Initiative fordert gemeinsamen Gedenkort für Regensburger Opfer des Nationalsozialismus am Dachauplatz
Hinterbliebene von Opfern des NS-Regimes erzählen ihre Geschichten. Vereine, Gewerkschaften und Bürger fordern zusammen mit ihnen einen zentralen Erinnerungsort am Dachauplatz. Der Oberbürgermeister reagiert verhalten, die Stadtratsfraktionen sind gespalten und die katholische Kirche antwortet nicht.

Der Dachauplatz soll zentraler Gedenkort in Regensburg werden – so die Forderung. Foto: as
Es riecht nach Fett und gebratenem Fleisch. Auf einer Bank schläft ein Obdachloser. Seine Bierdose ist umgekippt, das Bier tropft auf den Boden. Im Hintergrund plätschert leise ein Brunnen, über allem dröhnt der Verkehrslärm.
Der Dachauplatz lädt nicht zum Verweilen ein. Hier bestellt man Burger, kauft ein oder wartet auf den Bus. Nur Obdachlose, die sonst nirgends erwünscht sind, trinken Wein aus dem Tetrapak. Wenige wissen, dass der Dachauplatz einst das Zentrum des NS-Viertels von Regensburg war.
360 Grad: Rundherum nur Nationalsozialismus
Steht man in der Mitte des Platzes und dreht sich einmal um die eigene Achse, reiht sich ein ehemaliger NS-Bau an den nächsten.
Wo heute das historische Museum ist, war damals das Ostmark-Museum. In der nahtlos anschließenden Minoritenkirche war 1937 die sogenannte Bruckner-Feier. Dort lauschte Adolf Hitler dem Gesang der Domspatzen.

Aufführung der Domspatzen zur Brucknerfeier am 6. Juni 1937 in der Minoritenkirche, mit Domkapellmeister Prof. Dr. Theobald Schrems. Foto: Stadt Regensburg
Das graue Gebäude in dem heute ein Supermarkt ist, war in den Dreißigerjahren das Gesundheitsamt – verantwortlich für die hundertfache Sterilisation von Menschen.
Was nicht Platz fand an diesem Platze, der damals Moltkeplatz hieß, wurde in der Nähe angesiedelt. Dort wo heute die IHK ist, war damals die Schwarzhaupt-Villa. Der zwangsarisierte Bau beherbergte dann die NSDAP-Kreisleitung.
Zum Stehen kommt die braune Pirouette vor dem Minoritenweg, mit Blick auf die Polizeiwache. Die Polizeidirektion hat 1937 das neugebaute Gebäude bezogen. Während des NS-Regimes wirkte dort auch die Geheime Staatspolizei, kurz Gestapo . Im Keller des Gebäudes befanden sich die Folterzellen.
„Wir wissen, dass im Zusammenhang mit der Neupfarrplatz-Gruppe als auch mit dem 23. April in diesem Keller versucht wurde, Geständnisse zu erpressen oder Leute zu brechen“, sagt Hans Simon-Pelanda. Er ist Ehrenvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg e.V.
Der erhängte Domprediger
Am 23. April 1945 fand in Regensburg eine Demonstration statt, an der angeblich mehrheitlich Frauen teilnahmen. Domprediger Johann Maier, versuchte die Anwesenden zur Ordnung zu rufen und appellierte an sie, keinesfalls Forderungen zu stellen. NS-Männer verhafteten ihn, verurteilten ihn standrechtlich und richteten ihn in der darauf folgenden Nacht auf dem Moltkeplatz hin.

1941: Kundgebung der HJ auf dem Moltkeplatz (heute: Dachauplatz). Foto: Stadt Regensburg
Für die katholische Kirche gilt Maier seit den ersten Nachkriegstagen als Märtyrer und Identifikationsfigur. Er sei den Opfertod gestorben, um die Stadt zu retten. Ein zweites Opfer war Michael Lottner. Er wurde schon vor der Erhängung des Dompredigers umgebracht und als Toter an den Galgen gesetzt. Auch Josef Zirkl fand an diesem 23. April den Tod durch Täter des NS-Regimes.
Der Tag der Opfer des Faschismus und der Dachauplatz
Simon-Pelanda erzählt, dass die amerikanische Militärverwaltung Gerhard Titze 1946 als Oberbürgermeister einsetzte. Auf Drängen von Opfern, die das NS-Regime überlebt hatten, führte der Regensburger Bürgermeister einen „Tag der Opfer des Faschismus“ ein – am 10. März 1946.
