Stellenstreichungen am Uniklinikum Regensburg sind ein „fatales Signal“: Medizinstudierende schreiben Offenen Brief an Minister Blume und Gerlach
Wegen des geplanten Abbaus von Arztstelllen schlagen nun Medizinistudentinnen und -studenten Alarm. Das werde auf Kosten von Lehre und Patienten gehen. Im kommenden Semster müssen am Uniklinikum 50 Prozent mehr Studierende betreut werden.

Die Kritik am Stellenabbau am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) verstummt nicht. Durch Recherchen von regensburg-digital kam heraus: 40 Arztstellen sollen auf Druck von Wissenschaftsminister Markus Blume hin wegfallen – aus Kostengründen. Sechs Prozent der gesamten Ärzteschaft am UKR.
Zuletzt hatte der UKR-Vorstand diesen Abbau kleingeredet. Dem widersprechen nun die Fachschaft für Humanmedizin Regensburg und die Fachschaft Medizincampus Niederbayern deutlich.
Kaum Zeit für praktische Lehre: Arbeitsdruck für Ärzte bereits jetzt „unerverhältnismäßig hoch“
Sie haben sich mit einem Offenen Brief an Gesundheitsministerin Judith Gerlach und Wissenschaftsminister Markus Blume gewandt und nennen die Kürzungen ein „fatales Signal“. Die Einsparungen gingen zulasten der Lehre.
Schon jetzt bleibe für praktische Anleitung und individuelle Betreuung kaum Zeit. „Grund hierfür ist der unverhältnismäßig hohe Arbeitsdruck, mit dem Ärztinnen und Ärzte bereits jetzt konfrontiert sind und der sie zu chronischer Mehrarbeit zwingt.“ Doch gerade der Kontakt mit Patienten unter Anleitung erfahrener Kolleginnen und Kollegen sei in der Ausbildung essenziell.
Die Befürchtung: Durch den Stellenabbau werde die Zeit für Lehre und praktische Ausbildung weiter sinken. Leidtragende seien auch Patientinnen und Patienten.
Stellenabbau – obwohl die Zahl der Studierenden deutlich steigt
Am Standort Regensburg kommt erschwerend hinzu, dass ab dem kommenden Wintersemester die erste Kohorte des Medizincampus Niederbayern in den klinischen Abschnitt des Studiums wechselt.
Rund 100 Studierende pro Jahr zusätzlich müssen dann betreut werden – 50 Prozent mehr, bei gleichzeitig reduziertem Lehrpersonal. „Diese Entwicklung steht im Gegensatz zum Anspruch an eine hochwertige medizinische Ausbildung.“
Die Studierenden fordern einen sofortigen Stopp des Stellenabbaus und eine verbindliche Sicherung der Ausbildungsqualität.
Marburger Bund: „Wer so handelt, verschärft den Ärztemangel sehenden Auges.“
Solidarität erfahren die beiden Fachschaften von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. „Wer heute ärztliche Stellen an einem Universitätsklinikum abbaut, gefährdet nicht nur die Patientenversorgung, sondern auch die Ausbildung der Ärztinnen und Ärzte, die wir morgen dringend brauchen“, erklärt Bayern-Vorsitzender Dr. Andreas Botzlar.
„Mehr Medizinstudierende auszubilden und gleichzeitig ärztliche Stellen abzubauen, ist ein eklatanter Widerspruch. Wer so handelt, bekämpft den Ärztemangel nicht, sondern verschärft ihn sehenden Auges.“
Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU) hatte sich bislang aus der Debatte um den Stellenabbau weitgehend herausgehalten und die Kommunikation darüber auf den UKR-Vorstand abgewälzt. Der hatte zunächst versucht, Berichte über den Stellenabbau bei regensburg-digital mit Anwaltsschreiben zu unterbinden.
UKR-Vorstand: „In der Industrie hätte damit niemand ein großes Problem.“
Erst nach breiter Berichterstattung und Debatten im bayerischen Landtag sahen sich Vorstandsvorsitzender Professor Oliver Kölbl und Kaufmännische Direktorin Sabine Lange auf Druck von Minister Blume am 25. Juni zu einer Pressekonferenz veranlasst.
