Kurzfilm zum Missbrauchsskandal

Filmtipp: Der Weltverdruss

Missbrauchsskandal? War da was? Die Diözese Regensburg lässt die Stelle der im Mai verstorbenen Missbrauchsbeauftragten seit Monaten unbesetzt. Von anfänglichen Versprechungen des neuen Bischofs spüren Betroffene nichts. Doch wenn sich schon die Diözese nicht mehr mit den Missbrauchsfällen und deren Vertuschung beschäftigen will, so tut dies zumindest ein Kurzfilm aus Regensburg. WeltverdrussDer Ton im Bistum Regensburg mag sich mit dem Weggang von Gerhard Ludwig Müller geändert haben. Er wäre auch schwerlich zu verschlechtern gewesen. Der Umgang mit Missbrauchsopfern hingegen scheint auch unter Bischof Rudolf Voderholzer derselbe geblieben zu sein. Den vor über drei Jahren versprochenen Abschlussbericht gibt es nicht. Die Empfänger des demütigenden Serienbriefs („Wir konnten (…) Ihre Aussagen zur Frage eines sexuellen Missbrauchs nicht nachvollziehen. Eine Leistung in Anerkennung von erlittenem Leid erscheint vor diesem Hintergrund nicht gerechtfertigt.“), deren Fälle Voderholzer im Juni erneut zu prüfen versprach, haben weder vom Bischof noch vom Unterzeichner der Briefe – Generalvikar Michael Fuchs, noch von der Missbrauchsbeauftragten etwas gehört.
„Anstatt Gerechtigkeit und Hilfe für die Opfer, verspottete man diese als Lügner und Märchenerzähler, oder tat sie einfach als kranke Geister ab. Lieber zahlte man einem auswärtigen Rechtsanwalt noch mehr Geld, als wahrscheinlich die Summe der Opferentschädigungszahlungen ausgemacht hätte. Die Verantwortlichen des Bistums Regensburg bedienen sich der weltlichen und kirchlichen Rechtsprechung im Wechselspiel, um ihre Interessen durchsetzen zu können. (…) ‚Pfui Teifi!‘ kann ich hierzu nur ausrufen.“ Ein Empfänger des Regensburger Serienbriefs am 4. November gegenüber unserer Redaktion
Apropos Missbrauchsbeauftragte – deren Stelle scheint – seit dem Tod von Dr. Birgit Böhm Ende Mai nicht neu besetzt worden zu sein. Auf der Internetseite der Diözese finden Betroffene seitdem keine Kontaktdaten mehr. Das Thema wurde offenbar zu den Akten gelegt. In diesem Zusammenhang empfehlen wir einen Kurzfilm des Regensburger Filmemachers und Theaterregisseurs Hans Schröck aus dem Jahr 2012. „Der Weltverdruss“ greift zu ganz eigenen Mitteln gegen das Aussitzen vom Missbrauch und Vertuschung – mit Erfolg. Bei der Kurzfilmwoche wurde er bereits im Regionalfenster gezeigt. Seit geraumer Zeit gibt es ihn auch bei Youtube.

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Kommentare (32)

  • Mr. T

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    Genial! Eine richtig schöne Watsch’n!

  • Angelika Oetken

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    Großartig!

    Ob da jetzt wohl jemand schlecht schläft?
    Oder wie abgebrüht ist so einer…

    Hochachtungsvoll,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Weltscherbe

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    In der Realität tauft, segnet, firmt, vergibt,….. der „Geistliche“ aber trotzden weiter.
    „Wie abgebrüht“ wird den Opfern leider nicht gerecht.
    Da schläft auch keiner schlecht, bis auf die Opfer!
    Nach der Trennung von Staat und Kirche muss diese auch für Glaube und Religion erfolgen.
    Sonst geht das immer so weiter……

  • Otto Beck

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    Wichtiges Thema! Richtiges Thema!
    Nur der Film dazu – laienhaft! Arbeitet Herr Schröck an Off-Theatern oder wo und berufsmäßig? Bei „Weltverdruss“ schlafen einem ja die Füße ein!

  • Hans Schröck

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    Solange die Meinungen zum Film zwischen großartig und eingeschlafenen Füßen differieren, habe ich keinen Grund, mich dafür zu schämen. Es soll in diesem Rahmen auch keine Diskussion darüber beginnen, ob jemand, der nicht von Kunst oder Politik lebt, mehr Recht dazu hat, als Laie bezeichnet zu werden und ob es wichtig für ein ästhetisches Urteil ist, ob der Erzeuger das berufsmäßig macht – aber jedenfalls ein entlarvender Gedanke. . .
    Es ging mir vor allem darum, die Möglichkeit eines traumatisierten ( vielleicht deshalb „lebensuntüchtigen“?) Menschen aufzuzeigen, seine Würde jenseits von kirchlichen Gnadenakten wiederzuerlangen – über technische Fragen, Filmästhetik und Durchblutungsverhältnisse, Herr Beck, können wir uns ja auch über meine persönliche mail-Adresse unterhalten (unter: http://www.schroeckhans.de)

  • Mr. T

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    Ich finde auch, dass vielleicht ein Clint Eastwood etwas mehr aus dem Thema herausgeholt hätte ;-)

  • Georg Auer

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    Der missbrauchte Domspatz – eine unendliche Geschichte