Außerdem benannte Titze den Moltkeplatz in Dachauplatz um. Der Name sei bewusst als Symbol gewählt worden. Dachau, das erste Konzentrationslager, die Terror-Zentrale des Reichs. Dachau, wo die meisten SS-Männer ausgebildet wurden.
Die Gedenkfeiern des 10. März als „Tag der Opfer des Faschismus“ endeten allerdings im Laufe der 1950er Jahre jäh. Warum – das könne er nicht mehr rekonstruieren, sagt Simon-Pelanda
Im November 1975 weihte der damalige Bischof Rudolf Graber zusammen mit OB Schlichtinger eine Stele auf dem Dachauplatz ein – zum Gedenken an Domprediger Maier, Michael Lottner und Josef Zirkl.

Die Einweihung der Stele mit dem Wappen von Bischof Buchberger durch OB Rudolf Schlichtinger im November 1975. Foto: Stadt Regensburg
Die Initative und ihre Forderung: Dachauplatz als zentraler Gedenkort
Zum Nachlesen
„Damit hat der Platz wenigstens ein Erinnerungszeichen. Hier sollte aber der Platz für alle sein“, bringt Hans Simon-Pelanda die Forderung seiner Initiative auf den Punkt. Und weiter sagt er: „Für uns gibt es keine Alternative zum gemeinsamen Gedenkort Dachauplatz.“
Helga Hanusa von Keine Bedienung für Nazis e.V. ergänzt, dass der Prozess der Gestaltung des Platzes mit breiter Bürgerbeteiligung erfolgen müsse.
„Es ist uns nicht gedient, wenn irgendjemand aus Berlin ein schönes Museum designt. Wenn wir selbst sehr viel Kompetenz in Regensburg haben“, so Hanusa. Die Stadt sei aufgefordert, zeitnah ein entsprechendes Konzept zu erarbeiten.

Helga Hanusa und Hans Simon-Pelanda sind Sprecher der Initiative. Foto: rr
Helga Hanusa und Hans Simon-Pelanda erzählen das am 20. Juli 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz im Colosseum in Stadtamhof. Dort stellten sie eine Initiative vor, sie steht unter dem Motto: Dachauplatz – am zentralen Gedenkort Erinnerung gestalten
Zusammen mit Organisationen wie Pax Christi, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft und Nachkommen von Opfern des Nationalsozialismus, wie Margit Schneider, appellieren sie an Stadtverwaltung, Politik und Bürgerschaft.
Endlich den Mantel des Schweigens lüften
Maria Schneider ist adrett gekleidet und akkurat frisiert. Bedächtig, aber bestimmt tritt sie ans Mikrofon im Colosseum:
„Ich bin die Enkelin von Johann Schindler, einem Mitglied der Neupfarrplatz-Gruppe. Meinem Großvater wurde das Abhören von Feindsendern vorgeworfen. Aus diesem Grund verhafteten ihn NS-Schergen im Jahre 1942.
Zusammen mit den anderen Mitgliedern der, von der Gestpao bezeichneten, Neupfarrplatz-Gruppe wurde er in einem Viehtransporter ins KZ Flossenbürg gebracht. Dort wurde er in der ersten Verhörnacht zu Tode gefoltert.
Mein Großvater wurde nur wenige Stunden nach seinem Tod im lagereigenen Krematorium verbrannt, um alle Spuren zu verwischen. Meine Großmutter musste mit dem Zug dorthin fahren, um die Urne mit der Asche ihres Mannes abzuholen.“
Zeit seines Lebens habe ihr Vater kein offenes Feuer ertragen – nicht einmal eine Kerze. Immer wenn es an der Haustür klingelte, zuckte er zusammen.

Die Unterstützer der Initiative vor dem Colosseum in Stadtamhof. Foto: rr
Doch er sprach mit niemandem darüber. Erst als man zur Neupfarrplatz-Gruppe forschte, öffnete er sich den Wissenschaftlern und seiner Familie. Sein Vater bekam einen Stolperstein und er schaffte es dadurch, besser mit der Vergangenheit umzugehen.
