimmen ohne Probleme, B dekoriert und malert (Fassadenanstrich) geschickt
Lerneifer:A lernbereit, motiviert, ausdauernd, sehr gutes Gedächtnis, selbstorganisierend, geringe Frustrationstoleranz z.B. bei Kartenspielen, wenn er verliert oder bei fehlerhaften Arbeitsergebnissen, B hochmotiviert, ausdauernd lernend, rasche Auffassungsgabe (Grammatik, sprachliche Zusammenhänge), hervorragendes Gedächtnis
Besonderheiten: A fast immer fröhlich, ausgeglichen, leistungsfähig, B reflektiert, selbstkritisch, aber auch oft distanzierte Beobachtung und durchdacht kritische Reflexion des eigenen Lebens und der Umgebung, A und B religiös, nehmen die religiösen Pflichten der Muslime ernst, der Glaube wird als Kraftquelle und Ruhequelle geschätzt und gelebt

Zeit des Vormunds mit Pflegekind
A: Seit dem 22.1. (Einzug von A und B): ein Besuch zum Kennenlernen der Unterbringung von beiden (Zimmer) ca. 40 Minuten, ein Besuch zum Entwicklungsgespräch (ca. 40 Minuten) = Gespräch am Küchentisch mit Übersetzer, ein Besuch zum Überbringen der Aufenthaltsgestattung (ca. 10 Minuten).

Anmerkung zur Zeit des Vormunds mit Pflegekind B: Der Vormundwechsel (zu Frau Faber) war in der Zeit der Aufnahme der Jungs.“

Eine erste Bilanz

22. April 2016: Nun sind die Beiden ein Vierteljahr bei uns. Bilanz (nicht ganz fair und ausgewogen, aber mal spontan getippt)

+ Gespräche
– Fernsehen
+ Obst
– Alkohol
+ Wasserverbrauch
– Einkäufe beim Metzger
+ Kenntnisse über arabische Sprache und Kultur
– Interesse für deutsches Blablabla
+ Wissen über den Islam
– Sicherheit darüber, dass das Christentum die einzig wahre Religion sei
+ Menschen im Landkreis kennengelernt
– Hoffnung, dass die Nachbarin doch noch bei intaktem Verstand wäre
+ den Duft von arabischem Kaffee mit Kardamom
– muffige unbenutzte Räume in der Wohnung
+ Leiden an der Situation in Syrien
– Desinteresse an regional begrenzten Kriegen irgendwo auf der Welt
+ bald ein zweites Bad in der Wohnung
– kein zweites Arbeitszimmer mit alten Unterrichtsmaterialien
+ 21 Seiten eines Versuchs, eine Veränderung im Leben zu beschreiben, die für uns hier in Bachheiden so wichtig zu sein scheint, die aber für zwei junge Menschen aus Syrien viel mehr bedeutet als uns.

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Kommentare (5)

  • Magnus

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    Mit Verlaub: dieser Beitrag ist noch schlechter und zusammenhangloser zu lesen als die zuvor. Es ist ermüdend, so einen „Text“ zu lesen, nicht inhaltlich sondern formal. Was will Regensburg-Digital mit der Veröffentlichung solcher Beiträge erreichen?

  • sungaM

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    dann les sie halt nicht.

  • joey

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    „– Sicherheit darüber, dass das Christentum die einzig wahre Religion sei“
    Ach je. Mir ist zwar das Christentum lieber, weil da Frauen vorn sitzen dürfen, aber „einzig wahre Religion“ ist ein Begriff, den ein moderner Mensch eigentlich nicht haben kann.

  • Irene

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    @joey
    … eben ;-)

    Ist es nicht bemerkenswert, dass die Begegnung mit Muslimen
    für eine Frau mit christlichem Hintergrund
    eine solche Wendung bewirken kann?

  • R.G.

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    Danke für Teil IX.
    Mittlerweile komme ich zu dem Schluss, dass Ihnen überhaupt nicht wichtig ist, ob der Text verstanden wird.

    Sonst stünde da ein Schlüssel, aus welchem Blickwinkel die Plus und Minus formuliert sind und wie die Fragestellung lautete. Sinngemäß erschließt sich das keineswegs.

    Bei mir verstärkt sich der Eindruck, Sie kommunizierten (vielleicht durch höhere Geburt) ohnehin nicht auf gleicher Ebene mit der Normalbevölkerung, immer mehr.
    Abgeschwächt formuliert!

    So baut sich große Distanz auf.
    Dabei hätte das eine Chance sein können, Brücken zu bauen

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