    @ Stefan Aigner / Hans Schröck
    Als erstes ein großes „DANKE!“ für Ihr Engagement und für Ihren mutigen Einsatz für die Missbrauchsopfer, welche von der Diôzesanleitung in Regensburg mit einem Serienbrief zum Schluss noch verhöhnt wurden, als diese den sexuellen Missbrauch durch Kirchenpersonal an ihnen mit Hilfe der Missbrauchsbeauftragten, Frau Dr. Birgit Böhm, im Antrag auf eine Opferentschädigung dem damaligen Bischof G.L. Müller zur Kenntnis gaben.
    In diesem Zusammenhang (der Räuber ist hierbei der Missbrauchstäter) kommt mir besonders die Bibelstelle vom barmherzigen Samariter in den Sinn:

    —„Der barmherzige Samariter
    25Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? 27Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt **, und deinen Nächsten wie dich selbst«** (5.Mose 6,5; 3.Mose 19,18). 28Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.
    29Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster? 30Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen.
    31Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber. 32Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber. 33Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn; 34und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. 35Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.
    36Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen war? 37Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen! (Lukas 10,36)“ —

    Ich denke, jeder weiß die Personen im Missbrsuchsskandal der römisch. Kath. Kirche richtig zuzuordnen.

    Ein ehemaliger Domspatz

  • Angelika Oetken

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    @Hans Schröck,

    ich hoffe, dass ihr Beispiel Schule macht. Denn die Verantwortlichen namentlich zu benennen, ohne dafür einen Verleumdungsprozess zu riskieren ist ja eine Kunst ;-)

    Und bei aller sehr realistisch dargestellten Tragik hat Ihr Film auch satirischen Biss.

    Zumal wir AktivistInnen insgesamt den Kirchenapparatschicks mindestens eines voraus haben: schwarzen Humor!

    Letztere lügen und heucheln mit Leichenbittermiene. Ohne dabei rot zu werden. Wir dagegen präsentieren die Wahrheit. So wie sie ist. Wisch- und waschecht.

    Viele Grüße aus Berlin-Köpenick, auch an alle Ihre MitstreiterInnen,

    Angelika Oetken

  • Kuno Küfer

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    @ Otto Beck

    Die Füße schlafen Ihnen bei diesem Film ein?

    Nur! Welch aufregender Zustand muss das für all den ganzen Rest von Ihrem Körper sein? Schläft drüber denn nicht meist der ganze Mensch? Beim Stehen und Gehen. Und den Kopf tief in seinem Kissen. Und dann plötzlich, da wacht er wieder auf. Doch nur ganz kurz. Die Reklame kümmert sich schon drum. Und er greift die Fernbedienung und rückt die Lautstärke zurück. Und dann senkt sich langsam wieder der schwere Arm, mit diesem Kästchen an seinem Ende dran. Und zwischen diesem unterdrückten Werbetosen verliert er sich ganz schnell: im wohligen Gedöse. Und der Körper tut’s den Füßchen gleich.
    Und dann – jetzt wieder – dieses leise Grunzen.

    Doch plötzlich: wieder so ein Gong! Und dann die Mioska und der Terror und dann ein Wetter und noch ein Wetter und dann ein Jauch und dann ein Raab und dann nur noch ein Nuhr und endlich wieder lauter Krach und schon von Anfang an wieder genervt ein bisschen wacher, jetzt: Ein Misereor und ein BMW und ein Nutella auf der Frühstückssemmel von einem Multimillionär in seinem Sportgewand und eine Deutsche Bank und eine mit Herz und Verstand und zwischendurch aufs Klo und schnell zurück und noch den Rest von Ratiopharm und eine Lebensversicherung und noch ein Millionär und ein „Ruf! Mich! An!“ und ein Mercedes und ein Nikolaus und eine Slipeinlage und eine „Verbotene Liebe“ und ein „Leck mich am Arsch“ und dann endlich, und etwas leiser wieder, der „gute Film“. Und die schweren Lider… und endlich wieder… sinken, immer tiefer…
    Grunz…

    Und beim „Weltverdruss“, da schlafen Ihnen die Füße ein?
    „Nur!!!!!“ sollten Sie sich lieber sagen. Genießen Sie’s! Der Rest von Ihnen folgt nach all den Tagesplagen Ihren armen Beinchen doch bald wieder. Vor Ihrer Glotze, sicher!

    Und gönnen Sie den Füßchen diese Pause, denn nicht weit drüber, schon im Bauch, da bleibt von diesem „Weltverdruss“ eh nur noch ein Grummeln über.

    Einzig im Oberstübchen, im wachen Kopf – auf den kommt’s an – da wird aus „Weltverdruss“ dann doch „Genuss“!

    Hier aus, @ Otto Beck!

    Dank an Herrn Schröck nebst Filmteam – für Themenwahl auch für die Sprache im „Weltverdruss“. Am Bairisch hätte selbst ein Eastwood Grenzerfahrungen gesammelt?

  • Otto Beck

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    Dennoch: Amateurfilm bleibt Amateurfilm! Schnitt und Ton:
    eine Kathastrophe. Der Schluss (Weggang des Pfarrers): verschenkt!
    Sorry und schade!

