OB-Kandidatin Lisa Brenner: „Klar, ich habe einen Fehler gemacht.“
In den letzten Monaten wurde OB-Kandidatin Lisa Brenner (Volt) mit Antisemitismusvorwürfen konfrontiert. Die Anschuldigungen kamen von einem ehemaligen Parteimitglied. Was ist ihre Sicht der Dinge? Und wie geht man mit so etwas um?
Mittagszeit in einem Regensburger Lokal. Links und rechts sitzen Menschen an Tischen und essen. Im Hintergrund läuft Musik – „Money for Nothing“ von den Dire Straits. Lisa Brenner hat sich diesen Gesprächsort ausgebeten. Kein privater Rahmen. Öffentlich. Ein ehemaliger Parteikollege wirft ihr Antisemitismus vor. Wir haben mehrfach darüber berichtet.
Die Zeit sei sehr hart gewesen, sagt sie. Es gab vieles, dass auf sie einprasselte. Reddit, YouTube, Instagram, TikTok, Zeitungsartikel, Pressemitteilungen und sogar anonyme Anrufe. Das habe sie sehr mitgenommen.
Auslöser: Debatte um Antisemitismus-Definition
Die Angst, dass sich die Vorwürfe auf ihr Privatleben auswirkten, war groß. Wie würde ihr Arbeitsumfeld reagieren? Würden ihre Kinder in der Schule damit konfrontiert werden? Was denken ihre Parteikolleginnen? All das beschäftigte die dreifache Mutter, Heilerziehungspflegerin – und Kommunalpolitikerin. Warum gerade sie von dieser Kampagne getroffen werde, verstehe sie nicht.
„Klar, ich habe einen Fehler gemacht“, sagt sie, und spielt damit auf einen internen Vorfall in der Partei an.
Volt hatte im November 2025 über die parteiinterne Antisemitismus-Definition abgestimmt. Zur Auswahl standen die IHRA-Definition und die JDA-Definition. Nach teils kontroversen Debatten fiel die Wahl der Mitglieder auf die JDA-Variante. Im Nachgang kam es bei Volt Bayern zu innerparteilichem Streit.
Ein versehentlicher Smiley…
Dabei ging es auch um Chats, in denen ein Teilnehmer zur Jagd auf Mitglieder des parteiinternen „Jewish Safer Space“ (JSS) aufrief, einer Organisation, die sich für die Belange jüdischer Menschen bei Volt Deutschland einsetzt. Diese hatte zur Abstimmung für die IHRA-Definition aufgerufen. Der Kommentar sei ironisch gemeint gewesen, heißt es. Frau Brenner markierte den „Jagd-Kommentar“ mit einem Smiley. Versehentlich, wie sie beteuert.
Sie habe damals sofort mit der Person gesprochen, von der die Aussage ausging, die schlussendlich zu einer offiziellen Verwarnung von Volt Deutschland führen sollte, wegen antisemitischen Äußerungen – sowohl für die Person, die die Nachricht verfasste, als auch für Frau Brenner.
„Ein Kommunikationsfehler“
Das Gespräch fand allerdings im direkten Austausch statt. Heute wisse sie, dass sie falsch gehandelt habe. Sie hätte den Vorfall im Chat ansprechen und klären müssen. Aber die Dinge lägen nun mal anders.
Deshalb habe sie die Konsequenzen getragen. Sie habe sich parteiintern mehrfach entschuldigt, habe allen deutschen Landesvorständen Videocalls angeboten und sich persönlich bei ihr bekannten jüdischen Mitgliedern entschuldigt.
Aber nicht für eine bewusste antisemitischen Aussage, sondern für einen dummen Kommunikationsfehler, der nie hätte passieren dürfen, sagt sie.
Sie sei dankbar, dass Volt eine Partei sei, die sofort damit begonnen habe, den Vorfall aufzuarbeiten und Konsequenzen für die Zukunft daraus zu ziehen. Man wolle noch sensibler für Diskriminierungen und die Belange marginalisierter Gruppen werden.
Frauen häufiger unter Druck?
Aber, die Anwürfe hören nicht auf. Der eben erwähnte Vorgang veranlasste den ehemaligen Co-Landesvorsitzende Waetschi Wittmann zu einem Sturm an Antisemitismusvorwürfen.
Warum das so ist, darüber könne sie nur mutmaßen, so Brenner. Wittmann sei nie persönlich auf sie zugekommen. Auch habe es keine persönlichen Differenzen gegeben. Einmal habe sie in ihrer Rolle als Gleichstellungsbeauftragte von Volt Deutschland ein Video empfohlen, dass die Debatte um mögliche Antisemitismusdefinitionen in den Fokus nehme – laut ihrer Aussage ausgewogen und differenziert. Das habe Wittmann nicht gepasst. Wobei sie wiederum auf Bitten von anderen Parteimitgliedern reagierte, die sich mit Blick auf eine bestimmte Definition zu sehr unter Druck gesetzt gefühlt hätten.
Mehr falle ihr nicht ein. Ihr dränge sich der Eindruck auf, dass es vielleicht daran liege, dass sie eine Frau sei. Es stehe nämlich nicht der Fehler im Zentrum, sondern ihre Person. Das passiere eher Frauen.