Dort nannten beide die Lage am UKR ernst, erklärten den Stellenabbau aber für nichts Ungewöhnliches. „In der Industrie hätte damit niemand ein großes Problem“, so Kölbl damals. Er selbst müsse als Direktor der Klinik für Strahlentherapie eine Vollzeitstelle streichen, sagte Kölbl. „Das schaffe ich auch mit einem Arzt weniger. Das wird bei anderen auch so sein.“
Diese Gelassenheit teilen die angehenden Ärztinnen und Ärzte offenkundig nicht.


Lilith
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Warum wohl kündigen viele Ärzte an der Uni grade?
Warum ist die Stimmung brutal schlecht?
Kreisky
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„In der Industrie hätte damit niemand ein großes Problem“, so Kölbl damals.
Wenn das alles so einfach zu verdauen ist, dann hat man wohl vorher einfach bei der Einstellungspolitik versagt und viele Leute geholt, die man gar nicht braucht. Ganz schönes Missmanagement. In der Industrie würde man da vielleicht auch mal die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen?
Ilka Greßner
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“In der Industrie hätte damit niemand ein großes Problem”, so Kölbl damals. Ja, nun die Industrie behandelt aber keine Menschen! Ein großer Unterschied würde ich meinen! Wir Menschen allgemein sowie Patienten*innen sind keine Maschinen! Grüße, ärztliche Kollegin
Günther Herzig
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@Lilith
29. Juli 2026 um 17:25
Können Sie das präzisieren? Wieviele haben gekündigt? Ist etwas bekannt über die Gründe?
Ist über den Umfang der normalen Fluktuation etwas bekannt?
“Am Standort Regensburg kommt erschwerend hinzu, dass ab dem kommenden Wintersemester die erste Kohorte des Medizincampus Niederbayern in den klinischen Abschnitt des Studiums wechselt”
Diese Studierenden sind ja dann an der Klinik. Ich würde auch gerne wissen, ob und wieviele Assisitenzärztinnen Verträge mit reduzierter Stundenzahl vereinbart haben (1/2 oder 1/3 )? Dieses Problem ist ganz deutlich bei der Justiz festzustellen, dass nach Erreichung der Anstellung auf Lebenszeit, durchaus so verbindlich geregelt, aus familiären Gründen eine Kürzung verlangt wird.
Studi
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@Günther Herzig
30. Juli 2026 um 06:12
Ich kann Ihnen aus zweiter Hand den Stand einer Abteilung innerhalb der letzten 3 Jahren sagen: Innerhalb der letzten drei Jahren ist KEIN Externer Facharzt oder Oberarzt in die Abteilung gekommen. Währenddessen sind zwei erfahrene Oberärzte gegangen, zusätzlich hat eine quasi die Abteilung gewechselt. Normalerweise gibt es im Uniklinikum dann genug Assistenzärzte die nachkommen und oft direkt nach dem Erhalt des Facharztes zum Oberarzt befördert werden, aber selbst das hat nur einer in den letzten Jahren durchgemacht, bzw alle anderen zwischenzeitlichen frischen (Funktions-)Oberärzte sind mittlerweile gegangen. Alle anderen sind direkt nach dem Facharzt gegangen obwohl oder gerade weil sie sofort zum Oberarzt befördert worden wären. Aktuell wird da geschaut wie man Altassistenten die gerade einmal gut 80% der Facharztausbildung absolviert haben zu Funktionsoberärzten macht. Aktuell haben dort 50% der Ärzte weniger als 2,5 Jahre Berufserfahrung. Sie sehen also an den Zahlen, dass das Problem nicht darin liegt keine Assistenzärzte zu finden, sondern sie zu halten.
Zum Vergleich: Die Uniklinik Würzburg hat in diesem Bereich fast doppelt so viele angestellte Ärzte (sofern die Website aktuell ist, die des UKR ist es nicht), obwohl Regensburg ein um etwa 50% größeres Einzugsgebiet hat als Würzburg.
Lilith
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@Günther Herzig
Die Stimmung ist einfach sehr schlecht. Auch ich kenne erfahrene OÄ, die gegangen sind bzw. jetzt gehen. Es kommt auch kaum jemand nach.
Ich gebe @Studi komplett recht.
Würde auch als Pat. nicht an die Uni gehen.
nixda
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@studi
Ist es richtig, dass ein funktions-oberarzt zwar das profil eines oa hat, aber das gehalt eines assistenzarztes?