  • Lukas Schade

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    Also ich finde auch, dass mehr Laserschwerter oder
    zumindest ein Kampf auf dem Kirchendach drinnen gewesen wären. Das
    hätte dem ganzen etwas mehr Glaubwürdigkeit verliehen. Aber mal im
    Ernst. Der Film spannt einen wunderbaren Bogen und hält es bis
    zuletzt offen, um was es eigentlich im Endeffekt geht. Der tiefe
    „Fall“ des Herrn Hochwürden ist genau richtig inzeniert. Rein das
    Gesicht seines Messdieners, der zu verstehen beginnt ist einfach
    eine Schau. Wie Angelika Oetken in einem früheren Kommentar schon
    gesagt hat: auch völlig unangreifbar. … und es ist gut, dass das
    Thema wieder mal ins Licht der Öffentlichkeit rückt. Ein Hoch auf
    diesen Film und das Team

  • Schröck Hans

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    @Beck
    Nachdem Sie nicht bereit sind, mit mir persönlich über ästhetische und technische Fragen zu diskutieren, gehe ich davon aus, daß Sie sich hinter einem Pseudonym verstecken. Ihre als Filmkritik nur unzulänglich getarnte Animosität wird deutlich, indem Sie das Wort Amateurfilm als Herabsetzung einsetzen wollen, was außer Ihnen eigentlich niemand so sieht. Ich habe weiter unten mit Rücksicht auf die vom Thema wirklich Betroffenen vorgeschlagen, dieses Forum von Ihren Mäkeleien zu entlasten, was Sie nicht davon abgehalten hat, dem noch eines draufzusetzen (übrigens schreibt man Katastrophe nicht mit th, auch wenn es einen gewissen Bildungsgrad nahelegen möchte. . .). Sehen Sie doch ein, daß hier versucht wird, ernsthaft über Themen zu diskutieren und belästigen Sie mich mit Ihren Kindereien, wie vorgeschlagen, persönlich unter meiner mail-Adresse!

  • Kuno Küfer

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    Mei, dann bleiben halt für manche nur die Schubladen:
    „Amateurfilm“
    „Katastrophaler Schnitt und Ton“
    „Verschenktes Ende“

    In Schubladen finden sich die Dinge schneller, nicht?

  • Student

    |

    @Hans Schröck: „Es ging mir vor allem darum, die
    Möglichkeit eines traumatisierten […] Menschen aufzuzeigen, seine
    Würde […] wiederzuerlangen“ Diesen Satz finde ich irritierend. Er
    scheint zu unterstellen, dass ein traumatisierter Mensch seine
    Würde geradezu per definitionem verloren hätte. Diese Aussage finde
    ich doch sehr, sehr, sehr verfehlt. Auch, wenn sie gar nicht mal so
    gemeint sein sollte (was ich dem Verfasser mal wohlwollend
    unterstelle). Zum Film: Naja. Nicht wirklich mein Geschmack, nicht
    wirklich überzeugend konstruiert. Am ungeschicktesten für mich
    aber: der betretene, offenbar so von Schuldgefühlen und
    Gewissensbissen gepackte Pfarrer, dass er sogar das Weite sucht.
    Genau an dieser Stelle wird die eigentliche, tragische Dimension
    des Missbrauchsskandals ja geradezu verharmlost. Denn tatsächlich
    scheint es in der Realität ja GERADE an Schuldbewusstsein und
    Gewissensbissen bei den Tätern zu FEHLEN. Zumindest wenn man sich
    das Verhalten von Tätern (sowie der Institutionen, denen sie
    angehören) so ankuckt. Diesbezüglich scheint mir die Darstellung in
    dem Film optimistischstes, ja realitätsfernes, Wunschdenken statt –
    was ich wünschenswerter fände – deutliche Kritik. Eine gewisse
    Ironie hatte immerhin tatsächlich die doppeldeutige Botschaft
    „Wegen Krankheit geschlossen“ … ich war mir zwar nicht sicher, ob
    diese Doppeldeutigkeit überhaupt beabsichtigt war, aber auch hier
    will ich mal wohlwollend unterstellen, dass dem so sei.

  • Veronika

    |

    @Hans Schröck, Ausser dass ich mich gar nicht als
    AktivistIn sehen kann, kann ich nur Frau Oetken zitieren, Ihr
    zustimmen, und Ihnen damit herzlichst danken! Das Thema
    „Missbrauch“ darf nicht aus dem Blickfeld, solange die RKK meint,
    wieder einmal Vertuschung betreiben zu können. Die machen dies ja
    schon mit den weit zurückliegenden Hexenverbrennungen, wollen aber
    andererseits vom Staat Entschädigung für Enteignungen, welche auch
    Güter beraubter Dritter umfassten.

  • Angelika Oetken

    |

    @Otto Beck, getreu dem Motto: „es gibt nix Gutes, außer man
    tut es“… drehen Sie doch ein Remake. Schon so mancher Stoff hat
    dadurch ziemlich gewonnen. Ich bin Pragmatikerin und deshalb ist
    mir – mit wenigen Ausnahmen – ziemlich egal, wer wie dafür sorgt,
    dass das Thema „sexueller Macht-Missbrauch“ an die Öffentlichkeit
    kommt. Mit freundlichen Grüßen, Angelika Oetken,
    Berlin-Köpenick

