Schwabelweis jubiliert

Zu Besuch beim Jubiläum einer Schlammschlacht.

„Bravo“, schreit der Ochsenbrater, der Schlegl Klaus, in regelmäßigen Abständen und klatscht in seine großen Hände, während die Hoffnungsträger der Schwabelweiser CSU ihre Reden schwingen. Neujahrsempfang im Gasthof Niebauer. Schwabelweis ist für die CSU – oder das, was von ihr übrig geblieben ist – ein Hort der Glückseligkeit. Die besten Wahlergebnisse in ganz Regensburg fährt man hier ein. „Aber“, das stellt der Ortsvorsitzende Armin Zimmermann in seiner gut gelernten Rede ein wenig nachdenklich fest, „in Schwabelweis leben gerade mal zwei Prozent der Regensburger.“

Zimmermann, einer der erklärten Feinde des als „rechtslastig“ verstoßenen Thomas Fürst, die sich „Die sieben jungen Ortsvorsitzenden“ nennen, ist es, der den Neujahrsempfang eröffnen darf. Unter den wachen Augen des Grandseigneur der Schwabelweiser CSU, Stadtrat Herbert Schlegl, begrüßt Zimmermann im adretten Anzüglein wirklich jeden einzelnen der Anwesenden, „alphabetisch“, wie er mehrfach anmerkt und es verwundert kaum, dass so viele Stadträte nach Schwabelweis gekommen sind. Heute ist es knapp ein Jahr her, dass die Schlammschlacht in der Regensburger CSU begann. Ein kleines Jubiläum.

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Funktionsträger gibt es in Schwabelweis offenbar in rauen Mengen. Vom „bischöflich-geistlichen Rat Jakob Egler“ über diverse Elternbei- und Stadträte, Bürgermeisterin Petra Betz ist da und der Ochsenbrater Schlegl (Klaus). Der ist so begeistert, dass sogar noch klatscht, als er selbst begrüßt wird.

Seit 30 Jahren ist er in der CSU und es verwundert deshalb nicht, dass er wieder „Bravo“ schreit, als Oberbürgermeister Hans Schaidinger den Raum betritt – er ist der „Top Act“ beim Neujahrsempfang. Die anwesenden Stadtratskandidaten (z.B. das Duo Faderl und Reutter) warten – mit teils verklärten, teils bangen Blicken – auf die Ansprache ihres arg in Bedrängnis geratenen Hoffnungsträgers.

Knapp ein Jahr ist es her, dass Schaidinger und die CSU Thomas Fürst mit dem Vorwurf der „Rechtslastigkeit“ aus der Partei gedrängt haben. Ein Jubiläum. Der Vorwurf der „Rechtslastigkeit“ (Schaidinger) – er kam nicht ganz von ungefähr. Vor etwa 15 Jahren feierte Fürst, so konnte „Die Woche“ berichten, zu Teresa-Orlowski-Pornos und Horst-Wessel-Lied. Mit dabei: Ein Großteil der damaligen JU. Auch einer der „Sieben Jungen“, der sich heute geläutert gibt. Es interessierte keinen. „Der Welnhofer hat’s verschlafen“, sagt der Schlegl Klaus. Die Sache wurde totgeschwiegen und „Die Woche“ ging ein.

Ausgegraben wurden diese alten Geschichten wieder, als Schaidinger den Fürst im letzten Jahr loshaben wollte. Die groß angekündigten Beweise blieb der Oberbürgermeister bis heute schuldig. Allein die „Sieben Jungen“ legten ein Dossier mit eidesstattlichen Versicherungen über nahezu nur Altbekanntes vor. Schließlich machte der aufstrebende Fürst einen Rückzieher und zog sich – wohl nur vorläufig – aus der Regensburger CSU zurück. Seitdem ist die CSU ein Trümmerhaufen.

Aber nicht in Schwabelweis, wo Schaidinger mit Applaus, Stubenmusik und von Schlegls „Bravo“-Rufen begrüßt wird. Sachlich bleibt die gut vorbereitete Rede. „Die Bürger müssen mitwirken“, „Wir passen schon auf“, „Wir denken schon dran“. Schaidinger preist mit dem Recht des Regierenden seine unbestrittenen wirtschaftlichen Erfolge, rühmt sich seiner Kompetenz und Sacharbeit. Applaus und Bravo säumt das Hohelied.