Lilith
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@nixda:
Es gibt keine feste Definition eines Funktions OA. Das ist von Haus zu Haus unterschiedlich.
Studi
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@nixda
30. Juli 2026 um 12:41
Meine Informationen, aus zweiter Hand, sind, dass Funktionsoberärzte prinzipiell die Aufgaben eines Oberarztes übernehmen können (natürlich sind Sie nicht zu allem in der Lage), aber nicht auf einer Planstelle als Oberarzt angestellt sind. Dementsprechend sind sie auch als Assistenzärzte und Fachärzte gehaltlich eingruppiert, nicht als Oberärzte. Es kann natürlich sein, dass es dafür irgendwelche Zuschläge gibt, aber auf jeden Fall nicht viel.
Prinzipiell ist das System des Funktionsoberarztes ja nicht schlecht. Man kann Verantwortung übernehmen und sich auf den nächsten Karriereschritt vorbereiten, auch wenn keine Planstelle gerade frei ist. Im Idealfall kann ein Funktionsoberarzt dann bei Rückfragen der Assistenzärzte helfen und zum Beispiel auch unterschreiben und Entscheidungen treffen wo man sonst einen Oberarzt bräuchte. Die erfahreneren Oberärzte können sich als Experten dann um die echten Spezialfälle kümmern. Unter diesen Voraussetzungen finde ich es auch verständlich, dass Funktionsoberärzte kein Oberarztgehalt verdienen. Der finanzielle Unterschied zwischen einem Facharzt mit ein bisschen Erfahrung und einem frischen Oberarzt ist eh nicht so groß.
Zum Problem wird das ganze nur dann, wenn man Leute in die Position drängt, weil man nicht genug (Funktions-)Oberärzte hat um die Patientenversorgung aufrecht zu erhalten.
Und um das noch klarzustellen: Zwischen Assistenzarzt und Oberarzt befinden sich normalerweise auch noch fertig ausgebildete Fachärzte die keine Oberärzte sind.
Daniela
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Wenn ich die Kommentare hier so lese, verstehe ich nicht, warum überhaupt ÄrztenInnen gekündigt werden soll. Wenn hochqualifizierte Fachärzte reihenweise kündigen und sich anderen Ortes Arbeit suchen.
Schwer ist das nicht, lese man im Ärzteblatt, sowohl im Inland, als auch in Nachbarländern wird stetig nach hochqualifizierten Fachärzten gesucht.
Und wundern muss man sich nicht, dass gerade Ärzte, die ständig neuen Sparzwängen neuer Reformen unterworfen werden, das Weite suchen.
Allerdings erfreute mich heute die Nachricht, dass sich offensichtlich die GKVs auf die Hinterfüsse stellen und die 10 bis 12 Mrd. fordern, die Leistungen von Bürgergeldbeziehern sind. Zeit wirds!
Anonymus
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Hr. Kölbl sollte anstatt seines unsäglichen Industrievergleiches lieber mal ausführen, auf welcher Grundlage die Stellenreduzierungen stattfinden.
Es handelt sich bei den betroffenen Kollegen um überwiegend seit Jahren beschäftigte, teils hochqualifizierte Mitarbeiter. Diese werden auf Grund des universitären Sonderstatus mit befristeten Kettenverträgen beschäftigt, was sich bei Berufsbeginn mit 25-27j bis in die späten 30er hinzieht. Also häufig junge Eltern betrifft, welche doch eine gewisse Planungssicherheit erwarten dürfen. Nun werden diesen Mitarbeitern kurzfristig keine neuen Verträge ausgestellt, teilweise mit nur wenigen Wochen Vorlaufzeit.
Es findet keine offene Kommunikation darüber statt wen es trifft, wie die Planungen für die Zukunft sind und wer hier wie lange arbeiten “darf”. Teilweise erfahren Mitarbeiter über nicht genehmigte Dienstreisen aus der Verwaltung, dass sie ab Januar keinen Arbeitsvertrag mehr haben. Es herrscht nun unter sämtlichen Assistenzärzten eine total Verunsicherung, welche mehr als verständlich ist.
Die Folge wird sein, dass reihenweise Ärzte sich andere (sichere) Jobs suchen, und absehbar nächstes Jahr aktiv um Mitarbeiter geworben werden muss um den Laden irgendwie am laufen zu halten.