  • Schröck Hans

    |

    @Student Erstmal bin ich froh, daß nach diesem ganzen
    Geplänkel mal inhaltlich argumentiert wird – zur Würde: Eine meiner
    Inspirationen war auch „Die Beichte“ von Felix Mitterer, wo ein
    Mensch beschrieben wird, der nach seinem Trauma regelmäßig bei
    Prüfungen gescheitert ist und so zusätzlich eine Mißachtung durch
    die Gesellschaft erleiden mußte. Es ist natürlich exemplarisch und
    Biographien können sich auch anders entwickeln. Trotzdem ist es
    doch wohl so, daß die Würde von Menschen wie meinem „Helden“ eher
    angetastet wird, wie die Würde z.B. eines kirchlichen
    Würdenträgers. . . Daß der Pfarrer in besagter Szene Schuldgefühle
    hätte, war eine mögliche Interpretation. Meinerseits genügt es
    auch, wenn er realisiert, daß er ertappt ist und seine momentane
    Existenz in sich zusammenfällt (wird sich schon ein Kloster finden,
    in dem er untertauchen kann). Ich persönlich unterstelle Ihm
    jedenfalls nicht unbedingt Gewissensbisse, wenngleich es durchaus
    möglich wäre (Wie wir wissen, gibt es ja auch klerikale Täter, die
    sich beim Opfer entschuldigt haben – und trotzdem von der
    Amtskirche nicht entschädigt werden – doch das würde den Rahmen
    eines Kurzfilmes sprengen. Dafür gibt es ja regensburg-digital, um
    uns mit diesen Informationen zu versorgen). Die Ironie mit „Wegen
    Krankheit geschlossen“ war durchaus beabsichtigt, entspricht voll
    und ganz meinem Bild, das ich von dieser Religion im allgemeinen
    habe und es freut mich, wenn sowas auffällt. Im Übrigen finde ich
    auch, daß über Geschmack nicht gestritten werden soll. . .

  • Angelika Oetken

    |

    “Es ging mir vor allem darum, die
    Möglichkeit eines traumatisierten […] Menschen aufzuzeigen, seine
    Würde […] wiederzuerlangen” Diesen Satz finde ich irritierend. Er
    scheint zu unterstellen, dass ein traumatisierter Mensch seine
    Würde geradezu per definitionem verloren hätte.“

    @Student: wenn Sie sich mit Missbrauchsopfern unterhalten oder deren Berichte lesen, werden Sie feststellen, dass Entwürdigung und Demütigung ein wesentliches Element der Übergriffe ist. Täter und Täterinnen begehen ihre Verbrechen u.a. deswegen, weil sie etwas wiederholen wollen, was ihnen selbst widerfahren ist. Nämlich der Versuch einen anderen Menschen psychosozial zu vernichten. Eine Attacke auf dessen Integrität und Souveränität.

    Inwieweit das gelingt hängt weniger vom Opfer selbst ab als von den Umständen. Es ist ziemlich irrelevant, wie „stark“ ein Betroffener ist. Viel wesentlicher ist, über welche Kompetenzen sein soziales Umfeld verfügt. Wie belastbar, flexibel und authentisch es ist.

    Im Falle der Kirchenopfer sind diese Umgebungsressourcen denkbar ungünstig. Weil die Gemeinde die Betroffenen häufig ausgrenzt, diffamiert und ebenfalls zu entwerten versucht.

    Das Ganze sagt viel über den Kern, also die Defizite der katholischen Kultur aus. Sehr wenig über die Opfer. Bei denen ist es meistens einfach Zufall, wenn sie ins Visier der Aggressoren geraten.

