Entdecke Veranstaltungen in Regensburg Alle Kultur Oekologie Soziales Kino

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus für Regensburg!

Hallo. Schön, dass Sie hier lesen oder kommentieren. Fast noch mehr freuen würden wir uns, wenn Sie die Arbeit von regensburg-digital mit einem kleinen (gern auch größerem) Beitrag unterstützen. Wir finanzieren uns nämlich nur zu etwa einem Drittel über Werbeanzeigen. Und für die gibt es bei uns auch ausdrücklich keine zusätzliche Gegenleistung, etwa in Form von PR-Artikeln oder Native Advertising.

Mehr als zwei Drittel unseres Budgets stammt aus Spenden – regelmäßige Beiträge von etwa 300 Mitgliedern im Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.

Anders ausgedrückt: Wir bauen auf Sie – mündige Leserinnen und Leser, die uns freiwillig unterstützen. Seien Sie dabei – mit einem einmaligen oder regelmäßigen Beitrag. Herzlichen Dank.

Spenden Sie mit
Es regt sich Widerstand

Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd in Regensburg: Wie mauert man eine Insel ein?

Die Planungen für den Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd stoßen auf Widerstand und Kritik. Es gibt 57 Einwendungen gegen das beispiellos aufwändige Projekt. Ein Aktionsbündnis macht mobil. 

Visualisierung des Wasserwirtschaftsamts zum Hochwasserschutz am Unteren Wöhrd. Foto: Christoph Gabler; Visualisierung: Rakete

Es ist das größte und aufwendigste Projekt, das der Freistaat Bayern beim städtischen Hochwasserschutz plant: der Schutz Regensburgs vor einem hundertjährlichen Donauhochwasser. Seit dem Jahr 2000 läuft die Umsetzung. Der Abschnitt, der nun ansteht, übertrifft alle bisher umgesetzten Maßnahmen zusammen: der Hochwasserschutz für den Unteren Wöhrd.

WERBUNG

Mehr als 1.000 Seiten stark sind die Antragsunterlagen, 1,6 Gigabyte Daten, 179 Einzeldateien. Schon deshalb ist dieses „Mammutprojekt“, so nennt es Rainer Zimmermann, der Vizechef des Wasserwirtschaftsamts Regensburg, für den Normalbürger kaum zu überblicken. Entsprechend hat es bislang keine öffentlich wahrnehmbare Debatte gegeben.

„Wohl brachialster Eingriff seit Verkehrsplanungen 1970.“

Wenn sich jemand zu Wort meldete, dann eher mit dem Wunsch: Es möge bald losgehen. Kritik und Bedenken hörte man kaum – denn wer wäre schon gegen Hochwasserschutz? So war es zumindest bis vor Kurzem.

Inzwischen hat sich das „Aktionsbündnis zum Erhalt der Donauinseln“ gegründet. Der Verein spricht mit Blick auf die geplanten Maßnahmen von „Gigantomanie und technokratischem Größenwahn ohne Garantie“.

„Die geplanten Vorhaben an den drei Donauinseln stellen den wohl brachialsten Eingriff in den altstädtischen Kernzonen Regensburgs seit den Überlegungen für eine Großstadtkreuzung nahe des Domplatzes dar, wie sie in den Verkehrsplanungen 1970 vorgesehen war“, sagt Sprecher Bernhard Löffler. Er spricht von einem „Auswuchs technischen Machbarkeitswahns“.

Mauern: Unterirdisch statt oberirdisch

Tatsächlich ist das, was Freistaat und Stadt am Unteren Wöhrd planen, bisher ohne Vorbild. Ende der 1980er Jahre waren für Stadtamhof noch oberirdisch sichtbare, hohe Mauern vorgesehen, die am Widerstand der Bürgerschaft scheiterten.

Ein exemplarischer Streitpunkt damals: die Mauer vor dem Spitalgarten, die den Blick auf die Donau versperrt hätte. Der vielzitierte Satz jener Zeit: „Lieber einmal in hundert Jahren überschwemmt werden, als hundert Jahre hinter einer Mauer leben müssen.“

Die größtenteils unterirdischen Mauern rund um den Unteren Wöhrd. Grafik: Aktionsbündnis

Diesen Fehlversuch von damals habe man bei den aktuellen Planungen stets vor Augen, sagte Wasserwirtschaftsamts-Vize Zimmermann kürzlich im Regensburger Stadtrat. Am Widerstand der Bürger wolle man nicht mehr scheitern.