Auch SPD („ein Wackelpudding“, „die streiten auch, aber intern“) und Freie Wähler („alles Lüge“) bekommen ihr Fett weg. Schaidinger erwähnt das erfolgreich initiierte Vermittlungsprojekt 50plus und denkt dabei wohl auch an den Altersschnitt der Anwesenden. Die jungen Mädels von der Schwabelweiser Feuerwehr stehen vor der Tür und rauchen.

Die Stadthalle streift Schaidinger am Rande (Wir sind da dran.“), aber das ist noch mehr als er über den Grund für die kaputte CSU sagt. Die Kritik an ihm sei „abgesprochen“, „abgekartet“ nach dem Motto: „Irgendwas wird schön hängenbleiben.“ Hat ja auch bei anderen funktioniert.

Ihm gehe das an die Nieren, er sei keine Maschine. Ergriffenes Schweigen. Doch schnell fasst sich der OB wieder. Weiter im Text. Sacharbeit werde von solchen Leuten nicht geleistet, das könne nur die CSU und „nur, wo CSU drauf steht, ist auch CSU drin“. Applaus und Bravo folgen.

Mit „solchen Leuten“ meint Schaidinger die CSB, „Christlich Soziale Bürger“, CSU-Abspaltung mit Fürst-Gschmäckle. Die treten unter Ägide des Ex-CSUlers Gero Kollmer bei der Stadtratswahl an. Auch Kollmer wurde mit dem nicht bewiesenem Vorwurf der Rechtslastigkeit aus der CSU gebracht und sammelte die Unzufriedenen ein. Von „Rechtslastigkeit“ redet Schaidinger heute ebensowenig wie vor ihm Zimmermann und nach ihm Schlegl, der Herbert. Aber davon, dass „wir uns nicht zusammentun werden, die keine Sacharbeit leisten, aber munter Posten verteilen wollen“. Dazu steht er, der Hans. Dann macht er’s wie Roland Koch und redet ein wenig von den „Wende-Kommunisten“, den Linken.

Schaidinger schließt versöhnlich. Das Welterbe, die Stadt, schön und prosperierend. Er erzählt. Von der guten Infrastruktur, dem unter seiner Amtszeit sanierten Theater, der gesunkenen Arbeitslosigkeit, den drastisch gesenkten Gebühren für Müll und Abwasser, von Gemeinschaft, Verein und Zusammenarbeit, wieder von „unserer schönen Stadt“.

Es gibt viel Applaus. Der Schlegl Klaus ruft mehrfach „Bravo“ und als ein anderer Schlegl, der Herbert, den Hans ein wenig stupst, geht der noch einmal zurück aufs Podium, um die Hände in die Luft zu strecken. Man ist begeistert.

Bevor es Bier und Schnittchen gibt, tritt auch noch Schlegl (Herbert) hinters Podium und liefert eine persönliche Analyse seiner Zeit mit Schaidinger, die sich wie eine ehrliche Liebeserklärung anhört. Der OB sei „ein Glücksfall für Regensburg“. Er arbeite Tag und Nacht für diese Stadt, wecke Begeisterung bei Unternehmern und Wirtschaftsvertretern. „Es braucht einen Macher. Der kann auch manchmal unangenehm sein.“

Und bevor Schlegl mit dem Hinweis auf ein demnächst stattfindendes Weißwurst-Frühstück schließt und eindringlich um Stimmen für die CSU und Schaidinger bittet, kommt lächelnd Bürgermeister Gerhard Weber zur Tür herein, komplettiert damit das Führungstrio der Stadt Regensburg (Petra Betz war von Beginn an – etwas abseits stehend – da) und macht den Empfang zu einem nie dagewesenen Erfolg.

Der andere Schlegl, der Klaus, ruft noch einmal laut „Bravo“, klatscht ebenso wie die anderen Gäste noch einmal kräftig in die Hände und ist sich sicher: „Den Schaidinger werde ich wieder wählen.“ Schwabelweis ist ein Hort des Glücks.

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