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • R. Werner

    |

    Ich kenne den Kurzfilm leider nur in der kleinen
    youtupe-Version und finde ihn sehenswert. Ein
    wagemutig-interessanter Beitrag zu gesellschaftlichen Missständen.
    Die Idee, das Lied DER WELTVERDRUSS als Grundlage für die
    künstlerische Darstellung einiger Tage des Schicksals eines
    „Missbrauchsopfers“ herzunehmen, finde ich geschickt, aber im Kern
    fraglich. Denn der Musikant im WELTVERDRUSS hat „nur“ keine Eltern,
    Geschwister, Freunde, … Er findet aber seinen Weg eben als
    Wandermusikant und stellt das Leben der Mehrheitsgesellschaft z.T.
    spöttisch in Frage. (Ob es in der Novelle DER WELTVERDRUSS (1908)
    des deutschnationalen österreichischen Lehrers Karl Bienenstein
    eventuell um Missbrauch ging, weiß ich nicht.) Ein von
    Missbrauchsbetroffener hat andere Probleme als der Wandermusiker.
    Der missbrauchte Straßenmusikant im Film offenbar auch. Nach einem
    zufälligen Kontakt mit seinem Bruder erfährt er nach fünf Jahren
    erstmals vom Tod des Vaters. Ebenso von der Taufe des Kinds seines
    Bruders, auf die er aber ausdrücklich nicht geladen wird. Diese
    Information retraumatisiert den Musiker. Er säuft und kämpft nachts
    mit Flashbacks aus seinen Erlebnissen. Am nächsten Morgen geht er
    dann aber trotzdem zur Taufe und konfrontiert auf wunderbare Weise
    seinen Missbrauchstäter: den zur Taufe rüstenden Pfarrer, der dann
    die Flucht ergreift. Die Taufe fällt ins Wasser. Die erschrockene
    Familie entscheidet sich angesichts der überraschenden
    Konfrontation des Täters, bzw. nachdem sie zum ersten Mal von den
    Taten des Pfarrers hörte („Stimmt des?“), gegen das katholische
    Weihesakrament. Kann ein Kurzfilm bzgl. dieser Thematik Anspruch
    auf realistische Entwicklungsmöglichkeiten erheben? Scheinbar
    schon. Laut Hans Schröck ging es ihm „um die Möglichkeit eines
    traumatisierten (vielleicht deshalb “lebensuntüchtigen”?) Menschen
    aufzuzeigen, seine Würde jenseits von kirchlichen Gnadenakten
    wiederzuerlangen.“ In diesem zentralen Vorhaben ist der Film
    unglaubwürdig. Ein traumatisierter Mensch, wie ihn der Film in
    seiner gerade aufgebrochenen und gleich wieder niedergesoffenen
    Verdrängung der Missbrauchsgeschehnisse zeigt, ein Mensch, den
    nachts die existenziell bedrohlichen Gewalterfahrungen auf eine
    hilflose Art Ereignisse einholen, ein solcher Mensch geht nicht am
    nächsten Tag in die Konfrontation seines Missbrauchstäter. Soll
    dies die Moral der Geschichte sein, die mit künstlerrischer
    Freiheit dargestellte Essenz? Für den antiklerikalen Betrachter des
    Films, für einen Therapeuten oder Unterstützer des
    Missbrauchsbetroffenen wäre der Handlungsverlauf u.U. sehr
    wünschenswert. Aus der Warte eines/R Betroffenen ist er
    unglaubwürdig, weil nicht jede/R den Missbrauchstäter sehen kann
    oder will. Die meisten Traumatisierten müssen i.d.R. erstmals
    lernen ihre missbrauchte und zerstörte Persönlichkeit zu
    akzeptieren und dann versuchen ins Leben zurück zu finden. Eine
    Begegnung mit und Konfrontationen des Täter wollen die wenigsten.
    Was ist dann die Moral der Geschichte? Leute lasst eure Kinder
    nicht mehr taufen? Hier ist die Entwicklung des Films zwar witzig,
    aber dem Thema sexualisierte Gewalt im sozialen Nahumfeld nicht
    angemessen. Nicht mehr (katholisch) taufen zu lassen, ist keine
    Lösung anstehenden Problems. Wahrscheinlich in unfreiwilliger Weise
    zeigt der Film eine diesbezügliche tiefere gesellschaftliche
    Problematik auf. Den Umstand, dass die Familienangehörigen des
    Musikanten, des „Missbrauchsopfers“, erstmals von seiner
    Missbrauchsgeschichte erfahren haben, dass sie bislang nicht damit
    konfrontiert waren und sich somit in dieser Sache auch nicht
    positioniert haben. Die (viel zu verkürzte) Antwort der Angehörigen
    ist die Taufverweigerung, aber keine weitere Auseinandersetzung mit
    den Gewalterfahrungen des Musikanten. So gesehen ist der Film im
    Aufzeigen des Nichtstattfindens bzw. der Verweigerung der konkreten
    Auseinandersetzung mit sexuellen Gewalt in sozialen Nahbeziehungen
    (wie Schule, Familie, Beziehung, kirchlichen Internat …) doch
    realistisch. Grausam realistisch gelungen.

  • Schröck Hans

    |

    @Werner
    Der Musikant hat, außer keinen Eltern etc., auch die Erfahrung des Nicht-Geliebt-Werdens mit sich herumgetragen und evtl. noch psychosomatische Beschwerden („herzkrank“). Ob es sich dabei um eine Folge seiner Traumatisierung handelt, kann offen bleiben – wie so manches bewußt nicht vorgegeben wird. Ob er die Mehrheitsgesellschaft spöttisch in Frage stellt, weiß ich nicht, jedenfalls ist für Ihn vermeintlich kein Platz darin. Die (in einem Kurzfilm natürlich verkürzte) Antwort der Angehörigen hatte ich anfangs noch dahingehend „vorgegeben“, daß die Mutter am Ende eine Einladung an den Musiker ausspricht, die Familie doch einmal zu besuchen. Letztlich war mir (und teilweise dem „Team“) das aber zuviel Bevormundung des Zuschauers, hätte auch die Bandbreite der möglichen Reaktionen eingeengt – das wird jeder für sich entscheiden, wie er sich verhalten würde. Daß der innere Prozeß des Traumatisierten zeitlich gerafft wurde, sei zugegeben; das ist halt ein Zugeständnis an Menschen, denen die Füße bei längerdauernden psychischen Prozessen einschlafen. Außerdem wäre der Kurzfilm dadurch zu lange geworden. Die direkte Konfrontation mit dem Täter findet allerdings nicht statt – was ich auch für etwas unrealistisch gehalten hätte, zumindest am nächsten Tag. Langfristig halte ich sie für heilsam.
    Die „Nothilfe“ für das Kind des Bruders muß nicht automatisch in Forderungen nach Zwangs-Nicht-Taufe münden. Daß die Angehörigen nichts von der Traumatisierung gewußt haben, ist durchaus wahrscheinlich; daß die Eltern ihr Kind bei einem anderen Pfarrer taufen lassen werden, ebenso – ist ja auch kein science-fiction. . .
    Die Sache mit der Würde sehe ich trotzdem anders. Wenn es stimmt, daß Mißbrauchsopfer eine tiefe Selbstwertproblematik mit sich herumschleppen, dann tut es doch gut, den Täter „abzuwerten“, indem man ihn zutreffend tituliert. Dadurch steigt doch relativ der eigene Wert und es trifft nicht die Falschen, oder? Ist halt keine offizielle Lehrmeinung und wird sich in der christlichen Leitkultur sicher nicht durchsetzen. Aber „des Brot ich nicht ess´, des Lied ich auch nicht sing“!