Wesentlicher Kern des Hochwasserschutzes am Unteren Wöhrd ist nun nicht mehr die oberirdische Mauer, sondern die „Untergrundabdichtung“ – unterirdische Wände, die bis zu 20 Meter tief rund um die Donauinsel in den Boden getrieben werden.

Schweres Gerät nötig

Zimmermann nennt das „eine mit hohem Aufwand möglichst unauffällige und städtebaulich aufwertende Integration des Hochwasserschutzes in einen sensiblen Bestand“.

Doch um diesen Schutz zu bauen, braucht es schweres Gerät: Drehbohrgeräte oder Dieselrammen, so groß wie Bagger, treiben die Spundpfähle rund um den Wöhrd in die Erde.

Mit einem solche Drehbohrgerät oder Dieselrammen werden die unterirdischen Wände in den Boden getrieben. Fozto: Aktionsbündnis

Die Befürchtung: Neben den knapp 130, teils wertvollen Bäumen, die laut Planung ohnehin fallen sollen, könnte weiterer Naturraum durch die Bauarbeiten verloren gehen.

Vorhaben ohne Beispiel

Vorbilder, bei denen eine Insel von der Größe des Unteren Wöhrd unterirdisch eingemauert beziehungsweise abgedichtet wurde, scheint es nicht zu geben. „Ein vergleichbar hoher planerischer, aber auch technischer Aufwand ist uns nicht bekannt“, so Zimmermann auf Nachfrage.

Vor diesem Hintergrund zweifelt das Aktionsbündnis, dass dieses Vorgehen den gewünschten Effekt erzielt – und nicht neue Probleme schafft. Bei Starkregenereignissen könnten Schäden entstehen, die ohne diesen Hochwasserschutz nicht entstünden, heißt es auch in den offiziellen Planungsunterlagen.

Risiken bergen zudem veränderte Grundwasserströme. Architekt Florian Gebauer, Anwohner und Mitglied des Aktionsbündnisses, warnt: „Eine tiefreichende Untergrundabdichtung schafft dauerhafte künstliche Verhältnisse und birgt ein erhebliches Risiko – Setzungen, Feuchteschäden und Substanzverlust.“ Das sei weder nachhaltig noch verhältnismäßig.

Bisherige Schätzungen: Fünf Jahre, 55 Millionen Euro

Apropos Verhältnismäßigkeit: Aktuell rechnen die Planer mit Kosten von 55 Millionen Euro und einer Bauzeit von fünf Jahren. Preissteigerungen und unvorhergesehene Probleme nicht eingerechnet. 80 Prozent trägt der Freistaat, 20 Prozent die Stadt Regensburg. Betrieb und Unterhalt liegen anschließend bei der Stadt – Höhe: „noch nicht ermittelt“.

Blick von oben auf das Hochwasser 2024 in Regensburg. Foto: Stefan Effenhauser/Stadt Regensburg

Diesen Aufwand hält das Aktionsbündnis weder für realistisch berechnet noch für verhältnismäßig. Ein hundertjährliches Hochwasser habe es in Regensburg zuletzt 1845 gegeben. Die „Gefahr für Leib und Leben“, mit der die Maßnahme begründet werde, bestehe in dieser Dringlichkeit nicht.

Das Donautal in Regensburg sei nicht das Ahrtal. „Die Donau in Regensburg fließt durch ein breites Sohlental — flach, weit, mit der Vorwarnzeit, die daraus folgt: rund 48 Stunden.“

Aktionsbündnis trifft sich Anfang Juni

Aktuell liegen 57 Einwendungen gegen das Vorhaben vor. Als Nächstes steht ein Erörterungstermin an – wann, ist offen. Dazu, wann der Bau beginnen könnte, kann die Stadt Regensburg „nur sehr grobe Angaben“ machen: in zwei bis fünf Jahren.