„Kriech, Vogel aus dem Bett und zieh dich an. Wir werden dir die Flügel schon stutzen!“
Auch Frank Wätzold und Martin Thema-Sattler erzählen die Geschichten ihrer Vorfahren. Um zu mahnen und um den dringenden Wunsch nach einem gemeinsamen Gedenkort am Dachauplatz zu unterstreichen. Martin Thema-Sattler liest aus einem Stenogramm seines Großvaters, dass dieser im Zuge seiner Verhaftung angefertigte:
„Die Aufregungen und teilweise Arbeitsüberlastung führten mich an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Da ich 39 Grad Fieber hatte, blieb ich Donnerstag im Bett. Um drei Uhr nachmittags und nach unserem freigebenden Verhör öffneten mir bekannte Gestapo-Gesichter, die Tür.
Zuerst durchwühlten sie alle meine Sachen, dann meinte einer: ‚Kriech, Vogel aus dem Bett und zieh dich an und wir werden dir die Flügel schon stutzen.‘“
An der Stelle endet das Stenogramm. Was sein Großvater in Dachau erlebte, weiß Thema-Sattler nicht. „Meine Familie leidet bis heute darunter.“
Sehen Oberbürgermeister, Rathauskoalition und Opposition Handlungsbedarf am Dachauplatz?
„Die Gedenk- und Erinnerungskultur ist für mich ein unglaublich wichtiges Anliegen – gerade in der heutigen Zeit“, antwortet OB Thomas Burger auf Nachfrage unsrer Redaktion. Die Stadt und das historische Museum seien bereits im Planungsprozess für einen zentralen Gedenkort.
Unabhängig davon sehe die Stadt den Bedarf, das Areal um das Mahnmal am Dachauplatz aufzuwerten. Konkrete Pläne gebe es dazu allerdings nicht.
Koalition ist weder für noch gegen Erinnern am Dachauplatz
SPD-Fraktionsvorsitzender Alexander Irmisch antwortet im Namen der Rathauskoalition .Als Koalition begrüße man die Initiative. Man freue sich auf einen transparenten Austausch mit Angehörigen von Verfolgten des Nationalsozialismus und langjährigen Aktivisten.
„An dessen Ende soll nicht nur ein weiteres Gedenkzeichen, sondern ein lebendiger Ort des Erinnerns stehen.“
Die Brücke schert aus
Nur eine Fraktion der Koalition gibt eine eigenes Statement ab – die Brücke.
Sie begrüße den Vorstoß der Initiative ausdrücklich. Und fordert, zügig die Zusammenarbeit zwischen Stadt, Kirchen, Zivilgesellschaft und den Initiatoren zu beginnen.
„Deshalb gehen wir davon aus, dass es kurzfristig Kontakte zwischen der Stabsstelle Erinnerungskultur bei der Stadt Regensburg und den Initiatoren geben wird“, antwortet Fraktionsvorsitzender Joachim Wolbergs.
Das sagen die Christsozialen und die Linken
Für die CSU ist der Dachauplatz schon der zentrale Gedenkort für die NS-Zeit in Regensburg. Manche der umliegenden Gebäude trügen bereits entsprechende Hinweistafeln. Sie zu modernisieren oder digitalisieren, halte man für sinnvoll.
Einen kompletten Umbau des 2015 neugestalteten Platzes sehe man finanziell zunächst kritisch – mache dies aber von der konkreten Idee abhängig, die umgesetzt werden solle, so Fraktionschef Michael Lehner.
„Wir begrüßen die Idee, gemeinsam zu erinnern“, schreibt Sebastian Wanner von der Linkspartei. Das Erinnern müsse aber auch in Handeln übergehen. Die Stadt müsse zusätzliche Orte historisch erklären und kennzeichnen und Straßen mit NS-Bezug umbenennen.
Ein Appell an die Bürger
Helga Hanusa und Hans Simon-Pelanda sitzen auf dem Podium und schließen eine bewegte Pressekonferenz mit einem Appell:
„Deswegen unser Aufruf an alle Regensburger Bürgerinnen und Bürger. Wenn es euch das wert ist, dann rührt euch. Unterschreibt für den Dachauplatz und wir übergeben es der Stadt.“
Während sie sprechen rauscht auf dem Dachauplatz der Verkehr. Busse kommen und gehen, Menschen holen Burger. Fast niemand bleibt stehen. Genau das will die Initiative ändern.


