„Datenschutz gravierend verletzt“

Presserat rügt Mittelbayerische Zeitung

In seiner letzten Sitzung hat der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats eine Rüge gegen die Mittelbayerische Zeitung ausgesprochen. Der inkriminierte Artikel ist nach wie vor unverändert im Internet abrufbar.
Am Freitag noch vollständig abrufbar: Der Gerügte Bericht der Mittelbayerischen Zeitzung vom Januar.

Am Freitag noch vollständig abrufbar: Der gerügte Bericht der Mittelbayerischen Zeitzung vom Januar.

Wegen einer „schweren Verletzung des Datenschutzes“ hat der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats am Freitag eine Rüge gegen die Mittelbayerische Zeitung ausgesprochen. Die Ironie dabei: Am 24. Januar hatte die MZ in ihrer Print- und Online-Ausgabe ihrerseits über eine Rüge des bayerischen Datenschutzbeauftragten Thomas Petri gegen die die Stadt Neumarkt berichtet. Ebenfalls wegen Verletzung des Datenschutzes. Petri hatte eine Pressemitteilung der Stadt beanstandet und von einem „erheblichen Verstoß“ gesprochen. In der Pressemitteilung der Stadt  waren unter der Überschrift „Jubiläum“ die Namen dreier Neumarkter Bürger genannt, die für den überwiegenden Teil von Beschwerden an die Kommunalaufsicht verantwortlich seien.

MZ wiederholte Verstoß der Stadt

Während der Datenschutzbeauftragte weder den Namen der Stadt noch der Betroffenen nannte, berichtete die MZ darüber, dass es sich bei der gerügten Gemeinde um die Stadt Neumarkt handelt und nannte dabei auch die Namen der drei Personen. „Damit wiederholte sie den Datenschutzverstoß“, schreibt der Presserat heute in einer aktuellen Pressemitteilung. „Der Beschwerdeausschuss sah darin eine schwere Verletzung des redaktionellen Datenschutzes nach Ziffer 8 des Pressekodex.“ Am Freitag war der gerügte Bericht nach wie vor unverändert auf der Internetseite der Mittelbayerischen Zeitung abrufbar.

121 Beschwerden, acht Rügen

Insgesamt wurden in den drei Beschwerdeausschüssen an drei Tagen 121 Beschwerden behandelt. Die Ergebnisse: sechs öffentliche Rügen, zwei nicht-öffentliche Rüge, zehn Missbilligungen, 16 Hinweise. 54 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. In sechs Fällen wurden die Beschwerden als begründet angesehen, auf eine Maßnahme wurde jedoch verzichtet. Fünf der acht Rügen betrafen Ausgaben der BILD.
Die Presse achtet das Privatleben und die Intimsphäre des Menschen. Berührt jedoch das private Verhalten öffentliche Interessen, so kann es im Einzelfall in der Presse erörtert werden. Dabei ist zu prüfen, ob durch eine Veröffentlichung Persönlichkeitsrechte Unbeteiligter verletzt werden. Die Presse achtet das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und gewährleistet den redaktionellen Datenschutz. Ziffer 8 des Pressekodex

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Kommentare (5)

  • Veritas, quid est?

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    „Journalisten sind Menschen, die Unsinn schreiben und ihn glauben, sobald sie ihn gedruckt sehen“, Karl Kraus.
    Diese Aussage von einem, der es wissen mußte, sollte gehäkelt oder gedruckt im Foyer des neugebauten Esserschen Pressetempels angebracht werden.
    Wobei die dort schriftwaltenden/schriftleitenden Damen und Herren mit wenigen Ausnahmen sicherlich insofern beratungsresistent bleiben werden: weder aus der OLG Nürnberg-Niederlage gegen die katholische Priestersodalität FSSPX noch aus diesem pressesysteminternen Rüffel dürfte für die Zukunft dort irgendeine Nutzanwendung zu erwarten sein.

  • Ett

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    Wenn der Presserat eben einmal so die Mittelbayerische Zeitung auch geruegt hat, dann muessen Sie sich schon einmal auch ausfuehrlich zum ‚Thema entschuldigen!

    == ++ ==

    Auch muss sich das Bistum Regensburg mit dem dortigen Generalvikar Fuchs auch einmal ausfuehrlich bei den damaligen – zahlreichen – Opfern zum Thema Etterzhausen =+= Domspatzen entschuldigen,,, denn die haben naemlich in den letzten vielen vielen Monaten auch sehr gross gegen den
    Datenschutz verstossen!

    DAS die noch nicht angezeigt wurden ?

    Ett = Etterzhausen

  • Veronika

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    Das Ziel, welches man mit der expliziten Namensnennung erreichen wollte, hat man wohl dennoch erreicht, nämlich die Leute künftig so zum Stillhalten zu bewegen, wie man es gem. diverser Aussagen der aus Neumarkt stammenden Kabarettistin Lizzy Aumeier dort schon seit Jahrzehnten praktiziert.
    ————————
    Dennoch: Richtig! Höchsten Respekt vor dem Presserat! Es wird aber wohl künftig etwas „ruhiger“ werden, denn mit dem neuen, auf eine „Armut der Kirche“ abzielenden Papst, wird man den Journalisten mehr Freiheit geben und den Druck aus der Chefredaktion zurücknehmen müssen. Warum? Ganz einfach: Weil es nicht mehr so viel Geld geben wird, für derart dem Ansehen der Röm.-Kath. Kirche eher Schaden zufügenden Zwecke.

  • Joachim Datko

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    Kann vor der mittelbayerischen Zeitung nur warnen!

    Ich erhielt folgende e-mail!

    „[Mittelbayerische Zeitung]
    Sehr geehrter Herr Datko,
    schenken Sie uns aus aktuellem Anlass kurz Ihre Zeit und nehmen Sie an unserer Umfrage teil. Ihre Meinung zur Wahl des neuen Papstes ist uns wichtig! Beantworten Sie bitte unsere Fragen.“

    Wo ist man da geistig stehen geblieben? Vor zweitausend Jahren, im Mittelalter? Da werden die alten religiösen Kamellen wiedergekäut.

  • päpstin

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    @Datko
    Lieber Herr Datko, und wo ist der Fragenkatalog?

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