Das Aktionsbündnis hat für Anfang Juni zu einem größeren Treffen eingeladen. Man sei nicht gegen Hochwasserschutz, plädiere aber für eine kleinere Variante und für eine konsequente Prüfung von Objektschutz für die rund 140 Häuser am Unteren Wöhrd.

Aktuell würden solche Alternativen nicht ernsthaft geprüft. „Der bayerische Bemessungsstandard ist HW100 — alles darunter müsste die Stadt allein finanzieren. Nicht der Bedarf bestimmt über HW100, sondern die Förderung.“

SUPPORT

Ist dir unabhängiger Journalismus etwas wert?

Dann unterstütze unsere Arbeit!
Einmalig oder mit einer regelmäßigen Spende!

Per PayPal:

Per Überweisung oder Dauerauftrag:

 

Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14 7509 0000 0000 0633 63
BIC: GENODEF1R01

Kommentare (34)

  • Novalis

    |

    „Der bayerische Bemessungsstandard ist HW100 — alles darunter müsste die Stadt allein finanzieren. Nicht der Bedarf bestimmt über HW100, sondern die Förderung.“

    Das ist natürlich grotesk. Und wenig sparsam. Wenn einer günstigere Variante reicht UND diese sinnvoll ist (zwei Bedingungen), sollte auch diese gefördert werden.

    18
    7
  • Mr. T.

    |

    Meine Ahnung von Hydrologie oder Hochwasserschutz geht gerade so weit, dass ich weiß, dass dies ein sehr komplexes Thema ist, von dem ich noch weniger weiß als vom Umgang mit kranken Walen – falls sich mal einer in die Donau verirrt.
    Man kann maximal versuchen, die Studien und Gutachten der Experten zu untersuchen. Auf jeden Fall sollte man solche weitreichenden Entscheidungen erst treffen, wenn man sich ziemlich sicher ist, dass es was bringt und dass es nicht schadet.
    Man sollte es nicht nur machen, weil man gerade ziemlich viel Zuschuss dafür bekommt. Dieses Subventionssystem setzt zu viele Fehlanreize.

    15
    5
  • Dominik Müller_alt

    |

    Nun, landauf-landab wird mehr Resilienz gegen häufigere und heftigere Hochwässer gefordert, so haben z.B. die bayrischen Grünen einen Pakt mit Oberösterreich geschlossen https://katharina-schulze.de/news/hochwasserschutz-pakt-bayern-oberoesterreich/. Wenn die Hochwässer künftig schärfer ausfallen, darf es gerne der HW100-Standard sein. Ich bin kein Wasserbauer, halte es aber für schlüssig, dass es eine Lösung braucht, did auch den steigenden Grundwasserspiegel berücksichtigt.

    11
    6
  • Burgweintinger

    |

    Wow, wir haben steigende Grundwasserspiegel? Da ist mir was entgangen…, ich dachte wir hatten noch nie so einen niedrigen Grundwasserspiegel wie heute…

    15
    7
  • RalfD

    |

    Die Mauer um Stadtamhof ist keines Falls vom Tisch. Herr Bächer, der frühere Leiter des Tiefbauamtes hat in Diskussionen und Veranstaltungen zum Holzgartensteg mehrfach auf die bis zu 80cm hohe, im Rahmen des Hochwasserschutzes geplante und kommende Mauer die Donaupromenade bei Steinerner Brücke bis um den Grieser Spitz hingewiesen und als plastisches Beispiel die bereits bestehende Mauer zwischen Kanal und Gerhardinger Schule hingewiesen. Stadtamhof ist die nächste Phase der Hochwasserschutzplanungen. Das wird durchaus noch interessant.

    4
    3
  • Richard

    |

    Ich lade alle Gegner gerne zum Sandsackschleppen und Schlamm- und Schrottrausräumen nach dem nächsten Hochwasser bei uns ein.
    Spenden erwünscht.

    21
    6
  • Dr.Hirschberger

    |

    Den geplanten Hochwasserschutz in der Werftstraße,
    deren Bewohner beim letzten Hochwasser 2024 evakuiert werden mussten., finde ich dringend notwendig.
    Die übrigen Maßnahmen- vor allem an Stellen , wo hohe Böschungen das Wasser abhalten wie nördlich in Richtung Grieser Spitz – finde ich unnötig und übertrieben.