Hohe Ansprüche an sich selbst
Zusätzlich käme hinzu, dass sie sich ihr ganzes Leben für die Schwachen und Benachteiligten in der Gesellschaft eingesetzt habe. Nicht zuletzt beruflich. „Es haben eben nicht alle die selben Chancen. Die selben Startbedingungen“, sagt sie mit Blick auf ihren Job als Heilerziehungspflegerin.
Dort betreue sie benachteiligte Kinder, die aus den verschiedensten Kulturkreisen kämen, den unterschiedlichsten Religionen angehörten und alle individuellen Förderbedarf hätten. Sie mache keinen Unterschied, zwischen niemandem. Dementsprechend hoch ist die Fallhöhe und das merkt man Brenner auch an.
Sie hätte nie im Traum daran gedacht, dass sie mit solchen Anwürfen konfrontiert werde.
„Jetzt erst recht.“
Gott sei Dank habe sie mit vielen Menschen – vor allem Frauen – darüber sprechen können. Das habe ihr sehr großen Halt gegeben. Immer wieder habe sie gehört, dass der Druck, den sie gerade verspüre, für viele ihrer Gesprächspartnerinnen der Grund sei, nicht in die Politik zu gehen.
Auch sie habe sich diese Frage gestellt. „Ist es das alles wert? Schließlich mache ich es in meiner Freizeit, als Ehrenamt“. Aber dann meldete sich ihre innere Stimme und sagte: „Jetzt erst recht.“ Eintreten für die Schwächsten der Gesellschaft. Dafür lohne es sich allemal, solche persönlichen Anschuldigungen in Kauf zu nehmen.
Gesprächsangebot an alle Parteien
Warum haben gerade die JuLis eine Pressemitteilung zu den Vorfällen rausgeben? Gibt es Animositäten zwischen Volt und der FDP? Glaubt sie, dass sich das Wählerklientel der beiden Parteien überschneidet? Fragen dieser Art wurden in der Kommentarspalte bei regensburg-digital aufgeworfen.
Es gebe keine Konflikte zwischen den beiden Parteien, sagt Brenner. Warum gerade die Jugendorganisation der FDP ein Pressestatement veröffentlichte, wisse sie nicht. Leider sei auch in diesem Fall niemand auf sie oder ihre Parteikolleginnen zugekommen.
Sie glaube nicht, dass sich die Wählerschaft der beiden Parteien groß überschneide. Aber sie biete allen Parteien Gespräche an, es sei wichtig miteinander, nicht übereinander zu reden.
Es gab viel Rückhalt.
Was war an den letzten Wochen positiv? Vor allem, dass sie so viel Rückhalt erfahren habe. In der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, in der Arbeit und nicht zuletzt in der Partei.
Es sei ihre größte Angst gewesen, dass ihr soziales Umfeld sich von ihr abwenden würde, nachdem die Vorwürfe aufkamen. Das habe sich nicht bestätigt. Im Gegenteil, und dafür sei sie unheimlich dankbar. Das gebe ihr Kraft für die Zukunft, um ihre politischen Ziele zu erreichen. Aktuell sei das der Einzug in den Regensburger Stadtrat, am besten mit drei Mandaten.
Ob und wie viel Stadträte es für die Partei Volt werden, wird sich am 8.März zeigen. Da sind Kommunalwahlen. Und gleichzeitig der Weltfrauentag. Ob das ein gutes Omen ist?
Das Gespräch endet, wie es begonnen hat. Am Nachbartisch wird gegessen und aus dem Radio dröhnt Musik, aber das Lied ist ein anderes. Nun läuft „Girls Just Want To Have Fun“ von Cyndi Lauper.
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Lisa Brenner (Volt)
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Heyhey,
ich möchte auch nochmal betonen dass sich JEDER gerne jederzeit bei mir persönlich melden kann.
Gerne via Instagram oder per Mail lisa.brenner@volteuropa.org
Viele liebe Grüße,
Lisa Brenner 💜
DN
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Danke für die Transparenz und Offenheit – so wünscht man sich das von Politiker:innen. Ich wünsche Frau Brenner auf ihrem politischen Weg viel Erfolg und gutes Gelingen. Sie scheint ein politisches Talent zu haben, auch in schwierigen Situationen kommunikativ klar und souverän zu bleiben.
Günther Herzig
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@Lisa Brenner (Volt)
17. Februar 2026 um 10:05 | #
und
@DN
17. Februar 2026 um 10:46 | #
Es ist berührend, wie sie Sich erklären. Und ich stimme Ihnen auch zu, dass Frauen nach wie vor in dieser Gesellschaft benachteilgt sind, zum Teil in Bereichen des Lebens, in denen es schwer auffällt. Ich werde gerne an die Mailadresse schreiben, wenn ich zu der Frage des Antisemitismus etwas im Gespräch vertiefen möchte.
