Ist die Universität kein öffentlicher Raum? – Offener Brief an den Sprecher der Universität Herrn Alexander Schlaak

Sehr geehrter Herr Schlaak,

ich wende mich mit einem Offenen Brief an Sie, da es sich um eine öffentliche Sache handelt, der Benennung des Theatersaals im Studentenhaus bzw. des Gebäudes in „Elly Maldaque Theater“. In diesem Zusammenhang äußerten Sie der Presse gegenüber Dinge, die mich gelinde gesagt irritieren. Ich möchte dazu Stellung nehmen in der Hoffnung, auf einen fairen und offenen Diskurs.

1) Die Universität Regensburg stehe einer Umbenennung in „Elly Maldaque Theater“ ablehnend gegenüber.

Ich weiß nicht, auf welche Statistik oder Umfrage Sie sich berufen und ich bezweifle sehr, dass dem so ist. Unter den 19 Erstunterzeichnern der Initiative waren neben vielen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, wie beispielsweise Ex-Oberbürgermeisterin Frau Christa Meier oder der damalige DGB-Vorsitzende Willi Dürr, auch mehrere bekannte Mitglieder und Gruppierungen der Hochschule. So unterschrieb der SprecherInnenrat der Universität für eine Umbenennung, ebenso Herr Prof. Dr. Roland Hornung, Fakultät für Mathematik und Informatik und Mitglied des Freundeskreises Israel sowie der leider inzwischen verstorbene Herr Dr. Andreas Angerstorfer, damals wissenschaftlicher Angestellter bei der Katholischen Theologie.

Bei unserer Unterschriftensammlung für die Umbenennung auf dem Campus unterschrieben ca. 80 Prozent aller angesprochenen Studierenden. Der Rest gab an, sich vorher mehr informieren zu wollen und gegebenenfalls im Internet zu zeichnen. Nur ein verschwindender Teil lehnte rundweg ab.

Sie sollten sich auch in Erinnerung rufen, um was es bei der Sache eigentlich geht: Um die Erinnerung an eine Person, deren Schicksal wie kaum ein anderes als Menetekel für den aufkommenden Nationalsozialismus gilt. Kein demokratisch gesinnter Mensch kann vernünftigerweise gegen ein solches Ansinnen sein. Darum glaube ich nicht, dass die Universität, natürlich in ihrer Gesamtheit gesehen, einer Umbenennung ablehnend gegenübersteht. Ihre Aussage ist zu berichtigen.

2) Es gäbe keinen direkten Bezug zwischen Maldaque und der Universität

Folgt man dieser Ihrer Argumentation, dürfte es auch keine „Anne Frank“ oder „Sophie Scholl Schule“ geben, denn diese waren wohl kaum in den unzählbaren Schulen, die deren Namen tragen, Schülerinnen.

Außerdem, ein „direkter Bezug“ kann nie eine hinreichender Grund sein. Viel wichtiger sind Persönlichkeit und öffentliche Wirkung einer historischen Figur. Bei einer Benennung geht es zuerst um den Vorbildcharakter, um ein Beispiel, nach dem eine Gesellschaft sich richten kann.

Ich bedauere, dass Sie sich über den Sinn von Namensgebungen bislang so wenige fundierte Gedanken gemacht haben.

3) Eine Erinnerung an die Lehrerin müsse im öffentlichen Raum stattfinden – etwa durch die Benennung von Straßen und Plätzen.

Ist eine Universität kein öffentlicher Raum? Eine Hochschule sollte meines Erachtens im Zentrum der Gesellschaft stehen. Von ihr gehen wichtige Impulse für Wirtschaft und Soziales aus. Und natürlich prägen Hochschulen auch das künstlerische und gesellschaftliche Leben. Dass, Ihrer Aussage nach, eine Universität ein nicht öffentlicher Raum sei, ist meines Erachtens eine sehr bedenkliche Annahme.

Im übrigen, um nur kurz auf die rechtliche Seite einzugehen: Die Regensburger Universität ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft, keine Privatuniversität!

Doch, selbst wenn ich Ihrer Behauptung folge, die Uni sei kein öffentlicher Raum. Was ändert das? Zehntausende Studierende besuchen jedes Jahr die Hochschule. Wäre es da nicht lohnend, wenn diese durch den Theaternamen etwas von der Person Elly Maldaque und damit auch von der Regensburger Geschichte erführen?