    13
    3
  • tom lehner

    |

    “Wie mauert man eine Insel ein?”
    Schenkenschanz am Rhein.

    1
    0
  • Nöcheinüberlebender

    |

    Ich kann mich erinnern, dass es zu meiner Zeit ähnliche Diskussionen gab.

    0
    0
  • Stefan

    |

    @Richard
    Sehr gerne komme ich vorbei !
    Wir am Wöhrd helfen bei Hochwasser immer zusammen!
    Dass es aber auch Zukunft, selbst mit dem gigantomanischen Hochwasserschutz, weiterhin geflutete Erdgeschosse geben wird, steht sogar in der Planung.
    Ein weiterer Punkt, die Sinnhaftigkeit dieses Projekts zu hinterfragen!

    15
    4
  • Burgweintinger

    |

    Richard

    Wer am Wasser lebt, muss halt mit dem Wasser leben…
    Ich möchte damit sagen, dass auch die Häuser so gebaut sein sollten, dass diese bei Wasser auch geflutet (EG zumindest) werden können, so war es früher und so sind auch die Häuser z.T. auch in Passau gebaut.
    Das Haus muss sich der Umgebung anpassen und nicht umgekehrt.
    Mit diesem geplanten Hochwasserschutz verschiebt man das Hochwasser nur weiter flußabwärts, => keine Lösung.

    21
    6
  • Andreas

    |

    Wer gehört diesem „Aktionsbündnis“ eigentlich an? Wohl kaum Anwohner in erster Überschwemmungsreihe und wir als betroffene Anwohner jedenfalls nicht.

    Und gegen was will man denn noch alles sein? Jetzt wird schon so geplant, dass oberirdisch wenig zu sehen ist und dann heißt es: Oh mein Gott, da ändert sich aber unterirdisch irgendwas. Und dann kommen auch noch echt große Bagger. Oh no!!

    21
    9
  • Michael

    |

    Die Gebäude am unteren Wöhrd können nicht elementarversichert werden und die Schäden bei jedem Hochwasser sind hoch.
    Die Erdgeschosse können teilweise nicht genutzt werden.

    Ich würde vorschlagen, dass ausschließlich Betroffene und Anwohner mitsprechen dürfen.

    Das Aktionsbündnis wird angeführt von einem Philosophen – wie man an unserem früheren Wirtschaftsminister sieht, sind das anscheinend Allround-Talente

    17
    17
  • Burgweintinger

    |

    Andreas, ich meine da irrst du.
    Der oben genannte Sprecher des Aktionsbündnisses, Bernhard Löffler, ist meines Wissens, Anwohner…

    10
    1
  • Vom Woid und Wöhrd

    |

    Ich bin mir nicht sicher, ob sich die Nicht-Anwohner oder Grob-in-der-Nähe-Anwohner bewusst sind, dass beim letzten Hochwasser nicht nur für viele Tage evakuiert wurde, sondern auch nicht garantiert werden konnte, ob die Häuser anschließend noch betretbar sind (wegen des langgezogenenen Scheitels und der Durchweichung des Untergrunds). Die 48 h Vorwarnzeit waren nicht gegeben. In 30 min zusammenpacken, ohne zu wissen, ob man wieder zurück kann, das hinterlässt einen bleibenden Eindruck …

    Ich würde vom Aktionsbündnis oder Schlaubis, die mit Objektschutz alles geregelt sehen (ich lebe in einem Haus mit gutem Objektschutz, hilft nur alles nichts, wenn der Boden davonschwimmt), gerne hören, was ihre Idee für die Anwohner wäre? Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass man nicht davon ausgehen kann, dank Klimakrise nur einmal alle 100 Jahre so ein Ereignis zu erleben.

    Ich verstehe durchaus einige der Bedenken und möchte die Natur der Wöhrde unbedingt gewahrt sehen. Aber hier am Unteren Wöhrd stehen manche betroffenen Häuser seit Jahrhunderten. Wollen wir die jetzt aufgeben?

