SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 28. Januar 2008

Sonntag, 18 Uhr. Zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus kamen hunderte von Regensburgerinnen und Regensburgern in die Neupfarrkirche.	Fotos Staudinger Bis an die hinterste Wand voller Menschen ist die Neupfarrkirche bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus zu der die Jüdische Gemeinde, Stadt und Kirchen eingeladen haben. Vorne sitzen die Honoratioren und Stadträte, Vertreter von Kirchen und Religionsgemeinschaften. Hans Rosengold und Ilse Danzinger von der Jüdischen Gemeinde. Sie wird später ihre Besorgnis über den zunehmenden Rechtsextremismus äußern, aber auch ihre Freude über das gute Verhältnis zu den Kirchen, der Stadt und den Behörden. Und sie redet darüber, wie wichtig „ein friedliches Zusammenleben” einerseits und „ein wehrhaftes Bündnis zum Schutz vor Terror, Massenmord und Diktatur” andererseits sind. Zuvor hat Hans Schaidinger eine – ungewöhnlich lange – Rede gehalten. Er zitiert Wolfgang Thierse, seine Vorgänger Friedrich Viehbacher und Christa Meier, beschäftigt sich mit der Notwendigkeit des Erinnerns („Ein Zuviel kann ebenso problematisch sein wie erst recht ein Zuwenig.”). Er hebt die Rolle von Otto Schwerdt hervor, dem Ende Dezember verstorbenen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde. Der die Konzentrationslager überlebte und mit seinem Buch „Als Gott und die Welt schliefen” Generationen von Schülern das Erinnern näher gebracht. Schaidinger redet von den lebhaften Erzählungen von Otto Schwerdt, der sich bis an sein Lebensende an eine russische Soldatin erinnert, die im bei der Befreiung sagte: „Jetzt sind wir da. Jetzt ist alles gut.” Dass Schwerdt erzählt hat: „Ich dachte, ich wäre im Himmel.” Davon, dass Schwerdt den Schülern immer auch seine lebhaften Eindrücke von den großen Brüsten der Soldatin schilderte, redet der Oberbürgermeister nicht. Vielleicht gehört das auch nicht in eine Kirche, an so einem Tag. Es ist auch eines der wenigen Male („Ein Novum”, sagt einer der Anwesenden.), dass der Oberbürgermeister in seiner Rede nicht nur auf die Opfer der Nazis eingeht, sondern auch Täter in Regensburg benennt. Den NS-Oberbürgermeister Otto Schottenheim, der seiner Feuerwehr verboten hatte, die brennende Synagoge zu löschen und der bei der Ausstellung „Blut und Rasse” Adolf Hitler mit den Worten zitierte „Der Jude ist ein Parasit und wird es bleiben.” Ein späterer Oberbürgermeister Regensburgs, Hans Herrmann, war unter Schottenheim Bürgermeister. Nach ihm ist eine Schule benannt. Schaidinger erzählt – ohne Namen zu nennen – von einem Regensburger aus gutbürgerlicher Familie, der „an vorderster Front beim Holocaust dabei”, an der Ermordung von 30.000 Juden in der Babijar-Schlucht bei Kiew beteiligt war. Er redet davon, dass keiner wirklich behaupten konnte, nichts gewusst zu haben, nachdem die Juden aus Regensburg 1938 durch die Stadt getrieben worden waren – 250 Menschen, die in den Konzentrationslagern umgebracht wurden. Und er redet von den Profiteuren. Den Regensburgerinnen und Regensburgern, die sich die Wertsachen ihrer Nachbarn aneigneten. Von den 44 jüdischen Geschäften und Betrieben, die zwangsarisiert wurden. Namen nennt er nicht. Nachdem der OB seine Rede beendet hat, geht er zurück zu seinem Platz, dort, wo auch Hans Rosengold sitzt und beide umarmen sich herzlich. Dann wird das Lied „Von guten Mächten wunderbar geborgen” gesungen. Gegen Ende der Veranstaltung in der Neupfarrkirche stehen Schülerinnen und Schüler der Regensburger BOS im Altarraum. Die Schüler der BOS sind dafür bekannt, dass sie sich gegen Rechtsextremismus engagieren. Dafür wurden sie schon als Schule mit Courage ausgezeichnet. Heute verlesen Sie die Namen und Schicksale von ermordeten Regensburgern. Manchmal wird ein wenig gegrinst, wenn sich einer verspricht. Sie sind die einzigen, die erwähnen, dass auch 600 Behinderte aus dem Raum Regensburg vom NS-Regime ermordet wurden. Am Ende zünden sie im Altarraum eine Friedenskerze an. Dann verlassen alle die Neupfarrkirche und gehen, allen voran viele Jugendliche, mit der Kerze im Schweigemarsch zur Synagoge. Dabei wird auch gelacht und miteinander gesprochen. Es werden Hände geschüttelt. Ein kleines Mädchen singt ein Kinderlied. An der Synagoge entsteht noch einmal kurz ein Auflauf, weil viele Menschen hineindrängen, um ihre Solidarität mit der Jüdischen Gemeinde zu bekunden. „Das Gedenken soll sichtbar werden”, hat Dr. Thomas Rigl vom Arbeitskreis Religionen in der Neupfarrkirche gesagt. Sein Gedenken ist auch ein ganz persönliches. Sein Großvater Johann Igl wurde 1945 gehängt, weil er gesagt hatte: „Wann haut dem Hitler endlich jemand ‘s Messer rei.”

Wird Wolli langsam wild?

