Schaidinger zur BayernLB: „Entschuldigungsgeilheit“

Hans Schaidinger zur BayernLB: „Grassierende Entschuldigungsgeilheit“. Foto: Archiv/ StaudingerVerwaltungsrat Hans Schaidinger sieht keinen Grund, sich für das Desaster bei der BayernLB zu entschuldigen. Das berichtet die Mittelbayerische Zeitung am Dienstag. Bei einer Versammlung des Bundes der Selbständigen (BDS) am Samstag war der Regensburger Oberbürgermeister insbesondere wegen seiner widersprüchlichen Informationspolitik kritisiert worden. Schaidinger reagierte genervt: Er werde diese „grassierende Entschuldigungsgeilheit“ nicht befriedigen. Er habe auch die Krise am US-Finanzmarkt kommen sehen und sei dennoch nicht für sie verantwortlich. Eine kurze Chronologie und ein paar Zitate, die in die Verantwortung eines Verwaltungsrats bei der BayernLB fallen. Im Februar nennt Erwin Huber, damals noch Finanzminister und Vorsitzender des Verwaltungsrats, Berichte über Milliardenverluste der BayernLB „reine Spekulation“. Anfang April springt ihm Hans Schaidinger zur Seite. Die BayernLB meldet zwar „Risiken“ von 2,3 Milliarden Euro, aber Schaidinger beruhigt: „Wir werden nach wie vor einen Gewinn ausweisen.“ Drei Monate später tagt der Untersuchungsausschuss zur BayernLB. Schaidinger nimmt die Regierungsmitglieder und auch sich selbst in Schutz. Der Verwaltungsrat habe sich „ausreichend und zeitnah“ mit den Vorgängen befasst. „Ich kann nicht erkennen, dass Regierungsmitglieder ihre Informationspflicht gegenüber dem Landtag verletzt hätten. (…) Es gibt Wasserstände, die schwanken. Die sind mal so, mal so.“ (Mehr dazu). Adelheid Rupp (SPD), Mitglied im Untersuchungsausschuss, attestiert Schaidinger im Anschluss, dass er „wenig bis gar nichts zur Aufklärung“ beigetragen habe. Schaidinger gebe sich als „Unschuldslamm, das er nicht ist“. Wenige Tage später kündigt die BayernLB an, 430 Stellen streichen zu wollen. Das Rad der Zeit dreht sich weiter, von „Gewinnen“ ist schon lange keine Rede mehr. Es geht nur noch um die Höhe der Verluste. Am 20. und 21. Oktober steigt der – veröffentlichte – Finanzbedarf der BayernLB binnen zwei Tagen von fünf auf 6,4 Milliarden Euro. Hans Schaidinger hat das offenbar bereits geahnt: „Natürlich diskutieren wir das (den Kapitalbedarf, Anm. d. Red.) schon länger, aber man diskutiert die Dinge nicht in aller Öffentlichkeit, denn Banken leben vom Vertrauen.“ Erwin Huber tritt angesichts des Desasters zurück. Ein ehemaliger Parteifreund erstattet zwei Strafanzeigen gegen Schaidinger: wegen des Verdachts der Untreue (Mehr dazu) und des Verdachts der Falschaussage. Am 23. Oktober werden Schaidingers Aussagen schon etwas unsicherer: „Was in einem Monat ist, weiß ich nicht.“ Noch einen Tag später wird ein wenig „Entschuldigungsgeilheit“ befriedigt. In einer Presseerklärung bekennen sich die Mitglieder des Verwaltungsrats in knappen Worten zu „ihrer Mitverantwortung“. Einen Monat später, am 27. November, wird schließlich bekannt, dass die BayernLB zehn Milliarden Euro Staatsgelder braucht. Hans Schaidinger hat es irgendwie geahnt: „Das ist ärgerlich, aber nicht überraschend.“ Mittlerweile kündigt die BayernLB an, 5.600 Stellen abzubauen und sich gesundschrumpfen zu wollen. Abgesehen von Erwin Huber sorgt weiterhin der alte zehnköpfige Verwaltungsrat dafür, dass bei der BayernLB alles mit rechten Dingen zugeht. Die jährlichen Kosten für die Wächter über die BayernLB: 317.000 Euro (Mehr dazu). Auch wenn einer der Wächter, Hans Schaidinger, sie kommen sah: Die Verantwortung für die Krise am amerikanischen Finanzmarkt kann man diesem Verwaltungsrat freilich nicht anlasten. Bei der BayernLB ist das eine andere Sache.

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Kommentare (9)

  • Beobachter

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    Mit dem Wort GEILHEIT scheint unser Oberster Wahlbeamte auf Zeit ein Problem zu haben, speziell wenn es eng wird.
    Ich empfehle:
    http://de.youtube.com/watch?v=KjUffKXCUkQ

  • Hans im Pech

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    Wurden Gewinne ausgewiesen? Wenn nicht, dann könnte man Herrn Schaidinger glatt einen Lügner nennen.
    Alleine schon die Aussage, …….aber man diskutiert die Dinge nicht in aller Öffentlichkeit, denn Banken leben vom Vertrauen. Wer vertraut heute noch Herrn Schaidinger?
    Die Öffentlichkeit, also die Bürger sollen solche Missstände nicht diskutieren, geheime „Reichssache“ oder wie? Wer hält denn nun den Kopf hin, wenn nicht die Bürger.
    Nur ärgerlich, aber nicht überraschend? Die BayernLB will 5.600 Stellen abbauen? Alleine schon dieser Jargon!!! RRRichtig ist, es werden zigtausend Menschen arbeitslos und dass wegen ein paar „geldgeilen Unverbesserlichen“.
    Es wurden Wasserstände gemessen während die Feuerwehr die ersten Ertrunkenen vermeldete. Das Unschuldslamm, das er nicht ist, hat ja nur geahnt und es kam noch schlimmer.