Daniel
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Es ist ein wenig das Problem, dass wenn alles zubetoniert wird mit Gedenkstätten im Grunde eine Gedenkinflation stattfindet und all das kaum noch wahrgenommen wird. Das Grauen verliert so ein bisschen seinen Schrecken und wird zum Alltag, zumindest in der Wahrnehmung davon was war. Alleine wie unfassbar viele Außenlager des KZ Flossenbürgs es gab, all die Gedenksteine und Tafeln, dazu Flossenbürg selbst oder all die vergleichbaren Lager, die mittlerweile zu regelrechten Museen ausgebaut wurden und da eine Gedenkindustrie heranwuchs, wo Schulbusse aus allen Richtungen ankommen, die Orte mit allerlei Unterhaltsprogrammen zu Escape Rooms werden. Das ist doch im Grunde schon total absurd. Derweil geht uns bei der Unterstützung der Überlebenden und ihren Nachfahren kein Fünferl aus, gerade wenn sie immer noch verfolgt werden.
Jakob Friedl
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Liebe RD-Redaktion: Bitte verlinkt den konkreten Aufruf der Initiative im Artikel, damit diesen noch möglichst viele lesen und unterzeichnen können.
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Ich kann es mir nicht verkneifen, die belanglose Umgestaltung des Dachauplatzes im Sinne der Aufenthaltsqualität, beschäftigt mich schon viele Jahre. Ich habe sie von Anfang an mit Kunstaktionen und Textarbeit begleitet.
2014: KEP`f in der Dusche des bereits zum Abriss vorgesehenen Dachauplatzbrunnens: http://europabrunnendeckel.de/?p=3028#dachauplatzbrunnen
Die Stadt war dazu eingeladen den Dachauplatz und das flache Brunnenbecken im Vorfeld einer Ausschreibung im Sinne der Erinnerungskultur mit wechselnden Ausstellungen künstlerisch zu erforschen um eine geeignete Aufgabenstellung für die Neugestaltung oder Weiterentwicklung zu finden. Keine Chance.
Artikelüberschrift: “360 Grad: Rundherum nur Nationalsozialismus.”
Lesens- und betrachtenswert ist in diesem Zusammenhang der Text
der Folien in den Bushäuschen 2015, durch die die belanglosen Zeichen des Platzes im Sinne der Erinnerungsarbeit abgeglichen werden konnten: http://europabrunnendeckel.de/?p=5018
Ein Brunnen ohne Wasser, Rohre, Winkel, Wimpel und Kunstmesse ohne Message. “Dachauplatz Erinnerung Gestalten” Eine Aktion von meiner Mutter Helga Hanusa und mir. Grafik: Anna Artmann.
23. April 2016 Rollraseneinweihung: “Misstraut den Grünflächen”
http://europabrunnendeckel.de/?p=5365
In dem Beet neben der Gedenkstehle für die drei Toten des 23. April Namen von Menschen, die über das Polizeipräsidium im Minoritenweg nach Dachau eingewiesen wurden. Bereits im Juli 1933 waren es 200.
Zuletzt war im Juni im Vorfeld der Ausschreibung zum bundesweiten
Realisierungswettbewerb an der letzten verbliebenen Brunnenwand zu sehen: „SEI STILL, SONST KOMMST DU NACH DACHAU”. Entlang der Chlornasen, die im Laufe der 4 Jahrzehnte dort entstanden waren, verlief diese schaurig verlaufende Schwefelsäuregrundierung für ein buntes Straßenmalkreidegraffitto, das jedoch in Rekordtempo grau-grün überpinselt wurde. Seit diesem Tag präsentierte sich der Restdachauplatzbrunnen mit Blumeneumeln geschmückt.
Da es trotz verschiedentlicher Bemühungen keine Genehmigungen gab, waren alle Kunstaktionen unangemeldet und damit illegal.
Regensburg musste schöner werden. Am 16. August 2016 hat die Stadt einen bundesweiten offenen zweistufigen Realisierungswettbewerb für einen Neubau des Dachauplatz-Brunnen (! siehe
Ausschreibung !) ausgelobt: http://europabrunnendeckel.de/download/Dachauplatz_Preisverleihung/dachauplatz-brunnen-auslobungstext.pdf
Ein Bezug der Brunnengestaltung zur Gedenkkultur an die Gräueltaten des Nationalsozialismus ist nicht obligat. Ziel der Maßnahme war die Steigerung der Aufenthalts- und Gestaltqualität und damit die Schaffung eines Ortes der Begegnung und Erholung. Der neue Brunnen sollte der Stadtgestaltung und der Aufenthaltsqualität dienen sowie das Kleinklima auf dem Platz verbessern. Geschichtlich ist am Dachauplatz so ziemlich alles interessant außer seine Lage als Exerzierplatz im Machtzentrum des NS: Technisches Rathaus, Polizei – später Gestapo Arbeitsamt, Nordgaumuseum, Gesundheitsamt, Finanzamt, NSDAP-Zentrale: Steinzeit, Römer, Mittelalter, Parkhaus.