4) Die Erinnerung im öffentlichen Raum werde seitens der Universitätsleitung keinesfalls in Frage gestellt.

Es freut mich sehr, dass wenigstens in diesem Punkt keine Meinungsverschiedenheit herrscht: An Elly Maldaque soll und muss erinnert werden. Natürlich wäre die Benennung einer Einrichtung auch außerhalb der Universität sehr zu begrüßen. Ich habe in dieser Richtung, beispielsweise bei der Umbenennung der ehemaligen Hans-Herrmann-Schule, mein Möglichstes versucht.

Doch die jüngsten Ereignisse zeigen, dass eine Namensdiskussion an der Universität und speziell im Kulturbereich dringlicher denn je ist, dass diese Universität inzwischen ein „Elly Maldaque Theater“ braucht, um sein Renommee wieder herzustellen.

Gerade diejenigen Kulturgruppen, die sich am entschiedensten gegen ein Elly Maldaque Theater aussprechen, verweigerten bislang kategorisch jede Diskussion. Sie besuchten keine Informationsveranstaltungen zu Elly Maldaque, noch von uns inszenierte Theaterstücke über ihr Leben. Das Prinzip der berühmten drei Affen scheint die Devise: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Ist dieses Verhalten einer Bildungseinrichtung würdig?

Ebenso Studentenwerk und Universitätsleitung. Kein Repräsentant war je in einer entsprechenden Veranstaltung, obwohl wir jedesmal ausdrücklich dazu einluden.

Stattdessen wurde alles getan, um Hinweise auf unsere Initiative zu unterbinden. Angefangen bei der Zensur eines entsprechenden Eintrags im Vorlesungsverzeichnis, ebenso im gemeinsam von Uni und Studentenwerk herausgegebenen Spielplan „kultUR“. Schließlich soll jetzt unser Engagement mit einem Auftrittsverbot zunichte gemacht werden.

Ist es nicht der beste Beleg für den Namen „Elly Maldaque Theater“, dass offensichtlich kein vernünftiges Argument dagegen vorgebracht werden kann? Dass Studentenwerk und Universität nichts anderes bleibt, als Mobbingmethoden anzuwenden: ignorieren, ausgrenzen und strukturelle Gewalt?

5) „Die offizielle Gebäudebezeichnung, wie sie von Universität und Staatlichem Bauamt festgelegt wurde, ist Studententheater.“ Wie jedoch das in dem Gebäude befindliche Theater genannt werde, sei Sache des Pächters – also des Studentenwerks.

Soll es wirklich immer so weitergehen? „Studententheater“ steht drauf, aber „Theater an der Uni“ ist drin? Und nur deshalb, weil Universität und Studentenwerk ihren peinlichen und jahrzehntelang währenden Namensstreit kaschieren wollen?

Und wie soll das praktisch aussehen? Sollen die Theatergruppen zukünftig beide Namen auf ihre Plakate drucken? „Theater an der Uni“, weil dies das Studentenwerk erzwingt, „Studententheater“, damit das Publikum anhand der Gebäudeaufschrift überhaupt eine Chance hat, das Theater zu finden?

„Elly Maldaque Theater“ oder „Elly Maldaque Theater an der Uni“ für Gebäude und Saal würde diesem unseligen Namensstreit ein Ende machen.

Vielleicht wird die Universität irgendwann einknicken und über dem Eingang „Theater an der Uni“ dulden. Wofür aber steht dann dieser Name? Dafür, dass Universität und Studentenwerk mit vereinten Kräften ein Gedenken an ein Opfer von Gewalt und Willkür verhinderten.

Kann die Universität das wirklich wollen?

Mit freundlichen Grüßen
Kurt Raster / ueTheater

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Kommentare (1)

  • Prometheus

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    Der Bezug zu unserer Universität ergibt sich allein schon deshalb, weil diese in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bezirkskrankenhaus erbaut wurde, in das Elly Maldaque eingeliefert wurde und aus dem sie nicht mehr zurückkehrte. Universität als Ort des wissenschaftlichen Hinterfragens, der Freiheit, der Selbstverwaltung sollte auch ein kritisches Gegenüber sein zu Einrichtungen, die zum Disziplinieren und Exempel-Statuieren missbraucht werden. Gerade in einer Zeit, in der sich erneut „rechte“ Stimmen immer unverschämter und ungehinderter äußern können.

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