    Die derzeit so hoch gelobten PPP-Modelle werden als nächstes die Stadt Regensburg, also alle Bürger, in noch schlimmere Verhältnisse stürzen. Dass das unsere Kinder ausbaden werden, fällt den meisten Bürgern nicht auf, da diese Kosten anders in den Büchern stehen, dafür laufend. Städtisch abgesicherte Kosten sind es aber auf jeden Fall. Wenn dabei Gewinne abfallen sollten, wer fährt die wohl ein? Wer trägt die Verluste, welche heute schon erahnt werden können? RRRichtig. Ist so etwas eine Partnerschaft? Werden wir die Verträge einsehen oder sind die wieder mal „geheime Reichssache“? Reicht dafür die verfassungsmäßige Transparenz? Werden die Bürger erfahren, mit wem sie Geschäfte machen, oder dürfen sie wie die Deppen wieder nur bezahlen? Würden Schaidinger & Co diese Kosten dem Bürger sofort in Rechnung stellen, dann hätten wir Anarchie. Ich glaube, dass alle verantwortungsbewussten Mütter und Väter das Rathaus stürmen würden, um ihre Kinder schützen!!!
    Wacht auf !!!

  • Manfred Krosch

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    In solchen Momenten offenbart sich der Charakter eines Menschen.
    Etwas Demut und Reflexion des eigenen Handelns wäre schon angebracht, bedenkt man den immensen Schaden.
    Herr Schaidinger kann nicht mal behaupten, er kenne sich da nicht aus, er habe nix verstanden und nix gewusst. Die Frage ist also, was hat Herr Schaidinger unternommen um dieses Desaster zu verhindern bzw. in den Auswirkung zu mindern? Nein, Herr Schaidinger muss sich nicht entschuldigen, er muss sich erklären!
    Hat er nur Kaffee getrunken und Kekse gegessen, oder hat er seinen Job gemacht und versucht Schaden abzuwenden?
    Unterstützt er die Schadensbegrenzung und die zukünftige Vermeidung ähnlicher Fehlspekulationen, oder verdunkelt er die Aufklärung der Vorgänge?
    Diese Fragen kann nur Herr Schaidinger beantworten, und wenn er etwas weniger arrogant wäre, dann täte er es auch.

  • Stefano

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    Hans Schaidinger muß sich nicht entschuldigen. Wofür auch, er hat doch nichts falsch gemacht. Entschuldigen tun sich nur Weicheier. Hans Schaidinger gehört hier nicht dazu. Hart gegen sich selbst (je mehr Aufsichtsratsposten, um so besser) und hart auch gegen andere (Fürst, Rieger, Renter usw.).
    Die Frage ist nur, ob er bei dieser ausgeprägten Uneinsichtigtkeit die Stadt überhaupt noch richtig regieren kann und ob er überhaupt dafür geeignet ist, die städtischen Gesellschaften als Aufsichtsratsvorsitzender zu führen.

  • peter Petry

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    Dem Schaidinger schaut die Arroganz aus den Knopflöchern,der muß sich nicht entschuldigen.Der soll seinen Job machen ,net bloß Kaffee trinken und gscheit daher reden.
    Stimmt er beißt sich ja lieber auf die Zunge,wie er vor kurzen erwähnte.Ist der Ruf erst ruiniert ………!!

  • Rainer Krämer

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    Naütürlich hat die BayernLB gezockt, und die Wächter (z.B. Schaidinger) haben dabei zugesehen und die Hand aufgehalten. Wer jetzt vom BayLB-Clan noch die Frechheit hat sich nicht in Demut zu beugen, sondern das angerichtete Fiasko sogar noch verteidigt, ist absolut untragbar und gehört sofort abgelöst (ohne Handgeld!). Unser noch-Oberbürgermeister, selbstherrlich und abgehoben den Betrug am Bürger durch die Bayern LB noch verteidigend, meint, er könne Einfluß im Seehofer-Kabinet haben. Einer seiner Oberbürgermeistervorgänger: Gottlieb von Thon-Dittmer ließ als kurzzeitiger bayer. Innenminister bekanntlich Lola Montez aus München werfen. So ein geradliniger Oberbürgermeister wäre in Regensburg wieder von Nöten, und nicht einer, der sich um seine Aufsichtsratspöstchen fürchtet!

  • Matthias Beth

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    Die Damen und Herren im Verwaltungsrat der LB Bayern, einschließlich OB Schaidinger, haben Monopoly gespielt und zwar im wahrsten Sinne des Wortes RISKOLOS, denn das Risiko tragen nun die Steuerzahler, nicht die Mitglieder in Vorstand und Verwaltungsrat!
    So eine Tätigkeit ist für jeden Bürger erstrebenswert, Geld bekommen für ein riskoloses Monopolyspielen.

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