  • Angelika Oetken

    |

    „Die Sache mit der Würde sehe ich trotzdem anders. Wenn es
    stimmt, daß Mißbrauchsopfer eine tiefe Selbstwertproblematik mit
    sich herumschleppen, dann tut es doch gut, den Täter “abzuwerten”,
    indem man ihn zutreffend tituliert. Dadurch steigt doch relativ der
    eigene Wert und es trifft nicht die Falschen, oder? Ist halt keine
    offizielle Lehrmeinung und wird sich in der christlichen Leitkultur
    sicher nicht durchsetzen. Aber “des Brot ich nicht ess´, des Lied
    ich auch nicht sing”!“ @Hans Schröck, eine solide Distanz zu Tätern
    und Mit-Tätern einzunehmen, halte ich für außerordentlich gesund,
    wenn nicht heilsam. Mit anderen Missbrauchsopfern habe ich jüngst
    diskutiert, wie wir uns zu den
    „Kinder-stärken-nein-sagen“-Präventionsansätzen positionieren
    wollen bzw. sollten. Ergebnis: wir halten sowas für gut gemeint,
    aber am Kern der Problematik vorbei führend. Im „Weltverdruss“ wird
    es ja nur angedeutet, aber Weggucken, Leugnen, Verrat scheinen ja
    auch das Leben des Filmhelden in typischer Weise negativ
    beeinflusst zu haben. Missbrauch geschieht da, wo die
    verantwortlichen Erwachsenen zu schwach oder zu egoistisch sind
    Kindern beizustehen, sie zu schützen und Tätern die notwendigen
    Grenzen zu setzen. Wer sich das als Missbrauchsopfer klar macht,
    kann zu dem Schluss kommen, dass es besser ist, sich komplett vom
    Missbrauchsumfeld zu distanzieren. Das kann erstmal weh tun und
    Ängste auslösen, macht vorübergehend vielleicht auch einsam, aber
    die Opfer bei denen ich weiß, dass sie das taten, haben es nicht
    bereut. Im Gegenteil: wer es schafft sich ein neues, solides und
    sozial wertvolles, tragfähigeres Umfeld aufzubauen kann dadurch
    viele Missbrauchsfolgen abmildern oder vermeiden. Klassiker: die
    eigenen Kinder nicht einem täterfreundlichen Umfeld überlassen,
    indem man sie davon fernhält. Oder Täter und Mit-Täter benennt,
    wenn möglich sogar anzeigt. Täterinnen und Täter missbrauchen
    meistens ein Leben lang. In Serie. Sofern man sie lässt. MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Schröck Hans

    |

    @Angelika Oetken
    Ich gehe absolut konform mit Ihren Ausführungen, doch hätte ich noch das Bedürfnis nach einer positiven Utopie, auch wenn mein Filmschluß in dieser Hinsicht offen bleibt. Im Kurzfilmfestival-Programm hatte ich folgenden Pressetext stehen: „Ein Wiedersehen zweier Brüder nach langer Zeit. Am Ende wird die Außenseiter-Rolle neu definiert.“ Die Distanzierung vom Mißbrauchsumfeld halte ich ebenfalls für absolut notwendig und heilsam, mein Protagonist hat diese Strategie auf eigene Faust einige Jahre umgesetzt. Ob dieses Umfeld durch die (Selbst-) Entfernung des Täters hinreichend „gereinigt“ wurde und ob eine ernstgemeinte Rehabilitierung des Opfers erfolgen wird, dazu gibt es wohl unzählige Fallgeschichten – wie ich hoffe, mit möglichst vielen Heilungen. Daß diese Rückkehr der Opfer allzuoft nicht gelingt, liegt meiner Meinung nach an der unzureichenden Ächtung der Täter, weshalb die Opfer dieses Umfeld nach wie vor als feindlich empfinden müssen. Daß dieses Umfeld im Falle der Kirchen weit von einer Außenseiter-Rolle entfernt ist (im Gegensatz zum Original – Franz von Assisi), erschwert die Sache ungemein.

