Der Schutzpatron der Regensburger Kommunalpolitik

Martin Oswald liest allerlei Kolumnen, merkwürdige Medien – und leidet. Bei uns veröffentlicht er nun jede Woche seine Bekenntnisse eines Medien-Masochisten.

Liest und leidet: Marin Oswald.

Liest und leidet: Martin Oswald.

Ja, is denn heut‘ scho Wahlkampf? Und vor allem: scho wieder? Viele Leser_innen des Regensburger Wochenblatts müssen sich darüber enorm den Kopf zerbrochen haben, schließlich hängen schon wieder an allen Ecken solche Plakate. Dabei haben es doch erst kürzlich alle Parteien (von den Eseln der Bayernpartei mal abgesehen) geschafft die Spuren der Landtags-, Bezirks- und Bundestagswahlen zu beseitigen. Nun geht es also wieder weiter.

Viele Beschwerden will Herr Eckl vom Wochenblatt registriert haben.

„Schon wieder Wahlplakate. Das nervt. Die Politiker, sie sind doch alle die Gleichen. Machtgeil. Korrupt. Warum überhaupt zur Wahl gehen? Und jetzt hängen die schon wieder überall rum, in den Straßen, wie sieht das denn aus? Nervig, dass schon wieder Wahlkampf ist.“

Ob das jetzt tatsächliche Beschwerden sind oder der Fantasie des Autors entspringen, bleibt ungeklärt. Verwunderlich wäre beides nicht. Aber eines kann man nun wirklich nicht sagen – da hat er schon recht, der Herr Eckl: dass „die Politiker“ und ihre Plakate „alle die Gleichen“ wären.

Der SPD-Kandidat setzt auf trendig inszenierte Fotos mit viel Text, den man nicht lesen kann, die CSU auf innovative Rätselbotschaften „Wer?“, „Wer kann’s?“ und „Der kann’s!“ und bei den Grünen tut es vorerst ein hoffentlich zu 100 Prozent recyceltes, grünes Nichts, das vermutlich nicht das inhaltliche Angebot dieser Partei versinnbildlichen soll. Nein, nein, gleich sind die alle gewiss nicht.

Und so kämpft Christian Eckl in seinem „Thema der Woche“ um die Ehre der Kommunalpolitik. „Den Oberlehrer spielen“ wolle er dabei keinesfalls:

„Aber eines ist schon klar: Nur weil man den Kopf schüttelt über die Nahles’ und Pofalas (sic!) dieses Landes, muss man nicht gleich den Gülleeimer über jene ausschütten, die sich bei uns die Abende ehrenamtlich um die Ohren schlagen.“

 

Neuigkeit: Die nächste Wahl ist eine echte Wahl…

Ein bisschen Demut vor den Kandidat_innen stünde uns nämlich gut zu Gesicht, findet Herr Eckl, alle seien sie hervorragend und richtig gut. Und schließlich hätten wir „bei der nächsten Wahl eine echte Wahl“.

Na, da schau her: Die Kommunalwahl im März 2014 in Regensburg ist also tatsächlich eine richtige Wahl. Zwischen „hervorragenden Kandidaten“ und „richtig guten Leuten“, die insofern dann wohl doch wieder irgendwie gleich sind.

Ein geradezu demokratisch-paradiesischer Zustand. Wen kreuzt man da also an? Den Tollen? Die Hervorragende? Den Guten? Die Brillante? Da ist es dann fast schon wieder egal, wen man wählt. Na ja, wurscht.

Je öfter man sich Neutralität selbst bescheinigt, desto neutraler wird man.

Einen Beleg, ein Indiz oder so etwas wie ein Argument hat Herr Eckl für seine These freilich nicht. Die braucht es aber auch gar nicht, weil die Wochenblatt-Strategie in der Berichterstattung über die kommende Kommunalwahl ohnehin klar ist. Offensiv müht man sich in der Redaktion ab, neutral daherzukommen. Ganz nach dem Motto: Je öfter man sich Neutralität selbst bescheinigt, desto neutraler wird man.

Da überlässt man lieber nichts dem Zufall, nicht dass es am Schluss noch heißt, man hätte durch allzu viel Inhalt jemanden hoch- oder runtergeschrieben. Stattdessen sollen wir uns freuen, „dass da einige sind, die Verantwortung für uns und unsere Region übernehmen wollen“.

Und da überlässt Herr Eckl wirklich gar nichts dem Zufall.

Zwischen „Schlammschlacht “ und „Männergate“

Dass CSU-OB-Kandidat Schlegl früher dem Trällern der ersten Strophe des Deutschlandlieds und rechtsradikalen Gesten (vermutlich dem waagrechten Händchenheben) nicht abgeneigt war, sind qua Schlagzeile eine „Anzeichen einer miesen Schlammschlacht“, das Intimleben eines Landrats im Nachbarbezirk, in dem auch das Wochenblatt genüsslich herum wühlt, hingegen ein Skandal, ein „Männergate“.

Aber so ist das eben mit Schlammschlachten. Sie machen dann am meisten Spaß, wenn sie nicht direkt vor der Haustür stattfinden. Und überhaupt: An einer politischen Auseinandersetzung macht sich das Wochenblatt die Finger sicher nicht schmutzig. Warum auch, wenn es sich mit Plattitüden so schön entpolitisieren lässt.

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Kommentare (3)

  • Kuno Küfer

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    „An einer politischen Auseinandersetzung macht sich das Wochenblatt die Finger sicher nicht schmutzig.“

    Ich weiß ja nicht, mit wie viel Ironie so ein Herr Schlegl beschlagen ist, aber vielleicht ist ja dieser Satz auf seiner Homepage von ihm auch auf Journalisten gemünzt:

    „Wo wir Möglichkeiten haben und wo es sinnvoll ist, wollen wir die Situation für die Fahrradfahrer verbessern“

  • Alois Haimerl

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    Sehr gut! Der Herr Oswald hat eine flotte Schreibe! Solche Leute fehlen bei WB, MZ und sonstigen Organen. Aber wenn dort solch pfiffige Leute arbeiten würden, wäre Herr Oswalds Kolumne bei RD überflüssig. Ich freue mich schon auf Herrn Eckls Grammatikfehler in der übermorgigen Ausgabe. Dativ und Genitiv ist beim WB ohnehin alles eins. Und der Unterschied zur MZ ist inzwischen marginal. Da ist ja selbst die Rundschau besser.

  • Kuno Küfer

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    „Je öfter man sich Neutralität selbst bescheinigt, desto neutraler wird man.“

    Ja, Herr Oswald! Und ein Ende ist noch nicht in Sicht. Und Herrn E. wird so leicht niemand stoppen. Aber mit ihm hat das Wochenblatt noch eine Menge Luft nach unten: Neutral! Neutraler! Neutrinos!

    „http://www.tagesspiegel.de/wissen/kosmische-neutrinos-entdeckt-teilchen-haben-mehr-energie-als-eine-fliege/9112810.html“

    Also: Weiterhin viel Spaß, beim Suchen (Detektieren) nach „allzu viel Inhalt“. Ich freu‘ mich auf Ihre kommenden Berichte…

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