Heraus kam dann wie bestellt das Weltkulturerbezeichen “Fontana Regina! Eine Kollonade aus Wasser und Licht, die erwartbar noch nie richtig funktioniert hat, da die Vorschaltelektronik in den Säulen selbst verbaut war. Jetzt leuchtet nichts mehr. http://europabrunnendeckel.de/download/Dachauplatz_Preisverleihung/Versuch_Dachauplatz_Artikel_nie_erschienen_darum_ueberlang.pdf
In dem Artikel wird auch auf die Stehle von Richard Triebe eingegangen, die im Zuge der Dachauplatzneugestaltung von der Stadt zum „Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus“ erklärt wurde. Ein kontextloser Erinnerungsquadratmeter. Der Text fordert letztlich eine bedeutsame Herangehensweise an den Dachauplatz ein. Sehr lesenswert.
Hier noch mein Nachbau “Fontana Dachauia” im Rahmen der Broken Boll Ausstellung im Neuen Kunstverein 2023: https://ribisl.org/re-represent-walter-boll/#Fontana_Dachauia Blinkende Leuchtskulptur im Video: https://www.youtube.com/watch?v=3Rq_VNUvpoc und hier Fontana Dachauia im Museum Folkwangen im Rahmen der Ausstellung „Regenbogen Präludium Nocturnal” der der anonymen Künstlergruppe „Arquus“: https://ribisl.org/wp-content/uploads/2023/12/DSC01715-1-768×1024.jpg
Vor dem Historischen Museum stehen schon verschiedene Säulen. Der Säulenstumpf “Fontana Dachauia” könnte gut 200 Namen im Foyer beleuchten…
Roman Serlitzky
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Ich frage mich, was gegenüber dem heutigen Zustand konkret verändert werden soll. Der Dachauplatz wurde 2015 bereits unter Einbeziehung der Erinnerungskultur neugestaltet und verfügt über ein Mahnmal. Deshalb erschließt sich mir die Forderung nach einem „zentralen Gedenkort“ nicht ohne Weiteres.
Welche konkreten baulichen oder inhaltlichen Maßnahmen sind geplant? Worin besteht der Mehrwert gegenüber der bestehenden Situation? Und wie soll dadurch das Gedenken tatsächlich verbessert werden?
Bevor über eine erneute Umgestaltung diskutiert wird, sollte die Initiative zunächst nachvollziehbar erklären, was am heutigen Zustand aus ihrer Sicht nicht funktioniert und welche konkreten Verbesserungen sie erreichen möchte. Erst dann lässt sich eine solche Forderung sachlich bewerten.
Jakob Friedl
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@ Roman Serlitzky “[…] Der Dachauplatz wurde 2015 bereits unter Einbeziehung der Erinnerungskultur neugestaltet […]” Das ist leider falsch. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall! Progressive Erinnerungsarbeit spielte bei der Ausschreibung 2016 keine Rolle, war “obsolet”, zivilgesellschaftliche Expertise wurde zu keinem Zeitrpunkt eingeholt. Die Expertenkommion wurde nicht gehört.
Sie fragen in Bezuig auf die aktuelle Initiative ausserdem danach welche konkreten baulichen oder inhaltlichen Maßnahmen geplant wären, worin der Mehrwert gegenüber der bestehenden Situation bestünde und wie dadurch das Gedenken tatsächlich verbessert werden würde?
Die Initiative schreibt dazu in Ihrer Pressemitteilung: “[…] Der Platz soll zu einem würdigen Gedenkort umgestaltet werden, mit der bestehenden Stele und so, dass alle Opfer einbezogen werden. Begegnungsräume, ein Infosystem zu allen Gedenk- und Erinnerungsorten in der Stadt sollten sich in den umliegenden städtischen Gebäuden finden lassen. Zudem werden mit der Neukonzeption des Historischen Museums am Dachauplatz die Verbrechen des Nazi-Regimes mit Vor- und Nachgeschichte dokumentiert.[…] Ich finde den Ansatz der Inititiative sehr gut, die mit Nachkommen der Opfern deren Leidensgeschichten zu beleuchtet um greifbar zu machen was der Dachauplatz bedeutet und wo er sich befindet. Ausgehend vom Dachauplatz sollten unbeding an verschiedenen Orten Ausstellungsflächen und Informationszugänge z.B. in das städtische Archiv geschaffen werden, z.B. auch im Rathaus. Bitte schauen sie sich einmal die Tafel am Polizeipräsidium an. Genügen ihnen diese Informationen um Zusammenhänge zu verstehen?