    13
    4
  • Herbert

    |

    +Untergrundabdichtung“ – unterirdische Wände, die bis zu 20 Meter tief rund um die Donauinsel in den Boden getrieben werden+
    Damit wird der Wöhrd zu einem riesigen Öko-Friedhof  mit unvorstellbaren Auswirkungen auch auf die ganze Altstadt. Mit irrsinnigen Aufwand nur um Milliarden Euro zu vergraben und ein Stadtbild zu verschandeln.
    Blick zurück vor 70 Jahren: Die Bebauung war wesentlich geringer, die Bewohner weniger und im EG lagen Boote und keine Luxuswohnungen.
    Oder wäre ein Hochwasserschutz-Donaukanal durch die Fußgängerzone auch eine Lösung? 

    10
    11
  • Burgweintinger

    |

    Michael…
    “Ich würde vorschlagen, dass ausschließlich Betroffene und Anwohner mitsprechen dürfen.”

    Dann schlage ich vor, dass diese Maßnahme nicht von allen Steuerzahlern getragen wird sondern ausschließlich von den betroffenen und Anwohnern.

    Woid, jamei wenn der Untergrund davonschwimmt, dann soll wahrscheinlich hier nicht mehr gesiedelt werden…
    Was sagen da die Sylter oder Holländer oder Hamburger, wenn es Ihnen in 30 oder 40 Jahren das Wasser bis zum Halse steht…
    … von den armen Inselbewohnern in der Südsee und sonst wo will ich gar nicht reden…

    Das ist der Lauf…

    11
    5
  • Dominik Müller_alt

    |

    @Herbert, das Milliardenprojekt war die Stadtbahn, hiwr geht es derzeit nach aktuellen Preisen um 55 Millionen.

    4
    6
  • Bruckmandlsepp

    |

    @Herbert: “Milliarden Euro”? Komm, lies nochmal.. Selbst wenn man absolut pessimistisch ist und an der veranschlagten Summe eine Null dran hängt, ist man noch weit von der Milliarde weg..

    Also ich glaube aus der Wöhrdstraße einen Kanal zu machen würde mehr bringen. Könnte man an den “Luxus”-Wohnungen gleich die Yachten vor der Tür parken und hätte zwei Fliegen mit einer Klappe.

    6
    2
  • Bruckmandlsepp

    |

    @Burgweintiger: Wenn man schon so ehrlich ist, sollte man dann vielleicht auch mal überlegen wo das eigene Haus gebaut wurde bzw. was dafür weichen musste? Vor allem wenn man schon mit der Klimawandel-Keule kommt? Ich helfe gerne auf die Sprünge: Burgweinting steht zu einem (nicht ganz unerheblichem Teil) auf Auen- und Torfboden. Wer weiß wie Torf entsteht, kommt drauf.

    Insofern ist es eigentlich müßig darüber zu diskutieren, was jetzt aus klima- oder umweltpolitischer Sicht der beste Ansatz für den unteren Wöhrd am besten wäre. Ich glaube wir wissen beide, dass ein solcher Ansatz nicht durchsetzbar wäre, weswegen man sich gerne mal zurück in die Realität begeben sollte, wenn man schon über anderer Heimat oder deren Erhaltungswert diskutiert. Es ist in der Praxis nicht ganz so einfach.
    Liebe Grüße aus Hamburg von jemanden, der nicht gänzlich fachfremd ist. Bruckmandlsepp out.

    8
    2
  • Vom Woid und Wöhrd

    |

    @Burgweintiger, achso, das ist der Lauf, na dann. Wir sind ja als Menschheit dafür bekannt, alles laufen zu lassen, wie’s so läuft. Niederlande zum Beispiel, ganz klassische Laufenlasser in Sachen Überflutungsschutz. Aber ansteigender Meerespiegel und Flusshochwasser in einem Topf ist ja auch nur ein klitzekleines bisschen Whataboutism.

    Also darf ich annehmen, Ihre Idee für die Anwohner wäre, dass sie die Biege machen und woanders hinziehen? Und wir lassen dann Leerstand, oder ebnen wir alles gleich mit den bösen Baggern ein? Uiuiui, ob da nicht wieder die Welterbe-wie-sieht-das-denn-aus-Fraktion auf die Barrikaden geht.

    Ich erwarte mir schon ein bisschen Perspektive, wie diese nunmal (mitunter schon sehr lange) bewohnten Uferbereiche der Stadt dann mit “minimalem” Hochwasserschutz in der Zukunft aussehen sollten. Und dazu sehe ich bisher beim Aktionsbündnis nicht viel.