Die zwei der sieben Zwerge der hiesigen CSU (auch bekannt als „Junge Ortsvorsitzende”), die Samstag Vormittag am Arnulfsplatz vor der Kneitinger-Brauerei plötzlich aus dem Boden wuchsen, waren um 16 Uhr wieder verschwunden. Respekt vor der SPD, die um diese Zeit im Kneitinger-Salettl mit ihrer lokalen Prominenz aufmarschierte, um mit den Bürgern zu sprechen? Egal, die […]

Stirbt der Fasching aus?

Der wohl leidenschaftlichste Maschkerer dürfte Ministerpräsident Günter Beckstein sein. Seine Kostümierung beim Fränkischen Fasching ringt selbst Faschingsmuffeln, Maskenbildnern und der SPD Respekt ab. Zählt er etwa zu einer aussterbenden Gattung? Denn, obwohl unsere Befragung nicht repräsentativ ist, scheint der Fasching nicht mehr den Stellenwert zu haben, den er einst hatte. Der einst so legendäre Schnupfer-Ball […]

Fragen an Hans Schaidinger

Bis zur Stadtratssitzung am 31. Januar, bei der die Korruptionsaffäre bei der Stadtbau GmbH „so transparent wie möglich” aufgeklärt werden soll, sind es noch drei Tage. SPD und CSB haben umfangreiche Fragenkataloge eingereicht. An dieser Stelle werden Fragen gestellt, die uns oder unsere Leser beschäftigen. Eine Frage richtet sich an den kompletten A U F […]

Schmidle: erst Held, dann Depp!

Immerhin: Einen 1:3-Rückstand konnten die Eisbären gestern gegen den EHC München wettmachen (0:1, 1:1, 2:1), ehe sie in der Verlängerung mit 3:4 unterlagen. Max Schmidle war es, der 83 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit den umjubelten 3:3-Ausgleich erzielte. Doch sein Heldendasein währte nur kurz. Die Overtime war gerade zwei Minuten alt, als Schmidle den […]

Feuerwehr rettet Mann (46) vor Flammen-Tod

Warum es brannte, ist bislang noch nicht geklärt. Es war kurz vor halbdrei am Morgen als gestern bei der Polizei die Mitteilung über eine starke Rauchentwicklung in einer Wohnung im Auweg einging. Sofort wurden Feuerwehr und Rettungskräfte alarmiert. Das war lebensrettend für einen 46jährigen Regensburger, der von den Einsatzkräften aus seiner Wohnung im II. Stock […]

Morgen, Regensburg

Es ist gar nicht lustig, als ich – am letzten Donnerstag – zur Pressekonferenz der Faschingsgesellschaften komme. Statt unterm pompösen Podium auf der Köwe-Plaza sitzen wir in einem schwer zu findenden Büroraum. Statt eines großen Aufgebots an Hoheiten (das Seniorenprinzenpaar Goppel ist ein echtes Desiderat) sitzen da nur die beiden Präsidenten von Narragonia (Roscoe Pielmeier) […]

Eine bunte Faschingsgaudi!

Vorneweg: Der Faschingsumzug findet am 3. Februar statt. Start um 10 Uhr in der Maxstraße. Warum wir ausdrücklich versprochen haben, den Umzug bis dahin auch prominent anzukündigen, lesen Sie in der Kolumne auf Seite 2. Fasching ist „die größte Gesellschaft in Deutschland” (Roscoe Pielmeier) und so verwundert es auch nicht, dass die Parteien am Wochenende […]

Gedenken: „Aus der Tiefe …”

„Ein schönes Hoffnungszeichen bildet vor allem unser beider Freundschaft, lieber Hans.” Dass der Regensburger Stadtdekan Alois Möstl ein Freund der Jüdischen Gemeinde im Allgemeinen und von Hans Rosengold im Speziellen ist, weiß man in der Domstadt. Der Pfarrer der Gemeinde St. Wolfgang in Kumpfmühl gilt als einfühlsamer Geistlicher, als einer, der sein Herz auf der […]

Heute: Gedenken an die Opfer der Nazis

Die Jüdische Gemeinde, die Katholische und die Evangelische Kirche, die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und die Stadt Regensburg laden heute gemeinsam zu einer Stunde des Gedenkens und Erinnerns an die Opfer des Nationalsozialismus ein. Pfarrer Dr. Wolfgang Körner eröffnet die Veranstaltung um 18 Uhr in der Neupfarrkirche und trägt danach einen Psalm vor. Im Anschluss daran […]

Jünger Junghans

Die Christlich-Sozialen Bürger (CSB) sind gestern – nun auch offiziell – in den Wahlkampf gestartet. 50 Namen umfasst die Stadtratsliste. Die Nummer 1 heißt Stephan Junghans. Wer ist der Mann, der Oberbürgermeister Hans Schaidinger und CSU-Fraktionschef Herbert Schlegl auch nach dem Wahltag die Nachtruhe rauben will? Zunächst einmal ist Junghans geerdeter CSUler, seit knapp sieben […]

„Durchlaucht! Ist das durchdacht?”

Völlerei ist eine der Sünden, die auf einer Wandmalerei im Kapitelsaal von Schloss St. Emmeram zu sehen sind. Werden die Hotelpläne des fürstlichen Hauses in der derzeitigen Form umgesetzt, entsteht hier der Frühstückssaal und die Gäste dürfen – über den Gebeinen des Mönchs Johann Baptist, der unter dem Saal begraben liegt – völlern. Das ist […]

Ärger im „Schindler-Wahlverein”

Dass es dem Schindler Kurt gehörig gestunken hat, als er nach 30 Jahren im Stadtrat keinen Listenplatz mehr bei der SPD bekommen hat, ist kein Geheimnis. Er hat darauf die SPD-Fraktion verlassen und die Sozis so um einige Ausschusssitze gebracht. Ob er den Vorsitz in seinem Ortsverein in Altstadt niederlegt oder gar die Partei verlässt, […]

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