Zum Bedeutungshorizont der Gedenkstehle können Sie den Artikel oder auch meine Ausführungen im oben Verlinkten PDF aus dem Jahr 2016 lesen in dem ich auch Abschließend etwas zu einer wünschenswerten Entwicklung des Dachauplatzes geschrieben habe. Hier meine Meinung zum Thema von 2016 – heute steht die Neukonzeption des historischen Museums an: “[…] Der “Dachauplatz” muss wieder zum Dachauplatz werden! Das geht nicht, ohne sich dessen Bedeutung zu vergewissern. Am 23. April wird in Regensburg nicht nur der Opfer vom 23. April und des für Regensburgs Bausubstanz glimpflich verlaufenen Kriegsendes gedacht, sondern auch der Befreiung vom Nationalsozialismus. Erinnert wird an die Todesmärsche, das KZ-Außenlager im Colosseum in Stadtamhof, an die verfolgten Kommunisten und Sozialdemokraten, an die jüdischen Opfer und an die vom Neupfarrplatz, an die Sinti und Roma, an die Homosexuellen und an die “Bibelforscher” und an die vielen weiteren Opfer. Es sind nicht nur Regensburger unterschiedlicher politischer Richtungen sondern auch Angehörige der Opfergruppen, die sich am 23. April seit Jahrzehnten zusammenfinden. http://www.regensburg-digital.de/erinnern-ist-auftrag-fuer-unser-heutiges-handeln/23042016/
Wird der Dachauplatz in Zukunft ein Ort sein, der diese hervorragende Regensburger Errungenschaft glaubhaft machen wird, auch das ganze Jahr über? Dazu bedarf es an dieser Stelle keines abschreckenden Denkmals aus Tonnen von Eisen und Granit oder Beton, aber es wird ein Ort sein müssen, der für lebendiges Denken und kreative Aktion offen ist. Belanglos darf er keinesfalls sein. Fontana Regina kann Raum für weitere Erinnerungszeichen schaffen, in dem die Bedeutung der alten,wenig sagenden, Gedenkrelikte durch Formensprache und Konstellation ins Verhältnis gesetzt wird.
Mehr Aufenthaltsqualität und ungezwungenes öffentliches Leben stehen nicht in einem Widerspruch zu einer lebendigen Gedenkkultur. Auf diesem belebten Platz neben dem Rathaus muss jedem ein positiver Zugang zu Gedenken, Geschichtsforschung und auch aktueller Stadtpolitik ermöglicht werden. Der Zugang zu Informationen ist dabei ebenso wichtig wie die sichtbare Information, dass man sich auf dem Dachauplatz vor dem Rathaus befindet, und die Möglichkeit, den Platz als solchen zu betrachten. Die Zeichen des Platzes müssen gelesen und in ihrer Unvollständigkeit verstanden werden können. Es erscheint sinnvoll, geeignete Formen des Gedenkens in der Öffentlichkeit auch temporär und prozessorientiert zu erproben. Beginnen könnte man beispielsweise mit einer
Leihbibliothek im Imbiss-Kiosk, mit Ansichtsexemplaren von interessanten Büchern, die parallel dazu auch in der Stadtbibliothek erhältlich sind, Folien, einem interaktiven Ticketautomaten und einem virtuellem Zugang zum Stadtarchiv. Einen „Gedenkzwang“ allerdings sollte es in diesem besonderen öffentlichen Raum nicht geben, sondern Raum für Auseinandersetzung, Kunst und Kultur. Es ist zu hoffen, dass Initiativen und Anregungen vom Runden Tisch „Gedenk- und Erinnerungskultur zur NS-Zeit“ hierzu eine breitere öffentliche Debatte in Gang bringen. Auf dem Parkhaus steht derweil in Leuchtschrift weiterhin „Dachauplatz“.[…]”
nixda
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Domprediger maier wurde dort erhängt.
Es gibt sicher ein Foto.
Das in 2x1m dort aufgestellt, wird mit Sicherheit Aufmerksamkeit erregen-jeden Tag.
Auch bei den Jugendlichen
BvG
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Es bleibt in diesem Beitrag nebulös, was für eine Umgestaltung des Dachauplatzes eigentlich gefordert wird. Kein Wunder, dass die Politik da vorsichtig bleibt.