    4
    2
  • Anwohnerin

    |

    Die AnwohnerInnen der Werftstraße sind die Hauptbetroffenen – egal ob Mieter mit perspektivisch zu erwartenden Evakuierungen oder gar Eigentümer! Die Hauptbetroffenen müssen gehört werden! Hier muss ein tragfähiger Hochwasserschutz her, das ist doch wohl klar! Wieso wurde das von Aktionsbündnis nicht differenzierter in die Einwände eingearbeitet?

    13
    6
  • nixda

    |

    hauptsache, man kann gegen irgendwas sein…

    4
    7
  • idefix

    |

    Beim Hochwasserschutz reden zur Zeit anscheinend Leute mit, die 1994, als die Stadt Regensburg den Antrag stellte, die Hochwasserschutzplanungen wieder aufzunehmen, noch nicht geboren waren. Nach Einbindung und Befragung der Bevölkerung zum Hochwasserschutz im Jahr 2000 fand im Jahr 2024 ein bundesweit beachteter interdisziplinarer Wettbewerb mit Architekten, Landschaftsplanern und Ingenieuren statt. Auf dieser Grundlage wurden nach und nach verschiedenen Abschnitte von hochwassergefährdeten Bereichen an Donau und Regensburg der Hochwasserschutz städtebaulich und landschaftlich verträglich umgesetzt. Immer wurden die Anwohner an den Flüssen beteiligt, die froh darüber waren, dass sie bei Hochwasser geschützt werden können. Erinnert sei z.B. an die sehr hochwassergefährdeten Gebiete in Reinhausen entlang des Regens oder in Schwabelweis. Wer einen Hochwassereinsatz nicht mitgemacht hat und wie viele Kräfte gegen die Fluten kämpfen müssen sowie die materiellen Sachschäden und die Belastung für die Psyche der Betroffenen nicht ermes-sen kann, sollte den Mund halten und ohne fachlichen Hintergrund und technische Kenntnisse den fast vollendeten Hochwasserschutz in Regensburg nicht bekämpfen.
    Nichts zu machen wäre verantwortungslos und lebensgefährdend wie gerade die Hochwasserkatastrophe im Ahrtal oder die Schäden beim letzten Hochwasser in Bayern gezeigt haben. Zurecht besteht seit langem Konsens in der Politik, in der Verwaltung und bei der Mehrheit der Regensburger Bürger, vorsorglich Leib und Leben und Sachen vor den zerstörenden Flutgewalten zu schützen. Dafür sind die Steuergelder sinnvoll ausgegeben. Der Hochwasserschutz gerade für den bebauten Bereich am Unteren Wöhrd ist eine sehr komplexe technische Aufgabe, von der das Aktionsbündnis offensichtlich keine Ahnung hat.

    13
    5
  • Mr. T.

    |

    Das Thema ist dermaßen komplex, man sollte da nicht zu eng denken.
    Wenn es irgendwie möglich ist, die Anwohner und deren Eigentum mit vertretbaren Aufwand vor Hochwassern, die alle 10-20 Jahre auftreten, schützen kann, muss man das unbedingt tun. Man sollte aber dreimal überlegen, massiven Aufwand zu betreiben, um Anwohner vor einem Hochwasser, das vielleicht alle 100 Jahre mal auftritt, zu schützen, wenn man nicht mal sicher sein kann, ob es dann bei so einem Hochwasser auch schützt.
    Man muss beim Hochwasserschutz auch immer auf dessen vielfältigste Auswirkungen denken. Regensburg hat in den letzten Jahren sehr viel für den Hochwasserschutz getan, der erfolgreiche Schutz in Regensburg trug aber auch zur Katastrophe in Deggendorf vor einigen Jahren bei.
    Irgendwann kommt man bei den Überlegungen auch mal an eine Grenze, ab der ein Hochwasserschutz nicht mehr sinnvoll ist. Die Häuser stehen teilweise schon seit Jahrhunderten im Gefahrenbereich und man kam wohl mit vielen blauen Augen mit den regelmäßigen Schäden zurecht. Wenn es nicht mehr verhältnismäßig ist, muss man einsehen, dass es kein Grundrecht auf die Verschonung durch Elementarschäden gibt. Das ist sicherlich hart für einzelne, aber sie müssen wohl genauso damit zurecht kommen, wie vielleicht schon ihre Großeltern oder Urgroßeltern, die dort schon gelebt haben. Möglicherweise ist es verhältnismäßiger, Betroffenen im Katastrophenfall zu helfen, als zu versuchen, diese mit extrem hohem Aufwand davor zu schützen.
    Wie gesagt, das Thema ist komplex. Ich möchte hier nur dazu animieren, etwas weiter zu denken, als nur an die Kosten für die Allgemeinheit oder den eigenen Schutz.