Christopf
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bei all dem was so über Frau Brenner die letzten Tage berichtet wird, wird sie einem immer nur sympathischer, weil sie immer souverän darauf antwortet und sich nicht unterkriegen lässt. Krasse Beweise liegen nicht vor, sie steht zu sich selbst und sagt dass sie für alle Menschen einsteht und ist sogar transparent was ihre Fehler angeht, die jeder von uns mal macht. So sollte eine OB-Kandidatin auch sein. Ich hoffe sehr Volt kommt mit vielen Sitzen in den Stadtrat!
L. Müller
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Na, ja jetzt soll es bloß noch um eine Smiley-Panne gehen und als Problemträger um einen ehemaligen Co-Landesvorsitzenden, der eine Frau und Mutter mit einem Sturm an Antisemitismusvorwürfen überzieht??
„Aber nicht für eine bewusste antisemitischen Aussage, sondern für einen dummen Kommunikationsfehler, der nie hätte passieren dürfen, sagt sie.“
Neben dem Fakt, dass es auch unbewußte antisemitische Aussagen gibt, soll der ursprüngliche Kern der Auseinandersetzung, der Streit um die Definition von Antisemitismus, plötzlich keine Rolle mehr spielen?
Dass Volt im November 2025 mehrheitlich die IHRA-Definition verlassen und die JDA-Definition übernommen hat, liegt vermutlich daran, dass letztere hinsichtlich Israel-bezogenen Antisemitismus vergleichsweise unsensibel ist. Und die europäisch agierende Volt sich dadurch mehr Wähler erhofft.
Was mir bei der rd-Berichterstattung fehlt, ist eine Einordnung dieser Problematik. War im ersten Bericht dazu nur Schwammiges (angelehnt an die bpb) zu lesen, gibt es im obigen gar nix mehr.
Wieso werden die (ehemaligen?) Befürworter der IHRA-Definition nicht befragt und ihr Standpunkt nicht referiert? Was macht den Unterschied zwischen IHRA- und JDA-Definition aus?
(Das es Frauen nicht nur im politischen Raum schwerer haben, bestreiten vor allem Nutznießer der gesellschaftlichen Situation.)
Roman Serlitzky
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Ich finde es gut, dass man hier in Sachen Antisemitismus sehr sensibilisiert. Leider ist aber dieses Thema eines der sehr wenigen, wo sich linksorientierte einig sind. Es wäre wünschenswert, dass sich die Linke Bewegung in anderen Themen auch so einig wäre, oder zumindest kompromissbereitschaft zeigen würden.
Mittlerweile gibt es soviele “linke”, “woke” Parteien. Jede kocht sein eigenes Süppchen. Genauso verteilt sind dann aber auch die Wahlergebnisse: zumeist einstellig. 5% Hürden sind das dauernde Damoklesschwert dieser zahlreichen Kleinstparteien.
Warum fehlt bei jeder dieser linksorientierten Parteien der Mut zur Zusammenarbeit, der Mut zur Kompromissbereitschaft, der Mut zur Prioritätensetzung?
Eine große linke Volkspartei könnte man schaffen, bei der eine Prozenthürde gar nicht zur Diskussion steht, sondern allein eine Regierungsbildung das Ziel ist.
Trotz aller gegensätzlicher Ansichten sollte man sich in diesem Punkt vielleicht etwas von den konservativen abschauen. Warum sind sie so stark? Weil sie bereits VOR der Wahl Kompromisse finden, mit denen beide Parteien und ihre Wähler leben können. Bei allen linksorientierten dümpelt man seit Jahren so dahin.
Eva-Maria
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Ich kenne Lisa Brenner seit vielen Jahren. Und ich kenne sie als einen der aufrichtigsten, empathischsten und reflektiertesten Menschen, die ich in der Politik erlebt habe.
Wer sie wirklich kennt, weiß: Sie handelt nicht aus Kälte, Machtdenken oder Ideologie – sondern aus Haltung, Verantwortung und Menschlichkeit. Sie steht seit jeher für Respekt, Schutz von Minderheiten und den Einsatz für Menschen, die es schwerer haben im Leben. Beruflich wie politisch.
Ja, es gab einen Fehler. Und sie hat ihn nicht relativiert, nicht klein geredet, nicht ausgesessen. Sie hat Verantwortung übernommen, sich entschuldigt, Gespräche gesucht, Konsequenzen getragen und aktiv zur Aufarbeitung beigetragen.
Was mich traurig macht, ist, wie schnell heute aus einem Fehler eine Kampagne wird. Wie aus einer Person ein Symbol gemacht wird. Und wie wenig Raum für Differenzierung, Entwicklung und Menschlichkeit bleibt.
Gerade in sensiblen Debatten wie der um Antisemitismus-Definitionen – etwa zwischen IHRA und JDA – braucht es Verantwortung, Sensibilität und Dialog. Keine moralischen Tribunale.
Lisa ist kein Feind von Minderheiten. Sie ist eine Verbündete.
Sie ist keine Antisemitin. Sie ist ein Mensch, der Verantwortung übernimmt, lernt und wächst.
Und sie ist jemand, der mehr Respekt verdient, als ihm gerade entgegengebracht wird.
Ich stehe hinter ihr.
Nicht als gute Freundin.
Sondern aus persönlicher Überzeugung und menschlicher Anerkennung.