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„DemoCrazy“

„Noch nie so politisch.“ Die Internationale Kurzfilmwoche Regensburg steht bevor.

Eine Frau, die aussieht wie Donald Trump, eine Kneipenschlägerei anlässlich seiner Wahl, aber auch Scopitones im Gewölbe, Tanz und Arthouse – am Donnerstag startet die Kurzfilmwoche.

Programm vom 5. bis zum 15. März: eine Kurzfilmwoche dauert zehn Tage. Foto: Johannes Liebl

Licht aus, Film ab. Der Trailer der Internationalen Kurzfilmwoche (KuFi) eröffnet die Pressekonferenz. Schnell flimmern Bilder über die Leinwand, als liefe ein endlos langer, bunter Zug vorbei. Das Gehirn ist kurzzeitig überfordert. Aber schnell macht die Überforderung einem anderen Gefühl Platz: Neugier.

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Internationale Kurzfilmwoche startet am 5. März

Die 32. Ausgabe der Kurzfilmwoche läuft vom 5. bis zum 15. März 2026 in sechs Kinos. Aus mehr als 2.500 Einsendungen wählte das Festival-Team um Amrei Keul, Gabriel Fieger und Michael Fleig 256 Kurzfilme in 56 Programmen aus. Sie kommen aus 59 Ländern.

Im Zentrum der Veranstaltung: Vier Wettbewerbe mit zehn Preisen im Gesamtwert von 15.500 Euro.

Fünf Kinos und ein Atelier

Die bekannten Kinos im Leeren Beutel, dem Andreasstadel, dem Ostentorkino und dem W1 – Zentrum für Junge Kultur werden durch das Regina-Kino und einen Gewölbekeller im Atelier Obere Bachgasse 18 ergänzt.

Besonders der neue Kulturort mitten in der Altstadt wird die Herzen bei Freuden des Analogfilmes höher schlagen lassen. An zwei Tagen laufen dort sogenannte „Scopitones“. Das sind Vorläufer des Musikvideos auf 16-mm-Film.

Kino für alle

Es gibt eine barrierefreie Veranstaltung inklusive Gerbärdendolmetscher, Kino für Kinder und einen Kurzfilm-Event für Einsteigerinnen. Ein Sonderprogramm mit sechs internationalen Tanzfilmen. Arthouse-Fans kommen bei einer Retrospektive des Kurzfilmwerks von David Lynch auf ihre Kosten.

Zwei feministische Formate werden anlässlich des jährlichen Frauenkampftages am 8.März gezeigt. Das ganze Programm gibt es hier.

Demokratie im Fokus

„Wir hatten noch nie so ein politisches Programm“, sagt Gabriel Fieger aus dem Kuratoren-Team. Zum Beispiel den Slot „Fokus Demokratie“. Mit Blick auf die unsichere weltpolitische Lage und die anstehenden Kommunalwahlen in Bayern gibt es hier zwei Schwerpunkte. Im Zentrum steht die Frage: Was bedeutet Demokratie? .

Das erste Format „DemoCrazy“ nimmt Debattenkultur und demokratische Prozesse in den Blick. Im zweiten Programm „USofA“ steht die Frage im Fokus, ob die politischen Verwerfungen innerhalb der USA in einen „Unbearable State of Autocracy“ führen? Auf Deutsch: zu einem untragbaren, autokratischen Staat.

Experten im Gespräch

Dr. Michael Fleig und Dr. Herbert Schwaab sind Medienwissenschaftler an der Universität Regensburg. Fleig ist einer der Kuratoren der Kurzfilmwoche. Er nutzt die Schnittstelle, die sich zwischen universitärer Forschung und Kurzfilmwoche ergibt. Vor zwei Jahren brachte er sein Forschungsthema Kanada in das Programm ein.

Daraus entstand auch die Idee, 2026 die USA zu thematisieren. Eigentlich fokussierten sich die Kuratorinnen der KuFi eher auf unbekanntere Länder, um der dortigen Kurzfilmszene Sichtbarkeit zu verleihen. Doch die politische Lage in der ältesten, modernen Demokratie der Welt zwinge einen förmlich dazu, so der Medienwissenschaftler.