Weder Hr. Kölbl noch andere Mitglieder des Vorstandes werden ab Januar nachts am Wochenende in der Notaufnahme stehen, operieren, die Intensivstationen besetzen.
In der ganzen Thematik wird vollständig ignoriert, dass es sich in den meisten Fachbereichen ein Ärztemangel am Markt besteht. Dennoch wird munter in blindem Aktionismus mit der Axt gekürzt, indem einfach alle Mitarbeiter mit auslaufendem Vertrag unabhängig von individueller Leistung, Ausbildungsstand, und dem Bedarf der Abteilungen signalisiert wird dass sie keine neuen Verträge erhalten. Diese (notwedigen!) Stellen nachzubesetzen wird in Anbetracht der momentanen Marktlage nicht sinnvoll möglich sein, vor allem bei dem sich aktuell erarbeiteten Ruf wird das sicher schwierig.
Hr. Kölbl sollte mal also doch mal konkret einen Industriebetrieb nennen, in dem so vorgegangen wird. Dies ist zum einen rechtlich normalen Arbeitgebern überhaupt nicht einfach so mal möglich, da vergleichbare Mitarbeiter längst unbefristete Verträge hätten, der Personalrat einbezogen werden müsste, Abfindungen gezahlt etc. Weiter wäre kein Unternehmen so kurzsichtig derartig mit denjenigen Mitarbeitern umgeht, welche wesentlich die Arbeitsleistung erbringen. Ganz zu schweigen dass es sich in den meisten Disziplinen um Mangelberufe mit langer Qualifikationszeiten handelt.
Insgesamt spiegelt diese Aussage leider ganz gut das Bild wieder, dass der Vorstand hier hinterlässt: Abgehobenheit, Arroganz, fehlende Empathie gegenüber den Mitarbeitern und inhaltliche und fachlich inkompetent.
Es besteht der Eindruck, dass die Personalabteilung seit Hr. Blumes letztem Besuch am UKR völlig unreflektiert einer politischen Vorgabe nachrennt. Die Lösung der bestehenden finanziellen Probleme wird darin gesehen so schnell wie möglich diejenigen loszuwerden die befristet Beschäftigt sind, um kurzfristig die Bilanz aufzuhübschen.
Eine inhaltliche Prozessoptimierung, Ausrichtung des Profils, Reduzierung von nicht notwendigen Bereichen etc. scheint zu kompliziert.
Die Konsequenz der jetzigen Politik ist, dass entgegen nie besetzter ursprünglicher Bedarfsplanungen nun mit noch weniger Personal die gleiche (oder besser noch mehr) Arbeit gemacht werden soll. Probleme die sich aus dem Personalmangel ergeben, wie etwa nicht tarif- und arbeitsrechtlich konforme Dienstpläne, unerträgliche Arbeitsverhältnisse etc. werden mit völlig unsachlichen und an den Haaren herbeigezogenen Begründungen wie Erlöse pro Arztstelle etc. weggeredet. Letztlich wird am UKR das Gewerbeaufsichtsamt die Personalplanung übernehmen müssen, oder es wird auch mal gesagt werden müssen dass eine Leistungsreduzierung und weitere Verkleinerung des Betriebs in unausweichlich ist.
Anonymous
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Zum Jahreswechsel wurde die tarifliche Wochenarbeitszeit an der Uniklinik von 42 auf 40h (ohne zusätzliche Stunden durch Dienste) gesenkt. Wie werden denn bei 600 Ärzten die 1200 Wochenstunden denn kompensiert, und sogar gleichzeitig jetzt Personal abgebaut?
Wenn das ohne Leistungsreduzierung oder Mehrbelastung des verbleibenden Personals geht muss da jemand ganz schön zaubern können…
Hans
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der Vorstand war und ist das Problem des UKR.
Ärzte wirft man raus, sagt aber nicht, wer dann das Geld verdienen soll fürs UKR.
Man leistet sich juristische Kleinkriege mit einer leitenden Oberärztin (und verliert!)
Derweil bleiben seit Langem erfolglose Vorstände in ihren warmen Nestern als hätte das UKR keinen Aufsichtsrat.
Das UKR hat ein Führungsproblem. Nicht ein Ärzteproblem.