    13
    4
  • idefix

    |

    Wer den Hochwasserschutz in Regensburg in Frage stellt, sollte sich die heutige Sendung zur Flutkatastrophe im Ahrtal anschauen, wo Betroffene beindruckend über ihre Erfahrungen, Verluste, ihre persönlichen Schicksale durch die Zerstörungswucht des Wassers berichten. Damals haben nachweislich die Verantwortlichen der Regierung von Rheinland-Pfalz sowie vor Ort (Landrat) kläglich versagt. Soll dies in Regensburg auch soweit kommen? Dann würde sich sofort wieder ein Aktionsbündnis etablieren und anklagen.
    https://www.zdf.de/play/dokus/ein-tag-im-juli—ahrtalflut-2021-movie-100/terra-x-history-ein-tag-im-juli-ahrtalflut-2021-100

    4
    8
  • Burgweintinger

    |

    Bruckmandlsepp, ich habe kein Haus in Burgweinting gebaut. Außerdem gibt es das Burgweintinger Moor immer noch. Dort wo jetzt die Häuser entstanden sind, war/ist Feuchtgebiet, deshalb haben die Häuser z.Teil keinen Keller…
    Übrigens: Toskana war auch ein riesengroßes Feucht- und Sumpfgebiet und wurde trockengelegt…,

    Ich denke niemand ist gegen Hochwasserschutz, aber wie es bereits Herbert oder auch Mr.T beschrieben haben, ist weniger manchmal mehr.

    1
    2
  • Freibeuter

    |

    Die Situation in der Werftstraße ist eine völlig andere als bspw. am Anfang der Wöhrdstraße bis zur Eisernen Brücke. Die einzelnen Abschnitte müssen daher differenziert betrachtet werden, eine Lösung mit der Gießkanne wird niemandem gerecht.
    Wir wohnen übrigens ganz am Anfang der Wöhrdstraße (im EG!) und haben uns bei den Hochwassern in den letzten Jahren zu keiner Zeit irgendwie “gefährdet” gefühlt. Hier in diesem Straßenabschnitt scheinen die allermeisten Nachbarn klar auf Seiten des Vereins zu sein. Hochwasserschutz? Ja klar! Aber bitte maßgerecht und mit Sinn und Verstand. Die aktuellen Planungen sind einfach noch nicht zu Ende gedacht, es fehlen zu viele Aspekte, die zu berücksichtigen wären.
    Natürlich kann man sich als Politiker oder Verantwortlicher bei so einem Thema wunderbar profilieren. Fördergelder abzuschöpfen ist auch ganz toll (vielleicht ein wenig kurz gedacht, aber naja). Viel besser wäre es in dem Fall jedoch, die direkt Betroffenen eng mit einzubeziehen und eine hinsichtlich aller Aspekte sinnvolle Lösung für alle zu finden. Offen, wertneutral und bedarfsgerecht.
    Wer sich wirklich für das Thema interessiert, dem sei die Website des Vereins ans Herz gelegt: https://donauinseln.de/
    Hier wird versucht, das ganze Thema möglichst fundiert und mit Quellen belegt zu betrachten um, als primäres Ziel, zunächst mal einen akut drohenden und unwiderruflichen Schaden abzuwenden. Wenn der Bau mal losgeht, wird es zu spät sein. Und wie wir ja alle wissen, ist das Thema Bauen in Regensburg ja so eine Sache für sich…