  • Angelika Oetken

    |

    @Hans Schröck, ich empfinde den Schluss Ihres Films als
    vergleichsweise positiv. Die Reaktion der Eltern des Täuflings ist
    ja ziemlich eindeutig. Der wütende Vater, der den schein-heiligen
    Priester zur Rede stellen will und feststellen muss, dass dieser in
    typisch feiger Manier Reißaus genommen hat. Und die Mutter, deren
    Mimik und Gestik zeigt, wie dankbar sie ist, dass ihr Schwager als
    Onkel des kleinen Jungen so entschlossen gehandelt hat. Und das
    macht den Film auch zur Utopie. Leider. Meistens sieht es nämlich
    ganz anders aus. Das liegt allerdings nicht an den Opfern. Sondern
    daran, dass die wenn sie sich outen und die Taten anzeigen, ihr
    Umfeld an viele verdrängte und geleugnete Dinge erinnern. „Daß
    diese Rückkehr der Opfer allzuoft nicht gelingt, liegt meiner
    Meinung nach an der unzureichenden Ächtung der Täter, weshalb die
    Opfer dieses Umfeld nach wie vor als feindlich empfinden müssen.“
    Zu jeder Missbrauchtat gibt es ja eine entsprechende Geschichte, an
    der viele Menschen beteiligt sind und mehr oder minder Mitschuld
    tragen. Sei es weil sie Anzeichen ignoriert, zu leichtfertig
    gehandelt oder aus Bequemlichkeit und eigenem Vorteil den Tätern
    Gelegenheit zum Missbrauch gegeben haben. Manchmal ist es aber nur
    pure Eitelkeit. So im Falle der so genannten „Eliteschulen“ wie dem
    Aloisisuskolleg, dem Kloster Ettal oder der Odenwaldschule. Und den
    „Domspatzen-Schulen“ natürlich. Die Verantwortlichen dort waren und
    sind offenbar gleichzeitig so selbstverliebt und kritikentwöhnt,
    dass sie es nicht schaffen etwas ganz Offensichtliches
    einzugestehen, nämlich, dass sie zu dumm, oberflächlich und
    fahrlässig waren, um den Tätern die notwendigen Grenzen
    aufzuzeigen. Häufig ist es sogar nur ganz banale Faulheit. MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • R. Werner

    |

    @H.Schröck: Ihr Bedürfnis nach einer positiven Utopie kann
    ich schon nachvollziehen. Allerdings scheinen Sie ihr Anliegen auf
    die Film-Figur zu übertragen zu haben. Der Schluss endet
    dementsprechend „vergleichsweise positiv“ (A. Oetken) und die
    eigentliche Problematik – sexueller Gewalt im sozialen Nahbereich –
    wird antiklerikal verflacht und mit einer Taufverweigerung
    aufgelöst. Dies ist zwar auch witzig, aber leider aus der
    Perspektive von Traumatisierten unangemessen. Würden „die Eltern
    ihr Kind bei einem anderen Pfarrer taufen lassen“ (H.S), wäre die
    ganze Pointe futsch. Die Möglichkeit nehme ich Ihnen, so gesehen
    nicht ab. „Daß die Angehörigen nichts von der Traumatisierung
    gewußt haben“, ist nicht nur wahrscheinlich, sondern
    offensichtlich. Hier vermeidet der Film, die entsprechenden
    Hintergründe näher zu thematisieren. Leider, denn hier gäbe es im
    Umfeld noch einiges aufzuhellen. A. Oetken kann ich diesbzgl.
    zustimmen, hier wäre nach Wegschauen, und Täteridentifikation zu
    fragen gewesen. Ich weiß nicht wie Sie, H. Schröck zu dem zentralen
    Aspekt, „die Würde wiederzuerlangen“, gekommen sind, vielleicht
    mögen Sie dies auch für sich behalten. Mir scheint, dass Sie sich
    der Problematik zu sehr aus der Perspektive eines „Heilpraktikers“
    und zu wenig aus der von Traumatisierten genähert haben. Täusche
    ich mich da? Trotzdem finde ich den engagierten Film sehenswert und
    ihre Diskussionsbereitschaft sympathisch.

  • Angelika Oetken

    |

    Herr Müller, dem der Film ja gewidmet ist, nimmt seinen
    Bruder TvE in Schutz. Jedenfalls tat er das noch Mitte Oktober.
    „Der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig
    Müller, nannte die Vorwürfe gegen den Limburger Bischof am
    Freitagabend eine „Erfindung von Journalisten“ und sprach von einer
    „Medienkampagne“. Während einer Messe in der Kirche des römischen
    Campo Santo Teutonico über das Evangelium und die Dämonen sagte
    Müller weiter, nicht der Bischof trage die Verantwortung für die
    auf 31 Millionen Euro gestiegenen Baukosten, sondern dessen
    Mitarbeiter trügen sie.“
    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/tebartz-van-elst-und-das-bischofsamt-im-vatikan-bahnt-sich-ein-showdown-an-12615371.html
    Sein Kollege Meisner hatte da schon kalte Füße bekommen: „Für
    Meisner sei nach dem beantragten Strafbefehl und den exorbitant
    gestiegenen Baukosten eine „neue Lage“ eingetreten, erfuhr die
    F.A.S. aus dem Umfeld des Kardinals. Meisner sehe nicht nur das
    Bischofsamt, sondern die gesamte Kirche durch den Fall beschädigt.“
    Tja, Strafbefehl… klingt ja nach staatlicher, d.h. schwerer zu
    beeinflussender Macht. „Garnichgut“ wird sich der Herr Meisner da
    denken. „Strafbefehl“… da ist es nicht weit zur Hausdurchsuchung,
    Einblick in Akten, Archive, Kontrolle von Computern… dabei haben
    sie es doch alle nur gut gemeint. Wollten die göttliche Weltordnung
    wieder herstellen. Erstes Gebot: „oben buckeln, unten nachtreten“
    Zweites Gebot: „der Stärkere belaste den Schwächeren“ Und das
    dritte ist leider nicht stubenrein ;-). Aber: nur Geduld, es wird
    sicher bald mal wieder drüber berichtet. Angelika Oetken,
    Berlin-Köpenick P.S. habe gerade mal „Campo Santo Teutonico“
    gegoogelt… interessant!

  • Mr. T

    |

    Und was hat das mit dem Film zu tun?