Wenn ringsum so viel NS-Architektur an die finsteren 12 Jahre erinnert (Warum wird das NS-Rathaus nicht erwähnt?) und zusätzlich noch eine Gedenkstele – was soll dann noch zusätzlich kommen, um an die NS-Zeit zu erinnern, und warum? Zubauen dieses Platzes ist keine Option – die Altstadt verträgt keine Nachverdichtung.
Das Altstadtbild verkommt übrigens nicht nur am Dachauplatz, dort ist nicht mal ein besonderer Brennpunkt.
Günther Herzig
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@nixda
24. Juli 2026 um 14:54 | #
Ich glaube, da war früher, vielleicht auch jetzt noch, eine Gedenktafel am nächsten Haus. Jedenfalls kannte ich als Schüler in den 50er Jahren bereits diese Geschichte. Damals war der Dachauplatz der Ort an dem der Omnibus hielt, für Schüler und Erwachsene aus dem Landkreis die in Regensburg arbeiteten, ankamen oder wieder abfuhren. Das Gedenken an diese Zeit ist wichtig, Das ist jetzt über 80 Jahre her. Wenn man bedenkt, dass sich kaum mehr als 1 % der Nazis nach dem Krieg in Strafverfahren rechtfertigen mussten, wusste auch so die Mehrheit der Regensburger Bevölkerung, was passiert war. Das Verbrechen des Dompredigers Maier bestand darin von der Nazi-Verwaltung zu erbitten die Stadt an die anrückenden Amerikaner zu übergeben, um die Bombardierung zur vermeiden. Es gibt auch jetzt noch genügend Zeitzeugen, die Anlass hätten sich ihrer Vergangenheit zu schämen,
Thilo B.
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Man kann den Dachauplatz zupflastern mit Mahnmalen. Man kann ihn aber auch so belassen, wie er ist und damit Raum freihalten für “fliegende Ausstellungen”.
idefix
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Wenn man den Dachauplatz schon zu einem zentralen Gedenkort umwandeln will, müsste man dies in gleicher Weise für den Neupfarrplatz tun. Dort wurde die mittelalterliche Judenstadt samt der Synagoge dem Erdboden gleichgemacht und die jüdischen Mitbürger vertrieben oder getötet. Der gesamte Rat der Stadt, die Kirche und die damaligen Stadtgesellschaft hat dieses Verbrechen fanatisch unterstützt. Dieses Unrecht wurde durch die Ausgrabungen der Reste der Judenstadt in den 90-iger Jahren wieder sichtbar gemacht, aber ist heute in der Bevölkerung nicht mehr präsent. Wer interessiert sich schon für das unterirdischen Dokumentationszentrum am Neupfarrplatz und wer weiß um die Bedeutung des Kunstwerkes von Dani Karavan über den Resten der mittelalterlichen Synagoge? Dafür wurde viel Geld ausgegeben, ohne dass beide Investitionen nachhaltig auf das geschichtliche Bewusstsein der Regensburger Bürger wirken. Ihnen sind die Events auf dem Neupfarrplatz wichtiger.
Dani Karavan wollte damals bewusst sein Kunstwerk am Neupfarrplatz nicht als Mahnmal oder Gedenkort für das Unrecht in der Vergangenheit sehen. Es sollte ein Ort der Begegnung werden. Seine Kunstwerke, die er weltweit geschaffen hat, klagen nicht an, sondern erinnern an das Leid, das Menschen zwar in der Vergangenheit anderen zugefügt haben. Gleichzeitig spannen sie aber hoffnungsvoll den Bogen zu einem versöhnenden friedlichen Zusammenleben in der Begegnung miteinander. Er wollte als überzeugter Humanist und Versöhner, dessen Verwandte im dritten Reich getötet wurden, nicht, dass die nachfolgenden Generationen ständig schuldbewusst im Bußhemd umherlaufen müssen. Denn dies bewirkt oftmals gerade das Gegenteil von Verständnis für vergangenes Unrecht. Es macht aggressiv und konfrontativ. Aber das menschliche Miteinander in der Begegnung und der Respekt füreinander war Dani Karavan für die Zukunft wichtiger. Daran fehlt es in der heutigen Zeit, weil die Polarisierung und Ideologisierung der Gesellschaft zunehmen.