The Donald – ein Leben wie im Fernsehen

Die Politik des US-Präsidenten Donald Trump wird immer wieder mit einer TV-Show verglichen. Fleig: „Trump ist nicht der Irre aufm Amoklauf. Er weiß eben sehr gut, was er tut.“

Der Forscher spielt darauf an, dass Trump der Logik von Unterhaltungsformaten folgt. Sein Wahlkampf 2016 war wie ein Serien-Kickoff aufgebaut – mit Teaser, Trailer und Spannungsbogen.

Sein Kollege Schwaab ergänzt, Inszenierung in der Politik finde man immer. Auch die Kopplung an die Medien sei nicht neu. Vor allem Reagan habe bewusst mit Narrativen gespielt, zum Beispiel aus Star Wars. Doch was Trump abliefere, sei etwas völlig neues.

Humor als Waffe

Die Kurzfilme aus dem Programm USofA beschäftigen sich auf humorige Art und Weise mit der ersten Amtszeit von „The Donald“. Ist das angesichts der aktuellen Entwicklungen noch angemessen?

Humor sei grundsätzlich eine bewährte Waffe, um Distanz zur unbequemen, absurden Realität zu schaffen, so Fleig. Schwaab ergänzt: „Die Amis sind ein bisschen ratlos.“ Konnte man sich in der ersten Amtszeit noch über das Theater lustig machen, werde es in der zweiten Amtszeit bedeutend schwieriger.

Comedians seien in den USA seit Langem als politisches Gegengewicht unterwegs. „ Aber“, so Schwaab weiter, „der größte Witz ist, Robert F. Kennedy Jr. zum Gesundheitsminister zu machen. Wer soll das noch toppen?“

Deshalb brauche es ästhetische Filme, die etwas wiedergeben. Es läuft beispielsweise eine Doku, die den Wahlabend 2016 in einem Pub einfängt. Zu Beginn sind die Leute fröhlich und ausgelassen. Sie sind sicher, Trump wird nicht gewinnen.

Doch während die Zahlen für Trump immer weiter zu nehmen, sinkt die Stimmung im Lokal. Man sieht Konflikte, irgendwann gibt es eine Schlägerei. Die Doku sei unglaublich ergreifend, sie gebe die Emotionen sehr gut wieder, so Schwaab.

Ist der Meinungsstreit in Gefahr?

„Demokratie bedeutet nicht nur das harmonische Miteinander“, sagt Fleig, „sondern Meinungsaustausch.“ Beide Wissenschaftler beobachteten allerdings eine Diskursverschiebung hin zum Gefühl.

Der Filmbeitrag „Grimms Nightmare“ behandelt am Beispiel des Märchens Rotkäppchen Dinge, die sich auch auf die Politik übertragen lassen. Die Prämisse des Filmes ist: Der Wolf ist böse und Rotkäppchen muss gerettet werden.

Zentrale Mechanismen – wie Menschen sich in Gruppen stabilisieren, wer Freund und wer Feind ist – erklärt eben nicht nur der politische Philosoph Carl Schmitt, sondern auch der böse Wolf.

Mit Rechten reden?

Viele Rechte verweigern sich dem Diskurs. Sie behaupten abstruse Dinge, die jeglichen Bezug zu Fakten und Realität verloren haben. Es stellt sich die Frage, wie sinnvoll der Meinungsaustausch noch ist? Wenn klassische Argumente fehl gehen, hilft vielleicht die Kunst? Filme eröffnen Darstellungsräume, die zur Kommunikation anregen.

Der schwedische Kurzfilm „Grab Them“ etwa zeige eine Frau, die aussieht wie Donald Trump. Er wisse gar nicht, was er damit anfangen solle, sagt Schwaab. Das funktioniere jenseits von irgendwelchen weltanschaulichen Differenzen, Polaritäten und Feindbildern.

„DemoCrazy“ läuft am 7.März um 19 Uhr und am 10. März um 20 Uhr. „UsofA“ am 8. März um 14:30 Uhr und am 10. März um 18 Uhr. Alle Screenings finden im W1 statt. Es gibt Podiumsdiskussionen mit Experten, Darstellerinnen und Regisseuren.

Alle Informationen auf www.kurzfilmwoche.de

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