  • Angelika Oetken

    |

    Mr. T.,

    Gegenfrage: was meinen Sie warum der Film Herrn Gerhard Ludwig Müller, derzeit Erzbischof, ehemaliger Bischof von Regensburg gewidmet wurde?

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Schröck Hans

    |

    @Werner
    Na, dann schauen wir mal, ob Sie meine Diskussionsbereitschaft weiterhin sympathisch finden:
    Ich habe mittlerweile den Eindruck, daß der Film geeignet ist, sehr unterschiedliche Sichtweisen von der „eigentlichen Problematik“ hervorzurufen, ebenso von den geforderten Perspektiven. Natürlich kann ich nicht zu 100% die Perspektive des Opfers einnehmen, weil ich nicht traumatisiert bin, aber wer fordert das? Ich habe mich nur bezüglich der Auswirkungen von Mißbrauch etwas kundig gemacht (nicht in therapeutischem Zusammenhang – da pfusche ich nicht rum und verweise auf kompetentere Leute!) und da ist es sehr wohl so, daß meistens ein Bedürfnis nach sozialer Akzeptanz und Unterstützung da ist. Daß ein Mißbrauch etwas Ent-Würdigendes hat, schien mir bisher selbstverständlich – aus der Perspektive eines Menschen. Daß die Traumatisierung in Suizid enden kann und die positive Utopie dann kein Thema ist (auch nicht in meinem Film), bestreite ich nicht.
    Das „antiklerikale“ Element, dachte ich, hätte ich schon unten widerlegt, also bitte nochmal nachlesen. Mein Film hat nicht „eine Pointe“, ist auch nicht witzig angelegt und ob Sie mir abnehmen, daß Menschen aus ländlich-katholischen Gegenden zwischen guten und weniger guten Pfarrern unterscheiden, kann ich nicht beeinflussen. Es entspricht nur meiner Lebenserfahrung. Ich habe die Thematisierung der Hintergründe auch nicht vermieden, sondern mich auf eine nachvollziehbare Episode konzentriert. Daß er sich aus seinem Umfeld entfernt hat und sein Bruder der „geliebte Sohn“ war, zu dem die Beziehung ebenfalls abgebrochen ist, mußte mir in diesem Zusammenhang genügen. Hätte ich „Wegschauen und Täteridentifikation“ thematisieren sollen? Woher wissen wir, ob sein Bruder was wußte? Oder ob seine Eltern ein Geheimnis mit ins Grab genommen haben? Warum dürfen diese Aspekte nicht im Ungewissen bleiben? Ich will das nicht „für mich behalten“, sondern dem Zuschauer die Gelegenheit geben, mögliche Konstellationen „nachzudenken“. Es geht mir nicht um „antiklerikale“ Reflexe. Ich kenne Leute, die in diesem prekären Umfeld versuchen, Gutes zu bewirken. Auch wenn mir dieser Apparat zur Gänze zuwider ist und ich mich abgewandt habe, gibt es Priester, deren Segen ich mir (wenn das soziale Umfeld es nahelegt) gefallen lassen würde – mehr nicht. Welche Kompromisse Sie in Ihrem Leben geschlossen haben, kann ich nicht beurteilen. Aber mich würde interessieren, in welcher Form oder Eigenschaft Sie versuchen, „Hintergründe näher zu thematisieren“ und „aufzuhellen“. Handelt es sich um eine „Innenansicht“?

  • Mr. T

    |

    Ich finde es auch gut, dass Müller seine Watschn im Abspann bekommt – mit vollem Recht, hat er doch immer gerne seine Hand über Leute gehalten, wie dem im Film skizzierten Priester. Aber in dieser Diskussion soll es um den Film gehen und nicht um Müllers bescheuertes Protektorat zu Gunsten seines abgehobenen Kollegen.

  • R. Werner

    |

    @Hans Schröck. Ja die Sichtweisen auf den Film sind unterschiedlich und genau darüber reden wir ja. Ich war so frei und habe meine Sichtweise und Beobachtungen hier z.T. vorgetragen.

    Eine Innensicht ist dies sicher nicht, da ich weder Sie noch die Darsteller persönlich kenne, und von dem Entstehungsprozess ihres Films gar nichts wusste. Selbstverständlich muss ein Kurzfilm (wie auch längere) immer ganz viel weglassen. Einige nicht thematisierte Aspekte habe ich in Ansätzen angemerkt.

    Die Frage aber ist, was letztlich in einem Film wie thematisiert wird. Ich verstehe nun etwas besser, was ihr Anliegen war, mag mich nicht wiederholen und wünsche Gutes Gelingen für weitere Projekte.

  • Angelika Oetken

    |

    „Aber in dieser Diskussion soll es um den Film gehen und nicht um Müllers bescheuertes Protektorat zu Gunsten seines abgehobenen Kollegen.“

    @Mr. T.,

    in Ordnung. Dann verlagere ich die Sache in einen anderen Faden.
    Mir geht es nämlich vor allem darum, dass die Hintergründe für organisiertes Verbrechen an Kindern und Jugendlichen aufgedeckt werden. Und das geht nur, wenn möglichst viele Menschen angesprochen werden und beitragen können, was sie wissen.
    Die Verantwortlichen fürchten nichts so sehr wie Öffentlichkeit. Darum bin ich Herrn Aigner ja auch so dankbar, dass er diese virtuelle Litfaßsäule unterhält.

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

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