Die Gedanken von Dani Karavan sollte man sich als Vorbild nehmen. Eine Inflation von Gedenkstätten bedeutet noch lange nicht, dass die Welt friedlicher wird und die Menschen besser werden. Jeder Mensch trägt durch sein Verhalten und seine Entscheidungen (Wahl!) die Verantwortung, ob das Zusammenleben der Menschen friedlicher bleibt oder nicht. Die Grundlagen dafür werden in den Familien gelegt und nicht durch den Besuch von Gedenkstätten an jeder Ecke.
Der sich den Wolf schreibt
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@ Idefix 26. Juli 2026 um 13:45
Offensichtlich haben Erinnerungskultur, Erlebnis und -Begegnungsräume sowie die klimagerechte, ökologische Gestaltung, öffentlicher Räume in Regensburg nicht die höchste Priorität.
Welche Ziele hat man in der Regensburger Altstadt? Soll die Stadt Düsseldorf mit der sprichwörtlich „längsten Theke der Welt“ (260 Kneipen, Restaurants, Bars), auf einem halben Quadratkilometer oder die Drosselgasse in Rüdesheim, mit ihren Lauben und der 110m langen (Pedestrian street), übertroffen werden? Dem Geruch von Fritteusen, Grillstationen und Coffeeshops, alle drei Meter nach, ist das so.
Zum Jammern auf hohem Niveau über höhere Freisitzgebühren im öffentlichen Raum durch die zunehmenden Trendgastronomen mit „Calimero-Syndrom“ in Regensburg:
Solange um jedes „Bistrotischchen“ gerungen wird, kann es nicht so schlimm sein.
Der Lebensraum für Altstadtbewohner und Geschäftebetreiber wird durch diesen Overtourismus empfindlich beeinträchtigt.
Das schadet der Stadt mehr, als es ihr nützt!
Manfred S.
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@Jakob Friedl – Es geht doch seit 2015 nicht darum, die Erinnerungskultur zu stärken. Vielmehr wollen sich hier Künstler verewigen, auf Kosten der Stadt. Erinnerungskultur ist doch nur Mittel zum Zweck.
Informationen gibts im Internet, und zwar sehr gute, von der Stadt selbst. Da brauch ich weder Kunst noch Schautafeln am Dachauplatz.
Jakob Friedl
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@Manfred S
Meine nichtautorisierten künstlerischen Interventionen am Dachauplatz waren seit 2015 temporärer und inhaltlicher Natur und haben der Stadt keinen einzigen Cent gekostet. Ich handle als Künstler selbstbeauftragt.
Der frühere Moltkeplatz lag im Zentrum der NS-(Stadt)Verwaltung. Am heutigen Dachauplatz sollten räumliche Bezüge hergestellt, niederschwellig Zugänge zu Informationen (Archiv(e), Forschungen der Uni, Museum, Stolpersteine, Bücherregal kuratiert von der Stadtbücherei, Vorträge, Veranstaltungen…) verortet und Erinnerungsarbeit im öffentlichen Raum gestaltet werden.
Die bisherigen Bemühungen Erinnerungs- und Bildungsarbeit für Bürger*innen, Gäste und nachfolgende Generationen am Dachauplatz zu gestalten waren leider bis heute fruchtlos.
Bisher befindet sich am Dachauplatz lediglich eine Stehle, die kaum wahrnehmbar nur an die drei Opfer des letzten Kriegstags erinnert.
Die zivilgesellschaftliche Inititiative verdeutlicht die Mechanismen der Regensburger NS-Verwaltung rund um den Dachauplatz anhand der individuellen Leidensgeschichten widerständiger Personen, die zu Opfern wurden. Ermordet oder schwer traumatisiert. Erstunterzeichner*innen des Aufrufs sind deren Nachkommen.
Manfred S.
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@Jakob Friedl: Was spricht dagegen, diese Informationen ebenfalls ausführlich im Internet bereitzustellen? Ggf. mit Links zu Quellen.
Jakob Friedl
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@Manfred S.: Nichts – wie kommen Sie darauf dass da etwas dagegen sprechen könnte? Zugänge zur Erinnerungsarbeit in öffentlichen Räumen zu schaffen ist doch Sinn der Innitiative.
Manfred S.
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Wozu müsste man dann noch den Dachauplatz umbauen/erweitern?🤔
Burgweintinger
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Mensch Mane, das eine schließt doch das andere nicht aus…
Manfred S.
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Aber Hallo! Das eine kostet viel Geld. Das andere im Vergleich dazu nichts.