    14
    3
  • nixda

    |

    Die Einordnung von Hochwasserschutzmaßnahmen als überragendes öffentliches Interesse sorgt dafür, dass der Schutz vor Hochwasser bei Planungen und Entscheidungen zukünftig Vorrang hat. Hochwasserschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe über alle Ebenen hinweg. (GLAUBER: GRÜNES LICHT FÜR NOVELLE DES WASSERGESETZES
    KOMMUNEN WERDEN BEIM HOCHWASSERSCHUTZ ENTLASTET)
    Pressemitteilung Nr. 173/25
    Datum: 18.11.2025

    von der befriedigung eines kruden naturverständnisses einzelner steht da nix drin.
    auch nix davon, dass z.b. die eg-bewohner es schön und problemlos finden sollen, wenn ihre whg mal wieder abgesoffen ist

    1
    6
  • Steuerzahler

    |

    ‚ Hochwasserschutzmaßnahmen als überragendes öffentliches Interesse sorgt‘ aber nicht dafür das diese vergoldet werden.
    Schließlich gibt es noch andere und größere „Baustellen“ in D.

    4
    2
  • nixda

    |

    @steuerzahler
    was meinen sie mit “vergolden”?
    was meinen sie mit “wichtigeres”?
    etwa regenbrücke, ostspange und stadtbahn?
    oje oje oje, liebe wöhrdbewohner, für grossmannssucht lässt man euch absaufen?

    1
    2
  • Baldmitglied

    |

    Wir werden zu zweit nächste Woche sofort Mitglied im Widerstand! Das ist ja bodenlos, was da geplant wird. Ich würde SOFORT auf die Insel ziehen! Und kenne sie en detail, jedes Stück am Fluss seit mittlerweile 3 Jahrzehnten. Und kann mich erinnern, es gab einen Morgenspaziergang mit meinem Hund, nachdem ruckzuck wegen „Hochwasserschutz” beim TUS das Ufer baumfrei gemacht wurde und hab entdeckt, die Pappeln unterhalb des RT-Bads waren frisch gekennzeichnet, um da weiter abzuholzen. Der Alarmismus in meinem Kopf beim Anblick dessen, meine Anschlusshandlungen und die sofortige Aktivität der Anwohner haben das gottseidank kurz vor knapp aufhalten können. Heute ist diese Schwarzpappelallee ein Naturdenkmal. Aber war knapp.
    Ich glaube seitdem, in Sachen Hochwasserschutz entsteht viel an Schreibtischen, weit entfernt, und diese Schreibtische möchten auch weiter solche bleiben. Diese Stadt ist so alt und schön und lebt so lang schon mit diesem Fluss, seinen Hochwässern oder sogar Eisstössen. Einfach mal an der Wurstkuchl die dokumentierten Hochwasserstände anschauen: Möchte ich einem dieser Schreibtischsitzer zurufen!
    Und falls einer der Hausbesitzer am Ufer sein Haus gern loshaben will und mit einem „Hochwassersicheren” tauschen, bitte melden! Ich schau es mir gern an und lebe dann am Fluss. Das ist sehr schön, glaub ich. Und ich freue mich, dass Dieter Wieland mit seiner unvergleichlichen Doku auf der Vereinssseite gewürdigt wird. Schaut Euch das mal an!

    9
    3
  • Alfred Santfort

    |

    Hochwasserschutz ist fraglos eine richtige und wichtige Angelegenheit. Die Frage, ob die Gefährdungen eines 100 – jährigen Hochwassers im Fall des hier in Rede stehenden Schutzgebietes im richtigen Verhältnis zu den Kosten und den sonstigen Folgen steht, darf aber gestellt werden. Ein Vergleich mit dem engen Ahrtal hinkt, denn die Umgebung des Schutzgebietes lässt auch bei erheblich zunehmenden Wassermassen einen wesentlich langsameren Anstieg der Donaupegel erwarten.

    Klar ist, der von der Stadt beschaffte Hochwasserschutz hilft nur wenige Tage und schon gar nicht bei einem 100 – jährigen, denn er hilft im Fall 1 nicht gegen ansteigendes Grundwasser und wird lang vor dem 100 – jährigen überflutet. Aber Zeit, Werte und gar Menschen zu retten, die ist gegeben.

    Ich bin neugierig, wie die Sache weiter geht.

    1
    0

Kommentare sind deaktiviert

drin